Wirbel um "Wir für Minden": Stellvertretende Vorsitzende geht nach kurzer Zeit Henning Wandel Minden. Bei der frisch gegründeten Wählergemeinschaft „Wir für Minden“ gibt es bereits eine erste personelle Veränderung. Alexandra Dirksmöller hat sich nur wenige Wochen nach ihrer Wahl zur stellvertretenden Vorsitzenden wieder zurückgezogen. Ihre Entscheidung hatte sie zunächst am 3. August mit einem knappen Eintrag auf ihrem Facebook-Profil mitgeteilt. Sie sei „ab sofort nicht mehr Teil der Wählergemeinschaft 'Wir für Minden'“, heißt es dort. Es habe „unüberwindbare Differenzen“ gegeben, so die Begründung. Weitere Details nannte Dirksmöller zunächst nicht. Sie war bei der Gründungsversammlung im Juni in den Geschäftsführenden Vorstand gewählt worden. Erst mit einigem Abstand äußert sie sich gegenüber dem MT zu weiteren Hintergründen. Anlass war eine Pressemitteilung von „Wir für Minden“, in der die Direktkandidaten und die Reserveliste vorgestellt wurden. Mit dabei: das Foto der Gründungsversammlung mit Alexandra Dirksmöller, das nach ihrem Rückzug erneut veröffentlicht wurde. „Im Prinzip wurde nur mein Name benutzt“, sagt Dirksmöller rückblickend. Sie war in der Vergangenheit schon einmal mit einer Petition zum Burgweg öffentlich in Erscheinung getreten, damals als unabhängige Privatperson. „Ich wollte mich auch weiterhin engagieren“, begründet sie den Schritt in die neue Wählergemeinschaft. Als neues Mitglied in einem gefestigten Personenkreis, sei es ihr aber schwergefallen, Fuß zu fassen. Entsprechend habe sie ihre Themen kaum einbringen können. Stattdessen sei sie in Pressemitteilungen mit Inhalten aus dem Programm der Partei zitiert worden, die sie zwar vorab zur Kenntnis bekommen habe, die aber nicht von ihr stammten. Statt zu widersprechen, habe sie diese Praxis zunächst hingenommen. Schließlich aber habe sie erkannt: „Das tut mir nicht gut“. Nach ihrem Austritt habe es in zahlreichen Mails Vorwürfe gegeben, Dirksmöller fühlte sich derart bedrängt, dass sie alle digitalen Kanäle kappte. Die Wählergemeinschaft weist die Vorwürfe zurück. Jeder habe sich einbringen können, sagt Pressesprecher Frank Tomaschewski. Abstimmungen und Absprachen seien jederzeit transparent verlaufen: „Mehr Demokratie geht nicht.“ Der Vorstand arbeite sehr gut und eng zusammen. Dirksmöllers Posten soll am kommenden Montag neu besetzt werden, so Tomaschewski. „Den Wahlkampf werden wir mit Freude und Enthusiasmus weiterführen“, meint auch der Vorsitzende Fabian Rupek. Aussichten auf den Einzug in den Stadtrat hatte Alexandra Dirksmöller aus Sicht ihrer Partei offenbar ohnehin nicht. „Da sie den Listenplatz 8 belegt“, sei das „unwahrscheinlich“. Als Direktkandidatin steht Dirksmöller in Dützen zur Wahl. Daran wird sich aus rechtlichen Gründen bis zum 13. September auch nichts mehr ändern – wer einmal als Kandidat zugelassen und eingetragen ist, kann nicht mehr zurück. „Man kann mich immer noch wählen“, sagt Dirksmöller, „aber nicht mehr für die Wählergemeinschaft.“ Dirksmöller ist im Übrigen nicht die erste, die „Wir für Minden“ den Rücken kehrt. Der Sachkundige Bürger Axel Nicolaus hat die Fraktion schon im Mai verlassen. Den Verein gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Seine Beweggründe ähneln denen Dirksmöllers. Er sei „mit falschen Versprechungen in die Fraktion gelockt“ worden, sagt er. Das frühere SPD-Mitglied arbeitet nach eigenen Angaben seit fast 30 Jahren im Sozialamt und ist Vorsitzender im Mindener Sozialverband VdK. Er sei in die Fraktion eingetreten, um sich im Sozialausschuss zu engagieren. Doch statt des vereinbarten Sitzes im Ausschuss habe er sich dann mit einer Rolle als zweiter Reservekandidat anfreunden müssen. „Eine politische Entfaltung war nicht mehr möglich.“ Vorwürfe erhebt er vor allem gegen einen der Gründer von „Wir für Minden“, den jetzigen Pressesprecher Frank Tomaschewski. Kritisches Denken innerhalb der Fraktion sei nicht erwünscht gewesen, sagt er. Tomaschewski habe vielmehr ein Gefolge gebraucht. Auch diese Vorwürfe weist Tomaschewski kategorisch zurück. Es sei für alle klar gewesen, dass Nicolaus für den Ausschuss nicht in der ersten Reihe stehe, in Fraktion und Partei habe jeder ein Mitspracherecht. Frank Tomaschewski hat die Wählergemeinschaft gemeinsam mit Stefan Schröder auf den Weg gebracht, der aktuell Mitglied der Linkspartei und Vorsitzender der „Sozialliberalen Fraktion“ ist. Die hatte sich nach dem Austritt der Linken-Politikerin Angela Gradler-Gebecke umbenannt und das Etikett „Linke“ abgelegt. Die Fraktion „Wir für Minden“ währenddessen ist schon vor der Gründung der Wählervereinigung aus einem ursprünglichen Bündnis von FDP, Bürgerbündnis Minden (BBM) und Piraten hervorgegangen. Nachdem zunächst die BBM-Vertreterin Claudia Herziger-Möhlmann die Fraktion verlassen hatte, entzweiten sich später die beiden FDP-Ratsmitglieder Hartmut Freise und Jörgen Happel. Freise verließ die Fraktion, Happel zog sich später aus Altersgründen zurück. Für ihn rückte auf FDP-Ticket der Sachkundige Bürger Thorsten Vogt nach, der später aus der Partei austrat. Tomaschewski hatte die Piratenpartei zu diese Zeitpunkt längst verlassen. Vogt und Tomaschewski sind jetzt die Spitzenkandidaten von „Wir für Minden“ bei der Wahl am 13. September.

