„Wir müssen uns zeigen“: Grüne halten trotz Corona an Wahlkampf-Strategie fest Sebastian Radermacher Minden. Mehr als zwei Monate stand das gesellschaftliche Leben so gut wie still – und die Corona-Pandemie hat die politische Arbeit stark beeinträchtigt. Die Grünen in Minden waren von der unfreiwilligen Zwangspause ebenfalls betroffen. War das mit Blick auf die Kommunalwahl im September ein Problem? Nein, sagen Horst Idelberger, Sprecher des Ortsverbandes, und Stadtverordnete Bettina Fuhg, die Sprecherin des Kreisverbandes Minden-Lübbecke ist. Beide betonen: Die Grünen in Minden haben ihre Strategie trotz der Corona-Krise nicht geändert. Mitgliederversammlung vorbereiten, Kandidaten nominieren, Wahlprogramm ausarbeiten – all das müsse in gestraffter Form ablaufen. Aber dieses Problem hätten die anderen Parteien ebenfalls, von daher habe da niemand einen Vorteil. „Wir hoffen, dass nach den Sommerferien der Straßenwahlkampf wieder möglich ist", sagt Horst Idelberger. Denn darauf setzt seine Partei. „Wir müssen uns zeigen. Präsenz ist wichtig", betont Bettina Fuhg. Ein Info-Stand auf dem Wochenmarkt schwebt den Grünen ebenso vor wie kleinere Gesprächsrunden, in denen die Politiker mit Bürgern in den Dialog treten können. Der grüne Landrats-Kandidat Siegfried Gutsche geht mit der Situation ähnlich um: „Eine neue Strategie muss ich mir nicht überlegen. Das Wichtigsten ist, die Menschen zu erreichen." Die Krise habe ihn aber schon deutlich ausgebremst. Der Kalender war gut gefüllt, erste Veranstaltungen in Schulen waren Anfang des Jahres vielversprechend. Corona habe ihm und seinem Team dann „den Boden unter Füßen weggezogen." Für die heiße Phase des Wahlkampfs gebe es Pläne, so richtig los gehe es voraussichtlich Ende Juli. Die Tatsache, dass der Wahlkampf coronabedingt kurz und knackig ausfallen wird, sehen Fuhg und Idelberger nicht als Nachteil an. Denn die Wahl sei in den Köpfen der Menschen noch immer ziemlich weit weg, findet Idelberger. Er vergleicht die Kommunalwahl mit einem Marathon: „Beides entscheidet sich nicht nur im Endspurt, sondern schon weit früher." Was er damit sagen will: Es kommt vor allem darauf an, während der gesamten Legislaturperiode gute politische Arbeit abzuliefern, Themen voranzubringen, Akzente zu setzen, Anregungen aufzugreifen, die die Menschen in Minden bewegen. In diesen Punkten sieht er die Grünen gut unterwegs. Was die Themen angeht, setzen die Mindener Grünen auf bekannte Schwerpunkte: Klimaschutz und Klimafolgeanpassung, aber auch ÖPNV und Radverkehr sehen sie als wichtige Bereiche an, in denen in Minden viel im Argen liege. Und oftmals seien es die kleinen Dinge, die die Menschen frustrierten und um die es sich deshalb zu kämpfen lohne, betont der Ortsverbandssprecher. Schmuddelige Bushaltestellen zum Beispiel, schlechte Bus-Bahn-Anbindungen, gefährliche Schlaglöcher oder miserable Ampelschaltungen für Radfahrer – es gebe reichlich Nachholbedarf. Vor allem das Thema Radfahren in Minden treibt Idelberger um: „Der Radverkehr wird in der Stadtplanung häufig nicht mitgedacht und mitgeplant – das muss sich ändern", fordert er. Bei zahlreichen Wählern sei es schwierig, mit Themen wie dem Klimaschutz zu punkten, gibt Bettina Fuhg zu. Vielen sei dies angeblich zu unkonkret. Die grüne Stadtverordnete kann das nicht nachvollziehen. „Photovoltaik auf unseren Dächern, Baumsterben im Glacis – das sind doch Themen, die uns alle etwas angehen. Wenn wir das den Menschen näherbringen, können wir punkten." Für Gutsche ist der Klimaschutz ebenfalls noch immer hochaktuell. Nach der langen Trockenheit hätten sich die Menschen über Regen gefreut, sagt er. Das zeige, dass die Umwelt für die Menschen von großer Bedeutung sei, auch vor Ort bleibe es eines der wichtigsten Themen. „Ein Re-Start nach Corona, ohne an die Umwelt zu denken, ist nicht möglich." Der Landratskandidat hat aber noch einen ganz anderen Schwerpunkt: das Klinikum. Gutsche sitzt im Verwaltungsrat der Mühlenkreiskliniken (MKK) und ist Fachlehrer für Berufe im Gesundheitswesen. Er will die MKK in privater Hand behalten. „Noch ist der Kreis ein weißer Fleck auf der Privatisierungslandkarte", sagt er. Das soll so bleiben. Im übrigen sei das Krisenmanagement in der Corona-Krise großartig gewesen. MKK-Vorstandschef Dr. Olaf Bornemeier habe eine schwere Aufgabe, sitze zwischen mehreren Stühlen. Um so wichtiger seien für ihn klare Aussagen eines Landrats. Wie gut die Grünen vor der Wahl besonders bei den jungen Wählern punkten können, bleibt abzuwarten. Ob und wie sie Wahlkampfthemen auch im Internet verbreiten, sei noch nicht entschieden, sagen die Mindener Fuhg und Idelberger. In den sozialen Netzwerken ist der Ortsverband bislang nicht aktiv. Eventuell werde man versuchen, über die Jungen Grünen in Bad Oeynhausen entsprechende Möglichkeiten zu schaffen, sagt Fuhg. Wobei für Idelberger der persönliche Austausch über allem steht: „Gespräche mit den Bürgern sind einfach nicht zu ersetzen." Gutsche sieht durchaus gute Chancen für die Kommunalwahl: „Wir sind nicht Köln oder Tübingen, aber die Wähler registrieren sehr wohl, was wir als Kreistags-Fraktion machen", sagt er. Bis zum September könne noch viel passieren. Sowohl Idelberger als auch Fuhg halten übrigens den Begriff Wahlkampf nicht treffend für das Ringen um Stimmen. „Es ist kein Kampf, es ist ein Wettbewerb", meint der Sprecher des Ortsverbandes. Natürlich seien die Parteien und Gruppierungen Konkurrenten, besser gesagt Mitbewerber, ergänzt Fuhg: „Es sollte aber alles sachlich und fair ablaufen." Als die Ausbreitung des Coronavirus immer mehr Dynamik aufnahm, hatten auch die Grünen Zweifel, ob der Wahltermin am 13. September zu halten sein wird. Doch letztlich blieb es dabei – und für sie ist es in Ordnung, wie es jetzt kommt. „Wir ziehen das durch", sagt Bettina Fuhg.

