Zeichen setzen vor der Wahl: Mindener „Fridays-for-Future“-Gruppe demonstriert wieder am 24. September Jan Henning Rogge Minden. Sie wollen noch einmal ein Ausrufezeichen setzen, am Freitag vor der Wahl. Fridays for Future ist nach langer Corona-Durststrecke zurück, 313 Aktion sind derzeit bundesweit am 24. September geplant – und eine davon soll auf dem Mindener Markt starten. Um fünf vor zwölf – die Zeit ist natürlich nicht zufällig gewählt – soll die Demonstration am Markt starten, geplant ist ein Zug um die Innenstadt und natürlich eine Kundgebung. Unterstützung bekommen die jungen Organisatorinnen und Organisatoren von Vereinen, Gruppen und Parteien und sie hoffen endlich wieder eine große Anzahl Schülerinnen und Schüler auf die Straße zu bringen. In den vergangenen Monaten war es still um die Jugendbewegung geworden. Weil es kaum Möglichkeiten gab, durch Demonstrationen oder andere Aktionen auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, sei das Thema immer mehr in den Hintergrund gerückt, findet Luis Bosse vom Organisationsteam der Mindener Gruppe. Das hatte auch Einfluss auf die Struktur vor Ort. Immerhin einige Fahrrad-Demos mit bis zu 100 Demonstranten konnten stattfinden. Doch an die Zeit vor der Pandemie, als bei mehreren Demonstrationen bis zu 1900 Menschen durch die Stadt zogen, um für eine bessere Klimapolitik zu protestieren, konnten die Schülerinnen und Schüler nicht mehr anschließen. „Durch Corona ist die Zahl der Aktiven bei uns deutlich zurück gegangen. Viele sind passiv geworden, das ist sehr schade, wir brauchen ja aktive junge Menschen.“ Nun fällt es schwer, die Organisation wieder hochzufahren – auch wenn das Thema Klimawandel derzeit durch die Flut im Ahrtal, im Bergischen Land und anderen Orten so präsent, wie schon lange nicht mehr. Und nachdem im Bundestags-Wahlkampf zunächst andere Themen diskutiert wurden, ist der Klimaschutz inzwischen heiß umkämpft und wird auch in der Gesellschaft wieder vermehrt diskutiert – zumindest ist das Bosses Eindruck. „Das Thema spielt in meinem Umfeld eine große Rolle“, sagt Bosse. „Und ich könnte mir vorstellen, dass das vor dieser richtungsweisenden Wahl auch vielen Erwachsenen so geht.“ Zumindest Klara Ahlert, Initiatorin der Mindener Gruppe „Oldies for Future“, gibt ihm da recht. „Viele ältere Menschen im meinem Umfeld machen sich da unwahrscheinlich viele Gedanken, sind aber unentschlossen“, sagt die inzwischen 80-Jährige. Wie viele Seniorinnen und Senioren am 24. dabei sein werden, kann sie nicht abschätzen. „Wir sind ein ganz loser Zusammenschluss“, erklärt sie. Trotzdem hofft auch sie, dass viele „Oldies“ dabei sind – mehrere hundert waren es bei manchen Demonstrationen vor zwei Jahren. „Das ist ganz wichtig, dass die Jungen wissen, dass die Omas und Opas sie unterstützen.“ Für das Organisationsteam sind die Seniorinnen und Senioren mehr als eine willkommene Unterstützung: „Gerade die ältere Generation ist wahlentscheidend“, sagt Bosse. Die Zahlen geben ihm Recht: Laut Bundeswahlleiter machen die über 60-Jährigen gut 37 Prozent der Wahlberechtigten aus, die unter 20-Jährigen 3,4 Prozent, die 21-29-Jährigen 11 Prozent. Die Fridays-for-Future-Aktivisten hoffen deshalb, auch ältere Menschen auf ihr Anliegen hinweisen zu können: Den Klimawandel zu stoppen. „Wir hoffen, dass sie mit ihrer Wahlentscheidung uns Jüngeren eine Lebenswerte Zukunft ermöglichen.“ Dabei möchte er ausdrücklich keine Partei favorisieren – schließlich würde keine der großen Parteien mit ihren geplanten Maßnahmen das 1,5-Grad-Ziel erreichen. „Aber es muss eine Partei drankommen, die sich um das Klima kümmert.“ Das es darum schlecht bestellt ist, daran gibt es inzwischen keinen ernstzunehmenden wissenschaftlichen Zweifel mehr. Werden die Treibhausgab-Emissionen nicht bald radikal begrenzt, ist das Klimaziel von 1,5 Grad, zu dem sich die Bundesrepublik Deutschland international verpflichtet hat, nicht mehr zu erreichen. „Es ist höchste Eisenbahn, dass da etwas unternommen wird“, sagt Bosse – und reagiert genervt auf Vorwürfe, dass es doch nur darum gehe, die Schule zu schwänzen. „Wir streiken, denn was ist die Bildung denn noch wert, wenn es keine Zukunft mehr gibt?“ Die Aktionen sieht er deshalb eher als ein Signal an die Politik, die ohne solche Aktionen nicht zuhöre: „Wir kämpfen mit dem Klimastreik für unsere Zukunft.“ Rückenwind bekommt das Mindener Organisationsteam inzwischen aber inzwischen auch genau daher„Wir haben die Jugendorganisationen aller demokratischen Parteien angefragt, ob sie uns unterstützen möchten“, sagt Bosse. Eine Antwort der Jungen Liberalen und der Jungen Union steht noch aus, mit dabei sein werden aber Jusos, Grüne und Linke. Unterstütz wird die Demonstration außerdem von „Minden gegen Rechts“ und der „Seebrücke Minden“. Das das Bündnis, das sich für die Flüchtlingshilfe und eine andere Migrationspolitik einsetzt, das Engagement der jungen Klimaschützer unterstützt, ist nicht verwunderlich: Der Klimawandel ist bereits heute für viele Menschen lebensbedrohlich. „Vor allem langanhaltende Dürrephasen, weil Regenzeiten ausfallen oder nur noch zu geringen Niederschlagsmengen führen, sind zunehmend Fluchtgrund“, erklärt Rüdiger Höcke, Sprecher der Mindener Gruppe. „Die Uno-Flüchtlingshilfe geht davon aus, dass 90 Prozent der derzeit Flüchtenden aus armen krisengeschüttelten Ländern stammen, die vom Klimawandel betroffen sind, aber kaum Ressourcen haben, um die Auswirkungen zu verhindern oder abzumildern.“ Das Problem solcher Klimaflüchtlinge ist, dass sie derzeit nicht ausdrücklich als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 anerkannt sind. „Erreichen sie die Außengrenzen der Europäischen Union, treffen sie auf ein Europa, das sich abschottet. Tagtäglich sterben Menschen auf dem Mittelmeer, weil ihnen nur dieses kleine Stück Hoffnung bleibt, dennoch in der EU einen Asylantrag stellen zu können beziehungsweise unterzutauchen. Es ist die pure Verzweiflung, die sie antreibt“, sagt Höcke. Das Mindener Organisationsteam steckt nun in den letzten Vorbereitungen für den großen Tag. Typisch für die Generation findet die Mobilisierung überwiegend über Soziale Netzwerke statt: Auf Instagram und Co verbreitet sich der Aufruf zur Demo, an den von jungen Leuten frequentierten Orten hängen aber auch klassische Plakate. Wie viele Menschen sie am Freitag dann tatsächlich auf die Straße bringen, wird sich zeigen. Deutlich soll aber werden: Sie sind zurück.

