„Wer keinen Erfolg hat, fliegt raus“: Das haben Aussteiger aus Minden bei der DVAG erlebt Lea Oetjen Minden. Eine Unterschrift hat für ihn alles verändert. Und obwohl es schon Jahre her ist, fällt es im auch heute noch schwer, über das Vergangene zu sprechen. Zu viel hat ihm die Zeit abverlangt. Unterwerfung, permanente Verfügbarkeit, maximale Anpassung, so die Vorwürfe. Nach nur wenigen Wochen war im Leben von Marc Wagner (Name geändert) kaum noch etwas wie vorher. Und es war ihm egal. Schließlich hatte er endlich seinen Traumjob gefunden. Der Mindener wollte bei der Deutschen Vermögensberatung AG Karriere machen. Doch es sollte anders kommen. Denn es ergab sich für ihn schließlich ein anderes als das anfängliche Bild der Firma: „Es ist wie Teil es kleinen Dorfes zu sein, das ganz eigene Denkweisen pflegt." Wagner befürchtet Konsequenzen durch seinen ehemaligen Arbeitgeber, möchte deshalb lieber anonym bleiben. Sein Name ist der Redaktion aber bekannt – ebenso wie der eines anderen Mannes, der für die DVAG gearbeitet hat. „Ich habe zum Glück schnell gemerkt, mit was für Methoden da gearbeitet wird und die Reißleine gezogen. Da geht es zu wie in einer Sekte", erzählt dieser im Gespräch mit der Redaktion. Er findet deutliche Worte und ergänzt damit die Eindrücke von Wagner. Die Methoden, in erster Linie sozialpsychologische Tricks, seien „dieselben wie bei Sekten, nur irgendwie besser verpackt". Eine DVAG-Sprecherin weist das entschieden zurück: „Diese Vorwürfe treffen nicht zu." Das macht die DVAG für die Außenwelt so seriös Eine Glaubensgemeinschaft ist die DVAG tatsächlich nicht. Es handelt sich um ein hocherfolgreiches Unternehmen, das auf den Verkauf von Versicherungen und Aktienfonds spezialisiert ist. Umsatz zuletzt: rund zwei Milliarden Euro. Bundesweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 17.000 hauptberufliche Vermögensberater. Vor allem ehemalige Mitarbeiter äußern aber immer wieder Kritik an dem Konzern. So sei etwa der interne Druck nur schwer auszuhalten und ein Ausstieg von Unternehmensseite nicht gewünscht. Eine groß angelegte Recherche des ZDF war zuletzt zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. So oder so: Gegenüber der Öffentlichkeit agiert die DVAG seriös – unter anderem weil sie mit Prominenten wie Jürgen Klopp wirbt und sie der Titelsponsor der Sky-Halbzeitanalyse der Fußball-Bundesliga ist.  Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Deutsche Vermögensberatung (@deutsche_vermoegensberatung) Und so war auch Marc Wagner sofort beeindruckt. Ein Freund habe ihn als Kunden vorgeschlagen. Schnell seien die ersten Verträge unterzeichnet worden. „Warum auch nicht? Ein Freund würde mir ja keinen Mist empfehlen", erinnert er sich. Es sollte aber nicht beim Kundenstatus bleiben. „Nach meiner Unterschrift hat mich mein Berater immer wieder gefragt, ob ich nicht auch für ihn arbeiten möchte." Das Interesse und die Hartnäckigkeit hätten ihm geschmeichelt. Und so habe er eingewilligt. Heute wisse er, dass das Interesse nicht ihm, sondern dem Geld gegolten habe, das er der Agentur einbrachte. Wagner ging dann – nach eigener Aussage – den klassischen Weg eines Vermögensberaters. „Es fängt damit an, in seinem Freundes- und Familienkreis mit der Propaganda zu starten. Das geht nicht anders", betont er. So habe der Mindener seinem Umfeld vom neuen Job erzählt – „immer verbunden mit der Frage: ,Du vertraust mir doch, oder?’ Im eigenen Kreis anzufangen, ist die einzige Chance, in einem Strukturvertrieb Fuß zu fassen." „Du vertraust mir doch, oder?" Ein schlechtes Gewissen habe der Familienvater dabei nicht gehabt. „Darüber habe ich nicht nachgedacht. Ich habe immer nur meine Ziele gesehen. Zumal ich ja selbst als Kunde auch zufrieden war", sagt er. Außerdem habe er den Job geliebt: „Ich war mit Leib und Seele Vermögensberater." Doch dann, nach ein paar Jahren, sei der Mindener das erste Mal mit den negativen Seiten eines Strukturvertriebs in Kontakt gekommen. Um seine Anonymität zu wahren, geht es an dieser Stelle nicht zu tief ins Detail. Nur so viel: Er habe gemerkt, was er für seinen Arbeitgeber in Wirklichkeit war. „Ich war wenig mehr als bares Geld, weil ich eigene Kunden hatte. Und einen Angestellten, der Geld bringen könnte, lässt man ja nicht gehen." Der Druck, der auf ihn ausgeübt worden sei, sei erdrückend gewesen: „Wenn es um Geld geht, zeigen Menschen ihr wahres Gesicht." Es war eine schwere Phase für Marc Wagner, die ihm einiges abverlangt habe. Kein Wunder: Laut ZDF-Recherchen leben die Berater rein von den Provisionen, stehen demnach unter hohem Verkaufsdruck. Auch sind sie auf Vertragsabschlüsse angewiesen, um in dem streng hierarchischen Pyramidensystem aufzusteigen. In dem profitieren die oberen finanziell von den unteren Ebenen. Bei der DAVG könne „man in Sekundenschnelle richtig Geld machen", aber auch einiges verlieren, sagt er. Und es wirkt, als würde der Mindener seine Erfahrungen noch mal neu durchleben, während er davon erzählt. Er spricht schnell, gestikuliert emotional. Immer wieder verfällt er in den offenbar klassischen DVAG-Jargon mit internen Bezeichnungen, die er erklären muss. „Eine gewisse Skrupellosigkeit gehört halt dazu, um erfolgreich zu sein. Das wird verlangt. Nur wer Erfolg hat, darf bleiben. Wer keinen Erfolg hat, fliegt raus." Ein Strukturvertrieb wie die DVAG funktioniere ohne diesen Druck nicht.  Wagner erfüllte schließlich die Anforderungen, um eine eigene Agentur eröffnen zu dürfen. Diese sei gut gelaufen, habe ihm viel Freude bereitet. Eines Tages hätten interne Differenzen jedoch zu seinem spontanen Karriere-Ende geführt. Der Anonymität wegen verzichten wir auch an dieser Stelle auf Details. Das ZDF hatte einen Grund herausgefunden, weshalb DVAG-Agenturen immer mal wieder Probleme bekommen: zu hoch angesetzte Provisionen. Auch die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen warnt davor – und vor den Ergebnissen, zu denen der Provisionsdruck führen kann. „Strukturvertriebe sind in erster Linie auf den Verkauf ausgerichtet. Geld steht im Vordergrund", erklärt eine Sprecherin auf Nachfrage der Redaktion. Die Gefahr: Dass nicht die gute Beratung des Kunden und das für ihn beste Produkt im Vordergrund steht, sondern es vor allem um den Vertragsabschluss gehen könnte. Sie rät, sich vor Unterschrift zu informieren und unbedingt Preise zu vergleichen. „Als Kunde muss man ein Auge darauf haben, was einem verkauft wird. Übrigens in allen Strukturvertrieben und nicht nur bei der DVAG", sagt die