Wie gehen Mindener Unternehmen mit Liebe am Arbeitsplatz um? Leonie Meyer Minden. Es war ein Chefredakteur, der das Thema Beziehungen am Arbeitsplatz unfreiwillig deutschlandweit zum Thema mache. Im Oktober beendete der Springer-Verlag die Zusammenarbeit mit Julian Reichelt, dem Chefredakteur der Bild-Zeitung. Offenbar regelmäßig war er Beziehungen mit Mitarbeiterinnen eingegangen. Auch mit Volontärinnen, also journalistischen Auszubildenden. Machtmissbrauch, so lautete der Vorwurf. Der Vorstand reagierte mit einer ungewöhnlichen Regelung: Beschäftigte des Verlags müssen Liebesbeziehungen innerhalb der Belegschaft künftig offenlegen. Diese Regelung hält André Fechner nicht für den richtigen Weg. „Es geht den Arbeitgeber nichts an, ob es Liebesbeziehungen unter den Beschäftigten gibt“, sagt der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes (AGV) Minden-Lübbecke. Konkrete Regelungen in hiesigen Unternehmen sind ihm nicht bekannt. Auch von Machtmissbrauch sei bisher nie die Rede gewesen. Der Arbeitgeber sei „verpflichtet für alle Beschäftigten eine diskriminierungsfreie Arbeitsatmosphäre zu schaffen“. Dazu gehöre auch, Machtmissbrauch zu verhindern. Verstößen dagegen sei mit Abmahnung und im Wiederholungsfall oder sehr gravierenden Fällen auch mit einer Kündigung zu begegnen. Warum die meisten Arbeitgeber nicht so scharfe Regelungen installiert haben wie der Springer-Verlag: Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz sind oft gänzlich untoxisch. Auf so manches Kennenlernen in der Teeküche folgte Jahre später eine Hochzeit. In einer Studie aus dem Jahr 2018 gaben 42 Prozent der 1.000 Teilnehmenden an, bereits mit einem Kollegen ausgegangen zu sein. Haben Unternehmen aus dem Kreisgebiet Regelungen zu Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz getroffen? Nicht alle angefragten Arbeitgeber wollten sich äußern. Die Stadt Minden zeigt sich offen. „Es gibt verschiedene partnerschaftliche Beziehungen und Ehen unter den Bediensteten“, sagt Pressesprecherin Katharina Heß. In Fällen, in denen es sich um Ehen handelt, strebe die Verwaltung an, „im Einvernehmen mit den Beteiligten, die Arbeitsplätze so zu organisieren, dass kein Vorgesetztenverhältnis unter Ehepartnern besteht“. Außerdem sollten die Ehepartner nicht einen gemeinsamen Vorgesetzten haben – so dass „sie nicht im gleichen Bereich oder Team tätig sind“, sagt Heß. Feste Regelungen zu Liebschaften am Arbeitsplatz gebe es ansonsten nicht. Probleme seien in dem Zusammenhang nicht bekannt. Um den Betriebsfrieden zu gewährleisten, gelte für alle Beschäftigten eine „Wohlverhaltenspflicht gegenüber dem Arbeitgeber“. Der Maßstab dafür, ob eine Beziehung ein Problem sei, sei nicht deren Existenz, sondern zu welchen gegebenenfalls problematischen Ausprägungen sie im Arbeitsumfeld führen könnte. Anders sieht es beim Evangelischen Kirchkreis Minden aus: „Bislang gab es keinen Anlass und keine Notwendigkeit, Regeln für das Thema aufzustellen“, sagt Pressereferentin Carola Mackenbrock. Aufgrund von Partnerschaften am Arbeitsplatz habe es bisher nie Probleme gegeben. Deshalb stehe das Thema bisher auch nicht auf der Agenda. Ähnlich sieht es bei der „BKK Melitta Plus“ aus: „Auch wir haben Liebesbeziehungen und Ehepaare in unserem Unternehmen“, sagt Pressesprecher Markus Wulfern. Bei der Krankenkasse herrsche zwar eine ausgeprägte und vertrauensvolle Unternehmenskultur. Allerdings seien Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz grundsätzlich Privatsache des jeweiligen Mitarbeiters. In bestimmten Bereichen seien Transparenz und Offenheit von Beschäftigten dennoch zwingend erforderlich. So wurde eine Regel aufgestellt, welche den Zahlungsverkehr der Krankenkasse betrifft. „Hier ist ausdrücklich geregelt, dass Mitarbeiter, welche für die Durchführung des Zahlungsverkehrs und der Buchführung verantwortlich sind, grundsätzlich nicht miteinander verwandt, verschwägert, verheiratet oder verlobt sein dürfen.“ Innerhalb der BKK Melitta Plus werde derzeit an einer neuen Richtlinie gearbeitet. Diese biete Orientierung für Führungskräfte und Mitarbeiter. Wichtig sei, „Bedingungen für eine offene und transparente Kommunikation zu schaffen“, sagt Wulfern. Diskriminierung und Belästigung würden nicht geduldet. Auch im Verlagshaus Bruns, das das Mindener Tageblatt herausgibt, gebe es „Beziehungen zwischen Kolleginnen und Kollegen“, sagt Verlagsleiter Carsten Lohmann. Einvernehmliche Liebesbeziehungen gingen den Arbeitgeber nichts an. Eine Herausforderung könnte es sein, wenn Trennungen unter Mitarbeitenden auftreten. Dafür gelte es dann in Absprache mit den Betroffenen Regelungen zu finden. Möglichen Machtmissbrauch dulde der Verlag weder in diesem noch in einem anderen Zusammenhang. „Feste Regeln zu Beziehungen am Arbeitsplatz haben wir aber nicht“, sagt Lohmann. Und: „Eingreifen würden wir nur, wenn sich ein Konflikt zeigt, der sich negativ aufs Arbeitsklima auswirkt.“ Bisher sei das nicht vorgekommen.

