Zeitreisende unterwegs Minden ist Schauplatz historischen Lebens vieler Epochen Von Nadine Conti Minden (nec). Wer an diesem Wochenende unvorbereitet nach Minden kam, musste wohl glauben, diese Stadt ist nicht bloß merkwürdig, sondern verrückt. Mehr als 3000 Menschen in historischen Gewändern tummelten sich an zwölf verschiedenen "Zeitinseln". Und das aus EU und Landesmitteln finanzierte und von der Minden Marketing organisierte Experiment gelang. Die Innenstadt war voll, unzählige Mindener und Touristen wollten "Geschichte neu erleben". Vor allem die Fußkämpfe der Compagnie dOrdonnance vor dem Dom bei dem die Ritter scheppernd auf die Rüstungen eindroschen, aber auch die ebenso witzige wie poetische Inszenierung der Pantomimentruppe "La Tal" auf dem Marktplatz kassierten begeisterten Beifall. Exotische Historie aus der Zeit der Samuraikrieger lieferte die Gruppe "Takeda".Auch im Kreuzgang des Domes drängten sich die Menschen vor den Zelten aus der Zeit der Wichgrafen und vor den Ständen der spätmittelalterlichen Handwerker, Krämer und Beamten. Wer sich die Zeit nahm Fragen zu stellen, merkte allerdings schnell, dass es den - Reenactor genannten - Geschichtsdarstellern nicht bloß ums Spektakel ging. "Authentisch" heißt das Lieblingswort der Szene. Und fast jeder der Akteure ist in der Lage aus dem Stegreif detailliert Auskunft zu geben, über Materialien und ihre Herstellung, Gewohnheiten und Lebensbedingungen seiner Epoche und seiner Figur - und ganz nebenbei, den ein oder anderen dieser Dutzenden, kleinen, historischen Irrtümer zu korrigieren, die ein normal gebildeter Mensch in seinem Geschichtswissen mit sich herumschleppt.Der durchschnittliche Mindener Zeitreisende scheint allerdings ein wenig fußfaul zu sein: Die Samurai am Wesertor hätten sich mehr Besucher gewünscht, die Falkner der fürstlichen Hofreitschule tranken in der Nähe der Schiffsmühle Tee, am Weserstadion lagen zeitweise gelangweilte Germanen neben römischen Legionären und Gladiatoren im Gras. "Für Ortsfremde war das nicht gut genug ausgeschildert", kritisiert ein Ehepaar, das aus Walsrode angereist ist.

Zeitreisende unterwegs

Minden (nec). Wer an diesem Wochenende unvorbereitet nach Minden kam, musste wohl glauben, diese Stadt ist nicht bloß merkwürdig, sondern verrückt. Mehr als 3000 Menschen in historischen Gewändern tummelten sich an zwölf verschiedenen "Zeitinseln".

Der Mindener Bahnhof in der Oberstadt verwandelt sich zum Schauplatz historischer Kostüme. - © Fotos: Alex Lehn
Der Mindener Bahnhof in der Oberstadt verwandelt sich zum Schauplatz historischer Kostüme. - © Fotos: Alex Lehn

Und das aus EU und Landesmitteln finanzierte und von der Minden Marketing organisierte Experiment gelang. Die Innenstadt war voll, unzählige Mindener und Touristen wollten "Geschichte neu erleben". Vor allem die Fußkämpfe der Compagnie dOrdonnance vor dem Dom bei dem die Ritter scheppernd auf die Rüstungen eindroschen, aber auch die ebenso witzige wie poetische Inszenierung der Pantomimentruppe "La Tal" auf dem Marktplatz kassierten begeisterten Beifall. Exotische Historie aus der Zeit der Samuraikrieger lieferte die Gruppe "Takeda".

Die Theatergruppe "La Tal" spielt auf dem Marktplatz.
Die Theatergruppe "La Tal" spielt auf dem Marktplatz.

Auch im Kreuzgang des Domes drängten sich die Menschen vor den Zelten aus der Zeit der Wichgrafen und vor den Ständen der spätmittelalterlichen Handwerker, Krämer und Beamten. Wer sich die Zeit nahm Fragen zu stellen, merkte allerdings schnell, dass es den - Reenactor genannten - Geschichtsdarstellern nicht bloß ums Spektakel ging.

"Authentisch" heißt das Lieblingswort der Szene. Und fast jeder der Akteure ist in der Lage aus dem Stegreif detailliert Auskunft zu geben, über Materialien und ihre Herstellung, Gewohnheiten und Lebensbedingungen seiner Epoche und seiner Figur - und ganz nebenbei, den ein oder anderen dieser Dutzenden, kleinen, historischen Irrtümer zu korrigieren, die ein normal gebildeter Mensch in seinem Geschichtswissen mit sich herumschleppt.

Mit Pickelhaube und Monokel.
Mit Pickelhaube und Monokel.

Der durchschnittliche Mindener Zeitreisende scheint allerdings ein wenig fußfaul zu sein: Die Samurai am Wesertor hätten sich mehr Besucher gewünscht, die Falkner der fürstlichen Hofreitschule tranken in der Nähe der Schiffsmühle Tee, am Weserstadion lagen zeitweise gelangweilte Germanen neben römischen Legionären und Gladiatoren im Gras. "Für Ortsfremde war das nicht gut genug ausgeschildert", kritisiert ein Ehepaar, das aus Walsrode angereist ist.

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