Referentin. Ein konkreter Fall, in dem die Verbraucherzentrale NRW einem Kunden der DVAG hat helfen müssen, sei ihr nicht bekannt. Weil in dem Unternehmen alles mit rechten Dingen zugeht? „Nein", findet sie, „in erster Linie liegt es daran, dass viele Verbraucher nicht wissen, was sie wofür genau zahlen. Da bleibt eine zu hohe Provision oft unentdeckt." Probleme mit falsch angesetzten Provisionen? Auch das weist die DAVG entschieden zurück. „Die Produkt-, Vertrags- sowie die Provisionsbedingungen bei der DVAG sind einheitlich geregelt. Die Kosten werden dem Kunden in der Beratung erläutert und transparent dargestellt", betont eine Sprecherin. Die gesetzlichen Vorgaben zur Kostentransparenz würden von der Gesellschaft berücksichtigt. Dazu gebe es keine Verkaufsvorgaben. „Unter dem Dach der DVAG sind die Vermögensberater selbstständig und selbstbestimmt. Somit entscheiden sie frei, wie viel sie arbeiten und verdienen", so die Sprecherin. Auch den Vorwurf der Skrupellosigkeit weist das Unternehmen deutlich zurück. „Die Vermögensberater sind deswegen erfolgreich, weil sie seit mehr als 45 Jahren zufriedene Kunden haben, die sie weiterempfehlen", betont eine Sprecherin. Das Beratungskonzept umfasse „einen persönlichen Service für den Kunden, der dezentral durch selbstständige Vermögensberater erbracht" werde. Mindener hat trotz allem auch positive Erinnerungen an die DVAG Trotz Marc Wagners negativer Erinnerungen an die Zeit bei der DVAG, sei dort längst nicht alles schlecht gewesen: „Ich war zu der Zeit ein anderer Mensch. Aber ich habe Sachen lernen dürfen, die ich sonst nie gelernt hätte." Zudem finanziere die DVAG ihren Angestellten regelmäßig Reisen. So haben er und seine Ehefrau mehrere Urlaube auf Unternehmenskosten verbringen dürfen. Zwar sei dem Mindener bewusst, dass das keine Geschenke aus Gutherzigkeit waren. „Aber als Bestechung habe ich das nie empfunden. So ist vermittelt worden, dass nur wenn es zu Hause harmonisch ist, sich der Vermögensberater auf seinen Job konzentrieren kann – und solche Reisen genießen darf." Während es sich aus Sicht seiner Ehefrau um Methoden zur „Gehirnwäsche und Manipulation" handelte, bezeichnet Wagner es als Rundum-sorglos-Paket. „Die wissen, wie sie ihre Mitarbeiter bei Laune halten." So seien auch Veranstaltungen mit Prominenten keine Seltenheit. Er selbst habe vor ein paar Jahren nur wenige Meter neben einer weltbekannten Person gesessen: „Das werde ich nie vergessen." Auf diese Weise gehe die DVAG auf ihre Mitarbeiter ein – „denn nur zufriedene Angestellte können ordentlich Geld bringen".  Belohnungsreisen als Manipulation? Auch das weist die DVAG entschieden zurück: „Gemeinsame Schulungsreisen sind eine Investition in die Zukunft der Vermögensberater, die nicht bei uns angestellt, sondern selbstständig sind." Die Reisen förderten „den Austausch der beruflichen Gemeinschaft, das Lernen von den Erfahrungen der anderen". Außerdem seien die Reisen „Ausdruck besonderer Wertschätzung". Die Teilnahme erfolge im Einklang mit den Compliance-Richtlinien und steuerlichen Gesetzesregelungen. Marc Wagner ist mittlerweile auch ohne die DVAG zufrieden. Der Familienvater ist in einer anderen Branche tätig. „Ich bin alles andere als traurig, dass es sich so entwickelt hat."

