Wenn Dominostein-Verzicht zu einem Experiment mit abwegigen Folgen wird Christine Riechmann Minden. Mögen Sie Erfrischungsstäbchen? Oder Soft Cakes – diese Biscuit-Kekse, gefüllt mit einem Orangen-Gelee und Schokolade überzogen? Wahrscheinlich nicht, mögen die meisten Menschen, die ich kenne, nicht. Genauso wenig wie Dominosteine. Ich dagegen liebe Erfrischungsstäbchen, Soft Cakes und ich liebe Dominosteine – die allerdings ausschließlich saisonal. