Wochenende: Die schöne Scheinwelt oder Technik kontra Mensch Hartmut Nolte Die wichtigste Erfindung der Menschheit ist für meine erwachsenen Kinder die Geschirrspülmaschine. Alle drei Singles haben eine, während meine Hauptspülerin und ich als ihr Helfer im Gelegenheitsjob über 20 Jahre lang – selbst als wir zu fünft waren – ohne ausgekommen sind. Jetzt haben wir dem Druck der Kinder stattgegeben. Vielmehr ich habe nachgegeben, denn meine Küchenfee hatte schon länger den heimlichen Wunsch nach so einem geräuschvollen, platzraubenden und stromfressenden Küchenroboter. Viele Jahre verließen wir uns auf gute menschliche Eigenschaften wie Hang zur Sauberkeit, Hygienebewusstsein, kurz auf ein individuelles Reinigen jedes noch so mit verborgenen Schmutzecken versehenen Küchengegenstands. Okay, ich selbst nutzte nicht jede Gelegenheit, diese Vorzüge des Menschen gegenüber der Maschine zu beweisen. Im Laden, in Werbung und Youtube-Präsentationen wird das Gegenteil vorgegaukelt. Da blitzen Lichtsterne auf Messer und Tellern, Töpfen und Pfannen. Da wird der Raum durch die Halterung auf drei Einschubhöhen optimal genutzt. Schmutzige Teile einstellen, Maschine anstellen und nachher blitzsauberes Geschirr einräumen, fertig. Das ist die Traumwelt der Werbung. Aber warum stehen dann in den Supermärkten Regale voll mit Handspülmitteln? Allein das entlarvt die schöne Scheinwelt der Geschirrspülautomaten. Die nicht normierte Wirklichkeit sieht anders aus. Dinge wie große Schneidbretter, Gemüsereiben, Suppenkellen, Salatschleudern kommen in der Werbung so wenig vor wie Massenanfall von Geschirr bei Verwandtenbesuch. Was man vorher nicht wusste: Man hat zu wenig Messer, sie versammeln sich in der langsam sich füllenden Maschine. Und von wegen blitzende Sterne: Macht man nach 1:54 Stunden Programmdauer, in der man per Hand die zehnfache Menge gespült hätte, die Klappe auf, schwappt heißes Abwasser aus einer umgedrehten Schüssel auf die Füße und den Küchenboden. Essensreste am Messer sind beim Trocknen steinhart geworden, der Topf wäre wohl doch besser mit dem Scheuerschwamm behandelt worden, die Teetasse hat sich erfolgreich hinter dem Frühstücksbrett versteckt. Dennoch liebe ich meinen geräuschvoll-stummen Spülroboter. In der Küche, im Zentrum des wahren Lebens liefert er mir einen weiteren Beweis, dass Automatisierung und künstliche Intelligenz nie so gut sein werden wie der Mensch, die angebliche Fehlkonstruktion. In dem Sinne ein schönes Wochenende.

Wochenende: Die schöne Scheinwelt oder Technik kontra Mensch

Die wichtigste Erfindung der Menschheit ist für meine erwachsenen Kinder die Geschirrspülmaschine. Alle drei Singles haben eine, während meine Hauptspülerin und ich als ihr Helfer im Gelegenheitsjob über 20 Jahre lang – selbst als wir zu fünft waren – ohne ausgekommen sind.

Kommentarfoto Hartmut Nolte - © siehe Bildtext
Kommentarfoto Hartmut Nolte - © siehe Bildtext

Jetzt haben wir dem Druck der Kinder stattgegeben. Vielmehr ich habe nachgegeben, denn meine Küchenfee hatte schon länger den heimlichen Wunsch nach so einem geräuschvollen, platzraubenden und stromfressenden Küchenroboter.

Viele Jahre verließen wir uns auf gute menschliche Eigenschaften wie Hang zur Sauberkeit, Hygienebewusstsein, kurz auf ein individuelles Reinigen jedes noch so mit verborgenen Schmutzecken versehenen Küchengegenstands. Okay, ich selbst nutzte nicht jede Gelegenheit, diese Vorzüge des Menschen gegenüber der Maschine zu beweisen.

Im Laden, in Werbung und Youtube-Präsentationen wird das Gegenteil vorgegaukelt. Da blitzen Lichtsterne auf Messer und Tellern, Töpfen und Pfannen. Da wird der Raum durch die Halterung auf drei Einschubhöhen optimal genutzt. Schmutzige Teile einstellen, Maschine anstellen und nachher blitzsauberes Geschirr einräumen, fertig.

Das ist die Traumwelt der Werbung. Aber warum stehen dann in den Supermärkten Regale voll mit Handspülmitteln? Allein das entlarvt die schöne Scheinwelt der Geschirrspülautomaten.

Die nicht normierte Wirklichkeit sieht anders aus. Dinge wie große Schneidbretter, Gemüsereiben, Suppenkellen, Salatschleudern kommen in der Werbung so wenig vor wie Massenanfall von Geschirr bei Verwandtenbesuch. Was man vorher nicht wusste: Man hat zu wenig Messer, sie versammeln sich in der langsam sich füllenden Maschine.

Und von wegen blitzende Sterne: Macht man nach 1:54 Stunden Programmdauer, in der man per Hand die zehnfache Menge gespült hätte, die Klappe auf, schwappt heißes Abwasser aus einer umgedrehten Schüssel auf die Füße und den Küchenboden. Essensreste am Messer sind beim Trocknen steinhart geworden, der Topf wäre wohl doch besser mit dem Scheuerschwamm behandelt worden, die Teetasse hat sich erfolgreich hinter dem Frühstücksbrett versteckt.

Dennoch liebe ich meinen geräuschvoll-stummen Spülroboter. In der Küche, im Zentrum des wahren Lebens liefert er mir einen weiteren Beweis, dass Automatisierung und künstliche Intelligenz nie so gut sein werden wie der Mensch, die angebliche Fehlkonstruktion.

In dem Sinne ein schönes Wochenende.

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