Wie gehen Mindener Unternehmen mit Liebe am Arbeitsplatz um?

Man verbringt viel Zeit auf der Arbeit mit seiner Kollegin oder seinem Kollegen. Mit ersten Blicken kann sich eine Liebelei anbahnen. Es gibt unterschiedliche Regeln. Symbolfoto: Pixabay

Minden. Es war ein Chefredakteur, der das Thema Beziehungen am Arbeitsplatz unfreiwillig deutschlandweit zum Thema mache. Im Oktober beendete der Springer-Verlag die Zusammenarbeit mit Julian Reichelt, dem Chefredakteur der Bild-Zeitung. Offenbar regelmäßig war er Beziehungen mit Mitarbeiterinnen eingegangen. Auch mit Volontärinnen, also journalistischen Auszubildenden. Machtmissbrauch, so lautete der Vorwurf. Der Vorstand reagierte mit einer ungewöhnlichen Regelung: Beschäftigte des Verlags müssen Liebesbeziehungen innerhalb der Belegschaft künftig offenlegen.

Diese Regelung hält André Fechner nicht für den richtigen Weg. „Es geht den Arbeitgeber nichts an, ob es Liebesbeziehungen unter den Beschäftigten gibt“, sagt der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes (AGV) Minden-Lübbecke. Konkrete Regelungen in hiesigen Unternehmen sind ihm nicht bekannt. Auch von Machtmissbrauch sei bisher nie die Rede gewesen. Der Arbeitgeber sei „verpflichtet für alle Beschäftigten eine diskriminierungsfreie Arbeitsatmosphäre zu schaffen“. Dazu gehöre auch, Machtmissbrauch zu verhindern. Verstößen dagegen sei mit Abmahnung und im Wiederholungsfall oder sehr gravierenden Fällen auch mit einer Kündigung zu begegnen.

Warum die meisten Arbeitgeber nicht so scharfe Regelungen installiert haben wie der Springer-Verlag: Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz sind oft gänzlich untoxisch. Auf so manches Kennenlernen in der Teeküche folgte Jahre später eine Hochzeit. In einer Studie aus dem Jahr 2018 gaben 42 Prozent der 1.000 Teilnehmenden an, bereits mit einem Kollegen ausgegangen zu sein.

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Patrick Schwemmling

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Haben Unternehmen aus dem Kreisgebiet Regelungen zu Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz getroffen? Nicht alle angefragten Arbeitgeber wollten sich äußern. Die Stadt Minden zeigt sich offen. „Es gibt verschiedene partnerschaftliche Beziehungen und Ehen unter den Bediensteten“, sagt Pressesprecherin Katharina Heß. In Fällen, in denen es sich um Ehen handelt, strebe die Verwaltung an, „im Einvernehmen mit den Beteiligten, die Arbeitsplätze so zu organisieren, dass kein Vorgesetztenverhältnis unter Ehepartnern besteht“. Außerdem sollten die Ehepartner nicht einen gemeinsamen Vorgesetzten haben – so dass „sie nicht im gleichen Bereich oder Team tätig sind“, sagt Heß. Feste Regelungen zu Liebschaften am Arbeitsplatz gebe es ansonsten nicht. Probleme seien in dem Zusammenhang nicht bekannt. Um den Betriebsfrieden zu gewährleisten, gelte für alle Beschäftigten eine „Wohlverhaltenspflicht gegenüber dem Arbeitgeber“. Der Maßstab dafür, ob eine Beziehung ein Problem sei, sei nicht deren Existenz, sondern zu welchen gegebenenfalls problematischen Ausprägungen sie im Arbeitsumfeld führen könnte.

Anders sieht es beim Evangelischen Kirchkreis Minden aus: „Bislang gab es keinen Anlass und keine Notwendigkeit, Regeln für das Thema aufzustellen“, sagt Pressereferentin Carola Mackenbrock. Aufgrund von Partnerschaften am Arbeitsplatz habe es bisher nie Probleme gegeben. Deshalb stehe das Thema bisher auch nicht auf der Agenda.

Ähnlich sieht es bei der „BKK Melitta Plus“ aus: „Auch wir haben Liebesbeziehungen und Ehepaare in unserem Unternehmen“, sagt Pressesprecher Markus Wulfern. Bei der Krankenkasse herrsche zwar eine ausgeprägte und vertrauensvolle Unternehmenskultur. Allerdings seien Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz grundsätzlich Privatsache des jeweiligen Mitarbeiters. In bestimmten Bereichen seien Transparenz und Offenheit von Beschäftigten dennoch zwingend erforderlich. So wurde eine Regel aufgestellt, welche den Zahlungsverkehr der Krankenkasse betrifft. „Hier ist ausdrücklich geregelt, dass Mitarbeiter, welche für die Durchführung des Zahlungsverkehrs und der Buchführung verantwortlich sind, grundsätzlich nicht miteinander verwandt, verschwägert, verheiratet oder verlobt sein dürfen.“ Innerhalb der BKK Melitta Plus werde derzeit an einer neuen Richtlinie gearbeitet. Diese biete Orientierung für Führungskräfte und Mitarbeiter. Wichtig sei, „Bedingungen für eine offene und transparente Kommunikation zu schaffen“, sagt Wulfern. Diskriminierung und Belästigung würden nicht geduldet.

Auch im Verlagshaus Bruns, das das Mindener Tageblatt herausgibt, gebe es „Beziehungen zwischen Kolleginnen und Kollegen“, sagt Verlagsleiter Carsten Lohmann. Einvernehmliche Liebesbeziehungen gingen den Arbeitgeber nichts an. Eine Herausforderung könnte es sein, wenn Trennungen unter Mitarbeitenden auftreten. Dafür gelte es dann in Absprache mit den Betroffenen Regelungen zu finden. Möglichen Machtmissbrauch dulde der Verlag weder in diesem noch in einem anderen Zusammenhang. „Feste Regeln zu Beziehungen am Arbeitsplatz haben wir aber nicht“, sagt Lohmann. Und: „Eingreifen würden wir nur, wenn sich ein Konflikt zeigt, der sich negativ aufs Arbeitsklima auswirkt.“ Bisher sei das nicht vorgekommen.

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