Wo laufen sie denn? Gelbe StreetScooter stehen häufig still Jürgen Langenkämper Minden. Auch in Minden setzt die Deutsche Post auf eine möglichst schadstoffarme Belieferung ihrer Kunden. Fünf E-Scooter waren zum Jahresende 2019 auf den Straßen der Stadt unterwegs, so die Pressestelle in Düsseldorf auf MT-Anfrage. Zu sehen bekamen die Bürger die elektrisch betriebenen Fahrzeuge allerdings meist nur auf einem Parkplatz an der Ringstraße/Ecke Rodenbecker Straße – in Wartestellung für die nächste Reparatur. Seit April 2016 setzt die Post im Stadtgebiet E-Scooter ein – nicht immer zur Begeisterung aller Postboten. Denn hinter vorgehaltener Hand erzählt der eine oder andere auch schon mal, dass die kleinen, gelben Flitzer unzuverlässig, weil reparaturanfällig, seien. In etlichen Zustellbezirken mit engen Straßen seien zudem Fahrräder handlicher, und das ständige, für den Bewegungsapparat strapaziöse Ein- und Aussteigen lässt manche Beschäftigte auf Dauer um ihre Gesundheit fürchten. „Die StreetScooter bewähren sich jeden Tag“, sagt dagegen der Postsprecher. „Und anfängliche ,Kinderkrankheiten‘ werden Zug um Zug beseitigt“ – womit er indirekt zugibt, dass mit den Fahrzeugen nicht alles so rund läuft wie erhofft und es hier und da zu Stillstand kommt. Reparaturen nimmt die Post nicht selbst vor. „Sämtliche StreetScooter-Fahrzeuge sind grundsätzlich der GAS-Organisation (Global Automobile Service) zugeordnet“, teilt der Postsprecher mit. „Für Schäden an der Karosserie sind die ZUI-Werkstätten und für Glasschäden ist Carglass zuständig.“ In der Ruhezeit stehen die Fahrzeuge an den Ladestationen des Zustellstützpunkts Minden. In den nächsten fünf Jahren will die Deutsche Post DHL die eigene Zustellung – einschließlich der Abholung von Päckchen und Paketen – zu 70 Prozent mit sauberen und emissionsfreien Zustell- und Abholkonzepten durchführen, „um einen positiven Beitrag zur lokalen Luftqualität zu leisten“, wie es von offizieller Seite heißt. „Dazu erneuert das Unternehmen seine Fahrzeuge kontinuierlich auf Basis der jeweils neuesten Emissionsstandards“, so der Sprecher. „Bereits heute entsprechen mehr als 55.000 der Fahrzeuge in Europa den Euro-Norm-Klassen 5 oder 6, hinzu kommen über 10.000 Zero Emission Vehicles (ZEV).“ Ein StreetScooter, Model Work, spare im Schnitt pro Jahr drei Tonnen CO2 und 1.100 Liter Diesel und ein Model Work L rund vier Tonnen CO2 und 1.500 Liter Kraftstoff. Wegfallen sollen bei diesem riesigen Investitionsprogramm – zu den Kosten will der Postsprecher keine Angaben machen, ein StreetScooter sei aber für Privatkunden ab 28.000 Euro zu haben – aber nicht nur Transportfahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Auch Fahrräder mit einem relativ geringen CO2-Ausstoß an verbrauchter Atemluft der radelnden Postboten sollen wegfallen. Kommentar Zweifelhafte Ökobilanz Thema: Einführung von Elektroautos bei der Post Jürgen Langenkämper Reduzierung des Schadstoffausstoßes, das hört sich gut an. Auch für viele Kunden der Deutschen Post DHL, die sich wundern, wie viele Paketlieferdienste nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern nahezu tagtäglich durch die Straßen kurven und Dieselabgase in die Luft blasen. Da erscheint ein über Nacht an der Steckdose aufgeladener, zudem noch geräuscharmer kleiner gelber Flitzer wie eine Verbesserung, wenn nicht gar wie DIE Erlösung. Und der Postbote hat es auch noch schön warm – und bei Regen trocken. Jetzt wollen wir uns mal nicht den Kopf der Postboten zerbrechen, die vielleicht doch lieber beim Treten in die Pedale in Schweiß kommen und sich durch ihren Job den Gang ins Fitnessstudio ersparen wollen. Es gibt bestimmt Tage, an denen sie gern in einem StreetScooter säßen. Aber das trifft wahrscheinlich nicht auf alle zu – nicht auf alle Tage und nicht auf alle Postboten*innen. Viel nachdenklicher stimmen muss uns als Absender und Empfänger, dass in den nächsten Jahren nicht nur umweltbelastende Autos wegfallen sollen, sondern auch umweltfreundliche Posträder. Eine höchst zweifelhafte Ökobilanz!