Zeichen setzen vor der Wahl: Mindener „Fridays-for-Future“-Gruppe demonstriert wieder am 24. September

2019 gab es mehrere große Klima-Demos in Minden. Bei der größten am 20. September waren nach Schätzung der Polizei rund 1900 Demonstrantinnen und Demonstranten auf der Straße. MT-Fotos: Alex Lehn/Archiv © Alex Lehn

Minden. Sie wollen noch einmal ein Ausrufezeichen setzen, am Freitag vor der Wahl. Fridays for Future ist nach langer Corona-Durststrecke zurück, 313 Aktion sind derzeit bundesweit am 24. September geplant – und eine davon soll auf dem Mindener Markt starten. Um fünf vor zwölf – die Zeit ist natürlich nicht zufällig gewählt – soll die Demonstration am Markt starten, geplant ist ein Zug um die Innenstadt und natürlich eine Kundgebung. Unterstützung bekommen die jungen Organisatorinnen und Organisatoren von Vereinen, Gruppen und Parteien und sie hoffen endlich wieder eine große Anzahl Schülerinnen und Schüler auf die Straße zu bringen.

In den vergangenen Monaten war es still um die Jugendbewegung geworden. Weil es kaum Möglichkeiten gab, durch Demonstrationen oder andere Aktionen auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, sei das Thema immer mehr in den Hintergrund gerückt, findet Luis Bosse vom Organisationsteam der Mindener Gruppe. Das hatte auch Einfluss auf die Struktur vor Ort. Immerhin einige Fahrrad-Demos mit bis zu 100 Demonstranten konnten stattfinden. Doch an die Zeit vor der Pandemie, als bei mehreren Demonstrationen bis zu 1900 Menschen durch die Stadt zogen, um für eine bessere Klimapolitik zu protestieren, konnten die Schülerinnen und Schüler nicht mehr anschließen. „Durch Corona ist die Zahl der Aktiven bei uns deutlich zurück gegangen. Viele sind passiv geworden, das ist sehr schade, wir brauchen ja aktive junge Menschen.“

Nun fällt es schwer, die Organisation wieder hochzufahren – auch wenn das Thema Klimawandel derzeit durch die Flut im Ahrtal, im Bergischen Land und anderen Orten so präsent, wie schon lange nicht mehr. Und nachdem im Bundestags-Wahlkampf zunächst andere Themen diskutiert wurden, ist der Klimaschutz inzwischen heiß umkämpft und wird auch in der Gesellschaft wieder vermehrt diskutiert – zumindest ist das Bosses Eindruck. „Das Thema spielt in meinem Umfeld eine große Rolle“, sagt Bosse. „Und ich könnte mir vorstellen, dass das vor dieser richtungsweisenden Wahl auch vielen Erwachsenen so geht.“


Zumindest Klara Ahlert, Initiatorin der Mindener Gruppe „Oldies for Future“, gibt ihm da recht. „Viele ältere Menschen im meinem Umfeld machen sich da unwahrscheinlich viele Gedanken, sind aber unentschlossen“, sagt die inzwischen 80-Jährige. Wie viele Seniorinnen und Senioren am 24. dabei sein werden, kann sie nicht abschätzen. „Wir sind ein ganz loser Zusammenschluss“, erklärt sie. Trotzdem hofft auch sie, dass viele „Oldies“ dabei sind – mehrere hundert waren es bei manchen Demonstrationen vor zwei Jahren. „Das ist ganz wichtig, dass die Jungen wissen, dass die Omas und Opas sie unterstützen.“

Die vorerst letzte Demonstration fand auf dem Mindener Weihnachtsmakt 2019 statt. - © x
Die vorerst letzte Demonstration fand auf dem Mindener Weihnachtsmakt 2019 statt. - © x

Für das Organisationsteam sind die Seniorinnen und Senioren mehr als eine willkommene Unterstützung: „Gerade die ältere Generation ist wahlentscheidend“, sagt Bosse. Die Zahlen geben ihm Recht: Laut Bundeswahlleiter machen die über 60-Jährigen gut 37 Prozent der Wahlberechtigten aus, die unter 20-Jährigen 3,4 Prozent, die 21-29-Jährigen 11 Prozent. Die Fridays-for-Future-Aktivisten hoffen deshalb, auch ältere Menschen auf ihr Anliegen hinweisen zu können: Den Klimawandel zu stoppen. „Wir hoffen, dass sie mit ihrer Wahlentscheidung uns Jüngeren eine Lebenswerte Zukunft ermöglichen.“ Dabei möchte er ausdrücklich keine Partei favorisieren – schließlich würde keine der großen Parteien mit ihren geplanten Maßnahmen das 1,5-Grad-Ziel erreichen. „Aber es muss eine Partei drankommen, die sich um das Klima kümmert.“

