„Wir bleiben systemrelevant“: 1.200 Menschen streiken in Minden für bessere Löhne Vasco Stemmer Minden. Sie fordern höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen: Die Gewerkschaft Verdi hatte die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes in Ostwestfalen-Lippe am Mittwoch zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen und zu einer zentralen Kundgebung auf dem Simeonsplatz eingeladen. Etwa 1.200 Menschen aus verschiedenen Städten Ostwestfalens hatten sich schon morgens per Autokorso auf den Weg nach Minden gemacht. Mit lauten Hupkonzerten machten sie ihrem Ärger immer wieder Luft. Die Kundgebung fand dort statt, wo vor ein paar Wochen noch das Mindener Autokino veranstaltet wurde – und genau daran orientierte sich der gestrige Warnstreik: Viele der Streikenden saßen in ihrem Fahrzeug auf dem Platz und verfolgten die Kundgebung von dort aus, anstatt sich wie gewohnt dicht an dicht zu drängen. Die Reden wurden über eine Radiofrequenz übertragen, so dass alle Teilnehmer sie in ihren Autos hören konnten. „Dankeschön war gestern", erklärte der Stellvertretende Vorsitzende von Verdi OWL, Hermann Janßen in seiner Rede. Besonders die Beschäftigten in den Krankenhäusern hätten während der Corona-Pandemie Höchstleistungen erbracht. Das müsse sich nun auch in einer besseren Bezahlung niederschlagen. „Wir streiken, um unseren Forderungen aus der Tarifrunde Nachdruck zu verleihen", sagte Janßen anschließend im MT-Gespräch. Die Gewerkschaft fordert unter anderem 4,8 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. Die Arbeitgeber lehnen diese Forderung aber bisher kategorisch ab. „Vonseiten der Arbeitgeber ist bisher aber auch noch kein Angebot gekommen", so Janßen weiter. Neben Beschäftigten aus dem Öffentlichen Dienst haben sich auch zahlreiche Mitarbeiter der Sparkasse mit den Streikenden solidarisiert. Laut Janßen sind etwa 220 von ihnen nachgekommen, darunter befanden sich zahlreiche Auszubildende. „Ich bin heute hier, weil uns das 13. Gehalt gestrichen werden soll. Das ist einfach nicht fair, nachdem wir uns durch die Corona-Krise gekämpft haben", erklärte Klaus Schmidt, der bei der Sparkasse Herford eine Ausbildung zum Bankkaufmann macht. Auch Klaus Habbe, der Personalratsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken, ist bei der Kundgebung mit von der Partie, um seine Kollegen zu unterstützen. „Es ist unser Recht für angemessene Löhne zu demonstrieren", sagte Habbe im MT-Gespräch. Aufgrund des Warnstreiks waren in den Mühlenkreiskliniken gestern alle nicht notwendigen Operationen und Behandlungen ausgefallen. Seinen Kollegen, die den Streik in den Kliniken organisieren, sprach er ein großes Lob aus: „Die Mitarbeiter machen das verantwortungsbewusst. Eine Notfallversorgung ist weiterhin gewährleistet." Habbe betonte, dass es den Angestellten in den Krankenhäusern lieber wäre, sich um ihre Patienten zu kümmern als zu streiken. Angesichts der aktuellen Umstände hätten sie jedoch keine andere Wahl. Für eine Einigung in der kommenden Verhandlungsrunde sah Habbe noch nicht schwarz: „Das ist nur ein Warnstreik. Ich hoffe, dass es bei einem Streiktag bleibt." Angela Gradler-Gebecke, die stellvertretende Personalratsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken, ist seit 40 Jahren bei Verdi aktiv. 24 Jahre arbeitete sie als Krankenschwester. „Wir sind und wir bleiben systemrelevant", erklärte sie in ihrer Rede und stellte heraus, wie viel die einzelnen Klinikangestellten geleistet haben, um während der Pandemie das Gesundheitssystem am Laufen zu halten. Besonders die Auszubildenden hätten von einem Tag auf den anderen von der Theorie in die Praxis wechseln müssen. Auch die Reinigungskräfte hätten deutlich mehr zu tun gehabt als im Normalbetrieb. Sie appellierte an den Zusammenhalt der Mitarbeiter: „Es wird versucht den Öffentlichen Dienst zu spalten. Es wird gesagt, dass Leute, die am Patienten arbeiten, eine Lohnerhöhung verdient haben, aber alle anderen nicht." Organisator Hermann Janßen wertete die Kundgebung, die etwa 90 Minuten dauert, als einen vollen Erfolg: „Das ist heute ein tolles Bild. Es ist super, dass so viele junge Leute gekommen sind."

