Zwei verschiedene Radschnellweg-Routen durch Minden sollen in Machbarkeitsstudie geprüft werden Schneller an der Weser oder durchs Glacis? Von Jan Henning Rogge Minden (mt). Ob der Fahrradschnellweg von Minden nach Herford tatsächlich kommt - das weiß im Moment noch niemand. Burkhard Witte vom ADFC und Horst Spreckelmeyer von den Weserfreunden sind schon lange an der Planung beteiligt. Beide wollen ihn - doch über die Trasse haben sie verschiedene Ansichten. Von Minden nach Herford soll er führen. Vier Meter breit, in den Städten beleuchtet, möglichst ohne Kreuzungen und Steigungen - so ein Weg ist ein Paradies für Radfahrer. Bei einem Landeswettbewerb konnte das Konzept für den Radschnellweg Minden-Herford im November die Jury überzeugen (das MT berichtete). Das Land NRW finanziert nun eine Machbarkeitsstudie, um zu prüfen, ob der Schnellweg finanzierbar ist.Burkhardt Witte, Vorsitzender des ADFC Minden-Bad Oeynhausen, setzt große Hoffnung in die Studie. "Vermutlich wird kaum jemand auf der gesamten Strecke unterwegs sein. Uns geht es aber um die Verbesserung für die Alltagsradfahrer", sagt er. Denn zwischen den einzelnen Etappen, etwa Minden und Porta, pendeln täglich tausende Menschen. Eine bessere Radweg-Infrastruktur könnte viele davon aufs Rad bringen - staufrei und ohne Parkplatzsuche.Auch innerhalb der Städte könnten die breiten kreuzungsfreien Radwege vielleicht den Einen oder Anderen umdenken lassen. Denn die Realität schreckt derzeit eher ab. Etwa 2.80 Meter breit sind zum Beispiel die Rad- und Fußwege im Simeons- und Königsglacis - etwa die Hälfte einer Tempo-30-Straße. Zu Schulbeginn und -ende sind die Wege überfüllt. Begegnen sich hier Radfahrer, wird es eng. Kommt ein Fußgänger dazu, landet einer der Verkehrsteilnehmer im Matsch. Burkhardt Witte könnte sich vorstellen, diese Probleme mit dem Neubau des Radschnellweges zu lösen.Doch während es über die Streckenführung zwischen den Städten kaum Diskussionen gibt, sind in Minden mehrere Routen denkbar. Durchs Glacis, am Glacis entlang oder doch lieber an der Weser? Und ist es überhaupt möglich, die Strecken durchs Glacis auszubauen? Gegenüber dem MT haben sich bereits die Glacisfreunde zu Wort gemeldet und ihren Widerstand bekundet.Gute Argumente für Routenführung am UferVon Todtenhausen bis zum Ortsausgang am Weserradweg Richtung Porta soll die Strecke führen. An der Planung von Anfang an beteiligt waren neben dem ADFC auch die Weserfreunde. Beide betonen, dass sie an einem Strang ziehen, was das Konzept angeht - bei der Etappe durch Minden haben sie jedoch verschiedene Auffassungen. Horst Spreckelmeyer vom Vereinsvorstand der Weserfreunde hat gute Argumente für die Routenführung direkt am Ufer entlang. "Die Vorgaben für den Radschnellweg fordern eine kreuzungsfreie und flache Strecke - das ist am Weserufer gegeben."Im Bereich der Promenade müsste der Weg allerdings im Glacis verlaufen, um Fußgänger und Erholungssuchende nicht zu stören. Die landschaftlich schöne Strecke ist für ihn ein weiteres Argument: "Gerade für Pendler im Alltagsverkehr ist der Weg an der Weser entlang entspannend. Eine andere Strecke wäre außerdem zwangsläufig teurer."ADFC-Vorsitzender Witte sieht das etwas anders. "Uns ist wichtig, das Radfahrer bei ihren alltäglichen Wegen eine gute Verbindung haben." Die westliche Route führt in der Nähe der Berufsschulen und der weiterführenden Schulen im Glacis entlang. Von hier aus ist es nur ein kurzes Stück ins Zentrum. "Wir würden deshalb gerne die Trasse sehen, die durch die Stadt geht."Bestehende Strecken wie die durchs Glacis könnten ausgebaut werden. Auf der ehemaligen Bahntrasse könnte der Radweg Richtung Todtenhausen geführt werden. "Schwierig wird es an der Kreuzung mit der Ringstraße" , erklärt der ADFC-Vorsitzende. Eine Unterführung auf Höhe der Fachhochschule an der Artilleriestraße wäre wünschenswert, aber teuer. Eine radfahrerfreundlichere Ampelschaltung wäre hier eine Alternative.Beide Varianten unter die Lupe genommenIn der Machbarkeitsstudie werden beide Varianten unter die Lupe genommen. Für Burkhard Witte und Horst Spreckelmeyer ist es das wichtigste, dass der Radschnellweg überhaut kommt. "Es wird ja nicht weniger mit den Fahrradfahrern. Von Minden nach Petershagen oder Porta ist mit einem E-Bike ja überhaupt kein Problem mehr", sagt Spreckelmeyer. Und Witte ergänzt. "Wir hoffen, dass der Radschnellweg kommt. Aber alleine die Diskussion darüber insgesamt hilft uns schon weiter."

Zwei verschiedene Radschnellweg-Routen durch Minden sollen in Machbarkeitsstudie geprüft werden

Minden (mt). Ob der Fahrradschnellweg von Minden nach Herford tatsächlich kommt - das weiß im Moment noch niemand. Burkhard Witte vom ADFC und Horst Spreckelmeyer von den Weserfreunden sind schon lange an der Planung beteiligt. Beide wollen ihn - doch über die Trasse haben sie verschiedene Ansichten.