„Wir müssen uns zeigen“: Grüne halten trotz Corona an Wahlkampf-Strategie fest

Bettina Fuhg und Horst Idelberger von den Grünen sind optimistisch vor der Kommunalwahl am. Dass Corona den Wahlkampf durcheinandergewirbelt hat, sehen sie nicht als Problem. MT- © Foto: Sebastian Radermacher

Minden. Mehr als zwei Monate stand das gesellschaftliche Leben so gut wie still – und die Corona-Pandemie hat die politische Arbeit stark beeinträchtigt. Die Grünen in Minden waren von der unfreiwilligen Zwangspause ebenfalls betroffen. War das mit Blick auf die Kommunalwahl im September ein Problem? Nein, sagen Horst Idelberger, Sprecher des Ortsverbandes, und Stadtverordnete Bettina Fuhg, die Sprecherin des Kreisverbandes Minden-Lübbecke ist. Beide betonen: Die Grünen in Minden haben ihre Strategie trotz der Corona-Krise nicht geändert.

Mitgliederversammlung vorbereiten, Kandidaten nominieren, Wahlprogramm ausarbeiten – all das müsse in gestraffter Form ablaufen. Aber dieses Problem hätten die anderen Parteien ebenfalls, von daher habe da niemand einen Vorteil. „Wir hoffen, dass nach den Sommerferien der Straßenwahlkampf wieder möglich ist", sagt Horst Idelberger. Denn darauf setzt seine Partei. „Wir müssen uns zeigen. Präsenz ist wichtig", betont Bettina Fuhg. Ein Info-Stand auf dem Wochenmarkt schwebt den Grünen ebenso vor wie kleinere Gesprächsrunden, in denen die Politiker mit Bürgern in den Dialog treten können.

Der grüne Landrats-Kandidat Siegfried Gutsche geht mit der Situation ähnlich um: „Eine neue Strategie muss ich mir nicht überlegen. Das Wichtigsten ist, die Menschen zu erreichen." Die Krise habe ihn aber schon deutlich ausgebremst. Der Kalender war gut gefüllt, erste Veranstaltungen in Schulen waren Anfang des Jahres vielversprechend. Corona habe ihm und seinem Team dann „den Boden unter Füßen weggezogen." Für die heiße Phase des Wahlkampfs gebe es Pläne, so richtig los gehe es voraussichtlich Ende Juli.

