Zugeflogen: Mindener findet verirrte Brieftaube im Garten - Experten wissen, was zu tun ist Fabian Terwey Minden. Die Überraschung war groß, als Wilfried Deerberg den zugeflogenen Gast in seinem Garten in Meißen entdeckte. Die zwei Ringe an den Beinen deuteten darauf hin, dass es sich um eine Brieftaube handelte. Geflogen sei sie nicht, bewegt habe sie sich auch nicht großartig, nur wenn der 88-jährige Mindener und seine Ehefrau versuchten, sie anzufassen, schreckte sie zurück. Was ist in solchen Fällen tun? Experten wissen Rat. „Die Taube saß im Gras oder auf unserer Terrasse unter der Bank", berichtet Wilfried Deerberg: „Wir haben ihr Wasser und ein paar Körner zum Fressen hingestellt." Seine Katze Rosi und die der Nachbarn habe der Rentner sicherheitshalber von der möglichen Beute ferngehalten. Der Petershäger Tauben-Experte Heinz Bulmahn rät beim Auffinden einer verirrten Brieftaube: „Über den Verband Deutscher Brieftaubenzüchter lässt sich online eine sogenannte Vertrauensperson vor Ort ermitteln." Dafür ist auf der Internetseite www.brieftaube.de lediglich die Postleitzahl des Fundortes einzugeben. Anschließend ploppen die zuständigen Vertrauenspersonen auf – mit Namen, Telefonnummer und Angabe der Entfernung vom Fundort. Alternativ gibt es eine kostenlose Service-Telefonnummer: (08 00) 372 00 76. „Das Netz ist flächendeckend. Ich fahre als Vertrauensperson 1.000 Kilometer im Jahr, um Tauben bei Privatleuten aus dem Garten abzuholen", berichtet Heinz Bulmahn. Anschließend ermittelt er den Züchter der Taube: „Normalerweise tragen die Tiere dafür einen Ring mit der Telefonnummer am Bein." Alternativ lässt sich die Zugehörigkeit über die Vereinsnummer, das angegebene Geburtsjahr und die laufende Nummer auf dem Ring am Bein der Taube ermitteln. „Wenn sich der Besitzer nicht finden lässt, bringe ich die Taube häufig zu ‚Allys Kleiner Farm‘." Der eingetragene Tierschutzverein aus Petershagen nehme die Tiere gerne auf. Die Vorsitzende Ally Salzmann kümmert sich gemeinsam mit einer angestellten Vollzeitkraft und einem Tierarzt auf dem Gnadenhof ehrenamtlich um hilfesuchende Tiere nahezu jeder Art: „Wir haben aktuell 1.500 Tauben bei uns in den Innen- und Außenvolieren. Das ist unser Spezialgebiet. Dafür sind wir bekannt. Privatpersonen können uns die Tiere, egal in welchem Zustand vorbeibringen. Handelt es sich um Brieftauben, versuchen wir, den Besitzer ausfindig zu machen." In den meisten Fällen wollten diese das Tier aber gar nicht zurückhaben: „Wenn die Taube orientierungslos ist, ist sie für den Züchter nicht mehr brauchbar. Wir behalten sie dann bei uns. Denn ich bringe es nicht übers Herz, sie einschläfern zu lassen." Neben verirrten Brieftauben, finden sich auf „Allys Kleiner Farm" laut Vorsitzender aber auch Beschlagnahmungen des Veterinäramts: „Wenn Tauben nicht artgerecht gehalten werden, kommen sie zu uns. Das können dann schonmal 400 Tiere auf einen Schlag sein." Wie die Brieftaube überhaupt erst in den Garten von Wilfried Deerberg gelangt sein könnte, dafür gibt es laut Experten mehrere Möglichkeiten. „Wenn Greifvögel in einen Schwarm von Tauben geraten, fliegen sie vor Schreck auseinander und teilweise bis sie nicht mehr können. Völlig erschöpft landen sie dann dort, wo es sie gerade hin verschlagen hat", erklärt Heinz Bulmahn. Der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass sich die Taube aber nicht immer verirrt haben muss. Gerade auf der Heimreise von einem Distanzflug könne es vorkommen, dass Tauben rasten und sich neu orientieren, ehe sie die Heimreise fortsetzen. Meist zögen sie nach einiger Zeit weiter; manchmal ließen sie sich auch gerne versorgen. Ein Leser dieser Zeitung wies zuletzt auf ein Video hin, das er auf der Internetplattform Youtube entdeckt hatte. Es zeigt drei Lkw auf Kanzlers Weide, aus denen etliche Tauben freigelassen werden. Ally Salzmann ordnet nach der Betrachtung ein: „Es ist üblich, dass Züchter ihre Tauben auf einen Lkw laden lassen, um sie für einen Wettkampf an einen Standort fahren zu lassen. Das scheint, hier der Fall zu sein. Der Züchter, dessen Taube zuerst am Zielort ankommt, hat gewonnen. Es geht dabei meistens um Geld. Verluste von Tauben sind da eingeplant. Es kommt häufig vor, dass sich eines dieser Tiere dann auch in einen Privatgarten verirrt. Es ist ein legales, aber trauriges Spiel. Denn die Tiere finden ohne den Menschen gar nicht mehr zurecht." Wie kann also eine Privatperson der zugeflogenen Taube im Garten helfen? Körner, Haferflocken oder ungekochten Reis als Stärkung hinzustellen, sei laut Heinz Bulmahn dann genau das Richtige: „Das Wichtigste ist aber Wasser." Um die Brieftaube festzusetzen, sei es das Beste einen Wäschekorb über das Tier zu stülpen, bis die Vertrauensperson zur Abholung kommt: „Denn anfassen lassen sich Brieftauben von fremden Personen nur ungern." Genau so wie es Wilfried Deerberg berichtete. Nachdem er die Taube zwischenzeitlich aus den Augen verloren hatte, konnte er sie anschließend nicht mehr in seinem Garten finden: „Plötzlich war sie weg." Wilfried Deerberg hofft, dass es seinem zeitweiligen Gast gut geht.