Kurz vor der Bundestagswahl will „Fridays for Future“ am 24. September bundesweit Aktionen durchführen. - © v
Kurz vor der Bundestagswahl will „Fridays for Future“ am 24. September bundesweit Aktionen durchführen. - © v

Das es darum schlecht bestellt ist, daran gibt es inzwischen keinen ernstzunehmenden wissenschaftlichen Zweifel mehr. Werden die Treibhausgab-Emissionen nicht bald radikal begrenzt, ist das Klimaziel von 1,5 Grad, zu dem sich die Bundesrepublik Deutschland international verpflichtet hat, nicht mehr zu erreichen. „Es ist höchste Eisenbahn, dass da etwas unternommen wird“, sagt Bosse – und reagiert genervt auf Vorwürfe, dass es doch nur darum gehe, die Schule zu schwänzen. „Wir streiken, denn was ist die Bildung denn noch wert, wenn es keine Zukunft mehr gibt?“ Die Aktionen sieht er deshalb eher als ein Signal an die Politik, die ohne solche Aktionen nicht zuhöre: „Wir kämpfen mit dem Klimastreik für unsere Zukunft.“

Rückenwind bekommt das Mindener Organisationsteam inzwischen aber inzwischen auch genau daher„Wir haben die Jugendorganisationen aller demokratischen Parteien angefragt, ob sie uns unterstützen möchten“, sagt Bosse. Eine Antwort der Jungen Liberalen und der Jungen Union steht noch aus, mit dabei sein werden aber Jusos, Grüne und Linke. Unterstütz wird die Demonstration außerdem von „Minden gegen Rechts“ und der „Seebrücke Minden“.

Das das Bündnis, das sich für die Flüchtlingshilfe und eine andere Migrationspolitik einsetzt, das Engagement der jungen Klimaschützer unterstützt, ist nicht verwunderlich: Der Klimawandel ist bereits heute für viele Menschen lebensbedrohlich. „Vor allem langanhaltende Dürrephasen, weil Regenzeiten ausfallen oder nur noch zu geringen Niederschlagsmengen führen, sind zunehmend Fluchtgrund“, erklärt Rüdiger Höcke, Sprecher der Mindener Gruppe. „Die Uno-Flüchtlingshilfe geht davon aus, dass 90 Prozent der derzeit Flüchtenden aus armen krisengeschüttelten Ländern stammen, die vom Klimawandel betroffen sind, aber kaum Ressourcen haben, um die Auswirkungen zu verhindern oder abzumildern.“

Das Problem solcher Klimaflüchtlinge ist, dass sie derzeit nicht ausdrücklich als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 anerkannt sind. „Erreichen sie die Außengrenzen der Europäischen Union, treffen sie auf ein Europa, das sich abschottet. Tagtäglich sterben Menschen auf dem Mittelmeer, weil ihnen nur dieses kleine Stück Hoffnung bleibt, dennoch in der EU einen Asylantrag stellen zu können beziehungsweise unterzutauchen. Es ist die pure Verzweiflung, die sie antreibt“, sagt Höcke.

Das Mindener Organisationsteam steckt nun in den letzten Vorbereitungen für den großen Tag. Typisch für die Generation findet die Mobilisierung überwiegend über Soziale Netzwerke statt: Auf Instagram und Co verbreitet sich der Aufruf zur Demo, an den von jungen Leuten frequentierten Orten hängen aber auch klassische Plakate. Wie viele Menschen sie am Freitag dann tatsächlich auf die Straße bringen, wird sich zeigen. Deutlich soll aber werden: Sie sind zurück.

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