„Wir wollen raus aus der Hinterhofatmosphäre“ Monika Jäger Minden (mt). Verwaltung und Politik drücken bei der Entwicklung eines Geschäftshauses in 1-A-Lage am Scharn aufs Tempo. Der Hauptausschuss gab jetzt grünes Licht für intensivere Gespräche. Das passt den Teileigentümern im Ratsquartier allerdings gar nicht. Sie setzen auf ein anderes Konzept. Hauptausschuss-Beschluss: Ein ausgewählter Interessent soll sich am 23. Oktober im Rat der Stadt präsentieren. Dann soll möglichst auch schon die Entwicklungsvereinbarung für das neue Geschäftshaus geschlossen werden. Vorher wird die Volksbank Mindener Land, die die Vermarktung übernommen hat, im Ältestenrat die Bewerber und ihre Ideen zusammenfassend vorstellen.Norbert Kresse, Stadtkämmerer und zuständig für die Gebäudewirtschaft, berichtete im Ausschuss über den Stand der Dinge. Er erinnerte an die Vertriebsvereinbarung mit dem Immobiliencenter der Volksbank Mindener Land, nach dem die Grundstücke Rathaus, Gebäudeteil A, Scharn 4 (früher Höltke), Am Rathaus 30 und Scharn 6 gemeinsam vermarktet werden sollen. Die Stadt erwartet von den Interessenten unter anderem die Erfüllung der Kaufpreisvorstellungen der Stadt, die Sicherstellung der städtebaulichen Entwicklungsziele und wirtschaftliche Tragfähigkeit der vorgeschlagenen Lösung. Bis Mitte September hätten sich zwei ernsthaft interessierte Projektentwickler / Investoren vorgestellt.Mit einem weiteren Interessenten werde noch ein Sondierungsgespräch geführt, hieß es im Ausschuss. Wer dieser weitere Interessent ist, das wissen die Teileigentümer des Rathauses genau. Wie deren Sprecherin Uta Homann berichtet, wurde ihnen durch Ratsfrau Edith von Wrisberg (MI) der Mindener Philipp Hausdörffer vermittelt. Dieser wiederum sollte, so Homann, für einen Investor mit Hauptsitz in München verhandeln.Für Hausdörffer ist das Thema Mindener Immobilienentwicklung nicht neu. Er arbeitet auch als Mindener Frontmann der Investoren für die ehemalige Karstadt/Hertie-Immobilie (wo sich das Entwicklungstempo zur Zeit deutlich verlangsamt hat) und setze sich jüngst im Auftrag Mindener Geschäftsleute für das Schleifen der Steine auf dem Markt ein (was zu Disputen um die Frage nach der Genehmigung bei zwei Probe-Aktionen, aber auch zu intensiven Diskussionen über Alternativen zu den vorgelegten Planungen der Verwaltung führte).Sein aktuelles Engagement für das Scharn-Projekt ging nach MT-Informationen so weit, dass er sich darum bemühte, die Immobilie Scharn 6 selbst zu erwerben. Hausdörffer kommentrierte das am Wochenende nicht. Den Rathaus-Teileigentümern kommt es darauf an, den Rathaus-Innenhof nicht verkümmern zu lassen. Dort haben viele von ihnen Geschäfte. Sehr erbost sind die Teileigentümer auch über MT-Berichte darüber, dass die MEW in dem Bereich nur noch sehr geringe Geschäftsmieten verlangt. Ihre Mieter seien daraufhin mit der Forderung nach Mietnachlässen an sie herangetreten, schildert Homann. Sie fürchtet, ein Geschäftshaus am Scharn würde den Innenhof abbinden.Der Entwurf, den Hausdörffer vorgestellt habe, verhindere das und berücksichtige die Interessen der Teileigentümer. Auch die Vertreter der Politik waren vergangene Woche eingeladen, um sich die Vorstellungen Hausdörffers anzusehen. Denn dass er seine Pläne - wie alle anderen Investoren - bei der Volksbank vorstellen konnte, ist den Teileeigentümern suspekt. Immerhin sei einer der drei Hausbesitzer am Scharn der Volksbank geschäftlich verbunden. Im Hauptausschuss zielte Edith von Wrisberg auf genau diesen Punkt. Ob die Stadt beim Kauf des Vorderhauses an der Scharnpassage durch Wolfgang Hüsing (das MT berichtete) erwogen habe, ihr Vorkaufsrecht auszuüben? Kresse wies darauf hin, dass alle Eigentümer übereinstimmende Interessen hätten und sich an die gemeinsame Vermarktung gebunden hätten. Darum gebe es keinen Anlass, hier Vorkaufsrechte auszuüben. Wolfgang Hüsing erklärte dazu gegenüber dem MT: „Auch Mitarbeiter der Volksbank dürfen Immobilien besitzen - ich habe mehrere Immobilien in Minden. Das eine hat mit dem andern überhaupt nichts zu tun.“Peter Scherf, Vorstand der Volksbank Mindener Land, erklärt: „Es kann und wird keine Vermischung geben. Das wird ganz professionell abgearbeitet.“ Aus der Stadtverwaltung - die ja nur einer von drei Grundstückseigentümern für das geplante Geschäftshaus ist - heißt es, Hausdörffer sei zwar mit einem Skribble seiner Ideen, aber ohne Finanzierungskonzept und mit einem lapidaren E-Mail aufgetreten, die lediglich in einem Satz erkläre, dass er für die Münchner Investoren sprechen könne. „Das war kein ernsthaftes Bekenntnis des Investors“, so die Einschätzung. Die Teileigentümer allerdings möchten die Große Lösung, für die Hausdörffers Entwurf offenbar steht. „Wir möchten, dass das gesamte Rathausquartier entwickelt wird und nicht nur das Teilstück am Scharn“, betonte Homann im MT-Gespräch. „Sonst wird hier wertvoller Grundbesitz in dunkle Ecken verwandelt.“Vorschlag: Alle Eigentümer und Teileigentümer stellen ihre Anteile zum Verkauf zur Verfügung. Die Stadt könnte dann alleinige Eigentümerin werden, „Ein Investor hätte damit die Möglichkeit zur modernen Planung.“ Stadtkämmerer Kresse versicherte auf MT-Anfrage, er werde die Belange der Teileigentümer berücksichtigen: „Ich sehe bei jeder der vorgelegten Lösungen die Stadt in der Verpflichtung, gemeinsam mit den Teileigentümern über Perspektiven für den Innenhof nachzudenken - das tun wir, sobald wir wissen, mit wem das Projekt läuft.“ Der Hauptausschuss entschied für das von der Verwaltung vorgeschlagene Verfahren. Stefan Schröder (Die Linke), Bettina Fuhg (B90/Die Grünen) enthielten sich - ebenso wie Edith von Wrisberg.