Zugeflogen: Mindener findet verirrte Brieftaube im Garten - Experten wissen, was zu tun ist

Vorschriftsmäßig: Diese Brieftaube trägt, wie Ally Salzmann vom Petershäger Gnadenhof „Allys kleiner Farm“ erklärt, einen Verbandsring am rechten Fuß und einen Telefonring am linken Fuß. Symbolfoto: Pixabay © Pixabay

Minden. Die Überraschung war groß, als Wilfried Deerberg den zugeflogenen Gast in seinem Garten in Meißen entdeckte. Die zwei Ringe an den Beinen deuteten darauf hin, dass es sich um eine Brieftaube handelte. Geflogen sei sie nicht, bewegt habe sie sich auch nicht großartig, nur wenn der 88-jährige Mindener und seine Ehefrau versuchten, sie anzufassen, schreckte sie zurück. Was ist in solchen Fällen tun? Experten wissen Rat.

„Die Taube saß im Gras oder auf unserer Terrasse unter der Bank", berichtet Wilfried Deerberg: „Wir haben ihr Wasser und ein paar Körner zum Fressen hingestellt." Seine Katze Rosi und die der Nachbarn habe der Rentner sicherheitshalber von der möglichen Beute ferngehalten.

Der Petershäger Tauben-Experte Heinz Bulmahn rät beim Auffinden einer verirrten Brieftaube: „Über den Verband Deutscher Brieftaubenzüchter lässt sich online eine sogenannte Vertrauensperson vor Ort ermitteln." Dafür ist auf der Internetseite www.brieftaube.de lediglich die Postleitzahl des Fundortes einzugeben. Anschließend ploppen die zuständigen Vertrauenspersonen auf – mit Namen, Telefonnummer und Angabe der Entfernung vom Fundort. Alternativ gibt es eine kostenlose Service-Telefonnummer: (08 00) 372 00 76.


„Das Netz ist flächendeckend. Ich fahre als Vertrauensperson 1.000 Kilometer im Jahr, um Tauben bei Privatleuten aus dem Garten abzuholen", berichtet Heinz Bulmahn. Anschließend ermittelt er den Züchter der Taube: „Normalerweise tragen die Tiere dafür einen Ring mit der Telefonnummer am Bein." Alternativ lässt sich die Zugehörigkeit über die Vereinsnummer, das angegebene Geburtsjahr und die laufende Nummer auf dem Ring am Bein der Taube ermitteln. „Wenn sich der Besitzer nicht finden lässt, bringe ich die Taube häufig zu ‚Allys Kleiner Farm‘." Der eingetragene Tierschutzverein aus Petershagen nehme die Tiere gerne auf.

