Wo ist die Facebook-Seite hin? Musikbox Minden erstattet Anzeige gegen Ex-Mitarbeiter Patrick Schwemling Minden. Was macht eigentlich die Musikbox? Das fragten sich einige MT-Leser, die im sozialen Netzwerk Facebook nach der Mindener Kult-Disko suchten. Zu ihrer Überraschung fanden sie dort rein gar nichts – und das obwohl die Seite der „Box" dort noch Ende 2020 fast 20.000 Fans hatte. Schnell machten Gerüchte über das Ende der Kult-Disco nach mehr als einem Jahr Corona-Pause die Runde, doch hinter der Geschichte steckt viel mehr. Es geht um einen Streit mit einem Ex-Mitarbeiter, der die Facebook-Seite aus dem Netz genommen haben soll. Box-Betriebsleiter Heinz Eichler hat inzwischen Anzeige erstattet und wird zivilrechtlich gegen den Mitarbeiter vorgehen. „Uns wurden Daten genommen, wenn wir Pech haben, sehen wir die nie wieder", sagt Heinz Eichler, laut dem die Musikbox bereits seit mehr als zwei Monaten nicht mehr auf Facebook erreichbar sei. Am 11. Januar dieses Jahres sei seine Tochter Nora Vogt, die in das Familienunternehmen eingestiegen ist, darüber benachrichtigt worden, dass sie keine Berechtigung und keinen Zugriff mehr für die Facebook-Seite habe, die vor ungefähr zwölf Jahren ins Leben gerufen wurde. „Kurz danach war die Seite dann auch offline", erklärt Eichler. Der ehemalige Mitarbeiter hatte die Aktion im Vorfeld bereits per SMS angekündigt, sagt Eichler. Der Mann, dessen Name dem MT bekannt ist und der inzwischen eine Bar in Niedersachsen betreiben soll, habe die Facebook-Seite im Rahmen seiner Beschäftigung bei der Musikbox mit Leben gefüllt. Ende November des vergangenen Jahres war in den Facebook-Einstellungen zu sehen, dass der Mitarbeiter die Seite von nun an für sich beansprucht hat. „Seitdem begleitet uns das Thema und ist nun eskaliert", sagt Eichler und fügt an: „Das ist eine fürchterliche Sache." Der erfahrene Disco-Betreiber spricht in dem Zusammenhang von einer „der größten Enttäuschungen, die ich in der Branche in vielen Jahre erlebt habe". Eichler rätselt, warum er trotz mehrfacher Zusage die Daten herauszugeben, es bis heute nicht getan hat. Die ganze Geschichte spielt sich im Rahmen einer beruflichen Trennung ab. „Im November 2020 hatten wir darüber gesprochen, dass der Mitarbeiter zum 31. Dezember kündigen würde, da e sich mit einen eigenem Betrieb selbstständig machen wolle", erinnert sich Eichler. Da dies jedoch nicht geschehen sei, wurde das Arbeitsverhältnis Anfang Januar beendet. „Abgesehen davon gab es seitdem keinen Kontakt mehr", sagt Eichler. Er habe über einen Anwalt, der auf Medienrecht spezialisiert ist, ein Schreiben aufsetzen lassen und um die Herausgabe der Daten für die Facebook-Seite gebeten. „Ich habe eine Frist gesetzt, doch diese hat er verstreichen lassen." Deswegen habe Eichler nun rechtliche Schritte eingeleitet. „Ich habe mit der Polizei Rücksprache gehalten und die Anzeige als Betriebsleiter erstattet", sagt der Box-Gründer. Außerdem