„Wer keinen Erfolg hat, fliegt raus“: Das haben Aussteiger aus Minden bei der DVAG erlebt

Die Zentrale der Deutschen Vermögensberatung AG ist in Frankfurt. Auch im Kreis Minden-Lübbecke gibt es eine Vielzahl von Beratern, Agenturen und Direktionen. Foto: Alex Habermehl/DVAG © ALEX HABERMEHL (DVAG)

Minden. Eine Unterschrift hat für ihn alles verändert. Und obwohl es schon Jahre her ist, fällt es im auch heute noch schwer, über das Vergangene zu sprechen. Zu viel hat ihm die Zeit abverlangt. Unterwerfung, permanente Verfügbarkeit, maximale Anpassung, so die Vorwürfe. Nach nur wenigen Wochen war im Leben von Marc Wagner (Name geändert) kaum noch etwas wie vorher. Und es war ihm egal. Schließlich hatte er endlich seinen Traumjob gefunden. Der Mindener wollte bei der Deutschen Vermögensberatung AG Karriere machen. Doch es sollte anders kommen. Denn es ergab sich für ihn schließlich ein anderes als das anfängliche Bild der Firma: „Es ist wie Teil es kleinen Dorfes zu sein, das ganz eigene Denkweisen pflegt."

Wagner befürchtet Konsequenzen durch seinen ehemaligen Arbeitgeber, möchte deshalb lieber anonym bleiben. Sein Name ist der Redaktion aber bekannt – ebenso wie der eines anderen Mannes, der für die DVAG gearbeitet hat. „Ich habe zum Glück schnell gemerkt, mit was für Methoden da gearbeitet wird und die Reißleine gezogen. Da geht es zu wie in einer Sekte", erzählt dieser im Gespräch mit der Redaktion. Er findet deutliche Worte und ergänzt damit die Eindrücke von Wagner. Die Methoden, in erster Linie sozialpsychologische Tricks, seien „dieselben wie bei Sekten, nur irgendwie besser verpackt". Eine DVAG-Sprecherin weist das entschieden zurück: „Diese Vorwürfe treffen nicht zu."

Das macht die DVAG für die Außenwelt so seriös

Eine Glaubensgemeinschaft ist die DVAG tatsächlich nicht. Es handelt sich um ein hocherfolgreiches Unternehmen, das auf den Verkauf von Versicherungen und Aktienfonds spezialisiert ist. Umsatz zuletzt: rund zwei Milliarden Euro. Bundesweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 17.000 hauptberufliche Vermögensberater. Vor allem ehemalige Mitarbeiter äußern aber immer wieder Kritik an dem Konzern. So sei etwa der interne Druck nur schwer auszuhalten und ein Ausstieg von Unternehmensseite nicht gewünscht. Eine groß angelegte Recherche des ZDF war zuletzt zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. So oder so: Gegenüber der Öffentlichkeit agiert die DVAG seriös – unter anderem weil sie mit Prominenten wie Jürgen Klopp wirbt und sie der Titelsponsor der Sky-Halbzeitanalyse der Fußball-Bundesliga ist. 

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Und so war auch Marc Wagner sofort beeindruckt. Ein Freund habe ihn als Kunden vorgeschlagen. Schnell seien die ersten Verträge unterzeichnet worden. „Warum auch nicht? Ein Freund würde mir ja keinen Mist empfehlen", erinnert er sich. Es sollte aber nicht beim Kundenstatus bleiben. „Nach meiner Unterschrift hat mich mein Berater immer wieder gefragt, ob ich nicht auch für ihn arbeiten möchte." Das Interesse und die Hartnäckigkeit hätten ihm geschmeichelt. Und so habe er eingewilligt. Heute wisse er, dass das Interesse nicht ihm, sondern dem Geld gegolten habe, das er der Agentur einbrachte.

Wagner ging dann – nach eigener Aussage – den klassischen Weg eines Vermögensberaters. „Es fängt damit an, in seinem Freundes- und Familienkreis mit der Propaganda zu starten. Das geht nicht anders", betont er. So habe der Mindener seinem Umfeld vom neuen Job erzählt – „immer verbunden mit der Frage: ,Du vertraust mir doch, oder?’ Im eigenen Kreis anzufangen, ist die einzige Chance, in einem Strukturvertrieb Fuß zu fassen."