Wirbel um "Wir für Minden": Stellvertretende Vorsitzende geht nach kurzer Zeit

Seit dem 27. Juli stehen die Bewerber für die Kommunalwahl fest. Auch „Wir für Minden“ war in allen 25 Stimmbezirken vertreten, Alexandra Dirksmöller kandidiert jetzt aber parteilos. MT-Foto: Henning Wandel © Henning Wandel

Minden. Bei der frisch gegründeten Wählergemeinschaft „Wir für Minden“ gibt es bereits eine erste personelle Veränderung. Alexandra Dirksmöller hat sich nur wenige Wochen nach ihrer Wahl zur stellvertretenden Vorsitzenden wieder zurückgezogen. Ihre Entscheidung hatte sie zunächst am 3. August mit einem knappen Eintrag auf ihrem Facebook-Profil mitgeteilt. Sie sei „ab sofort nicht mehr Teil der Wählergemeinschaft 'Wir für Minden'“, heißt es dort. Es habe „unüberwindbare Differenzen“ gegeben, so die Begründung. Weitere Details nannte Dirksmöller zunächst nicht. Sie war bei der Gründungsversammlung im Juni in den Geschäftsführenden Vorstand gewählt worden.

Erst mit einigem Abstand äußert sie sich gegenüber dem MT zu weiteren Hintergründen. Anlass war eine Pressemitteilung von „Wir für Minden“, in der die Direktkandidaten und die Reserveliste vorgestellt wurden. Mit dabei: das Foto der Gründungsversammlung mit Alexandra Dirksmöller, das nach ihrem Rückzug erneut veröffentlicht wurde. „Im Prinzip wurde nur mein Name benutzt“, sagt Dirksmöller rückblickend. Sie war in der Vergangenheit schon einmal mit einer Petition zum Burgweg öffentlich in Erscheinung getreten, damals als unabhängige Privatperson.

„Ich wollte mich auch weiterhin engagieren“, begründet sie den Schritt in die neue Wählergemeinschaft. Als neues Mitglied in einem gefestigten Personenkreis, sei es ihr aber schwergefallen, Fuß zu fassen. Entsprechend habe sie ihre Themen kaum einbringen können. Stattdessen sei sie in Pressemitteilungen mit Inhalten aus dem Programm der Partei zitiert worden, die sie zwar vorab zur Kenntnis bekommen habe, die aber nicht von ihr stammten. Statt zu widersprechen, habe sie diese Praxis zunächst hingenommen. Schließlich aber habe sie erkannt: „Das tut mir nicht gut“. Nach ihrem Austritt habe es in zahlreichen Mails Vorwürfe gegeben, Dirksmöller fühlte sich derart bedrängt, dass sie alle digitalen Kanäle kappte.