So könnte ein Radschnellweg aussehen - hier ein Beispiel aus den Niederlanden während des Berufsverkehrs. Planungen für Minden gibt es bereits seit einiger Zeit. - © Foto: Ulrich Kalle / ADFC NRW / Karte: Alexander Hoffmann
So könnte ein Radschnellweg aussehen - hier ein Beispiel aus den Niederlanden während des Berufsverkehrs. Planungen für Minden gibt es bereits seit einiger Zeit. - © Foto: Ulrich Kalle / ADFC NRW / Karte: Alexander Hoffmann

Von Minden nach Herford soll er führen. Vier Meter breit, in den Städten beleuchtet, möglichst ohne Kreuzungen und Steigungen - so ein Weg ist ein Paradies für Radfahrer. Bei einem Landeswettbewerb konnte das Konzept für den Radschnellweg Minden-Herford im November die Jury überzeugen (das MT berichtete). Das Land NRW finanziert nun eine Machbarkeitsstudie, um zu prüfen, ob der Schnellweg finanzierbar ist.

Burkhardt Witte, Vorsitzender des ADFC Minden-Bad Oeynhausen, setzt große Hoffnung in die Studie. "Vermutlich wird kaum jemand auf der gesamten Strecke unterwegs sein. Uns geht es aber um die Verbesserung für die Alltagsradfahrer", sagt er. Denn zwischen den einzelnen Etappen, etwa Minden und Porta, pendeln täglich tausende Menschen. Eine bessere Radweg-Infrastruktur könnte viele davon aufs Rad bringen - staufrei und ohne Parkplatzsuche.

Auch innerhalb der Städte könnten die breiten kreuzungsfreien Radwege vielleicht den Einen oder Anderen umdenken lassen. Denn die Realität schreckt derzeit eher ab. Etwa 2.80 Meter breit sind zum Beispiel die Rad- und Fußwege im Simeons- und Königsglacis - etwa die Hälfte einer Tempo-30-Straße. Zu Schulbeginn und -ende sind die Wege überfüllt. Begegnen sich hier Radfahrer, wird es eng. Kommt ein Fußgänger dazu, landet einer der Verkehrsteilnehmer im Matsch. Burkhardt Witte könnte sich vorstellen, diese Probleme mit dem Neubau des Radschnellweges zu lösen.

Doch während es über die Streckenführung zwischen den Städten kaum Diskussionen gibt, sind in Minden mehrere Routen denkbar. Durchs Glacis, am Glacis entlang oder doch lieber an der Weser? Und ist es überhaupt möglich, die Strecken durchs Glacis auszubauen? Gegenüber dem MT haben sich bereits die Glacisfreunde zu Wort gemeldet und ihren Widerstand bekundet.

Gute Argumente für Routenführung am Ufer

Von Todtenhausen bis zum Ortsausgang am Weserradweg soll die Strecke führen.
Von Todtenhausen bis zum Ortsausgang am Weserradweg soll die Strecke führen.

Von Todtenhausen bis zum Ortsausgang am Weserradweg Richtung Porta soll die Strecke führen. An der Planung von Anfang an beteiligt waren neben dem ADFC auch die Weserfreunde. Beide betonen, dass sie an einem Strang ziehen, was das Konzept angeht - bei der Etappe durch Minden haben sie jedoch verschiedene Auffassungen. Horst Spreckelmeyer vom Vereinsvorstand der Weserfreunde hat gute Argumente für die Routenführung direkt am Ufer entlang. "Die Vorgaben für den Radschnellweg fordern eine kreuzungsfreie und flache Strecke - das ist am Weserufer gegeben."

Im Bereich der Promenade müsste der Weg allerdings im Glacis verlaufen, um Fußgänger und Erholungssuchende nicht zu stören. Die landschaftlich schöne Strecke ist für ihn ein weiteres Argument: "Gerade für Pendler im Alltagsverkehr ist der Weg an der Weser entlang entspannend. Eine andere Strecke wäre außerdem zwangsläufig teurer."

ADFC-Vorsitzender Witte sieht das etwas anders. "Uns ist wichtig, das Radfahrer bei ihren alltäglichen Wegen eine gute Verbindung haben." Die westliche Route führt in der Nähe der Berufsschulen und der weiterführenden Schulen im Glacis entlang. Von hier aus ist es nur ein kurzes Stück ins Zentrum. "Wir würden deshalb gerne die Trasse sehen, die durch die Stadt geht."

Bestehende Strecken wie die durchs Glacis könnten ausgebaut werden. Auf der ehemaligen Bahntrasse könnte der Radweg Richtung Todtenhausen geführt werden. "Schwierig wird es an der Kreuzung mit der Ringstraße" , erklärt der ADFC-Vorsitzende. Eine Unterführung auf Höhe der Fachhochschule an der Artilleriestraße wäre wünschenswert, aber teuer. Eine radfahrerfreundlichere Ampelschaltung wäre hier eine Alternative.

Beide Varianten unter die Lupe genommen

In der Machbarkeitsstudie werden beide Varianten unter die Lupe genommen. Für Burkhard Witte und Horst Spreckelmeyer ist es das wichtigste, dass der Radschnellweg überhaut kommt. "Es wird ja nicht weniger mit den Fahrradfahrern. Von Minden nach Petershagen oder Porta ist mit einem E-Bike ja überhaupt kein Problem mehr", sagt Spreckelmeyer. Und Witte ergänzt. "Wir hoffen, dass der Radschnellweg kommt. Aber alleine die Diskussion darüber insgesamt hilft uns schon weiter."

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