werde die Musikbox den Ex-Mitarbeiter auf Herausgabe der Daten verklagen. „Uns bleibt jetzt nichts anderes mehr übrig", so Eichler. Aktuell sei die Disko wegen der Pandemie ohnehin geschlossen, doch irgendwann würde es weitergehen. „Und wenn wir dann plötzlich mehrere tausend Menschen nicht mehr erreichen und eine neue Seite aufbauen müssen, wäre das tragisch", sagt er und verweist in diesem Zusammenhang vor allem auf die Veranstaltungs-Funktion bei Facebook, die gerade für Klubs und Diskotheken sehr wichtig sei. Darüber hinaus hätte er während der Pandemie-Pause über den Kanal gerne Lebenszeichen gesendet – auch das sei nicht mehr möglich. Zwar habe er noch Zugriff auf das Instagram-Konto und erreiche darüber auch viele Menschen, dort sei aber eine andere Zielgruppe unterwegs als bei Facebook. „Egal, wie man es dreht und wendet, es ist eine ganz bittere Nummer." Der betroffene Ex-Mitarbeiter wurde vom Mindener Tageblatt kontaktiert, zeigte sich davon allerdings überrascht. Er habe keine Ahnung, was für Vorwürfe im Raum stehen würden, und weshalb er Teil dieses Artikels sein solle. Dementsprechend könne er dazu keine Auskunft geben. Im gleichen Zuge kündigte er allerdings auch an rechtliche Schritte einzuleiten, falls diffamierende Merkmale zu seiner Person in dem Artikel auftauchen würden. Polizei-Pressesprecher Thomas Bensch bestätigte unterdessen, dass eine Anzeige gegen den Mann wegen aller in Frage kommender Delikte am Donnerstag, dem 1. April bei der Polizei Minden-Lübbecke eingegangen sei. „Diese wird nun dem entsprechenden Kommissariat zugeordnet, abgearbeitet und dann geht alles seinen weiteren Weg", erklärt Bensch. Lesen Sie zu diesem Thema auch:„Wir wurden am Leben gehalten": Musikbox Minden zieht Bilanz nach einem Jahr Stillstand Kein Kavaliersdelikt Ein Kommentar von Patrick Schwemling Der Musikbox wurde der Zugang zur Facebook-Seite genommen. Man könnte darüber schmunzeln, es könnte als Unfug abgetan werden. Doch das ist es nicht. Dieser Kanal in dem sozialen Netzwerk ist für die Diskothek unheimlich wichtig, um auf Veranstaltungen hinzuweisen und genau die Zielgruppe anzusprechen, die dort im Normalfall feiert. Wer diese Daten klaut, macht das bewusst – und das ist kein Kavaliersdelikt. Übrigens: Wer meint, dass das auf Naivität zurückzuführen ist, dem mag man auf dem ersten Blick zustimmen. Doch in der Praxis ist es nicht immer möglich, alles selbst zu verwalten und zu kontrollieren. Beispiel gefällig? Auch das MT könnte ein solches Problem bekommen. Gleich zwölf Personen hätten derzeit die Möglichkeit die Facebook-Seite zu löschen oder Inhalte zu veröffentlichen, die dort nicht hingehören – und das bei einer Reichweite von aktuell mehr als 30.000 Menschen. Bislang haben wir uns mit diesem Thema nicht beschäftigt, die praktischen Gründe für mehrere Administratoren überwogen den Befürchtungen der Manipulation – doch der Fall der Musikbox hat auch unsere Sinne geschärft.

