Weserfreunde wollen Pegelschlange im nächsten Jahr aufstellen Ursula Koch Minden. „Alles, was jeder sofort versteht, ist langweilig“, sagt der Künstler Hans Hemmert. Er ist Mitglied des international tätigen Künstlerkollektivs „Inges Idee“ aus Berlin, das die „Vorausschauende Maßnahme“ – vom Volksmund Pegelschlange getauft – für die Weserfreunde entworfen hat. Die bleiben, trotz Protesten bei einer öffentlichen Veranstaltung (das MT berichtete) vor gut einem Monat unter der Weserbrücke mit Blick auf den künftigen Standort, bei ihrem Vorhaben, diese Skulptur auf einer Insel in der Stadtblänke aufzustellen. Finanziert wird das Projekt von Mitgliedern des Rotary Clubs Minden-Porta Westfalica. Öffentlichen Gegenwind sind Hemmert und seine drei Mitstreiter Axel Lieber, Thomas A. Schmidt und Georg Zey gewöhnt. Ihr 2013 realisiertes Projekt „Travelling light“ auf einer Autobahnbrücke im kanadischen Calgary erntete viel Ablehnung. „Inges Idee“ hatte ein riesiges Rad entworfen, an dessen oberen Ende zwei Laternen die Fahrbahnen beleuchten. Gemäß der Vorgaben, sollte die Skulptur ein tragendes Element der Brücke sein. „Die Skulptur ist vor Ort gebaut worden, vier Fünftel der Kosten flossen zurück in örtliche Betriebe“, berichtet Hemmert. Der Eklat habe dazu geführt, dass „Travelling light“ heute das bekannteste Kunstwerk in Kanada ist und inzwischen identifizierten sich die Bewohner damit, berichtet er. Dieses Prinzip gilt auch für die „Vorausschauende Maßnahme“. Die Skulptur soll von heimischen Firmen vor Ort gebaut werden, berichtet Hemmert. Nach seiner Vorstellung soll sie eine Landmarke in der Weite werden. Dass das Objekt bereits einen Spitznamen hat, darüber freut er sich sogar. „Wir mögen es sehr, wenn die Bevölkerung öffentlichen Kunstwerken einen Namen gibt“, sagt er. Der von „Inges Idee“ gewählte Titel sei absichtlich abstrakt und damit offen für Assoziationen. Nessie sei genauso legitim wie die Schlange oder der Klimawandel. „Wasser und Luft sind unsere unbezahlbaren Ressourcen. Das ist mitzudenken. Die Hafenstädte auf der Welt versinken langsam im Wasser“, sagt Hans Hemmert. Was zu sehen ist, sei aber nur die Hälfte des Kunstwerks, die andere Hälfte brächte jeder Betrachter aus seinem Erfahrungsschatz mit. Hemmert war in Minden, hat sich nicht nur den Standort der Arbeit angesehen, sondern zusammen mit den Weserfreunden die Stadt erkundet. „Im Atelier haben wir dann ein Brainstorming gemacht. Wir versuchen damit zu frischen Ideen zu kommen“, beschreibt der Künstler die Arbeit des Kollektivs, das gemeinsam seit 25 Jahren ortsspezifische Arbeiten entwickelt und weltweit Projekte realisiert hat – in vielen Städten in Deutschland, aber auch in Südkorea, Kanada, Schweden, Dänemark, Niederlande, Frankreich, Japan, Taiwan. Von den Ideen würden sofort Zeichnungen oder Modelle gemacht. „Wir versuchen, nicht zu viel zu sprechen, weil es in der Bildenden Kunst um das Visuelle geht“, erläutert Hemmert. Von fünf Ideen hätten sie schließlich zwei bei den Weserfreunden eingereicht, die sich für die „Vorausschauende Maßnahme“ entschieden hätten. Mit dem Erwerb hätten die Weserfreunde auch das Recht, die Skulptur wieder abzubauen. Ein anderer Standort müsse allerdings mit „Inges Idee“ abgesprochen werden, berichtet Hemmert. Die Weserfreunde hatten Marta-Direktor Roland Nachtigäller gebeten, ihnen Künstler vorzuschlagen, die ein solches Projekt umsetzen könnten. „Kunst am und im Wasser ist nicht einfach“, sagt er. „Inges Idee“ bezögen in ihre Entwürfe auch die technische Realisierbarkeit ein, darum habe er das Kollektiv neben weiteren Künstlern genannt, unter denen die Weserfreunde eine kleine Ausschreibung organisiert hätten. An der Entscheidung für einen der Entwürfe sei er nicht beteiligt gewesen. Dieses Vorgehen habe Vorbildcharakter für andere Städte. Bei Kunst im öffentlichen Raum sei es wichtig, sich „Impulse von außen zu holen“. „Kunst ist nicht dafür da, zu schmücken, sie soll anregen, auf etwas aufmerksam machen“, sagt Nachtigäller. Darum sei eine demokratische Abstimmung der falsche Weg für Kunst im öffentlichen Raum. Die brauche aber auch eine Bewährungszeit, um eine Position zu entwickeln oder zu verteidigen. Der Herforder Museumsdirektor findet den Entwurf sehr gelungen, weil er ein „klare, einfache, gute Idee“ ist, der die formulierten Ziele der Weserfreunde, die sich ein Augenzwinkern und eine Sichtbarkeit an der Stelle gewünscht hätten, gut zusammenfasse: „Die Figur ist comichaft. Sie weist außerdem auf ein wichtiges Thema unserer Zeit hin“. Die Weserfreunde wollen nach Auskunft ihres Vorsitzenden Horst Spreckelmeyer an ihren Plänen festhalten. „Wir waren überrascht von der Art der Argumentation“, sagt er mit Rückblick auf die Informationsveranstaltung, bei der ein Anwohner juristische Schritte angedroht hatte. Die Gespräche mit der Stadt seien dagegen sehr freundlich gewesen. Die Verträge seien vorbereitet. Die Weserfreunde möchten die „Pegelschlange“ im Sommer oder Spätsommer nächstes Jahr aufstellen. Die Autorin ist erreichbarunter (05 71) 882 170 oder Ursula.Koch@MT.de

