Wenn die Zukunft auf dem Wasser liegt Entscheidung über die Verwirklichung des Regioports Weser soll Ende des Jahres mit einem Förderbescheid fallen Von Stefan Koch Minden (mt). Bis Ende des Jahres ist entschieden, ob am Stadtrand von Minden der riesige Containerumschlag "Regioport Weser" entsteht. Im Fahrwasser der Debatte um den Sinn des Projekts machte am Freitag auch die "Wappen von Minden" an der Schlagde die Leinen los. Diesmal hatte die Stadt die Öffentlichkeit mit ins Boot zur Fahrt ins Planungsgebiet geholt - und 130 waren gekommen. Die Sonne scheint munter auf das Deck der "Wappen von Minden". Viele haben einen luftigen Platz am Tisch für den Kuchenteller ergattert. Andreas Chwalek, Verfahrenskoordinator und Projektmanager für den Planungsverband Regioport Weser, sagt, wo die Reise hingeht - von der Schlagde in den Industriehafen und von dort zurück über Schachtschleuse und Mittellandkanal Richtung Berenbusch.Dort soll an der Grenze der Städte Minden und Bückeburg der neue Hafen entstehen. Noch größere Containermengen könnten von den Seehäfen über die Weser zu ihm gelangen und über die B 482 und die Bahnstrecke Minden-Nienburg abfließen. Neue Unternehmen, Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler erwartet die Stadt dadurch."Wir nehmen am Welthandel teil", sagt Bürgermeister Michael Buhre zu dieser Chance am Beginn der Fahrt. Die Stadt sei in ihrer mehr als 1200-jährigen Vergangenheit stets auf die Verbindung von Verkehrswegen angewiesen gewesen. Und deshalb spiele Minden eine bedeutende Rolle in der Binnenschifffahrt.Doch die Reise in die Zukunft scheint durch die Industriehafenschleuse versperrt zu sein. Die "Wappen von Minden" steckt zwar in ihrem Schacht und wird nach oben gehievt. Aber: "Das Großmotorgüterschiff passt hier nicht mehr hinein", sagt Henning Buchholz. Der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden hat Dr. Manuela Osterthun, die Projektverantwortliche der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte (Hannover), und Dieter Eichler, Leiter des Neubauamtes für den Ausbau des Mittellandkanals, mitgebracht. Sie waren schon einmal mit an Bord, als der Rat der Stadt im Oktober 2010 die gleiche Fahrt unternommen hatte.Das Großmotorgüterschiff ist übrigens 110 Meter lang und löst derzeit die kürzere Europaklasse auf den Wasserstraßen ab. Schon drängen noch längere Exemplare auf den Markt wie das Übergroßmotorgüterschiff mit 139 Metern. Auf all diese Veränderungen reagiert die Schifffahrtsverwaltung mit Baumaßnahmen und gräbt in Minden an der neuen Weserschleuse. Ende 2013 soll sie die alte Schachtschleuse aus der Kaiserzeit ablösen. Wenn die Schifffahrtsverwaltung bis Anfang 2014 die komplette Mittelweser fertiggestellt hat, können die XXL-Kähne problemlos von der Küste kommend über die neue Schleuse Richtung Westen - an Minden vorbeifahren.Das wollen die Planer verhindern. Noch vor der Sommerpause soll der Rat der Stadt bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion West (Münster) den Förderantrag stellen. Und noch Ende des Jahres werden die Experten der Behörde geklärt haben, ob der Regioport gebraucht wird. In diesem Fall stellen sie den Förderbescheid aus, damit die Auftragsplanungen beginnen können. Und dann kann schon 2013 der erste, entscheidende Bauabschnitt des Regioports fertig sein. Wenn das Geld nicht fehlt.Insgesamt 63 Millionen Euro soll dieser erste Bauabschnitt kosten. Davon sind Bauland, Erschließung, Bahnanbindung, Kräne, Hochspannungsleitungen, Verkehrsflächengestaltung und nicht zuletzt die Hafenanlagen zu bezahlen. Ein Großteil der Mittel soll zu 85 Prozent aus dem Programm "kombinierter Verkehr" des Bundes stammen. Die restlichen 15 Prozent trägt die Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW). So wurde auch einst der Hafen der Mindener Hafen GmbH finanziert.Noch vor zehn Jahren schien dieser nur eine Endstation für öffentliche Mittel zu sein. Doch nach den weiteren Investitionen frohlockte ab 2002 der damalige Hafen-Geschäftsführer Hans Jürgen Hansch bei alljährlich steigenden Frachtzahlen. Selbst bei der jüngsten Wirtschaftskrise blieb laut der Bilanz das Mengenminus aus.Auch den Regioportplanern liegt eine vielversprechende Potenzialanalyse der Planco Consulting GmbH für ihr Projekt vor. Joachim Schmidt, Geschäftsführer von Hafen und der Regioport gleichermaßen, wiederholt deshalb am Freitag vor seinem Publikum, dass bis zum Jahr 2025 mit einer Verdreieinhalbfachung des Containervolumens zu rechnen sei.Doch die, die das nicht glauben, sind unter den Passagieren. Bewohner des Bereichs Cammer/Päpinghausen/Berenbusch halten seit Jahren ihre Bürgerinitiative Containerhafen (Bicon) durch Anti-Port-Proteste am Leben. Mit fünf Euro Eintritt haben sich vier Aktivisten Zugang an Bord verschafft. Über Mobiltelefon steuern sie 40 weitere Protestler im Plangebiet vor dem heruntergekommenen Hafen Berenbusch. Den auf dem Deck der "Wappen von Minden" Vorbeiziehenden zeigt die Gruppe nun vom Ufer aus das "Regioport-nein-danke"-Schild.Gabriele Schmidt, Vorsitzende der Bicon: "Wir haben die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Hafenbetreiber analysieren lassen, wonach die Regioport GmbH bis 2020 defizitär ist." Die prognostizierten Zahlen des Containeraufkommens seien ebenfalls unwahrscheinlich. Man hätte den Zuwachs im Frachtverkehr auch mit der schon bestehenden Infrastruktur bewältigen können, meint sie.Die Regioport GmbH soll später den neuen Hafen betreiben. Sie ist ein Tochterunternehmen der Hafen GmbH, die eine Tochter der MEW ist. Trotz der Risiken scheint am Freitag kaum einer der Schiffsreisenden die Zukunftsfähigkeit der MEW-Enkelin zu bezweifeln. "Den Regioport wird es geben - aber kleiner und später als erwartet", meint Kritiker Rainer Schulze aus Cammer. "Der wird genauso gebaut wie das Klinikum und dann zum Millionengrab werden", sagt auch Hellmut Fischer aus Minden.Dennoch sind viele Stimmen aufseiten der Planenden. "Der Bedarf ist da, allein schon durch die neue Schachtschleuse", meint Hans-Dieter Töpfer aus Dankersen. Und auch Claudia Würstlin aus Minden geht davon aus, dass der Regioport gebraucht wird.Wenn es nach dem Willen der Mindener Politiker geht, sollen sich noch mehr Bürgerinnen und Bürger ein Bild von dem Vorhaben bei einer Dampferfahrt machen. Die Mitglieder des Bauausschusses hatten am Donnerstag angeregt, weitere öffentliche Exkursionen zu wiederholen.