„Wir wollen raus aus der Hinterhofatmosphäre“

© Foto: Alex Lehn

Minden (mt). Verwaltung und Politik drücken bei der Entwicklung eines Geschäftshauses in 1-A-Lage am Scharn aufs Tempo. Der Hauptausschuss gab jetzt grünes Licht für intensivere Gespräche. Das passt den Teileigentümern im Ratsquartier allerdings gar nicht. Sie setzen auf ein anderes Konzept. Hauptausschuss-Beschluss: Ein ausgewählter Interessent soll sich am 23. Oktober im Rat der Stadt präsentieren. Dann soll möglichst auch schon die Entwicklungsvereinbarung für das neue Geschäftshaus geschlossen werden. Vorher wird die Volksbank Mindener Land, die die Vermarktung übernommen hat, im Ältestenrat die Bewerber und ihre Ideen zusammenfassend vorstellen.

Norbert Kresse, Stadtkämmerer und zuständig für die Gebäudewirtschaft, berichtete im Ausschuss über den Stand der Dinge. Er erinnerte an die Vertriebsvereinbarung mit dem Immobiliencenter der Volksbank Mindener Land, nach dem die Grundstücke Rathaus, Gebäudeteil A, Scharn 4 (früher Höltke), Am Rathaus 30 und Scharn 6 gemeinsam vermarktet werden sollen. Die Stadt erwartet von den Interessenten unter anderem die Erfüllung der Kaufpreisvorstellungen der Stadt, die Sicherstellung der städtebaulichen Entwicklungsziele und wirtschaftliche Tragfähigkeit der vorgeschlagenen Lösung. Bis Mitte September hätten sich zwei ernsthaft interessierte Projektentwickler / Investoren vorgestellt.

Mit einem weiteren Interessenten werde noch ein Sondierungsgespräch geführt, hieß es im Ausschuss. Wer dieser weitere Interessent ist, das wissen die Teileigentümer des Rathauses genau. Wie deren Sprecherin Uta Homann berichtet, wurde ihnen durch Ratsfrau Edith von Wrisberg (MI) der Mindener Philipp Hausdörffer vermittelt. Dieser wiederum sollte, so Homann, für einen Investor mit Hauptsitz in München verhandeln.