Die Tatsache, dass der Wahlkampf coronabedingt kurz und knackig ausfallen wird, sehen Fuhg und Idelberger nicht als Nachteil an. Denn die Wahl sei in den Köpfen der Menschen noch immer ziemlich weit weg, findet Idelberger. Er vergleicht die Kommunalwahl mit einem Marathon: „Beides entscheidet sich nicht nur im Endspurt, sondern schon weit früher." Was er damit sagen will: Es kommt vor allem darauf an, während der gesamten Legislaturperiode gute politische Arbeit abzuliefern, Themen voranzubringen, Akzente zu setzen, Anregungen aufzugreifen, die die Menschen in Minden bewegen. In diesen Punkten sieht er die Grünen gut unterwegs.

Was die Themen angeht, setzen die Mindener Grünen auf bekannte Schwerpunkte: Klimaschutz und Klimafolgeanpassung, aber auch ÖPNV und Radverkehr sehen sie als wichtige Bereiche an, in denen in Minden viel im Argen liege. Und oftmals seien es die kleinen Dinge, die die Menschen frustrierten und um die es sich deshalb zu kämpfen lohne, betont der Ortsverbandssprecher. Schmuddelige Bushaltestellen zum Beispiel, schlechte Bus-Bahn-Anbindungen, gefährliche Schlaglöcher oder miserable Ampelschaltungen für Radfahrer – es gebe reichlich Nachholbedarf. Vor allem das Thema Radfahren in Minden treibt Idelberger um: „Der Radverkehr wird in der Stadtplanung häufig nicht mitgedacht und mitgeplant – das muss sich ändern", fordert er.

Bei zahlreichen Wählern sei es schwierig, mit Themen wie dem Klimaschutz zu punkten, gibt Bettina Fuhg zu. Vielen sei dies angeblich zu unkonkret. Die grüne Stadtverordnete kann das nicht nachvollziehen. „Photovoltaik auf unseren Dächern, Baumsterben im Glacis – das sind doch Themen, die uns alle etwas angehen. Wenn wir das den Menschen näherbringen, können wir punkten." Für Gutsche ist der Klimaschutz ebenfalls noch immer hochaktuell. Nach der langen Trockenheit hätten sich die Menschen über Regen gefreut, sagt er. Das zeige, dass die Umwelt für die Menschen von großer Bedeutung sei, auch vor Ort bleibe es eines der wichtigsten Themen. „Ein Re-Start nach Corona, ohne an die Umwelt zu denken, ist nicht möglich."

Der Landratskandidat hat aber noch einen ganz anderen Schwerpunkt: das Klinikum. Gutsche sitzt im Verwaltungsrat der Mühlenkreiskliniken (MKK) und ist Fachlehrer für Berufe im Gesundheitswesen. Er will die MKK in privater Hand behalten. „Noch ist der Kreis ein weißer Fleck auf der Privatisierungslandkarte", sagt er. Das soll so bleiben. Im übrigen sei das Krisenmanagement in der Corona-Krise großartig gewesen. MKK-Vorstandschef Dr. Olaf Bornemeier habe eine schwere Aufgabe, sitze zwischen mehreren Stühlen. Um so wichtiger seien für ihn klare Aussagen eines Landrats.

Wie gut die Grünen vor der Wahl besonders bei den jungen Wählern punkten können, bleibt abzuwarten. Ob und wie sie Wahlkampfthemen auch im Internet verbreiten, sei noch nicht entschieden, sagen die Mindener Fuhg und Idelberger. In den sozialen Netzwerken ist der Ortsverband bislang nicht aktiv. Eventuell werde man versuchen, über die Jungen Grünen in Bad Oeynhausen entsprechende Möglichkeiten zu schaffen, sagt Fuhg. Wobei für Idelberger der persönliche Austausch über allem steht: „Gespräche mit den Bürgern sind einfach nicht zu ersetzen." Gutsche sieht durchaus gute Chancen für die Kommunalwahl: „Wir sind nicht Köln oder Tübingen, aber die Wähler registrieren sehr wohl, was wir als Kreistags-Fraktion machen", sagt er. Bis zum September könne noch viel passieren.

Sowohl Idelberger als auch Fuhg halten übrigens den Begriff Wahlkampf nicht treffend für das Ringen um Stimmen. „Es ist kein Kampf, es ist ein Wettbewerb", meint der Sprecher des Ortsverbandes. Natürlich seien die Parteien und Gruppierungen Konkurrenten, besser gesagt Mitbewerber, ergänzt Fuhg: „Es sollte aber alles sachlich und fair ablaufen."

Als die Ausbreitung des Coronavirus immer mehr Dynamik aufnahm, hatten auch die Grünen Zweifel, ob der Wahltermin am 13. September zu halten sein wird. Doch letztlich blieb es dabei – und für sie ist es in Ordnung, wie es jetzt kommt. „Wir ziehen das durch", sagt Bettina Fuhg.

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