Wildes Glacis: Diese Tiere lassen sich auf einer Safari durch Mindens Grüngürtel beobachten Jan Henning Rogge Minden. Das Eichhörnchen ist eines der Tiere, die Glacisbesucher mit ziemlicher Sicherheit zu sehen bekommen, Rötelmäuse vielleicht auch. Andere Säugetiere halten sich da mehr zurück, zum Beispiel die Fledermäuse. Dafür tobt in den Baumkronen das Leben, hier sind eine Vielzahl an Vögeln zu Hause – und überall sind Insekten zu finden. In Mindens grüner Lunge gibt es nicht nur für Kinder eine Menge zu entdecken. Natürlich ist in einem intensiv genutzten Bereich wie einem Stadtpark nicht so viel Vielfalt wie in einem Naturschutzgebiet zu finden. Neben seiner Funktion als Naherholungsgebiet ist es aber Heimat und ein wichtiger Wanderkorridor für Insekten, Vögel und Säugetiere. Als wichtigstes Rüstzeug für eine Safari im Grüngürtel empfiehlt Gaby Potagby von der Biologischen Station Minden-Lübbecke: Achtsamkeit. Das brauche ich Viel Leben spielt sich in den Baumkronen ab – wer einfach nur spazieren geht, verpasst eine Menge. Potagby empfiehlt deshalb, eine Decke mitzunehmen, am besten auch ein Fernglas. „Wenn man sich auf den Rücken legt, sieht man gleich eine Menge mehr“, erklärt die Biologin. Das geht natürlich nicht überall im teilweise dicht bewachsenen, teilweise stark frequentierten oder auch verunreinigten Glacis. Gute Orte dafür können zum Beispiel die Spielplätze sein, die bis auf den im Marienglacis nördlich der Hahler Straße recht wenig besucht werden. Auch von den Bänken kann der Blick in die Baumkronen schweifen. Wer ängstliche Kinder dabei hat, sollte die ausgeführten Hunde im Blick behalten – die sind auf Spielplätzen zwar verboten und im Glacis gilt eine Anleinpflicht, nicht alle Hundebesitzer halten sich jedoch daran. Praktische Begleiter sind Bestimmungsbücher, mit denen sich Tiere und Pflanzen erkennen lassen. Außerdem gibt es inzwischen viele Apps, mit denen sich Vogelstimmen aufnehmen und erkennen lassen oder Pflanzen anhand von Blättern oder Blüten erkannt werden. Wer dann noch Wegzehrung im Rucksack hat, ist bestens für die Exkursion gerüstet. Die Vorbereitung Das allerwichtigste Mitbringsel ist Zeit. „Wenn man Tiere beobachten möchte, muss man auf jeden Fall zur Ruhe kommen. Es ist ganz wichtig zu lauschen und nicht laut zu sprechen“, sagt die Biologin. „Mit der Zeit hört man dann immer mehr.“ Fällt es den Kindern schwer, zur Ruhe zu kommen, können dabei ein paar Spiele helfen, zum Beispiel der „Kamerablick“: Ein Kind lässt sich mit geschlossenen Augen an eine Stelle führen, an der es etwas zu sehen gibt. Ein kleiner Tick auf den Kopf löst dann den Kamerablick aus, das „Kamerakind“ beschreibt dann, was es sieht. „Spannend ist es auch, wenn ein Kind mit geschlossenen Augen an einen Baum geführt wird und dort mit den Fingern die Rinde erfühlt und beschreibt“, schlägt Potagby vor. Die Säugetiere Wer sich regelmäßig im Glacis und im Botanischen Garten aufhält, sieht häufiger Eichhörnchen über die Wege und an Bäumen rauf und runter flitzen. Die bei uns heimischen rotbraunen Nager sind zwar scheu, lassen sich