Wie die Volksbank Herford-Mindener Land trotz Corona die Fusion vorangetrieben hat Henning Wandel Minden/Herford. Mit der Fusion der Volksbanken Mindener Land und Bad Oeynhausen-Herford war das vergangene Jahr ohnehin schon eine Herausforderung – und dann kam die Corona-Pandemie noch dazu. Trotzdem ist der Vorstandssprecher der neuen Volksbank Herford-Mindener Land insgesamt nicht unzufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr – zumindest „unter den gegebenen Rahmenbedingungen“, wie Andreas Kämmerling in einer digitalen Pressekonferenz sagt. Die Bilanzsumme ist um zehn Prozent auf knapp 4,3 Milliarden Euro gewachsen, die fusionierte Bank ist damit das drittgrößte genossenschaftliche Institut Ostwestfalens. Dass das Ergebnis trotz des überraschend deutlichen Wachstums unter dem Vergleichswert aus 2019 liegt, sei zu erwarten gewesen. Die Kosten steigen unter anderem, weil die Kunden insgesamt deutlich mehr Geld klassisch anlegen, die Summe der vergebenen Kredite mit diesem Wachstum aber nicht Schritt hält. Knapp drei Milliarden Euro liegen aktuell auf Girokonten, Sparbüchern oder als Termineinlage, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt stieg die Summe des betreuten Kundenvolumens um gut acht Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Dem gegenüber steht ein Kreditvolumen von knapp 3,2 Milliarden Euro (plus 8,8 Prozent). Das bedeutet für die Volksbank, dass überschüssige Liquidität bei der Zentralbank eingelagert werden muss, die dafür schon seit sechs Jahren einen Negativzins erhebt. Kämmerling beziffert die Kosten dafür auf „mehrere 100.000 Euro pro Jahr“. Inzwischen führt die Bank Gespräche mit allen Kunden, die mehr als 500.000 Euro auf ihren Konten geparkt haben, um gemeinsam über Alternativen nachzudenken. Gibt es die nicht, könnte der Negativzins als Verwahrentgelt an den Kunden weitergegeben werden. Für Neukunden gelte diese Freigrenze nicht, so Kämmerling. Obwohl die Börsen im März mit starken Kursrückgängen für Verunsicherung gesorgt haben, hält Kämmerling das Wertpapiergeschäft für die einzige rentable Alternative zu Tagesgeld oder Sparbuch. Zum Beispiel in Form eines monatlich angesparten Aktienfonds. „Unsere besten zehn Fonds haben im Durchschnitt um vier bis sechs Prozent zugelegt“, sagt Kämmerling, dem aber auch bewusst ist, wie beratungsintensiv das Geschäft ist – vor allem, wenn die Kurse sich so dynamisch entwickeln wie in diesem Jahr. Bei allen Schwierigkeiten hat Corona aber auch den Banken einen starken Schub in Sachen Digitalisierung gegeben. So sei beispielsweise das kontaktlose Bezahlen deutlich auf dem Vormarsch, „aber wir werden deshalb nicht in fünf Jahren das Bargeld abschaffen“, so Kämmerling. Und auch intern hat sich die Entwicklung beschleunigt. Insgesamt können etwa 250 der insgesamt 618 Mitarbeiter im Homeoffice oder mobil arbeiten, wie Vorstand Peter Scherf sagt. Die Volksbank Herford-Mindener Land habe sich schon in der ersten Welle im Frühjahr gut vorbereitet und sei daher jetzt nicht überrascht worden, erklärt der ehemalige Vorstandschef der Volksbank Mindener Land. An der Filialstruktur soll sich kurzfristig nichts ändern. Inklusive der beiden Verwaltungssitze in Herford und Minden hat die neue Bank zwischen Spenge und Wasserstraße 50 Geschäftsstellen und 75 Geldautomaten. Aktuell gebe es keine Pläne für Schließungen, versichert Scherf. Er sagt aber auch, dass der Vorstand dieses Thema im Blick habe, um auf Entwicklungen reagieren zu können. Es gebe also keine Garantie, was in drei bis fünf Jahren geschehe. Für die Mitarbeiter habe es mit der Fusion eine Beschäftigungsgarantie für die kommenden zwei Jahre gegeben, wie Kämmerling sagt. Und auch die Eigentümer sollen von der Entwicklung profitieren. Zwar hat es aufgrund einer deutlichen Empfehlung der Bankenaufsicht keine Basisrendite gegeben, gleichwohl aber einen Bonus, den die Anteilseigner als Dividende für intensive Geschäftsbeziehungen bekommen können. In das laufende Jahr sei die Volksbank mit Rückenwind gestartet und liege bereits zu diesem Zeitpunkt leicht im Plus, sagt Kämmerling. In seinem Ausblick setzt er auch auf Nachholeffekte, wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Damit die Unternehmen diese Zeit überstehen, müsse die Politik jetzt Farbe bekennen und die Hilfsgelder schnell auszahlen. Sein Haus habe mit der Aussetzung von Zins- und Tilgungszahlungen oder unbürokratisch erhöhten Kreditlinien bereits einen Beitrag geleistet. Kämmerling ist optimistisch, dass es nicht zu dramatischen Ausfällen kommt.

