Wo sind all die Ehrenamtlichen? Sorge um Vereinsarbeit nach dem Lockdown Doris Christoph Minden. Die Hoffnung auf eine Zeit nach dem Lockdown hat überlebt. Aber: „Wenn wir wieder anfangen können, wer von den Ehrenamtlichen ist dann noch da?", fragt Friedrich Kasten, Vorsitzender des Jugendrings Minden-Lübbecke. Der Jugendring ist ein Zusammenschluss der Jugendverbände im Jugendamtsbezirk des Kreises und der Stadt Minden, die als freie Träger der Jugendhilfe anerkannt sind, und Nachwuchsarbeit anbieten. Zu ihnen gehören beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr, das Jugendrotkreuz, der Freizeitmitarbeiter Club Minden und viele mehr. Was aus ihren geschätzt 2.000 – jugendlichen wie erwachsenen – Ehrenamtlichen während des Lockdowns geworden ist, ist nicht jedem Verein und Verband bekannt. Denn viele seien abgetaucht, vor allem die Jugendlichen seien sehr mit der Schule beschäftigt, so Friedrich Kasten. „Viele Verbände versuchen, online Kontakt zu halten", sagt er. Aber es gebe da diese Unsicherheit: „Wie ist der wirkliche Zustand?" Der Jugendring hat deshalb unter dem Namen „Re:Start" einen Fördertopf von 30.000 Euro aufgelegt. Das hatte Kasten auch den Mitgliedern des jüngsten Jugendhilfeausschusses mitgeteilt. Zudem stellte er eine Jugendverbandskampagne in Aussicht, die im Sommer starten soll. Die Fördermittel stammen aus dem Geld, das der Jugendring vergangenes Jahr vom Kreis (7.000 Euro) und der Stadt Minden (5.000 Euro) bekommen hat, und das wegen Corona nicht vollständig ausgegeben wurde. Außerdem hat er seine Rücklagen dafür genutzt. Seine Mitglieder können maximal 1.500 Euro Förderung beantragen, die in die Nachwuchsarbeit fließen sollen, um Ehrenamtliche und Teilnehmer aus der „Deckung zu holen", zum Beispiel mit Fahrten oder Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist dabei der pädagogische Charakter der Maßnahme. Eine Förderung ist zudem nur möglich, wenn die Gesamtfinanzierung gesichert ist und zehn Prozent aller Ausgaben mit eigenen Mitteln bestritten werden. Der Antrag kann ab sofort beim Vorstand des Jugendrings eingereicht werden, eine Frist gibt es laut Friedrich Kasten nicht. Schon die Zeit nach dem ersten Lockdown zeigte, wie mühsam die Jugendarbeit teilweise anlief. „Es gab viele Leute, die vorsichtig waren im letzten Jahr", sagt Kasten, der auch Leiter von „juenger unterwegs" ist, der Kinder- und Jugendarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Minden. Die Freiwillige Feuerwehr habe beispielsweise keine Aktivitäten angeboten, weil sie sich auf ihre Einsätze konzentrierte. Sie wollte keine Ansteckungen und damit Ausfälle riskieren. Bei anderen Verbänden war die Motivation zu gering. Als zwischen den Lockdowns Treffen mit zehn Personen erlaubt waren, winkten einige ab: Dann könne man es auch sein lassen, so die Reaktion. Trotzdem: Friedrich Kasten hofft darauf, dass nach den Osterferien Aktivitäten mit beispielsweise zehn bis 15 Leuten in festen Bezugsgruppen wieder möglich sein werden. Das könne die Gemeinschaft stärken und Dynamik bringen. „Dann kommen die Leute wieder, weil sie Lust haben." Nach dem ersten Lockdown schauten bei manchen Verbänden sogar mehr Kinder bei den Angeboten vorbei als vor Corona. „Weil sie was erleben wollten." Das wird aber zum Problem, wenn freiwillige Helfer fehlen. Bei den Ferienspielen in Espelkamp habe man im vergangenen Jahr einigen Kindern absagen müssen, weil nicht genügend freiwillige Helfer da waren. „Und wenn im Sport Ehrenamtliche fehlen, dann kann man kein Training anbieten." Auch deshalb gibt es die Förderung. Friedrich Kasten ist aber zuversichtlich: Viele Jugendliche hätten noch immer Lust aufs Ehrenamt. Er sagt: „Wenn der Topf bis zum Sommer alle ist, bin ich der glücklichste Mensch." Weitere Informationen zu den Sonderfördermitteln finden Interessierte unter dem Punkt „Unterstützung" auf www.jugendring-minden-luebbecke.de

Wo sind all die Ehrenamtlichen? Sorge um Vereinsarbeit nach dem Lockdown

Die Feuerwehren stellten ihre Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit zwischen den Lockdowns ein, um keine Ansteckungen zu riskieren und einsatzfähig zu bleiben. Symbolfoto: imago stock&people © imago/snapshot

Minden. Die Hoffnung auf eine Zeit nach dem Lockdown hat überlebt. Aber: „Wenn wir wieder anfangen können, wer von den Ehrenamtlichen ist dann noch da?", fragt Friedrich Kasten, Vorsitzender des Jugendrings Minden-Lübbecke.

Der Jugendring ist ein Zusammenschluss der Jugendverbände im Jugendamtsbezirk des Kreises und der Stadt Minden, die als freie Träger der Jugendhilfe anerkannt sind, und Nachwuchsarbeit anbieten. Zu ihnen gehören beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr, das Jugendrotkreuz, der Freizeitmitarbeiter Club Minden und viele mehr.

Was aus ihren geschätzt 2.000 – jugendlichen wie erwachsenen – Ehrenamtlichen während des Lockdowns geworden ist, ist nicht jedem Verein und Verband bekannt. Denn viele seien abgetaucht, vor allem die Jugendlichen seien sehr mit der Schule beschäftigt, so Friedrich Kasten. „Viele Verbände versuchen, online Kontakt zu halten", sagt er. Aber es gebe da diese Unsicherheit: „Wie ist der wirkliche Zustand?"

Der Jugendring hat deshalb unter dem Namen „Re:Start" einen Fördertopf von 30.000 Euro aufgelegt. Das hatte Kasten auch den Mitgliedern des jüngsten Jugendhilfeausschusses mitgeteilt. Zudem stellte er eine Jugendverbandskampagne in Aussicht, die im Sommer starten soll.

Die Fördermittel stammen aus dem Geld, das der Jugendring vergangenes Jahr vom Kreis (7.000 Euro) und der Stadt Minden (5.000 Euro) bekommen hat, und das wegen Corona nicht vollständig ausgegeben wurde. Außerdem hat er seine Rücklagen dafür genutzt. Seine Mitglieder können maximal 1.500 Euro Förderung beantragen, die in die Nachwuchsarbeit fließen sollen, um Ehrenamtliche und Teilnehmer aus der „Deckung zu holen", zum Beispiel mit Fahrten oder Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist dabei der pädagogische Charakter der Maßnahme. Eine Förderung ist zudem nur möglich, wenn die Gesamtfinanzierung gesichert ist und zehn Prozent aller Ausgaben mit eigenen Mitteln bestritten werden. Der Antrag kann ab sofort beim Vorstand des Jugendrings eingereicht werden, eine Frist gibt es laut Friedrich Kasten nicht.

Schon die Zeit nach dem ersten Lockdown zeigte, wie mühsam die Jugendarbeit teilweise anlief. „Es gab viele Leute, die vorsichtig waren im letzten Jahr", sagt Kasten, der auch Leiter von „juenger unterwegs" ist, der Kinder- und Jugendarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Minden. Die Freiwillige Feuerwehr habe beispielsweise keine Aktivitäten angeboten, weil sie sich auf ihre Einsätze konzentrierte. Sie wollte keine Ansteckungen und damit Ausfälle riskieren.

Bei anderen Verbänden war die Motivation zu gering. Als zwischen den Lockdowns Treffen mit zehn Personen erlaubt waren, winkten einige ab: Dann könne man es auch sein lassen, so die Reaktion.

Trotzdem: Friedrich Kasten hofft darauf, dass nach den Osterferien Aktivitäten mit beispielsweise zehn bis 15 Leuten in festen Bezugsgruppen wieder möglich sein werden. Das könne die Gemeinschaft stärken und Dynamik bringen. „Dann kommen die Leute wieder, weil sie Lust haben."

Nach dem ersten Lockdown schauten bei manchen Verbänden sogar mehr Kinder bei den Angeboten vorbei als vor Corona. „Weil sie was erleben wollten." Das wird aber zum Problem, wenn freiwillige Helfer fehlen. Bei den Ferienspielen in Espelkamp habe man im vergangenen Jahr einigen Kindern absagen müssen, weil nicht genügend freiwillige Helfer da waren. „Und wenn im Sport Ehrenamtliche fehlen, dann kann man kein Training anbieten." Auch deshalb gibt es die Förderung.

Friedrich Kasten ist aber zuversichtlich: Viele Jugendliche hätten noch immer Lust aufs Ehrenamt. Er sagt: „Wenn der Topf bis zum Sommer alle ist, bin ich der glücklichste Mensch."

Weitere Informationen zu den Sonderfördermitteln finden Interessierte unter dem Punkt „Unterstützung" auf www.jugendring-minden-luebbecke.de

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