Zwei Reliquien im neuen Altar Weihbischof Manfred Grothe vollzieht Weihe des Anbetungsraumes im Mindener Dom Von Hans-Jürgen Amtage Minden (mt). 52 Jahre nach der Weihe des nach der Zerstörung durch Bomben wieder aufgebauten Mindener Domes ist am Wochenende ein weiterer Altar in dem Gotteshaus geweiht worden. In der ehemaligen Sakristei im Nordosten des Domes ist in den vergangenen Monaten eine Anbetungskapelle entstanden, in der Gläubige - abseits der Besucherströme - in Ruhe ihre Gebete sprechen können (MT vom 2. Dezember). Der Weihbischof und Domdechant des Metropolitankapitels von Paderborn, Manfred Grothe, nahm am Samstagmorgen bei einem Festgottesdienst die Weihe des in Veroneser Rot gehaltenen, modern gestalteten Altares und der kleinen Kapelle vor, deren Gestaltung vom Mindener Dombauverein finanziert wurde. Gläubige und Gäste, darunter Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl und Landrat Dr. Ralf Niermann, verfolgten die Weihe, die aus der kleinen Anbetungskapelle auf einer Großleinwand im Kirchenschiff übertragen wurde.Eine Altarweihe sei heutzutage ein seltener Akt, erinnerte Propst am Dom Roland Falkenhahn bei seiner Begrüßung an die zurzeit stattfindenden Zusammenlegungen von Gemeinden und Kirchenschließungen. Auch Weihbischof Manfred Grothe verwies auf den besonderen Anlass. Der 70-jährige Priester betonte, Menschen könnten überall beten: "Auf der Straße, im Wald, im Tätigkeitsfeld ihres Berufes." Doch es müssten auch Räume geschaffen werden, die ausschließlich dafür bestimmt seien, in denen das Gebet gesprochen und die Feier der Eucharistie durchgeführt werden könnten.Wenn dem Altar die Weihe mit gesegnetem Wasser gegeben würde, dann erinnere das auch an die Taufe, in der die Menschen in die Kirche aufgenommen würden, so Grothe. "Der Altar ist immer die Mitte. Von ihm bekommt der Raum seine Orientierung, Besucher der Kirche orientieren sich an ihm und der Altar steht für Jesus Christus."Kirche sei nicht einfach nur eine Organisation, die Menschen von sich aus gründeten, wie beispielsweise einen Verein, sagte der Weihbischof: "Sondern es ist eine durch Gott und Jesus Christus geförderte Gemeinschaft."Bei der eigentlichen Weihe besprengte der Paderborner Priester den Altar und die Kapelle mit Weihwasser und salbte den Altartisch mit dem aus Olivenöl und Balsamen bestehenden Chrisam. Höhepunkt bildete das Einsetzen von Reliquien der 1817 in Minden geborenen und 1985 seliggesprochenen Ordensgründerin der Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe, Pauline von Mallinckrodt, und des 2005 seliggesprochenen Kardinals Clemens August Graf von Galen.Der 1878 geborene von Galen trat als Bischof von Münster während der Nazizeit öffentlich gegen die Tötung des damals sogenannten "lebensunwerten Lebens" auf. Dabei gewannen besonders verschiedene Predigten des Bischofs im Jahr 1941 eine große Öffentlichkeit. Deren Inhalte wurden durch illegale Flugblätter und wenig später durch die Alliierten in Deutschland verbreitet. Im Rahmen des Seligsprechungsprozesses wurden außerdem Hinweise bekannt, wonach Graf von Galen in seiner damaligen Eigenschaft als Bischof von Münster Kontakte zu Widerstandskreisen unterhielt.Der Lebensstil und der Einsatz für hilfsbedürftige Menschen zeichne diese beiden Menschen aus, erklärte Manfred Grothe vor dem Einsetzen der Reliquien, die in einen kleinen Bleikasten eingelegt sind. Dieser ist mit einem roten Siegelband umbunden und dem Siegel des Paderborner Weihbischofs versehen. Sowohl Pauline von Mallinckrodt als auch Graf von Galen hätten sich für den Schutz und die Würdigung eines jeden Menschen eingesetzt.Die Altarweihe im Mindener Dom schloss mit einer heiligen Messe.

Zwei Reliquien im neuen Altar

Minden (mt). 52 Jahre nach der Weihe des nach der Zerstörung durch Bomben wieder aufgebauten Mindener Domes ist am Wochenende ein weiterer Altar in dem Gotteshaus geweiht worden.