Weserfreunde wollen Pegelschlange im nächsten Jahr aufstellen

Minden. „Alles, was jeder sofort versteht, ist langweilig“, sagt der Künstler Hans Hemmert. Er ist Mitglied des international tätigen Künstlerkollektivs „Inges Idee“ aus Berlin, das die „Vorausschauende Maßnahme“ – vom Volksmund Pegelschlange getauft – für die Weserfreunde entworfen hat. Die bleiben, trotz Protesten bei einer öffentlichen Veranstaltung (das MT berichtete) vor gut einem Monat unter der Weserbrücke mit Blick auf den künftigen Standort, bei ihrem Vorhaben, diese Skulptur auf einer Insel in der Stadtblänke aufzustellen. Finanziert wird das Projekt von Mitgliedern des Rotary Clubs Minden-Porta Westfalica.

Öffentlichen Gegenwind sind Hemmert und seine drei Mitstreiter Axel Lieber, Thomas A. Schmidt und Georg Zey gewöhnt. Ihr 2013 realisiertes Projekt „Travelling light“ auf einer Autobahnbrücke im kanadischen Calgary erntete viel Ablehnung. „Inges Idee“ hatte ein riesiges Rad entworfen, an dessen oberen Ende zwei Laternen die Fahrbahnen beleuchten. Gemäß der Vorgaben, sollte die Skulptur ein tragendes Element der Brücke sein. „Die Skulptur ist vor Ort gebaut worden, vier Fünftel der Kosten flossen zurück in örtliche Betriebe“, berichtet Hemmert. Der Eklat habe dazu geführt, dass „Travelling light“ heute das bekannteste Kunstwerk in Kanada ist und inzwischen identifizierten sich die Bewohner damit, berichtet er.

