Zeitzeugen machen betroffen Liquidatoren-Schicksale ergänzen Tschernobyl-Ausstellung in der Waldorfschule Minden (mt/hn). Großen Anklang findet die Ausstellung "25 Jahre nach Tschernobyl" in der Waldorfschule Minden, die durch dramatische Lebensgeschichten von Zeitzeugen, sogenannte Liquidatoren, die Betrachter persönlich betroffen macht. In der Auftaktveranstaltung wies Hartmut Karge, Gründer der Mindener Tschernobylkinderhilfe, vor 200 Schülern und zahlreichen erwachsenen Besuchern und Repräsentanten der örtlichen Verbände, die mit Menschen aus Osteuropa, besonders aus Weißrussland und der Ukraine, Beziehungen unterhalten, darauf hin, dass die Atomtechnologie nur etwas für Menschen ohne Fehler sei, aber fehlerfreie Menschen gebe es nicht.Kurt Hüffelmann, Vorsitzender des Osteuropavereins, verlas im Namen der Liquidatoren den ergreifenden "Aufruf an unsere Nachkommen", in dem es heißt: "Wir, die vergessenen Retter von Europa, die unter Einsatz unseres Lebens und unserer Gesundheit 1986 den Planeten Erde gerettet haben, bitten alle Menschen der Welt inständig, alles ihnen Mögliche zu tun, damit Menschen nicht länger leiden - nicht in Tschernobyl, nicht in Fukushima, nicht an irgendeinem anderen Ort auf der Erde und dass niemand nirgendwo mehr unsere Heldentat wiederholen muss."Elisabeth Schmelzer vom BUND Minden-Lübbecke überreichte "aus Solidarität und gegen das Vergessen" den beiden Zeitzeugen Liudmila Kusmina und Nikolai Kansawenka einige von 482 Friedensbotschaften, die Künstler aus aller Welt anlässlich des Tschernobyltages (26.April) nach Minden geschickt hatten.Volker Knickmeyer von der Gefis Minden stellte die Partnerschaft Mindens mit Grodno heraus.Vor dem Besuch der Ausstellung hatten sich die Waldorf-Schüler bereits mit dem Thema auseinandergesetzt.Die Liquidatorin Ludmilla Kusmina war erstaunt, mit welch großem Interesse und Mitgefühl die Schüler das Schicksal der Katastrophenhelfer verfolgten. Kusmina, Werkmeisterin einer Berufsschule, wurde als Zwanzigjährige mit ihren Lehrlingen in die Todeszone angeordnet - ohne Rücksicht auf die dort herrschende radioaktive Strahlung -, um für die Milizionäre zu kochen.Nikolai Kansawenka, Forstmeister im Gebiet Gomel, hat dort Hunderte von Bäumen auf schwerstverseuchten Boden gepflanzt. Zwei Jahre später wurde bei ihm Lymphdrüsenkrebs festgestellt. Er wurde als Invalide 2. Grades anerkannt, kann aber wegen der teuren Medikamente von der Rente kaum leben.Die meisten Liquidatoren hätten Angst, frei ihre Gedanken zu äußern und die ganze Wahrheit zu sagen, wenn ihre Meinung nicht mit der des Staates übereinstimmt, erfuhren die Schüler bei der Zeitzeugenbefragung von der Dolmetscherin Svetlana Margolina, die auch auf die schwierige finanzielle Lage der Betroffenen einging.Es gebe für die Tschernobylopfer keine Vergünstigungen mehr (Kuren, kostenlose Benutzung der Verkehrsmittel, Miete). Im Jahre 2000 habe der Staatspräsident Lukaschenko viele kontaminierte Gebiete "für sauber" und damit alle Tschernobyl-Invaliden-Vereine für überflüssig erklärt und alle Vergünstigungen für diese Personen wurden abgeschafft.Die Ausstellung ist noch heute von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Zeitzeugen machen betroffen

Minden (mt/hn). Großen Anklang findet die Ausstellung "25 Jahre nach Tschernobyl" in der Waldorfschule Minden, die durch dramatische Lebensgeschichten von Zeitzeugen, sogenannte Liquidatoren, die Betrachter persönlich betroffen macht.