Wie die Volksbank Herford-Mindener Land trotz Corona die Fusion vorangetrieben hat

Der Vorstand der Volksbank Herford-Mindener ist mit dem vergangenen Jahr zufrieden. Vor allem wegen der schwierigen Rahmenbedingungen: Andreas Kämmerling (von links), Oliver Ohm und Peter Scherf. Foto: Privat © Privat

Minden/Herford. Mit der Fusion der Volksbanken Mindener Land und Bad Oeynhausen-Herford war das vergangene Jahr ohnehin schon eine Herausforderung – und dann kam die Corona-Pandemie noch dazu. Trotzdem ist der Vorstandssprecher der neuen Volksbank Herford-Mindener Land insgesamt nicht unzufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr – zumindest „unter den gegebenen Rahmenbedingungen“, wie Andreas Kämmerling in einer digitalen Pressekonferenz sagt. Die Bilanzsumme ist um zehn Prozent auf knapp 4,3 Milliarden Euro gewachsen, die fusionierte Bank ist damit das drittgrößte genossenschaftliche Institut Ostwestfalens. Dass das Ergebnis trotz des überraschend deutlichen Wachstums unter dem Vergleichswert aus 2019 liegt, sei zu erwarten gewesen.

Die Kosten steigen unter anderem, weil die Kunden insgesamt deutlich mehr Geld klassisch anlegen, die Summe der vergebenen Kredite mit diesem Wachstum aber nicht Schritt hält. Knapp drei Milliarden Euro liegen aktuell auf Girokonten, Sparbüchern oder als Termineinlage, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt stieg die Summe des betreuten Kundenvolumens um gut acht Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Dem gegenüber steht ein Kreditvolumen von knapp 3,2 Milliarden Euro (plus 8,8 Prozent). Das bedeutet für die Volksbank, dass überschüssige Liquidität bei der Zentralbank eingelagert werden muss, die dafür schon seit sechs Jahren einen Negativzins erhebt. Kämmerling beziffert die Kosten dafür auf „mehrere 100.000 Euro pro Jahr“.

Inzwischen führt die Bank Gespräche mit allen Kunden, die mehr als 500.000 Euro auf ihren Konten geparkt haben, um gemeinsam über Alternativen nachzudenken. Gibt es die nicht, könnte der Negativzins als Verwahrentgelt an den Kunden weitergegeben werden. Für Neukunden gelte diese Freigrenze nicht, so Kämmerling.

Obwohl die Börsen im März mit starken Kursrückgängen für Verunsicherung gesorgt haben, hält Kämmerling das Wertpapiergeschäft für die einzige rentable Alternative zu Tagesgeld oder Sparbuch. Zum Beispiel in Form eines monatlich angesparten Aktienfonds. „Unsere besten zehn Fonds haben im Durchschnitt um vier bis sechs Prozent zugelegt“, sagt Kämmerling, dem aber auch bewusst ist, wie beratungsintensiv das Geschäft ist – vor allem, wenn die Kurse sich so dynamisch entwickeln wie in diesem Jahr.

Bei allen Schwierigkeiten hat Corona aber auch den Banken einen starken Schub in Sachen Digitalisierung gegeben. So sei beispielsweise das kontaktlose Bezahlen deutlich auf dem Vormarsch, „aber wir werden deshalb nicht in fünf Jahren das Bargeld abschaffen“, so Kämmerling. Und auch intern hat sich die Entwicklung beschleunigt. Insgesamt können etwa 250 der insgesamt 618 Mitarbeiter im Homeoffice oder mobil arbeiten, wie Vorstand Peter Scherf sagt. Die Volksbank Herford-Mindener Land habe sich schon in der ersten Welle im Frühjahr gut vorbereitet und sei daher jetzt nicht überrascht worden, erklärt der ehemalige Vorstandschef der Volksbank Mindener Land.

An der Filialstruktur soll sich kurzfristig nichts ändern. Inklusive der beiden Verwaltungssitze in Herford und Minden hat die neue Bank zwischen Spenge und Wasserstraße 50 Geschäftsstellen und 75 Geldautomaten. Aktuell gebe es keine Pläne für Schließungen, versichert Scherf. Er sagt aber auch, dass der Vorstand dieses Thema im Blick habe, um auf Entwicklungen reagieren zu können. Es gebe also keine Garantie, was in drei bis fünf Jahren geschehe.

Für die Mitarbeiter habe es mit der Fusion eine Beschäftigungsgarantie für die kommenden zwei Jahre gegeben, wie Kämmerling sagt. Und auch die Eigentümer sollen von der Entwicklung profitieren. Zwar hat es aufgrund einer deutlichen Empfehlung der Bankenaufsicht keine Basisrendite gegeben, gleichwohl aber einen Bonus, den die Anteilseigner als Dividende für intensive Geschäftsbeziehungen bekommen können.

In das laufende Jahr sei die Volksbank mit Rückenwind gestartet und liege bereits zu diesem Zeitpunkt leicht im Plus, sagt Kämmerling. In seinem Ausblick setzt er auch auf Nachholeffekte, wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Damit die Unternehmen diese Zeit überstehen, müsse die Politik jetzt Farbe bekennen und die Hilfsgelder schnell auszahlen. Sein Haus habe mit der Aussetzung von Zins- und Tilgungszahlungen oder unbürokratisch erhöhten Kreditlinien bereits einen Beitrag geleistet. Kämmerling ist optimistisch, dass es nicht zu dramatischen Ausfällen kommt.

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