aber aus sicherer Entfernung oft dabei beobachten, wie sie ihre Nahrung verstecken. Das Gerücht, dass sie nicht alle versteckten Samen und Nüsse wiederfinden, stimmt übrigens – sie legen damit einen wichtigen Grundstein zur Verjüngung von Wäldern, da aus den Samen neues Leben entsteht. „Wie schwer es für Menschen ist, solche Verstecke wiederzufinden, kann man mit einem Spiel herausfinden“, sagt Potagby: „Man versteckt einige Kastanien oder Eicheln in der Erde und geht dann spazieren. Bei der Rückkehr versucht man, die Verstecke wiederzufinden – dann weiß man, was Eichhörnchen da leisten.“ Auch verschiedene Mäusearten sollten im Glacis zu finden sein. „Besonders die Rötelmaus ist nicht sehr scheu“, sagt die Biologin. Ihren Namen hat das Tier, das auch als Waldwühlmaus bezeichnet wird, von der rotbraunen Färbung seines Rückens. „Meistens hört man die zuerst rascheln. Wenn man dann still ist, bekommt man sie auch zu sehen.“ Sicherlich sind die Rötelmäuse nicht die einzigen Tiere aus der Familie der Mäuseartigen – wenngleich andere Familienmitglieder deutlich weniger beliebt sind, sich dafür aber auch seltener zeigen: „Es gibt wohl keinen Flecken auf der Welt, an dem es keine Ratten gibt“, sagt Potagby. Als sogenannte Kulturfolger des Menschen sind sie auch im Glacis zu finden. Ihr Interesse dürfte aber weniger darin liegen, von Menschen beobachtet zu werden, als unbemerkt Mülleimer zu plündern. Nachts kann man ihnen aber auch mal auf den Wegen begegnen. Ähnlich unbeliebt ist der Steinmarder, der hier im Schutz der Dunkelheit unterwegs ist und hin und wieder Autoschläuche annagt. Ebenfalls nachts besteht die Chance, einen Fuchs oder gar Dachs zu Gesicht zu bekommen – dafür müssen Beobachter aber schon sehr viel Glück haben. „Die wandern da mit Sicherheit lang, werden sich aber kaum ansiedeln – dazu ist der Bereich zu unruhig“, sagt die stellvertretende Leiterin der Biologischen Station. Mit Einbruch der Dämmerung lassen sich auch Igel blicken, die auf der Suche nach Insekten und anderen Leckereien hier unterwegs sind, während über ihren Köpfen die ersten Fledermäuse durch die Luft schwirren. „Die sind für die meisten Kinder natürlich besonders spannend“, sagt Potagby. Bei einer Bestandsaufnahme der Stadt Minden 1994 wurden die Breitflügelfledermaus und das Braune Langohr nachgewiesen, die Biologin vermutet, dass auch die Zwergfledermaus rund um das Glacis zuhause sein könnte. „Das Braune Langohr ist eine Waldfledermaus, sie jagt in einer Höhe von etwa einem halben bis sieben Meter. Die Zwergfledermaus fängt ihre Beute in etwa drei bis 15 Meter Höhe.“ Ob die nachtaktiven Flieger tatsächlich im Glacis oder in Gebäuden in der Nachbarschaft wohnen oder nur dort jagen, ist aber nicht bekannt. In ruhigen Teilen des Glacis lassen sich auch immer mal wieder Hasen blicken, sie werden dort aber vermutlich nicht dauerhaft wohnen. So wie ihre weitläufigen Verwandten, die Kaninchen, sind sie im Glacis aber wohl als Gäste unterwegs. „Besonders Kaninchen gehören da eigentlich hin, siedeln sich aber wahrscheinlich nicht an, weil der Stressfaktor zu hoch ist.