„Du vertraust mir doch, oder?"

Ein schlechtes Gewissen habe der Familienvater dabei nicht gehabt. „Darüber habe ich nicht nachgedacht. Ich habe immer nur meine Ziele gesehen. Zumal ich ja selbst als Kunde auch zufrieden war", sagt er. Außerdem habe er den Job geliebt: „Ich war mit Leib und Seele Vermögensberater."

Doch dann, nach ein paar Jahren, sei der Mindener das erste Mal mit den negativen Seiten eines Strukturvertriebs in Kontakt gekommen. Um seine Anonymität zu wahren, geht es an dieser Stelle nicht zu tief ins Detail. Nur so viel: Er habe gemerkt, was er für seinen Arbeitgeber in Wirklichkeit war. „Ich war wenig mehr als bares Geld, weil ich eigene Kunden hatte. Und einen Angestellten, der Geld bringen könnte, lässt man ja nicht gehen."

Der Druck, der auf ihn ausgeübt worden sei, sei erdrückend gewesen: „Wenn es um Geld geht, zeigen Menschen ihr wahres Gesicht." Es war eine schwere Phase für Marc Wagner, die ihm einiges abverlangt habe. Kein Wunder: Laut ZDF-Recherchen leben die Berater rein von den Provisionen, stehen demnach unter hohem Verkaufsdruck. Auch sind sie auf Vertragsabschlüsse angewiesen, um in dem streng hierarchischen Pyramidensystem aufzusteigen. In dem profitieren die oberen finanziell von den unteren Ebenen.

- © Thomas Rosenthal
© Thomas Rosenthal

Bei der DAVG könne „man in Sekundenschnelle richtig Geld machen", aber auch einiges verlieren, sagt er. Und es wirkt, als würde der Mindener seine Erfahrungen noch mal neu durchleben, während er davon erzählt. Er spricht schnell, gestikuliert emotional. Immer wieder verfällt er in den offenbar klassischen DVAG-Jargon mit internen Bezeichnungen, die er erklären muss. „Eine gewisse Skrupellosigkeit gehört halt dazu, um erfolgreich zu sein. Das wird verlangt. Nur wer Erfolg hat, darf bleiben. Wer keinen Erfolg hat, fliegt raus." Ein Strukturvertrieb wie die DVAG funktioniere ohne diesen Druck nicht. 

Wagner erfüllte schließlich die Anforderungen, um eine eigene Agentur eröffnen zu dürfen. Diese sei gut gelaufen, habe ihm viel Freude bereitet. Eines Tages hätten interne Differenzen jedoch zu seinem spontanen Karriere-Ende geführt. Der Anonymität wegen verzichten wir auch an dieser Stelle auf Details.

Das ZDF hatte einen Grund herausgefunden, weshalb DVAG-Agenturen immer mal wieder Probleme bekommen: zu hoch angesetzte Provisionen. Auch die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen warnt davor – und vor den Ergebnissen, zu denen der Provisionsdruck führen kann. „Strukturvertriebe sind in erster Linie auf den Verkauf ausgerichtet. Geld steht im Vordergrund", erklärt eine Sprecherin auf Nachfrage der Redaktion. Die Gefahr: Dass nicht die gute Beratung des Kunden und das für ihn beste Produkt im Vordergrund steht, sondern es vor allem um den Vertragsabschluss gehen könnte. Sie rät, sich vor Unterschrift zu informieren und unbedingt Preise zu vergleichen.

„Als Kunde muss man ein Auge darauf haben, was einem verkauft wird. Übrigens in allen Strukturvertrieben und nicht nur bei der DVAG", sagt die Referentin. Ein konkreter Fall, in dem die Verbraucherzentrale NRW einem Kunden der DVAG hat helfen müssen, sei ihr nicht bekannt. Weil in dem Unternehmen alles mit rechten Dingen zugeht? „Nein", findet sie, „in erster Linie liegt es daran, dass viele Verbraucher nicht wissen, was sie wofür genau zahlen. Da bleibt eine zu hohe Provision oft unentdeckt."