Die Wählergemeinschaft weist die Vorwürfe zurück. Jeder habe sich einbringen können, sagt Pressesprecher Frank Tomaschewski. Abstimmungen und Absprachen seien jederzeit transparent verlaufen: „Mehr Demokratie geht nicht.“ Der Vorstand arbeite sehr gut und eng zusammen. Dirksmöllers Posten soll am kommenden Montag neu besetzt werden, so Tomaschewski. „Den Wahlkampf werden wir mit Freude und Enthusiasmus weiterführen“, meint auch der Vorsitzende Fabian Rupek. Aussichten auf den Einzug in den Stadtrat hatte Alexandra Dirksmöller aus Sicht ihrer Partei offenbar ohnehin nicht. „Da sie den Listenplatz 8 belegt“, sei das „unwahrscheinlich“. Als Direktkandidatin steht Dirksmöller in Dützen zur Wahl. Daran wird sich aus rechtlichen Gründen bis zum 13. September auch nichts mehr ändern – wer einmal als Kandidat zugelassen und eingetragen ist, kann nicht mehr zurück. „Man kann mich immer noch wählen“, sagt Dirksmöller, „aber nicht mehr für die Wählergemeinschaft.“

Dirksmöller ist im Übrigen nicht die erste, die „Wir für Minden“ den Rücken kehrt. Der Sachkundige Bürger Axel Nicolaus hat die Fraktion schon im Mai verlassen. Den Verein gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Seine Beweggründe ähneln denen Dirksmöllers. Er sei „mit falschen Versprechungen in die Fraktion gelockt“ worden, sagt er. Das frühere SPD-Mitglied arbeitet nach eigenen Angaben seit fast 30 Jahren im Sozialamt und ist Vorsitzender im Mindener Sozialverband VdK. Er sei in die Fraktion eingetreten, um sich im Sozialausschuss zu engagieren. Doch statt des vereinbarten Sitzes im Ausschuss habe er sich dann mit einer Rolle als zweiter Reservekandidat anfreunden müssen. „Eine politische Entfaltung war nicht mehr möglich.“

Vorwürfe erhebt er vor allem gegen einen der Gründer von „Wir für Minden“, den jetzigen Pressesprecher Frank Tomaschewski. Kritisches Denken innerhalb der Fraktion sei nicht erwünscht gewesen, sagt er. Tomaschewski habe vielmehr ein Gefolge gebraucht. Auch diese Vorwürfe weist Tomaschewski kategorisch zurück. Es sei für alle klar gewesen, dass Nicolaus für den Ausschuss nicht in der ersten Reihe stehe, in Fraktion und Partei habe jeder ein Mitspracherecht.

Frank Tomaschewski hat die Wählergemeinschaft gemeinsam mit Stefan Schröder auf den Weg gebracht, der aktuell Mitglied der Linkspartei und Vorsitzender der „Sozialliberalen Fraktion“ ist. Die hatte sich nach dem Austritt der Linken-Politikerin Angela Gradler-Gebecke umbenannt und das Etikett „Linke“ abgelegt. Die Fraktion „Wir für Minden“ währenddessen ist schon vor der Gründung der Wählervereinigung aus einem ursprünglichen Bündnis von FDP, Bürgerbündnis Minden (BBM) und Piraten hervorgegangen. Nachdem zunächst die BBM-Vertreterin Claudia Herziger-Möhlmann die Fraktion verlassen hatte, entzweiten sich später die beiden FDP-Ratsmitglieder Hartmut Freise und Jörgen Happel. Freise verließ die Fraktion, Happel zog sich später aus Altersgründen zurück. Für ihn rückte auf FDP-Ticket der Sachkundige Bürger Thorsten Vogt nach, der später aus der Partei austrat. Tomaschewski hatte die Piratenpartei zu diese Zeitpunkt längst verlassen. Vogt und Tomaschewski sind jetzt die Spitzenkandidaten von „Wir für Minden“ bei der Wahl am 13. September.

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