“ Die Vögel Die Liste der im Glacis nachgewiesenen Vogelarten ist lang, in der Bestandsaufnahme aus den 90er Jahren waren es 27. Viele davon lassen sich oft sehen: Amsel, Rotkehlchen, die heimischen Meisenarten, Haussperling und Elster sind nicht besonders scheu. Wer sich in der Nähe von Gebüschen oder Lichtungen ruhig auf eine Bank setzt, sollte einige von ihnen zu Gesicht bekommen. Wer möglichst viele Arten entdecken will, sollte früh aufstehen: „Die beste Zeit, um Vögel zu beobachten, ist morgens. Je früher zum Sonnenaufgang, desto besser“, sagt Potagby. Zwar sei im Frühjahr noch deutlich mehr los als jetzt im Sommer, Vögel sind aber morgens besonders aktiv. Um auch die zu sehen, die sich eher in den Baumkronen aufhalten, hilft der Tipp mit dem Fernglas und der liegenden Position. Und um die Vögel auch zu sehen, die man hört, hat die Biologin einen weiteren Tipp: „Um die Richtung genauer zu bestimmen, hilft es, die Ohren ganz groß zu machen. Dazu legt man die geöffneten Hände hinter die Ohrmuscheln.“ Mit den so vergrößerten Ohren, lässt sich eine Richtung oft leichter bestimmen. Zu entdecken gibt es mit dieser Methode einiges: Der Zilpzalp, der ungefähr so heißt wie er ruft, Spechte, die auf der Suche nach Nahrung Baumstämme abklopfen, der Zaunkönig, der mit seinem lauten Ruf mit etwas Glück auch seinen Standort verrät und Ringeltauben gurren auch dazwischen. Die sind nicht zu verwechseln mit den Straßentauben, die sich sicherlich auch im Glacis aufhalten, aber nicht so selten sind, wie ihre im Wald lebenden Kollegen. Insekten und mehr Das Glacis bietet einer Vielzahl von Insekten, Spinnen, Würmern und anderen kleinen Lebewesen einen Lebensraum. Gleichzeitig bilden sie die Lebensgrundlage für viele andere Tiere, die sich von ihnen ernähren: Spechte, Drosseln, Fledermäuse und Maulwürfe sind nur einige von denen, die sich von Ameisen, Würmern, Käfern oder Fluginsekten ernähren. Da viele Insekten auf bestimmten Pflanzen als Nahrungsquelle angewiesen sind, im Glacis aber nicht eine solche botanische Vielfalt herrscht, wie sie in einem waldigen Gebiet eigentlich üblich wäre, ist der Artenreichtum nicht so groß, wie er sein könnte. Eine Rolle spielen hier die Überdüngung vieler Bereiche durch Hundekot- und -urin: Stickstoffliebende Pflanzen haben sich angesiedelt, andere sind verschwunden. Auch die bebaute Umgebung und andere Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Trotzdem lassen sich Bienen, Wildbienen, Hummeln und einige Falter beobachten. „In diesem Jahr gibt es außerdem viele Rosenkäfer. Die sind gut an ihrer schönen grün-gold-glänzenden Farbe zu erkennen.“ Die Käfer ernähren sich von Pflanzensäften, Pollen und zarten Blütenteilen. „Außerdem sollte es dort auch Mistkäfer geben.“ Die schwarzglänzenden Käfer sind häufig auf Wegen zu sehen. Wie ihr Name nahelegt, leben sie von Dung aber auch von Pilzen und Humus. Übrigens: Asseln, Hundertfüßer Würmer und Spinnen gehören nicht zu den Insekten – sie gehören anderen Arten an, sind aber auch im Glacis zu entdecken. Dafür braucht es vor allem eines: Achtsamkeit.