Hier kommen auf "Allys kleiner Farm" unter anderem verirrte Brieftauben unter. - © privat
Hier kommen auf "Allys kleiner Farm" unter anderem verirrte Brieftauben unter. - © privat

Die Vorsitzende Ally Salzmann kümmert sich gemeinsam mit einer angestellten Vollzeitkraft und einem Tierarzt auf dem Gnadenhof ehrenamtlich um hilfesuchende Tiere nahezu jeder Art: „Wir haben aktuell 1.500 Tauben bei uns in den Innen- und Außenvolieren. Das ist unser Spezialgebiet. Dafür sind wir bekannt. Privatpersonen können uns die Tiere, egal in welchem Zustand vorbeibringen. Handelt es sich um Brieftauben, versuchen wir, den Besitzer ausfindig zu machen." In den meisten Fällen wollten diese das Tier aber gar nicht zurückhaben: „Wenn die Taube orientierungslos ist, ist sie für den Züchter nicht mehr brauchbar. Wir behalten sie dann bei uns. Denn ich bringe es nicht übers Herz, sie einschläfern zu lassen." Neben verirrten Brieftauben, finden sich auf „Allys Kleiner Farm" laut Vorsitzender aber auch Beschlagnahmungen des Veterinäramts: „Wenn Tauben nicht artgerecht gehalten werden, kommen sie zu uns. Das können dann schonmal 400 Tiere auf einen Schlag sein."

Eine der Vogelvolieren auf "Allys kleiner Farm", auf der verirrte Brieftauben ein neues Zuhause finden. - © privat
Eine der Vogelvolieren auf "Allys kleiner Farm", auf der verirrte Brieftauben ein neues Zuhause finden. - © privat

Wie die Brieftaube überhaupt erst in den Garten von Wilfried Deerberg gelangt sein könnte, dafür gibt es laut Experten mehrere Möglichkeiten. „Wenn Greifvögel in einen Schwarm von Tauben geraten, fliegen sie vor Schreck auseinander und teilweise bis sie nicht mehr können. Völlig erschöpft landen sie dann dort, wo es sie gerade hin verschlagen hat", erklärt Heinz Bulmahn. Der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass sich die Taube aber nicht immer verirrt haben muss. Gerade auf der Heimreise von einem Distanzflug könne es vorkommen, dass Tauben rasten und sich neu orientieren, ehe sie die Heimreise fortsetzen. Meist zögen sie nach einiger Zeit weiter; manchmal ließen sie sich auch gerne versorgen.

Ally Salzmann versorgt eine Taube auf "Allys kleiner Farm". - © privat
Ally Salzmann versorgt eine Taube auf "Allys kleiner Farm". - © privat

Ein Leser dieser Zeitung wies zuletzt auf ein Video hin, das er auf der Internetplattform Youtube entdeckt hatte. Es zeigt drei Lkw auf Kanzlers Weide, aus denen etliche Tauben freigelassen werden. Ally Salzmann ordnet nach der Betrachtung ein: „Es ist üblich, dass Züchter ihre Tauben auf einen Lkw laden lassen, um sie für einen Wettkampf an einen Standort fahren zu lassen. Das scheint, hier der Fall zu sein. Der Züchter, dessen Taube zuerst am Zielort ankommt, hat gewonnen. Es geht dabei meistens um Geld. Verluste von Tauben sind da eingeplant. Es kommt häufig vor, dass sich eines dieser Tiere dann auch in einen Privatgarten verirrt. Es ist ein legales, aber trauriges Spiel. Denn die Tiere finden ohne den Menschen gar nicht mehr zurecht."

Wie kann also eine Privatperson der zugeflogenen Taube im Garten helfen? Körner, Haferflocken oder ungekochten Reis als Stärkung hinzustellen, sei laut Heinz Bulmahn dann genau das Richtige: „Das Wichtigste ist aber Wasser." Um die Brieftaube festzusetzen, sei es das Beste einen Wäschekorb über das Tier zu stülpen, bis die Vertrauensperson zur Abholung kommt: „Denn anfassen lassen sich Brieftauben von fremden Personen nur ungern." Genau so wie es Wilfried Deerberg berichtete. Nachdem er die Taube zwischenzeitlich aus den Augen verloren hatte, konnte er sie anschließend nicht mehr in seinem Garten finden: „Plötzlich war sie weg." Wilfried Deerberg hofft, dass es seinem zeitweiligen Gast gut geht.

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