Wo ist die Facebook-Seite hin? Musikbox Minden erstattet Anzeige gegen Ex-Mitarbeiter

Die Musikbox an der Portastraße ist seit mehr als einem Jahr nicht für den Discobetrieb geöffnet. Im sozialen Netzwerk Facebook findet man die Seite der Disco offensichtlich seit Januar nicht mehr. MT-Foto: © Alex Lehn

Minden. Was macht eigentlich die Musikbox? Das fragten sich einige MT-Leser, die im sozialen Netzwerk Facebook nach der Mindener Kult-Disko suchten. Zu ihrer Überraschung fanden sie dort rein gar nichts – und das obwohl die Seite der „Box" dort noch Ende 2020 fast 20.000 Fans hatte. Schnell machten Gerüchte über das Ende der Kult-Disco nach mehr als einem Jahr Corona-Pause die Runde, doch hinter der Geschichte steckt viel mehr. Es geht um einen Streit mit einem Ex-Mitarbeiter, der die Facebook-Seite aus dem Netz genommen haben soll. Box-Betriebsleiter Heinz Eichler hat inzwischen Anzeige erstattet und wird zivilrechtlich gegen den Mitarbeiter vorgehen.

„Uns wurden Daten genommen, wenn wir Pech haben, sehen wir die nie wieder", sagt Heinz Eichler, laut dem die Musikbox bereits seit mehr als zwei Monaten nicht mehr auf Facebook erreichbar sei. Am 11. Januar dieses Jahres sei seine Tochter Nora Vogt, die in das Familienunternehmen eingestiegen ist, darüber benachrichtigt worden, dass sie keine Berechtigung und keinen Zugriff mehr für die Facebook-Seite habe, die vor ungefähr zwölf Jahren ins Leben gerufen wurde. „Kurz danach war die Seite dann auch offline", erklärt Eichler.

Der ehemalige Mitarbeiter hatte die Aktion im Vorfeld bereits per SMS angekündigt, sagt Eichler. Der Mann, dessen Name dem MT bekannt ist und der inzwischen eine Bar in Niedersachsen betreiben soll, habe die Facebook-Seite im Rahmen seiner Beschäftigung bei der Musikbox mit Leben gefüllt. Ende November des vergangenen Jahres war in den Facebook-Einstellungen zu sehen, dass der Mitarbeiter die Seite von nun an für sich beansprucht hat.

Malina Reckordt

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„Seitdem begleitet uns das Thema und ist nun eskaliert", sagt Eichler und fügt an: „Das ist eine fürchterliche Sache." Der erfahrene Disco-Betreiber spricht in dem Zusammenhang von einer „der größten Enttäuschungen, die ich in der Branche in vielen Jahre erlebt habe". Eichler rätselt, warum er trotz mehrfacher Zusage die Daten herauszugeben, es bis heute nicht getan hat. Die ganze Geschichte spielt sich im Rahmen einer beruflichen Trennung ab.

Bei der Suche bei Facebook findet sich zwar der Biergarten "Dos Lunas", aber nicht die Seite der Musikbox. Ob sie endgültig gelöscht, deaktiviert oder auf nicht sichtbar gestellt wurde, ist laut Betriebsleiter Heinz Eichler nicht klar. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling
Bei der Suche bei Facebook findet sich zwar der Biergarten "Dos Lunas", aber nicht die Seite der Musikbox. Ob sie endgültig gelöscht, deaktiviert oder auf nicht sichtbar gestellt wurde, ist laut Betriebsleiter Heinz Eichler nicht klar. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling

„Im November 2020 hatten wir darüber gesprochen, dass der Mitarbeiter zum 31. Dezember kündigen würde, da e sich mit einen eigenem Betrieb selbstständig machen wolle", erinnert sich Eichler. Da dies jedoch nicht geschehen sei, wurde das Arbeitsverhältnis Anfang Januar beendet. „Abgesehen davon gab es seitdem keinen Kontakt mehr", sagt Eichler. Er habe über einen Anwalt, der auf Medienrecht spezialisiert ist, ein Schreiben aufsetzen lassen und um die Herausgabe der Daten für die Facebook-Seite gebeten. „Ich habe eine Frist gesetzt, doch diese hat er verstreichen lassen." Deswegen habe Eichler nun rechtliche Schritte eingeleitet.

„Ich habe mit der Polizei Rücksprache gehalten und die Anzeige als Betriebsleiter erstattet", sagt der Box-Gründer. Außerdem werde die Musikbox den Ex-Mitarbeiter auf Herausgabe der Daten verklagen. „Uns bleibt jetzt nichts anderes mehr übrig", so Eichler.