Wildes Glacis: Diese Tiere lassen sich auf einer Safari durch Mindens Grüngürtel beobachten

Wer beobachtet hier eigentlich wen? Dieses Eichhörnchen an der Glacisbrücke hat den Fotografen auf fest im Blick. Die flinken kleinen Nager leben im gesamten Grüngürtel, wer sich mit etwas Ruhe auf eine Bank setzt, kann die Tiere auch aus der Nähe zu Gesicht bekommen. © Stefan Koch

Minden. Das Eichhörnchen ist eines der Tiere, die Glacisbesucher mit ziemlicher Sicherheit zu sehen bekommen, Rötelmäuse vielleicht auch. Andere Säugetiere halten sich da mehr zurück, zum Beispiel die Fledermäuse. Dafür tobt in den Baumkronen das Leben, hier sind eine Vielzahl an Vögeln zu Hause – und überall sind Insekten zu finden. In Mindens grüner Lunge gibt es nicht nur für Kinder eine Menge zu entdecken. Natürlich ist in einem intensiv genutzten Bereich wie einem Stadtpark nicht so viel Vielfalt wie in einem Naturschutzgebiet zu finden. Neben seiner Funktion als Naherholungsgebiet ist es aber Heimat und ein wichtiger Wanderkorridor für Insekten, Vögel und Säugetiere. Als wichtigstes Rüstzeug für eine Safari im Grüngürtel empfiehlt Gaby Potagby von der Biologischen Station Minden-Lübbecke: Achtsamkeit.

Das brauche ich

Viel Leben spielt sich in den Baumkronen ab – wer einfach nur spazieren geht, verpasst eine Menge. Potagby empfiehlt deshalb, eine Decke mitzunehmen, am besten auch ein Fernglas. „Wenn man sich auf den Rücken legt, sieht man gleich eine Menge mehr“, erklärt die Biologin. Das geht natürlich nicht überall im teilweise dicht bewachsenen, teilweise stark frequentierten oder auch verunreinigten Glacis. Gute Orte dafür können zum Beispiel die Spielplätze sein, die bis auf den im Marienglacis nördlich der Hahler Straße recht wenig besucht werden. Auch von den Bänken kann der Blick in die Baumkronen schweifen. Wer ängstliche Kinder dabei hat, sollte die ausgeführten Hunde im Blick behalten – die sind auf Spielplätzen zwar verboten und im Glacis gilt eine Anleinpflicht, nicht alle Hundebesitzer halten sich jedoch daran.


Praktische Begleiter sind Bestimmungsbücher, mit denen sich Tiere und Pflanzen erkennen lassen. Außerdem gibt es inzwischen viele Apps, mit denen sich Vogelstimmen aufnehmen und erkennen lassen oder Pflanzen anhand von Blättern oder Blüten erkannt werden. Wer dann noch Wegzehrung im Rucksack hat, ist bestens für die Exkursion gerüstet.

Die Raupen des Aurorafalters sind auf Schaumkräuter als Nahrung angewiesen. - © Stefan Koch
Die Raupen des Aurorafalters sind auf Schaumkräuter als Nahrung angewiesen. - © Stefan Koch

Die Vorbereitung

Das Amselmännchen gehört zu den Vogelarten, die häufig in Gärten und Parkanlagen zu sehen sind. Sie mag gerne Würmer und Käfer. - © Stefan Koch
Das Amselmännchen gehört zu den Vogelarten, die häufig in Gärten und Parkanlagen zu sehen sind. Sie mag gerne Würmer und Käfer. - © Stefan Koch

Das allerwichtigste Mitbringsel ist Zeit. „Wenn man Tiere beobachten möchte, muss man auf jeden Fall zur Ruhe kommen. Es ist ganz wichtig zu lauschen und nicht laut zu sprechen“, sagt die Biologin. „Mit der Zeit hört man dann immer mehr.“ Fällt es den Kindern schwer, zur Ruhe zu kommen, können dabei ein paar Spiele helfen, zum Beispiel der „Kamerablick“: Ein Kind lässt sich mit geschlossenen Augen an eine Stelle führen, an der es etwas zu sehen gibt. Ein kleiner Tick auf den Kopf löst dann den Kamerablick aus, das „Kamerakind“ beschreibt dann, was es sieht. „Spannend ist es auch, wenn ein Kind mit geschlossenen Augen an einen Baum geführt wird und dort mit den Fingern die Rinde erfühlt und beschreibt“, schlägt Potagby vor.