„Wir bleiben systemrelevant“: 1.200 Menschen streiken in Minden für bessere Löhne

Etwa 1.2000 Menschen aus dem Öffentlichen Dienst demonstrierten am Mittwochvormittag auf dem Simeonsplatz in Minden für faire Löhne. Sie forden eine Gehaltserhöhung um 4,8 Prozent. © Foto: Lennart Dreyer

Minden. Sie fordern höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen: Die Gewerkschaft Verdi hatte die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes in Ostwestfalen-Lippe am Mittwoch zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen und zu einer zentralen Kundgebung auf dem Simeonsplatz eingeladen. Etwa 1.200 Menschen aus verschiedenen Städten Ostwestfalens hatten sich schon morgens per Autokorso auf den Weg nach Minden gemacht. Mit lauten Hupkonzerten machten sie ihrem Ärger immer wieder Luft.

Die Kundgebung fand dort statt, wo vor ein paar Wochen noch das Mindener Autokino veranstaltet wurde – und genau daran orientierte sich der gestrige Warnstreik: Viele der Streikenden saßen in ihrem Fahrzeug auf dem Platz und verfolgten die Kundgebung von dort aus, anstatt sich wie gewohnt dicht an dicht zu drängen. Die Reden wurden über eine Radiofrequenz übertragen, so dass alle Teilnehmer sie in ihren Autos hören konnten.

Fotostrecke 13 Bilder

„Dankeschön war gestern", erklärte der Stellvertretende Vorsitzende von Verdi OWL, Hermann Janßen in seiner Rede. Besonders die Beschäftigten in den Krankenhäusern hätten während der Corona-Pandemie Höchstleistungen erbracht. Das müsse sich nun auch in einer besseren Bezahlung niederschlagen.

„Wir streiken, um unseren Forderungen aus der Tarifrunde Nachdruck zu verleihen", sagte Janßen anschließend im MT-Gespräch. Die Gewerkschaft fordert unter anderem 4,8 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. Die Arbeitgeber lehnen diese Forderung aber bisher kategorisch ab. „Vonseiten der Arbeitgeber ist bisher aber auch noch kein Angebot gekommen", so Janßen weiter.

Neben Beschäftigten aus dem Öffentlichen Dienst haben sich auch zahlreiche Mitarbeiter der Sparkasse mit den Streikenden solidarisiert. Laut Janßen sind etwa 220 von ihnen nachgekommen, darunter befanden sich zahlreiche Auszubildende. „Ich bin heute hier, weil uns das 13. Gehalt gestrichen werden soll. Das ist einfach nicht fair, nachdem wir uns durch die Corona-Krise gekämpft haben", erklärte Klaus Schmidt, der bei der Sparkasse Herford eine Ausbildung zum Bankkaufmann macht.

Auch Klaus Habbe, der Personalratsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken, ist bei der Kundgebung mit von der Partie, um seine Kollegen zu unterstützen. „Es ist unser Recht für angemessene Löhne zu demonstrieren", sagte Habbe im MT-Gespräch. Aufgrund des Warnstreiks waren in den Mühlenkreiskliniken gestern alle nicht notwendigen Operationen und Behandlungen ausgefallen. Seinen Kollegen, die den Streik in den Kliniken organisieren, sprach er ein großes Lob aus: „Die Mitarbeiter machen das verantwortungsbewusst. Eine Notfallversorgung ist weiterhin gewährleistet." Habbe betonte, dass es den Angestellten in den Krankenhäusern lieber wäre, sich um ihre Patienten zu kümmern als zu streiken. Angesichts der aktuellen Umstände hätten sie jedoch keine andere Wahl. Für eine Einigung in der kommenden Verhandlungsrunde sah Habbe noch nicht schwarz: „Das ist nur ein Warnstreik. Ich hoffe, dass es bei einem Streiktag bleibt."

Angela Gradler-Gebecke, die stellvertretende Personalratsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken, ist seit 40 Jahren bei Verdi aktiv. 24 Jahre arbeitete sie als Krankenschwester. „Wir sind und wir bleiben systemrelevant", erklärte sie in ihrer Rede und stellte heraus, wie viel die einzelnen Klinikangestellten geleistet haben, um während der Pandemie das Gesundheitssystem am Laufen zu halten. Besonders die Auszubildenden hätten von einem Tag auf den anderen von der Theorie in die Praxis wechseln müssen. Auch die Reinigungskräfte hätten deutlich mehr zu tun gehabt als im Normalbetrieb. Sie appellierte an den Zusammenhalt der Mitarbeiter: „Es wird versucht den Öffentlichen Dienst zu spalten. Es wird gesagt, dass Leute, die am Patienten arbeiten, eine Lohnerhöhung verdient haben, aber alle anderen nicht."

Organisator Hermann Janßen wertete die Kundgebung, die etwa 90 Minuten dauert, als einen vollen Erfolg: „Das ist heute ein tolles Bild. Es ist super, dass so viele junge Leute gekommen sind."

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden