Wie der Elektroingenieur Richard Erren zum Schreiben gekommen ist Benjamin Piel Minden (mt). Naturwissenschaftler haben keine Ahnung von Sprache? Elektroingenieure können nicht schreiben? Vor einigen Jahren hätte Richard Erren aus Minden beide Fragen noch ziemlich überzeugt mit einem Ja beantwortet. Für ihn war es mehr als nur ein Klischee, dass Ingenieure mehr mit Zahlen anfangen können als mit Sätzen. Zumindest mehr als mit schönen Sätzen, wohlgeformt und mehr als bloß ausgerichtet darauf, einen Sachverhalt möglichst korrekt zu beschreiben. „Sprachen waren für mich ein notwendiges Übel", erinnert sich der 65-Jährige. Doch als er in leitender Funktion für einen amerikanischen Lebensmittelkonzern tätig war, da merkte er dann doch, dass Wörter Waffen sein können. Nicht Kanonen zwangsläufig, aber doch Florette, mit denen sich Ideen verteidigen lassen. Als sich sein Berufsleben in Richtung Selbstständigkeit entwickelte, sprach er einen Satz aus, der keine Waffe war, aber sein Leben verändern sollte. „Ich will mal etwas tun, was ich vorher noch nie getan habe", sagte er zu seiner Frau. Andere hätten ihm vielleicht einen Fallschirmsprung spendiert oder eine Tour mit dem Ferrari. Doch Errens Frau hatte eine ganz andere Idee: eine Anmeldung im Volkshochschulkurs Kreatives Schreiben. Der Ingenieur hätte lachen und ablehnen können, aber er ging hin und es war Liebe auf das erste Wort. Inzwischen hat er zehnmal an dem Kurs teilgenommen, habe „Tage voller Anregungen" erlebt, „wie kurze Urlaube". Seitdem schreibt er Ideen sofort auf, wenn sie ihm kommen. Zwei Bücher hat er seitdem herausgebracht – Gedichte und Kurzgeschichten, dazu jeweils eine CD mit eigenen Liedern. Denn mit dem Texten kam auch das Liederschreiben. Erren stammt aus einem musikalischen Elternhaus, hat Blockflöte und Violine gelernt. Aber damit „konnte man auf einer Party nichts gewinnen", deshalb ist er als Jugendlicher auf die Gitarre umgestiegen. Für das dritte Buch hat der Rentner schon „einiges im Köcher", auch einen Krimi oder einen Roman will er eines Tages schreiben. Doch der Spaß soll im Vordergrund stehen: „Unter Druck will ich mich nicht setzen, Stress soll es nicht werden." Das Themenfeld soll breit bleiben: von völligem Nonsens bis zu politischer Satire, von Märchen bis Science-Fiction. Spaß und Wörter sollen es sein – der Rest wird sich finden. Richard Erren: „Ingenieure sind auch nur Menschen" (2015) und „Volltreffer und andere Belanglosigkeiten" (2012), erschienen im Fabuloso Verlag. In seinem ersten Jahr als Chefredakteur des Mindener Tageblatts will Benjamin Piel an 200 Orten mit 200 Menschen sprechen. Sie möchten ihn einladen? Kontaktieren Sie ihn per Mail an Benjamin.Piel@mt.de oder unter der Telefonnummer (0571) 882 259.

Wie der Elektroingenieur Richard Erren zum Schreiben gekommen ist

Minden (mt). Naturwissenschaftler haben keine Ahnung von Sprache? Elektroingenieure können nicht schreiben? Vor einigen Jahren hätte Richard Erren aus Minden beide Fragen noch ziemlich überzeugt mit einem Ja beantwortet.

Mit dem Schreiben kam die Musik: Erst hat Richard Erren aus Minden angefangen zu dichten, dann machte er aus dem Geschriebenen Lieder. Er sagt: "Schon beim Schreiben merke ich, wenn etwas zu einem Lied wird."
Mit dem Schreiben kam die Musik: Erst hat Richard Erren aus Minden angefangen zu dichten, dann machte er aus dem Geschriebenen Lieder. Er sagt: "Schon beim Schreiben merke ich, wenn etwas zu einem Lied wird."

Für ihn war es mehr als nur ein Klischee, dass Ingenieure mehr mit Zahlen anfangen können als mit Sätzen. Zumindest mehr als mit schönen Sätzen, wohlgeformt und mehr als bloß ausgerichtet darauf, einen Sachverhalt möglichst korrekt zu beschreiben.

„Sprachen waren für mich ein notwendiges Übel", erinnert sich der 65-Jährige. Doch als er in leitender Funktion für einen amerikanischen Lebensmittelkonzern tätig war, da merkte er dann doch, dass Wörter Waffen sein können. Nicht Kanonen zwangsläufig, aber doch Florette, mit denen sich Ideen verteidigen lassen.

Als sich sein Berufsleben in Richtung Selbstständigkeit entwickelte, sprach er einen Satz aus, der keine Waffe war, aber sein Leben verändern sollte. „Ich will mal etwas tun, was ich vorher noch nie getan habe", sagte er zu seiner Frau. Andere hätten ihm vielleicht einen Fallschirmsprung spendiert oder eine Tour mit dem Ferrari. Doch Errens Frau hatte eine ganz andere Idee: eine Anmeldung im Volkshochschulkurs Kreatives Schreiben.

Der Ingenieur hätte lachen und ablehnen können, aber er ging hin und es war Liebe auf das erste Wort. Inzwischen hat er zehnmal an dem Kurs teilgenommen, habe „Tage voller Anregungen" erlebt, „wie kurze Urlaube".

Seitdem schreibt er Ideen sofort auf, wenn sie ihm kommen. Zwei Bücher hat er seitdem herausgebracht – Gedichte und Kurzgeschichten, dazu jeweils eine CD mit eigenen Liedern. Denn mit dem Texten kam auch das Liederschreiben. Erren stammt aus einem musikalischen Elternhaus, hat Blockflöte und Violine gelernt. Aber damit „konnte man auf einer Party nichts gewinnen", deshalb ist er als Jugendlicher auf die Gitarre umgestiegen.

Für das dritte Buch hat der Rentner schon „einiges im Köcher", auch einen Krimi oder einen Roman will er eines Tages schreiben. Doch der Spaß soll im Vordergrund stehen: „Unter Druck will ich mich nicht setzen, Stress soll es nicht werden."

Das Themenfeld soll breit bleiben: von völligem Nonsens bis zu politischer Satire, von Märchen bis Science-Fiction. Spaß und Wörter sollen es sein – der Rest wird sich finden.

Richard Erren: „Ingenieure sind auch nur Menschen" (2015) und „Volltreffer und andere Belanglosigkeiten" (2012), erschienen im Fabuloso Verlag.

In seinem ersten Jahr als Chefredakteur des Mindener Tageblatts will Benjamin Piel an 200 Orten mit 200 Menschen sprechen. Sie möchten ihn einladen? Kontaktieren Sie ihn per Mail an Benjamin.Piel@mt.de oder unter der Telefonnummer (0571) 882 259.

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