Wenn die Zukunft auf dem Wasser liegt

Minden (mt). Bis Ende des Jahres ist entschieden, ob am Stadtrand von Minden der riesige Containerumschlag "Regioport Weser" entsteht. Im Fahrwasser der Debatte um den Sinn des Projekts machte am Freitag auch die "Wappen von Minden" an der Schlagde die Leinen los. Diesmal hatte die Stadt die Öffentlichkeit mit ins Boot zur Fahrt ins Planungsgebiet geholt - und 130 waren gekommen.

Hafen-Geschäftsführer Joachim Schmidt erklärte den gegenwärtigen Betrieb des Mindener Hafens, wo seit Jahren die Frachtquote steigt.
Hafen-Geschäftsführer Joachim Schmidt erklärte den gegenwärtigen Betrieb des Mindener Hafens, wo seit Jahren die Frachtquote steigt.

Die Sonne scheint munter auf das Deck der "Wappen von Minden". Viele haben einen luftigen Platz am Tisch für den Kuchenteller ergattert. Andreas Chwalek, Verfahrenskoordinator und Projektmanager für den Planungsverband Regioport Weser, sagt, wo die Reise hingeht - von der Schlagde in den Industriehafen und von dort zurück über Schachtschleuse und Mittellandkanal Richtung Berenbusch.

Dort soll an der Grenze der Städte Minden und Bückeburg der neue Hafen entstehen. Noch größere Containermengen könnten von den Seehäfen über die Weser zu ihm gelangen und über die B 482 und die Bahnstrecke Minden-Nienburg abfließen. Neue Unternehmen, Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler erwartet die Stadt dadurch.

"Wir nehmen am Welthandel teil", sagt Bürgermeister Michael Buhre zu dieser Chance am Beginn der Fahrt. Die Stadt sei in ihrer mehr als 1200-jährigen Vergangenheit stets auf die Verbindung von Verkehrswegen angewiesen gewesen. Und deshalb spiele Minden eine bedeutende Rolle in der Binnenschifffahrt.

Doch die Reise in die Zukunft scheint durch die Industriehafenschleuse versperrt zu sein. Die "Wappen von Minden" steckt zwar in ihrem Schacht und wird nach oben gehievt. Aber: "Das Großmotorgüterschiff passt hier nicht mehr hinein", sagt Henning Buchholz. Der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden hat Dr. Manuela Osterthun, die Projektverantwortliche der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte (Hannover), und Dieter Eichler, Leiter des Neubauamtes für den Ausbau des Mittellandkanals, mitgebracht. Sie waren schon einmal mit an Bord, als der Rat der Stadt im Oktober 2010 die gleiche Fahrt unternommen hatte.