Die Säugetiere

Wer sich regelmäßig im Glacis und im Botanischen Garten aufhält, sieht häufiger Eichhörnchen über die Wege und an Bäumen rauf und runter flitzen. Die bei uns heimischen rotbraunen Nager sind zwar scheu, lassen sich aber aus sicherer Entfernung oft dabei beobachten, wie sie ihre Nahrung verstecken. Das Gerücht, dass sie nicht alle versteckten Samen und Nüsse wiederfinden, stimmt übrigens – sie legen damit einen wichtigen Grundstein zur Verjüngung von Wäldern, da aus den Samen neues Leben entsteht. „Wie schwer es für Menschen ist, solche Verstecke wiederzufinden, kann man mit einem Spiel herausfinden“, sagt Potagby: „Man versteckt einige Kastanien oder Eicheln in der Erde und geht dann spazieren. Bei der Rückkehr versucht man, die Verstecke wiederzufinden – dann weiß man, was Eichhörnchen da leisten.“

Auch verschiedene Mäusearten sollten im Glacis zu finden sein. „Besonders die Rötelmaus ist nicht sehr scheu“, sagt die Biologin. Ihren Namen hat das Tier, das auch als Waldwühlmaus bezeichnet wird, von der rotbraunen Färbung seines Rückens. „Meistens hört man die zuerst rascheln. Wenn man dann still ist, bekommt man sie auch zu sehen.“ Sicherlich sind die Rötelmäuse nicht die einzigen Tiere aus der Familie der Mäuseartigen – wenngleich andere Familienmitglieder deutlich weniger beliebt sind, sich dafür aber auch seltener zeigen: „Es gibt wohl keinen Flecken auf der Welt, an dem es keine Ratten gibt“, sagt Potagby. Als sogenannte Kulturfolger des Menschen sind sie auch im Glacis zu finden. Ihr Interesse dürfte aber weniger darin liegen, von Menschen beobachtet zu werden, als unbemerkt Mülleimer zu plündern. Nachts kann man ihnen aber auch mal auf den Wegen begegnen. Ähnlich unbeliebt ist der Steinmarder, der hier im Schutz der Dunkelheit unterwegs ist und hin und wieder Autoschläuche annagt.

Ebenfalls nachts besteht die Chance, einen Fuchs oder gar Dachs zu Gesicht zu bekommen – dafür müssen Beobachter aber schon sehr viel Glück haben. „Die wandern da mit Sicherheit lang, werden sich aber kaum ansiedeln – dazu ist der Bereich zu unruhig“, sagt die stellvertretende Leiterin der Biologischen Station. Mit Einbruch der Dämmerung lassen sich auch Igel blicken, die auf der Suche nach Insekten und anderen Leckereien hier unterwegs sind, während über ihren Köpfen die ersten Fledermäuse durch die Luft schwirren. „Die sind für die meisten Kinder natürlich besonders spannend“, sagt Potagby. Bei einer Bestandsaufnahme der Stadt Minden 1994 wurden die Breitflügelfledermaus und das Braune Langohr nachgewiesen, die Biologin vermutet, dass auch die Zwergfledermaus rund um das Glacis zuhause sein könnte. „Das Braune Langohr ist eine Waldfledermaus, sie jagt in einer Höhe von etwa einem halben bis sieben Meter. Die Zwergfledermaus fängt ihre Beute in etwa drei bis 15 Meter Höhe.“ Ob die nachtaktiven Flieger tatsächlich im Glacis oder in Gebäuden in der Nachbarschaft wohnen oder nur dort jagen, ist aber nicht bekannt.