Höhepunkt: Weihbischof Manfred Grothe setzte die Reliquien Pauline von Mallinckrodts und Graf von Galens in den Altar ein.
Höhepunkt: Weihbischof Manfred Grothe setzte die Reliquien Pauline von Mallinckrodts und Graf von Galens in den Altar ein.

In der ehemaligen Sakristei im Nordosten des Domes ist in den vergangenen Monaten eine Anbetungskapelle entstanden, in der Gläubige - abseits der Besucherströme - in Ruhe ihre Gebete sprechen können (MT vom 2. Dezember). Der Weihbischof und Domdechant des Metropolitankapitels von Paderborn, Manfred Grothe, nahm am Samstagmorgen bei einem Festgottesdienst die Weihe des in Veroneser Rot gehaltenen, modern gestalteten Altares und der kleinen Kapelle vor, deren Gestaltung vom Mindener Dombauverein finanziert wurde. Gläubige und Gäste, darunter Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl und Landrat Dr. Ralf Niermann, verfolgten die Weihe, die aus der kleinen Anbetungskapelle auf einer Großleinwand im Kirchenschiff übertragen wurde.

Feierlich: Weihbischof Manfred Grothe (Mitte) weihte die neue Anbetungskapelle im Mindener Dom. Propst am Dom Roland Falkenhahn (rechts) reichte ihm den kleinen Bleikasten mit den Reliquien. MT- - © Fotos: Manfred Otto
Feierlich: Weihbischof Manfred Grothe (Mitte) weihte die neue Anbetungskapelle im Mindener Dom. Propst am Dom Roland Falkenhahn (rechts) reichte ihm den kleinen Bleikasten mit den Reliquien. MT- - © Fotos: Manfred Otto

Eine Altarweihe sei heutzutage ein seltener Akt, erinnerte Propst am Dom Roland Falkenhahn bei seiner Begrüßung an die zurzeit stattfindenden Zusammenlegungen von Gemeinden und Kirchenschließungen. Auch Weihbischof Manfred Grothe verwies auf den besonderen Anlass. Der 70-jährige Priester betonte, Menschen könnten überall beten: "Auf der Straße, im Wald, im Tätigkeitsfeld ihres Berufes." Doch es müssten auch Räume geschaffen werden, die ausschließlich dafür bestimmt seien, in denen das Gebet gesprochen und die Feier der Eucharistie durchgeführt werden könnten.

Wenn dem Altar die Weihe mit gesegnetem Wasser gegeben würde, dann erinnere das auch an die Taufe, in der die Menschen in die Kirche aufgenommen würden, so Grothe. "Der Altar ist immer die Mitte. Von ihm bekommt der Raum seine Orientierung, Besucher der Kirche orientieren sich an ihm und der Altar steht für Jesus Christus."

Kirche sei nicht einfach nur eine Organisation, die Menschen von sich aus gründeten, wie beispielsweise einen Verein, sagte der Weihbischof: "Sondern es ist eine durch Gott und Jesus Christus geförderte Gemeinschaft."

Bei der eigentlichen Weihe besprengte der Paderborner Priester den Altar und die Kapelle mit Weihwasser und salbte den Altartisch mit dem aus Olivenöl und Balsamen bestehenden Chrisam. Höhepunkt bildete das Einsetzen von Reliquien der 1817 in Minden geborenen und 1985 seliggesprochenen Ordensgründerin der Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe, Pauline von Mallinckrodt, und des 2005 seliggesprochenen Kardinals Clemens August Graf von Galen.

Der 1878 geborene von Galen trat als Bischof von Münster während der Nazizeit öffentlich gegen die Tötung des damals sogenannten "lebensunwerten Lebens" auf. Dabei gewannen besonders verschiedene Predigten des Bischofs im Jahr 1941 eine große Öffentlichkeit. Deren Inhalte wurden durch illegale Flugblätter und wenig später durch die Alliierten in Deutschland verbreitet. Im Rahmen des Seligsprechungsprozesses wurden außerdem Hinweise bekannt, wonach Graf von Galen in seiner damaligen Eigenschaft als Bischof von Münster Kontakte zu Widerstandskreisen unterhielt.

Der Lebensstil und der Einsatz für hilfsbedürftige Menschen zeichne diese beiden Menschen aus, erklärte Manfred Grothe vor dem Einsetzen der Reliquien, die in einen kleinen Bleikasten eingelegt sind. Dieser ist mit einem roten Siegelband umbunden und dem Siegel des Paderborner Weihbischofs versehen. Sowohl Pauline von Mallinckrodt als auch Graf von Galen hätten sich für den Schutz und die Würdigung eines jeden Menschen eingesetzt.

Die Altarweihe im Mindener Dom schloss mit einer heiligen Messe.

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