Vor den Gefahren der Atomenergie warnt die Tschnernobyl-Ausstellung in der Waldorfschule Minden. - © Foto: pr
Vor den Gefahren der Atomenergie warnt die Tschnernobyl-Ausstellung in der Waldorfschule Minden. - © Foto: pr

In der Auftaktveranstaltung wies Hartmut Karge, Gründer der Mindener Tschernobylkinderhilfe, vor 200 Schülern und zahlreichen erwachsenen Besuchern und Repräsentanten der örtlichen Verbände, die mit Menschen aus Osteuropa, besonders aus Weißrussland und der Ukraine, Beziehungen unterhalten, darauf hin, dass die Atomtechnologie nur etwas für Menschen ohne Fehler sei, aber fehlerfreie Menschen gebe es nicht.

Kurt Hüffelmann, Vorsitzender des Osteuropavereins, verlas im Namen der Liquidatoren den ergreifenden "Aufruf an unsere Nachkommen", in dem es heißt: "Wir, die vergessenen Retter von Europa, die unter Einsatz unseres Lebens und unserer Gesundheit 1986 den Planeten Erde gerettet haben, bitten alle Menschen der Welt inständig, alles ihnen Mögliche zu tun, damit Menschen nicht länger leiden - nicht in Tschernobyl, nicht in Fukushima, nicht an irgendeinem anderen Ort auf der Erde und dass niemand nirgendwo mehr unsere Heldentat wiederholen muss."

Elisabeth Schmelzer vom BUND Minden-Lübbecke überreichte "aus Solidarität und gegen das Vergessen" den beiden Zeitzeugen Liudmila Kusmina und Nikolai Kansawenka einige von 482 Friedensbotschaften, die Künstler aus aller Welt anlässlich des Tschernobyltages (26.April) nach Minden geschickt hatten.

Volker Knickmeyer von der Gefis Minden stellte die Partnerschaft Mindens mit Grodno heraus.

Vor dem Besuch der Ausstellung hatten sich die Waldorf-Schüler bereits mit dem Thema auseinandergesetzt.

Die Liquidatorin Ludmilla Kusmina war erstaunt, mit welch großem Interesse und Mitgefühl die Schüler das Schicksal der Katastrophenhelfer verfolgten. Kusmina, Werkmeisterin einer Berufsschule, wurde als Zwanzigjährige mit ihren Lehrlingen in die Todeszone angeordnet - ohne Rücksicht auf die dort herrschende radioaktive Strahlung -, um für die Milizionäre zu kochen.

Nikolai Kansawenka, Forstmeister im Gebiet Gomel, hat dort Hunderte von Bäumen auf schwerstverseuchten Boden gepflanzt. Zwei Jahre später wurde bei ihm Lymphdrüsenkrebs festgestellt. Er wurde als Invalide 2. Grades anerkannt, kann aber wegen der teuren Medikamente von der Rente kaum leben.

Die meisten Liquidatoren hätten Angst, frei ihre Gedanken zu äußern und die ganze Wahrheit zu sagen, wenn ihre Meinung nicht mit der des Staates übereinstimmt, erfuhren die Schüler bei der Zeitzeugenbefragung von der Dolmetscherin Svetlana Margolina, die auch auf die schwierige finanzielle Lage der Betroffenen einging.

Es gebe für die Tschernobylopfer keine Vergünstigungen mehr (Kuren, kostenlose Benutzung der Verkehrsmittel, Miete). Im Jahre 2000 habe der Staatspräsident Lukaschenko viele kontaminierte Gebiete "für sauber" und damit alle Tschernobyl-Invaliden-Vereine für überflüssig erklärt und alle Vergünstigungen für diese Personen wurden abgeschafft.

Die Ausstellung ist noch heute von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

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