In ruhigen Teilen des Glacis lassen sich auch immer mal wieder Hasen blicken, sie werden dort aber vermutlich nicht dauerhaft wohnen. So wie ihre weitläufigen Verwandten, die Kaninchen, sind sie im Glacis aber wohl als Gäste unterwegs. „Besonders Kaninchen gehören da eigentlich hin, siedeln sich aber wahrscheinlich nicht an, weil der Stressfaktor zu hoch ist.“

Die Vögel

Die Liste der im Glacis nachgewiesenen Vogelarten ist lang, in der Bestandsaufnahme aus den 90er Jahren waren es 27. Viele davon lassen sich oft sehen: Amsel, Rotkehlchen, die heimischen Meisenarten, Haussperling und Elster sind nicht besonders scheu. Wer sich in der Nähe von Gebüschen oder Lichtungen ruhig auf eine Bank setzt, sollte einige von ihnen zu Gesicht bekommen. Wer möglichst viele Arten entdecken will, sollte früh aufstehen: „Die beste Zeit, um Vögel zu beobachten, ist morgens. Je früher zum Sonnenaufgang, desto besser“, sagt Potagby. Zwar sei im Frühjahr noch deutlich mehr los als jetzt im Sommer, Vögel sind aber morgens besonders aktiv.

Um auch die zu sehen, die sich eher in den Baumkronen aufhalten, hilft der Tipp mit dem Fernglas und der liegenden Position. Und um die Vögel auch zu sehen, die man hört, hat die Biologin einen weiteren Tipp: „Um die Richtung genauer zu bestimmen, hilft es, die Ohren ganz groß zu machen. Dazu legt man die geöffneten Hände hinter die Ohrmuscheln.“ Mit den so vergrößerten Ohren, lässt sich eine Richtung oft leichter bestimmen. Zu entdecken gibt es mit dieser Methode einiges: Der Zilpzalp, der ungefähr so heißt wie er ruft, Spechte, die auf der Suche nach Nahrung Baumstämme abklopfen, der Zaunkönig, der mit seinem lauten Ruf mit etwas Glück auch seinen Standort verrät und Ringeltauben gurren auch dazwischen. Die sind nicht zu verwechseln mit den Straßentauben, die sich sicherlich auch im Glacis aufhalten, aber nicht so selten sind, wie ihre im Wald lebenden Kollegen.

Insekten und mehr

Das Glacis bietet einer Vielzahl von Insekten, Spinnen, Würmern und anderen kleinen Lebewesen einen Lebensraum. Gleichzeitig bilden sie die Lebensgrundlage für viele andere Tiere, die sich von ihnen ernähren: Spechte, Drosseln, Fledermäuse und Maulwürfe sind nur einige von denen, die sich von Ameisen, Würmern, Käfern oder Fluginsekten ernähren. Da viele Insekten auf bestimmten Pflanzen als Nahrungsquelle angewiesen sind, im Glacis aber nicht eine solche botanische Vielfalt herrscht, wie sie in einem waldigen Gebiet eigentlich üblich wäre, ist der Artenreichtum nicht so groß, wie er sein könnte. Eine Rolle spielen hier die Überdüngung vieler Bereiche durch Hundekot- und -urin: Stickstoffliebende Pflanzen haben sich angesiedelt, andere sind verschwunden. Auch die bebaute Umgebung und andere Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Trotzdem lassen sich Bienen, Wildbienen, Hummeln und einige Falter beobachten. „In diesem Jahr gibt es außerdem viele Rosenkäfer. Die sind gut an ihrer schönen grün-gold-glänzenden Farbe zu erkennen.“ Die Käfer ernähren sich von Pflanzensäften, Pollen und zarten Blütenteilen. „Außerdem sollte es dort auch Mistkäfer geben.“ Die schwarzglänzenden Käfer sind häufig auf Wegen zu sehen. Wie ihr Name nahelegt, leben sie von Dung aber auch von Pilzen und Humus.

Übrigens: Asseln, Hundertfüßer Würmer und Spinnen gehören nicht zu den Insekten – sie gehören anderen Arten an, sind aber auch im Glacis zu entdecken. Dafür braucht es vor allem eines: Achtsamkeit.

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