Wo laufen sie denn?
Gelbe StreetScooter stehen häufig still

Fünf auf einen Streich: Derzeit haben offensichtlich alle StreetScooter der Deutschen Post in Minden einen Boxenstopp an der Ringstraße/Ecke Rodenbecker Straße nötig. MT- © Foto: Langenkämper

Minden. Auch in Minden setzt die Deutsche Post auf eine möglichst schadstoffarme Belieferung ihrer Kunden. Fünf E-Scooter waren zum Jahresende 2019 auf den Straßen der Stadt unterwegs, so die Pressestelle in Düsseldorf auf MT-Anfrage. Zu sehen bekamen die Bürger die elektrisch betriebenen Fahrzeuge allerdings meist nur auf einem Parkplatz an der Ringstraße/Ecke Rodenbecker Straße – in Wartestellung für die nächste Reparatur.

Seit April 2016 setzt die Post im Stadtgebiet E-Scooter ein – nicht immer zur Begeisterung aller Postboten. Denn hinter vorgehaltener Hand erzählt der eine oder andere auch schon mal, dass die kleinen, gelben Flitzer unzuverlässig, weil reparaturanfällig, seien. In etlichen Zustellbezirken mit engen Straßen seien zudem Fahrräder handlicher, und das ständige, für den Bewegungsapparat strapaziöse Ein- und Aussteigen lässt manche Beschäftigte auf Dauer um ihre Gesundheit fürchten.

„Die StreetScooter bewähren sich jeden Tag“, sagt dagegen der Postsprecher. „Und anfängliche ,Kinderkrankheiten werden Zug um Zug beseitigt“ – womit er indirekt zugibt, dass mit den Fahrzeugen nicht alles so rund läuft wie erhofft und es hier und da zu Stillstand kommt.

Reparaturen nimmt die Post nicht selbst vor. „Sämtliche StreetScooter-Fahrzeuge sind grundsätzlich der GAS-Organisation (Global Automobile Service) zugeordnet“, teilt der Postsprecher mit. „Für Schäden an der Karosserie sind die ZUI-Werkstätten und für Glasschäden ist Carglass zuständig.“ In der Ruhezeit stehen die Fahrzeuge an den Ladestationen des Zustellstützpunkts Minden.

In den nächsten fünf Jahren will die Deutsche Post DHL die eigene Zustellung – einschließlich der Abholung von Päckchen und Paketen – zu 70 Prozent mit sauberen und emissionsfreien Zustell- und Abholkonzepten durchführen, „um einen positiven Beitrag zur lokalen Luftqualität zu leisten“, wie es von offizieller Seite heißt. „Dazu erneuert das Unternehmen seine Fahrzeuge kontinuierlich auf Basis der jeweils neuesten Emissionsstandards“, so der Sprecher. „Bereits heute entsprechen mehr als 55.000 der Fahrzeuge in Europa den Euro-Norm-Klassen 5 oder 6, hinzu kommen über 10.000 Zero Emission Vehicles (ZEV).“ Ein StreetScooter, Model Work, spare im Schnitt pro Jahr drei Tonnen CO2 und 1.100 Liter Diesel und ein Model Work L rund vier Tonnen CO2 und 1.500 Liter Kraftstoff.

Wegfallen sollen bei diesem riesigen Investitionsprogramm – zu den Kosten will der Postsprecher keine Angaben machen, ein StreetScooter sei aber für Privatkunden ab 28.000 Euro zu haben – aber nicht nur Transportfahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Auch Fahrräder mit einem relativ geringen CO2-Ausstoß an verbrauchter Atemluft der radelnden Postboten sollen wegfallen.

Kommentar

Zweifelhafte Ökobilanz

Thema: Einführung von Elektroautos bei der Post

Jürgen Langenkämper

Reduzierung des Schadstoffausstoßes, das hört sich gut an. Auch für viele Kunden der Deutschen Post DHL, die sich wundern, wie viele Paketlieferdienste nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern nahezu tagtäglich durch die Straßen kurven und Dieselabgase in die Luft blasen. Da erscheint ein über Nacht an der Steckdose aufgeladener, zudem noch geräuscharmer kleiner gelber Flitzer wie eine Verbesserung, wenn nicht gar wie DIE Erlösung. Und der Postbote hat es auch noch schön warm – und bei Regen trocken.

Jetzt wollen wir uns mal nicht den Kopf der Postboten zerbrechen, die vielleicht doch lieber beim Treten in die Pedale in Schweiß kommen und sich durch ihren Job den Gang ins Fitnessstudio ersparen wollen. Es gibt bestimmt Tage, an denen sie gern in einem StreetScooter säßen. Aber das trifft wahrscheinlich nicht auf alle zu – nicht auf alle Tage und nicht auf alle Postboten*innen.

Viel nachdenklicher stimmen muss uns als Absender und Empfänger, dass in den nächsten Jahren nicht nur umweltbelastende Autos wegfallen sollen, sondern auch umweltfreundliche Posträder. Eine höchst zweifelhafte Ökobilanz!

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