Probleme mit falsch angesetzten Provisionen? Auch das weist die DAVG entschieden zurück. „Die Produkt-, Vertrags- sowie die Provisionsbedingungen bei der DVAG sind einheitlich geregelt. Die Kosten werden dem Kunden in der Beratung erläutert und transparent dargestellt", betont eine Sprecherin. Die gesetzlichen Vorgaben zur Kostentransparenz würden von der Gesellschaft berücksichtigt. Dazu gebe es keine Verkaufsvorgaben. „Unter dem Dach der DVAG sind die Vermögensberater selbstständig und selbstbestimmt. Somit entscheiden sie frei, wie viel sie arbeiten und verdienen", so die Sprecherin. Auch den Vorwurf der Skrupellosigkeit weist das Unternehmen deutlich zurück. „Die Vermögensberater sind deswegen erfolgreich, weil sie seit mehr als 45 Jahren zufriedene Kunden haben, die sie weiterempfehlen", betont eine Sprecherin. Das Beratungskonzept umfasse „einen persönlichen Service für den Kunden, der dezentral durch selbstständige Vermögensberater erbracht" werde.

Mindener hat trotz allem auch positive Erinnerungen an die DVAG

Trotz Marc Wagners negativer Erinnerungen an die Zeit bei der DVAG, sei dort längst nicht alles schlecht gewesen: „Ich war zu der Zeit ein anderer Mensch. Aber ich habe Sachen lernen dürfen, die ich sonst nie gelernt hätte." Zudem finanziere die DVAG ihren Angestellten regelmäßig Reisen. So haben er und seine Ehefrau mehrere Urlaube auf Unternehmenskosten verbringen dürfen. Zwar sei dem Mindener bewusst, dass das keine Geschenke aus Gutherzigkeit waren. „Aber als Bestechung habe ich das nie empfunden. So ist vermittelt worden, dass nur wenn es zu Hause harmonisch ist, sich der Vermögensberater auf seinen Job konzentrieren kann – und solche Reisen genießen darf."

Das 40-jährige Bestehen des Unternehmens wurde 2014 mit den besten DVAG-Vermögensberatern auf Malta gefeiert. - © Deutsche Vermögensberatung AG
Das 40-jährige Bestehen des Unternehmens wurde 2014 mit den besten DVAG-Vermögensberatern auf Malta gefeiert. - © Deutsche Vermögensberatung AG

Während es sich aus Sicht seiner Ehefrau um Methoden zur „Gehirnwäsche und Manipulation" handelte, bezeichnet Wagner es als Rundum-sorglos-Paket. „Die wissen, wie sie ihre Mitarbeiter bei Laune halten." So seien auch Veranstaltungen mit Prominenten keine Seltenheit. Er selbst habe vor ein paar Jahren nur wenige Meter neben einer weltbekannten Person gesessen: „Das werde ich nie vergessen." Auf diese Weise gehe die DVAG auf ihre Mitarbeiter ein – „denn nur zufriedene Angestellte können ordentlich Geld bringen". 

Belohnungsreisen als Manipulation? Auch das weist die DVAG entschieden zurück: „Gemeinsame Schulungsreisen sind eine Investition in die Zukunft der Vermögensberater, die nicht bei uns angestellt, sondern selbstständig sind." Die Reisen förderten „den Austausch der beruflichen Gemeinschaft, das Lernen von den Erfahrungen der anderen". Außerdem seien die Reisen „Ausdruck besonderer Wertschätzung". Die Teilnahme erfolge im Einklang mit den Compliance-Richtlinien und steuerlichen Gesetzesregelungen.

Marc Wagner ist mittlerweile auch ohne die DVAG zufrieden. Der Familienvater ist in einer anderen Branche tätig. „Ich bin alles andere als traurig, dass es sich so entwickelt hat."

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