„Wir wünschen uns Priesterinnen“: Mindener Frauenverband will die katholische Kirche verändern Christine Riechmann Minden. Brigitte Viermann will nicht denen das Feld überlassen, die die Kirche zugrunde gerichtet haben. Deshalb ist die Mindenerin noch nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten. Und wenn sie nicht austritt, dann will sie etwas verändern. So ist sie seit vielen Jahren Mitglied der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd), einem Verband, der in der katholischen Kirche beheimatet ist. Der Mindener Bezirk feierte jetzt sein 60-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsgottesdienst. Als Mütterverein gegründet, sollte der Verband Frauen die Möglichkeit zum Austausch in Alltagsfragen und zur Begegnung geben. Seine Mitglieder gründeten Krabbel- und Kleinkindgruppen, schmückten ehrenamtlich die Kirche für Gottesdienste, übernahmen Lektorinnendienste und waren Kommunionhelferinnen. „Und schon immer war da der Anspruch, Gottesdienste mitzugestalten“, sagt Monika Müller-Kröker, Bezirksleiterin der Mindener kfd. Aber nur mit großer Ausnahme hätten sich die Frauen damals getraut, ihre Stimme zu erheben. Mit der wachsenden Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft kam innerhalb der kfd-Gemeinschaft auch der Anspruch auf, Frauen in der Kirche gleichzustellen – und über die Jahre ist aus dem einstigen Mütterverein ein politisches Organ geworden. „Die kfd macht sich stark für Frauen und gibt ihnen eine Stimme“, erklärt Monika Müller-Kröker ein Ziel der Gemeinschaft. „Gott ist Mensch geworden, nicht Mann“, lautet ein Leitbild des Verbandes, dessen Forderung es ist, dass Frauen auch pastorale Aufgaben in der Kirche übernehmen dürfen. Wohlwollend nehme der Verband wahr, dass in den Bistümern Leitungspositionen mittlerweile auch von Frauen übernommen würden. „Aber das reicht uns nicht“, sagt Monika Müller-Kröker. „Wir wollen Frauen auch in Weihämtern und im diakonischen Wirken.“ Auch darum unterstütz die kfd die Frauen-Initiative 2.0 und deren Forderung, dass die Kirche der Zukunft von Frauen und Männern gleichberechtigt geleitet wird. Und auch den von vielen kirchlichen Verbänden und vielen Bischöfen geforderten Synodalen Weg möchten die Frauen der kfd mitgehen. Als die Mütterrente ein politisches Thema wurde, sei es auch maßgeblich der kfd und deren politischer Lobbyarbeit zu verdanken gewesen, dass es zu einer Gesetzesänderung gekommen ist und Mütter heute bei der Rentenberechnung einen zusätzlichen Entgeltpunkt für die Erziehung jedes Kindes, das vor 1992 geboren wurde, erhalten. Und mit der Aktion „Macht Licht an!“, mit der die kfd symbolisch in die hintersten Ecken der katholischen Kirche geleuchtet hat, habe sie diese dazu aufgefordert, endlich ihre Verantwortung gegenüber den Opfern sexueller Gewalt wahrzunehmen und die Täter nicht mehr länger zu schützen. Aber auch heute noch möchte die kfd Frauen ein breites Programm bieten und ein Ort der Begegnung und Gemeinschaft sein. „Wir feiern Gottesdienste für und mit Frauen“, erklärt Brigitte Viermann – und erzählt auch, wie schwer es den Frauen dabei heute noch gemacht wird. „Ein Frauengottesdienst zum Thema Barmherzigkeit, den wir machen wollten, wurde uns verboten. Der war von der hiesigen Geistlichkeit nicht erwünscht“, berichtet sie. „Man vertraut uns nicht.“ Und so fühle sie sich in der katholischen Kirche überhaupt nicht wertgeschätzt. Aber in den kirchlichen Verbänden. „Und in denen sehe ich die Zukunft, weil die es der Kirche vormachen, wie es funktionieren kann: Ehrenamtliche und Hauptamtliche können gemeinsam Gottesdienste gestalten und feiern“, meint die Mindenerin. Und nur, wenn man darüber rede, könne sich etwas verändern, denn Sprache schaffe Wirklichkeit, meint Brigitte Viermann. Dass sich vor allem die Strukturen in der Kirche ändern müssen, davon ist auch Monika Müller-Kröker überzeugt. Sie fühle sich noch deshalb in der Kirche aufgehoben, weil sie ihren Glauben habe. „Aber ich hoffe, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern eine andere Art von Kirche hinterlassen werden können.“ Beide Frauen haben einen großen Wunsch, wenn sie 60 Jahre weiterschauen: „Wir wünschen uns, dass es dann Priesterinnen gibt.“ Allerdings: „Vielleicht gibt es die katholische Kirche in diesen Strukturen dann auch gar nicht mehr“, überlegt Brigitte Viermann.