Das Großmotorgüterschiff ist übrigens 110 Meter lang und löst derzeit die kürzere Europaklasse auf den Wasserstraßen ab. Schon drängen noch längere Exemplare auf den Markt wie das Übergroßmotorgüterschiff mit 139 Metern. Auf all diese Veränderungen reagiert die Schifffahrtsverwaltung mit Baumaßnahmen und gräbt in Minden an der neuen Weserschleuse. Ende 2013 soll sie die alte Schachtschleuse aus der Kaiserzeit ablösen. Wenn die Schifffahrtsverwaltung bis Anfang 2014 die komplette Mittelweser fertiggestellt hat, können die XXL-Kähne problemlos von der Küste kommend über die neue Schleuse Richtung Westen - an Minden vorbeifahren.

Das wollen die Planer verhindern. Noch vor der Sommerpause soll der Rat der Stadt bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion West (Münster) den Förderantrag stellen. Und noch Ende des Jahres werden die Experten der Behörde geklärt haben, ob der Regioport gebraucht wird. In diesem Fall stellen sie den Förderbescheid aus, damit die Auftragsplanungen beginnen können. Und dann kann schon 2013 der erste, entscheidende Bauabschnitt des Regioports fertig sein. Wenn das Geld nicht fehlt.

Mitglieder der Bürgerinitiative Bicon stellten sich am geplanten Liegeplatz der Schiffe zum Protest gegen den Regioport auf. MT- - © Fotos: Stefan Koch
Mitglieder der Bürgerinitiative Bicon stellten sich am geplanten Liegeplatz der Schiffe zum Protest gegen den Regioport auf. MT- - © Fotos: Stefan Koch

Insgesamt 63 Millionen Euro soll dieser erste Bauabschnitt kosten. Davon sind Bauland, Erschließung, Bahnanbindung, Kräne, Hochspannungsleitungen, Verkehrsflächengestaltung und nicht zuletzt die Hafenanlagen zu bezahlen. Ein Großteil der Mittel soll zu 85 Prozent aus dem Programm "kombinierter Verkehr" des Bundes stammen. Die restlichen 15 Prozent trägt die Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW). So wurde auch einst der Hafen der Mindener Hafen GmbH finanziert.

Noch vor zehn Jahren schien dieser nur eine Endstation für öffentliche Mittel zu sein. Doch nach den weiteren Investitionen frohlockte ab 2002 der damalige Hafen-Geschäftsführer Hans Jürgen Hansch bei alljährlich steigenden Frachtzahlen. Selbst bei der jüngsten Wirtschaftskrise blieb laut der Bilanz das Mengenminus aus.

Auch den Regioportplanern liegt eine vielversprechende Potenzialanalyse der Planco Consulting GmbH für ihr Projekt vor. Joachim Schmidt, Geschäftsführer von Hafen und der Regioport gleichermaßen, wiederholt deshalb am Freitag vor seinem Publikum, dass bis zum Jahr 2025 mit einer Verdreieinhalbfachung des Containervolumens zu rechnen sei.

Doch die, die das nicht glauben, sind unter den Passagieren. Bewohner des Bereichs Cammer/Päpinghausen/Berenbusch halten seit Jahren ihre Bürgerinitiative Containerhafen (Bicon) durch Anti-Port-Proteste am Leben. Mit fünf Euro Eintritt haben sich vier Aktivisten Zugang an Bord verschafft. Über Mobiltelefon steuern sie 40 weitere Protestler im Plangebiet vor dem heruntergekommenen Hafen Berenbusch. Den auf dem Deck der "Wappen von Minden" Vorbeiziehenden zeigt die Gruppe nun vom Ufer aus das "Regioport-nein-danke"-Schild.

Gabriele Schmidt, Vorsitzende der Bicon: "Wir haben die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Hafenbetreiber analysieren lassen, wonach die Regioport GmbH bis 2020 defizitär ist." Die prognostizierten Zahlen des Containeraufkommens seien ebenfalls unwahrscheinlich. Man hätte den Zuwachs im Frachtverkehr auch mit der schon bestehenden Infrastruktur bewältigen können, meint sie.

Die Regioport GmbH soll später den neuen Hafen betreiben. Sie ist ein Tochterunternehmen der Hafen GmbH, die eine Tochter der MEW ist. Trotz der Risiken scheint am Freitag kaum einer der Schiffsreisenden die Zukunftsfähigkeit der MEW-Enkelin zu bezweifeln. "Den Regioport wird es geben - aber kleiner und später als erwartet", meint Kritiker Rainer Schulze aus Cammer. "Der wird genauso gebaut wie das Klinikum und dann zum Millionengrab werden", sagt auch Hellmut Fischer aus Minden.

Dennoch sind viele Stimmen aufseiten der Planenden. "Der Bedarf ist da, allein schon durch die neue Schachtschleuse", meint Hans-Dieter Töpfer aus Dankersen. Und auch Claudia Würstlin aus Minden geht davon aus, dass der Regioport gebraucht wird.

Wenn es nach dem Willen der Mindener Politiker geht, sollen sich noch mehr Bürgerinnen und Bürger ein Bild von dem Vorhaben bei einer Dampferfahrt machen. Die Mitglieder des Bauausschusses hatten am Donnerstag angeregt, weitere öffentliche Exkursionen zu wiederholen.

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