Dieses Prinzip gilt auch für die „Vorausschauende Maßnahme“. Die Skulptur soll von heimischen Firmen vor Ort gebaut werden, berichtet Hemmert. Nach seiner Vorstellung soll sie eine Landmarke in der Weite werden. Dass das Objekt bereits einen Spitznamen hat, darüber freut er sich sogar. „Wir mögen es sehr, wenn die Bevölkerung öffentlichen Kunstwerken einen Namen gibt“, sagt er. Der von „Inges Idee“ gewählte Titel sei absichtlich abstrakt und damit offen für Assoziationen. Nessie sei genauso legitim wie die Schlange oder der Klimawandel. „Wasser und Luft sind unsere unbezahlbaren Ressourcen. Das ist mitzudenken. Die Hafenstädte auf der Welt versinken langsam im Wasser“, sagt Hans Hemmert. Was zu sehen ist, sei aber nur die Hälfte des Kunstwerks, die andere Hälfte brächte jeder Betrachter aus seinem Erfahrungsschatz mit.

Hemmert war in Minden, hat sich nicht nur den Standort der Arbeit angesehen, sondern zusammen mit den Weserfreunden die Stadt erkundet. „Im Atelier haben wir dann ein Brainstorming gemacht. Wir versuchen damit zu frischen Ideen zu kommen“, beschreibt der Künstler die Arbeit des Kollektivs, das gemeinsam seit 25 Jahren ortsspezifische Arbeiten entwickelt und weltweit Projekte realisiert hat – in vielen Städten in Deutschland, aber auch in Südkorea, Kanada, Schweden, Dänemark, Niederlande, Frankreich, Japan, Taiwan. Von den Ideen würden sofort Zeichnungen oder Modelle gemacht. „Wir versuchen, nicht zu viel zu sprechen, weil es in der Bildenden Kunst um das Visuelle geht“, erläutert Hemmert. Von fünf Ideen hätten sie schließlich zwei bei den Weserfreunden eingereicht, die sich für die „Vorausschauende Maßnahme“ entschieden hätten. Mit dem Erwerb hätten die Weserfreunde auch das Recht, die Skulptur wieder abzubauen. Ein anderer Standort müsse allerdings mit „Inges Idee“ abgesprochen werden, berichtet Hemmert.

Die Weserfreunde hatten Marta-Direktor Roland Nachtigäller gebeten, ihnen Künstler vorzuschlagen, die ein solches Projekt umsetzen könnten. „Kunst am und im Wasser ist nicht einfach“, sagt er. „Inges Idee“ bezögen in ihre Entwürfe auch die technische Realisierbarkeit ein, darum habe er das Kollektiv neben weiteren Künstlern genannt, unter denen die Weserfreunde eine kleine Ausschreibung organisiert hätten. An der Entscheidung für einen der Entwürfe sei er nicht beteiligt gewesen. Dieses Vorgehen habe Vorbildcharakter für andere Städte. Bei Kunst im öffentlichen Raum sei es wichtig, sich „Impulse von außen zu holen“.

„Kunst ist nicht dafür da, zu schmücken, sie soll anregen, auf etwas aufmerksam machen“, sagt Nachtigäller. Darum sei eine demokratische Abstimmung der falsche Weg für Kunst im öffentlichen Raum. Die brauche aber auch eine Bewährungszeit, um eine Position zu entwickeln oder zu verteidigen. Der Herforder Museumsdirektor findet den Entwurf sehr gelungen, weil er ein „klare, einfache, gute Idee“ ist, der die formulierten Ziele der Weserfreunde, die sich ein Augenzwinkern und eine Sichtbarkeit an der Stelle gewünscht hätten, gut zusammenfasse: „Die Figur ist comichaft. Sie weist außerdem auf ein wichtiges Thema unserer Zeit hin“.

Die Weserfreunde wollen nach Auskunft ihres Vorsitzenden Horst Spreckelmeyer an ihren Plänen festhalten. „Wir waren überrascht von der Art der Argumentation“, sagt er mit Rückblick auf die Informationsveranstaltung, bei der ein Anwohner juristische Schritte angedroht hatte. Die Gespräche mit der Stadt seien dagegen sehr freundlich gewesen. Die Verträge seien vorbereitet. Die Weserfreunde möchten die „Pegelschlange“ im Sommer oder Spätsommer nächstes Jahr aufstellen.

Die Autorin ist erreichbarunter (05 71) 882 170 oder Ursula.Koch@MT.de

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