Aktuell sei die Disko wegen der Pandemie ohnehin geschlossen, doch irgendwann würde es weitergehen. „Und wenn wir dann plötzlich mehrere tausend Menschen nicht mehr erreichen und eine neue Seite aufbauen müssen, wäre das tragisch", sagt er und verweist in diesem Zusammenhang vor allem auf die Veranstaltungs-Funktion bei Facebook, die gerade für Klubs und Diskotheken sehr wichtig sei. Darüber hinaus hätte er während der Pandemie-Pause über den Kanal gerne Lebenszeichen gesendet – auch das sei nicht mehr möglich.

So hat MT-Fotograf Alexander Lehn den aktuellen Fall rund um die Musikbox für die Printausgabe des Mindener Tageblatts illustriert. MT-Illustration: - © Alex Lehn
So hat MT-Fotograf Alexander Lehn den aktuellen Fall rund um die Musikbox für die Printausgabe des Mindener Tageblatts illustriert. MT-Illustration: - © Alex Lehn

Zwar habe er noch Zugriff auf das Instagram-Konto und erreiche darüber auch viele Menschen, dort sei aber eine andere Zielgruppe unterwegs als bei Facebook. „Egal, wie man es dreht und wendet, es ist eine ganz bittere Nummer."

Der betroffene Ex-Mitarbeiter wurde vom Mindener Tageblatt kontaktiert, zeigte sich davon allerdings überrascht. Er habe keine Ahnung, was für Vorwürfe im Raum stehen würden, und weshalb er Teil dieses Artikels sein solle. Dementsprechend könne er dazu keine Auskunft geben. Im gleichen Zuge kündigte er allerdings auch an rechtliche Schritte einzuleiten, falls diffamierende Merkmale zu seiner Person in dem Artikel auftauchen würden.

Polizei-Pressesprecher Thomas Bensch bestätigte unterdessen, dass eine Anzeige gegen den Mann wegen aller in Frage kommender Delikte am Donnerstag, dem 1. April bei der Polizei Minden-Lübbecke eingegangen sei. „Diese wird nun dem entsprechenden Kommissariat zugeordnet, abgearbeitet und dann geht alles seinen weiteren Weg", erklärt Bensch.

Lesen Sie zu diesem Thema auch:„Wir wurden am Leben gehalten": Musikbox Minden zieht Bilanz nach einem Jahr Stillstand

Kein Kavaliersdelikt

Ein Kommentar von Patrick Schwemling

Der Musikbox wurde der Zugang zur Facebook-Seite genommen. Man könnte darüber schmunzeln, es könnte als Unfug abgetan werden. Doch das ist es nicht. Dieser Kanal in dem sozialen Netzwerk ist für die Diskothek unheimlich wichtig, um auf Veranstaltungen hinzuweisen und genau die Zielgruppe anzusprechen, die dort im Normalfall feiert. Wer diese Daten klaut, macht das bewusst – und das ist kein Kavaliersdelikt.

Übrigens: Wer meint, dass das auf Naivität zurückzuführen ist, dem mag man auf dem ersten Blick zustimmen. Doch in der Praxis ist es nicht immer möglich, alles selbst zu verwalten und zu kontrollieren.

Beispiel gefällig? Auch das MT könnte ein solches Problem bekommen. Gleich zwölf Personen hätten derzeit die Möglichkeit die Facebook-Seite zu löschen oder Inhalte zu veröffentlichen, die dort nicht hingehören – und das bei einer Reichweite von aktuell mehr als 30.000 Menschen.

Bislang haben wir uns mit diesem Thema nicht beschäftigt, die praktischen Gründe für mehrere Administratoren überwogen den Befürchtungen der Manipulation – doch der Fall der Musikbox hat auch unsere Sinne geschärft.

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