„Wir wünschen uns Priesterinnen“: Mindener Frauenverband will die katholische Kirche verändern

kfd-Mitglied Brigitte Viermann und das Vorstandsteam Brigitte Aumann, Monika Müller-Kröker und Ingrid Riedel (von links). Foto: Christine Riechmann © Christine Riechmann

Minden. Brigitte Viermann will nicht denen das Feld überlassen, die die Kirche zugrunde gerichtet haben. Deshalb ist die Mindenerin noch nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten. Und wenn sie nicht austritt, dann will sie etwas verändern. So ist sie seit vielen Jahren Mitglied der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd), einem Verband, der in der katholischen Kirche beheimatet ist. Der Mindener Bezirk feierte jetzt sein 60-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsgottesdienst.

Als Mütterverein gegründet, sollte der Verband Frauen die Möglichkeit zum Austausch in Alltagsfragen und zur Begegnung geben. Seine Mitglieder gründeten Krabbel- und Kleinkindgruppen, schmückten ehrenamtlich die Kirche für Gottesdienste, übernahmen Lektorinnendienste und waren Kommunionhelferinnen. „Und schon immer war da der Anspruch, Gottesdienste mitzugestalten“, sagt Monika Müller-Kröker, Bezirksleiterin der Mindener kfd. Aber nur mit großer Ausnahme hätten sich die Frauen damals getraut, ihre Stimme zu erheben.

Mit der wachsenden Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft kam innerhalb der kfd-Gemeinschaft auch der Anspruch auf, Frauen in der Kirche gleichzustellen – und über die Jahre ist aus dem einstigen Mütterverein ein politisches Organ geworden. „Die kfd macht sich stark für Frauen und gibt ihnen eine Stimme“, erklärt Monika Müller-Kröker ein Ziel der Gemeinschaft. „Gott ist Mensch geworden, nicht Mann“, lautet ein Leitbild des Verbandes, dessen Forderung es ist, dass Frauen auch pastorale Aufgaben in der Kirche übernehmen dürfen. Wohlwollend nehme der Verband wahr, dass in den Bistümern Leitungspositionen mittlerweile auch von Frauen übernommen würden. „Aber das reicht uns nicht“, sagt Monika Müller-Kröker. „Wir wollen Frauen auch in Weihämtern und im diakonischen Wirken.“ Auch darum unterstütz die kfd die Frauen-Initiative 2.0 und deren Forderung, dass die Kirche der Zukunft von Frauen und Männern gleichberechtigt geleitet wird. Und auch den von vielen kirchlichen Verbänden und vielen Bischöfen geforderten Synodalen Weg möchten die Frauen der kfd mitgehen.


Als die Mütterrente ein politisches Thema wurde, sei es auch maßgeblich der kfd und deren politischer Lobbyarbeit zu verdanken gewesen, dass es zu einer Gesetzesänderung gekommen ist und Mütter heute bei der Rentenberechnung einen zusätzlichen Entgeltpunkt für die Erziehung jedes Kindes, das vor 1992 geboren wurde, erhalten. Und mit der Aktion „Macht Licht an!“, mit der die kfd symbolisch in die hintersten Ecken der katholischen Kirche geleuchtet hat, habe sie diese dazu aufgefordert, endlich ihre Verantwortung gegenüber den Opfern sexueller Gewalt wahrzunehmen und die Täter nicht mehr länger zu schützen.

Aber auch heute noch möchte die kfd Frauen ein breites Programm bieten und ein Ort der Begegnung und Gemeinschaft sein. „Wir feiern Gottesdienste für und mit Frauen“, erklärt Brigitte Viermann – und erzählt auch, wie schwer es den Frauen dabei heute noch gemacht wird. „Ein Frauengottesdienst zum Thema Barmherzigkeit, den wir machen wollten, wurde uns verboten. Der war von der hiesigen Geistlichkeit nicht erwünscht“, berichtet sie. „Man vertraut uns nicht.“ Und so fühle sie sich in der katholischen Kirche überhaupt nicht wertgeschätzt. Aber in den kirchlichen Verbänden. „Und in denen sehe ich die Zukunft, weil die es der Kirche vormachen, wie es funktionieren kann: Ehrenamtliche und Hauptamtliche können gemeinsam Gottesdienste gestalten und feiern“, meint die Mindenerin. Und nur, wenn man darüber rede, könne sich etwas verändern, denn Sprache schaffe Wirklichkeit, meint Brigitte Viermann.

Dass sich vor allem die Strukturen in der Kirche ändern müssen, davon ist auch Monika Müller-Kröker überzeugt. Sie fühle sich noch deshalb in der Kirche aufgehoben, weil sie ihren Glauben habe. „Aber ich hoffe, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern eine andere Art von Kirche hinterlassen werden können.“

Beide Frauen haben einen großen Wunsch, wenn sie 60 Jahre weiterschauen: „Wir wünschen uns, dass es dann Priesterinnen gibt.“ Allerdings: „Vielleicht gibt es die katholische Kirche in diesen Strukturen dann auch gar nicht mehr“, überlegt Brigitte Viermann.

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