Für Hausdörffer ist das Thema Mindener Immobilienentwicklung nicht neu. Er arbeitet auch als Mindener Frontmann der Investoren für die ehemalige Karstadt/Hertie-Immobilie (wo sich das Entwicklungstempo zur Zeit deutlich verlangsamt hat) und setze sich jüngst im Auftrag Mindener Geschäftsleute für das Schleifen der Steine auf dem Markt ein (was zu Disputen um die Frage nach der Genehmigung bei zwei Probe-Aktionen, aber auch zu intensiven Diskussionen über Alternativen zu den vorgelegten Planungen der Verwaltung führte).

Sein aktuelles Engagement für das Scharn-Projekt ging nach MT-Informationen so weit, dass er sich darum bemühte, die Immobilie Scharn 6 selbst zu erwerben. Hausdörffer kommentrierte das am Wochenende nicht. Den Rathaus-Teileigentümern kommt es darauf an, den Rathaus-Innenhof nicht verkümmern zu lassen. Dort haben viele von ihnen Geschäfte. Sehr erbost sind die Teileigentümer auch über MT-Berichte darüber, dass die MEW in dem Bereich nur noch sehr geringe Geschäftsmieten verlangt. Ihre Mieter seien daraufhin mit der Forderung nach Mietnachlässen an sie herangetreten, schildert Homann. Sie fürchtet, ein Geschäftshaus am Scharn würde den Innenhof abbinden.

Der Entwurf, den Hausdörffer vorgestellt habe, verhindere das und berücksichtige die Interessen der Teileigentümer. Auch die Vertreter der Politik waren vergangene Woche eingeladen, um sich die Vorstellungen Hausdörffers anzusehen. Denn dass er seine Pläne - wie alle anderen Investoren - bei der Volksbank vorstellen konnte, ist den Teileeigentümern suspekt. Immerhin sei einer der drei Hausbesitzer am Scharn der Volksbank geschäftlich verbunden. Im Hauptausschuss zielte Edith von Wrisberg auf genau diesen Punkt. Ob die Stadt beim Kauf des Vorderhauses an der Scharnpassage durch Wolfgang Hüsing (das MT berichtete) erwogen habe, ihr Vorkaufsrecht auszuüben? Kresse wies darauf hin, dass alle Eigentümer übereinstimmende Interessen hätten und sich an die gemeinsame Vermarktung gebunden hätten. Darum gebe es keinen Anlass, hier Vorkaufsrechte auszuüben. Wolfgang Hüsing erklärte dazu gegenüber dem MT: „Auch Mitarbeiter der Volksbank dürfen Immobilien besitzen - ich habe mehrere Immobilien in Minden. Das eine hat mit dem andern überhaupt nichts zu tun.“

Peter Scherf, Vorstand der Volksbank Mindener Land, erklärt: „Es kann und wird keine Vermischung geben. Das wird ganz professionell abgearbeitet.“ Aus der Stadtverwaltung - die ja nur einer von drei Grundstückseigentümern für das geplante Geschäftshaus ist - heißt es, Hausdörffer sei zwar mit einem Skribble seiner Ideen, aber ohne Finanzierungskonzept und mit einem lapidaren E-Mail aufgetreten, die lediglich in einem Satz erkläre, dass er für die Münchner Investoren sprechen könne. „Das war kein ernsthaftes Bekenntnis des Investors“, so die Einschätzung. Die Teileigentümer allerdings möchten die Große Lösung, für die Hausdörffers Entwurf offenbar steht. „Wir möchten, dass das gesamte Rathausquartier entwickelt wird und nicht nur das Teilstück am Scharn“, betonte Homann im MT-Gespräch. „Sonst wird hier wertvoller Grundbesitz in dunkle Ecken verwandelt.“

Vorschlag: Alle Eigentümer und Teileigentümer stellen ihre Anteile zum Verkauf zur Verfügung. Die Stadt könnte dann alleinige Eigentümerin werden, „Ein Investor hätte damit die Möglichkeit zur modernen Planung.“ Stadtkämmerer Kresse versicherte auf MT-Anfrage, er werde die Belange der Teileigentümer berücksichtigen: „Ich sehe bei jeder der vorgelegten Lösungen die Stadt in der Verpflichtung, gemeinsam mit den Teileigentümern über Perspektiven für den Innenhof nachzudenken - das tun wir, sobald wir wissen, mit wem das Projekt läuft.“ Der Hauptausschuss entschied für das von der Verwaltung vorgeschlagene Verfahren. Stefan Schröder (Die Linke), Bettina Fuhg (B90/Die Grünen) enthielten sich - ebenso wie Edith von Wrisberg.

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