Zeit für Corona-Blues und Vogelhaus: Ein Pultdach soll es sein Jan Henning Rogge Die Bretter und Leisten liegen seit Wochen bereit, der Entwurf ist klar. Ein nur leicht schräges Pultdach soll es bekommen, mit einem großen Überstand, um das Futter trocken zu halten. Von der offenen Seite aus könnte es ein wenig wirken, wie der Stall zu Bethlehem. Wie passend. Der Bau des Vogelhäuschens sollte ein gemeinsames Projekt von meinen Töchtern und mir werden. Kein Corona-Projekt, wie es gerade viele haben, die das Haus sanieren, den Garten umgestalten oder häkeln und altgriechisch lernen. Eher so ein Samstagvormittags-Projekt. In meinem Bekanntenkreis gibt es derzeit niemanden, der an seinem Corona-Projekt arbeitet. Denn es gibt dort niemanden, der bis zum Lockdown wirklich weniger gearbeitet hat. Die einen, weil in der Corona-Krise alles komplizierter ist, weil neue und ungewöhnliche Wege beschritten werden müssen. Weil das kurze Verständigungsgespräch bei der Arbeit ausfällt und Videokonferenzen nicht immer der effizienteste Weg der Kommunikation sind. Andere arbeiten viel, weil Corona selbst das fordert oder, weil sie seit Monaten darauf hingearbeitet haben, ihr Geschäft auf einen Lockdown vorzubereiten. Es gibt wohl kaum Menschen, die im medizinischen Bereich oder im Bildungssektor arbeiten, die die Misere nicht haben kommen sehen – das war nur den Querdenkern und AfD-Anhängern vergönnt. Auch wir Journalisten haben uns auf diese Zeit vorbereitet, haben überlegt, wie wir trotz aller Einschränkung weiter so informativ wie möglich berichten können. Und zeitgleich setzt bei immer mehr Menschen in meinem Umfeld der Corona-Blues ein. Der ähnelt dem Winter-Blues, nur ist er noch gemeiner, weil es in normalen Wintern immer wieder gute Nachrichten gibt. Die gibt es jetzt auch, sie sind aber schwerer wahrzunehmen, weil die schlechten so allgegenwärtig sind. Der Corona-Blues erfasst inzwischen auch immer mehr Kinder, die lange den Widrigkeiten tapfer getrotzt haben. Schließende Schulen und Kitas, weniger Kontakt zu Freunden, Großeltern, Verwandten. Einschränkungen im Alltag – wer sollte da nicht den Mut verlieren? Schließlich haben sie sich wie wohl die meisten Kinder ohne zu klagen monatelang an die Regeln gehalten – und trotzdem ist das Virus mit Macht zurück. Vielleicht hätten sich ein paar mehr Erwachsene an die Regeln halten müssen. Meine Versuche, meinen Kindern immer wieder Mut zuzusprechen, haben weniger Wirkung als noch vor Wochen. Zum Beispiel, wenn ich ihnen sage, dass wir eben nicht tatenlos zuschauen müssen, wie uns Scheiß-Corona (Diese Wortkonstellation ist bei uns ausdrücklich erlaubt) das Leben kaputtmacht – weil wir genau dann etwas dagegen tun, wenn wir uns an die Hygieneregeln halten. Weihnachten steht vor der Tür und es wird ganz anders, als wir alle es gewohnt sind. Und mit dem Lockdown ist jetzt vielleicht auch Zeit zur Ruhe, zum Nachdenken. Da ist es wohl ein Glück, dass die Bretter und Leisten noch immer da liegen, wo ich sie bereit gelegt habe. Wir werden ein Futterhäuschen bauen, ein so schönes, wie es kein zweites gibt. Mit einem kühnen Pultdach. Und von vorne ein bisschen wie ein Stall.

Zeit für Corona-Blues und Vogelhaus: Ein Pultdach soll es sein

© Alex Lehn

Die Bretter und Leisten liegen seit Wochen bereit, der Entwurf ist klar. Ein nur leicht schräges Pultdach soll es bekommen, mit einem großen Überstand, um das Futter trocken zu halten. Von der offenen Seite aus könnte es ein wenig wirken, wie der Stall zu Bethlehem. Wie passend. Der Bau des Vogelhäuschens sollte ein gemeinsames Projekt von meinen Töchtern und mir werden. Kein Corona-Projekt, wie es gerade viele haben, die das Haus sanieren, den Garten umgestalten oder häkeln und altgriechisch lernen. Eher so ein Samstagvormittags-Projekt.

In meinem Bekanntenkreis gibt es derzeit niemanden, der an seinem Corona-Projekt arbeitet. Denn es gibt dort niemanden, der bis zum Lockdown wirklich weniger gearbeitet hat. Die einen, weil in der Corona-Krise alles komplizierter ist, weil neue und ungewöhnliche Wege beschritten werden müssen. Weil das kurze Verständigungsgespräch bei der Arbeit ausfällt und Videokonferenzen nicht immer der effizienteste Weg der Kommunikation sind.

Andere arbeiten viel, weil Corona selbst das fordert oder, weil sie seit Monaten darauf hingearbeitet haben, ihr Geschäft auf einen Lockdown vorzubereiten. Es gibt wohl kaum Menschen, die im medizinischen Bereich oder im Bildungssektor arbeiten, die die Misere nicht haben kommen sehen – das war nur den Querdenkern und AfD-Anhängern vergönnt. Auch wir Journalisten haben uns auf diese Zeit vorbereitet, haben überlegt, wie wir trotz aller Einschränkung weiter so informativ wie möglich berichten können.

Und zeitgleich setzt bei immer mehr Menschen in meinem Umfeld der Corona-Blues ein. Der ähnelt dem Winter-Blues, nur ist er noch gemeiner, weil es in normalen Wintern immer wieder gute Nachrichten gibt. Die gibt es jetzt auch, sie sind aber schwerer wahrzunehmen, weil die schlechten so allgegenwärtig sind. Der Corona-Blues erfasst inzwischen auch immer mehr Kinder, die lange den Widrigkeiten tapfer getrotzt haben.

Schließende Schulen und Kitas, weniger Kontakt zu Freunden, Großeltern, Verwandten. Einschränkungen im Alltag – wer sollte da nicht den Mut verlieren? Schließlich haben sie sich wie wohl die meisten Kinder ohne zu klagen monatelang an die Regeln gehalten – und trotzdem ist das Virus mit Macht zurück. Vielleicht hätten sich ein paar mehr Erwachsene an die Regeln halten müssen. Meine Versuche, meinen Kindern immer wieder Mut zuzusprechen, haben weniger Wirkung als noch vor Wochen. Zum Beispiel, wenn ich ihnen sage, dass wir eben nicht tatenlos zuschauen müssen, wie uns Scheiß-Corona (Diese Wortkonstellation ist bei uns ausdrücklich erlaubt) das Leben kaputtmacht – weil wir genau dann etwas dagegen tun, wenn wir uns an die Hygieneregeln halten.

Weihnachten steht vor der Tür und es wird ganz anders, als wir alle es gewohnt sind. Und mit dem Lockdown ist jetzt vielleicht auch Zeit zur Ruhe, zum Nachdenken. Da ist es wohl ein Glück, dass die Bretter und Leisten noch immer da liegen, wo ich sie bereit gelegt habe. Wir werden ein Futterhäuschen bauen, ein so schönes, wie es kein zweites gibt. Mit einem kühnen Pultdach. Und von vorne ein bisschen wie ein Stall.

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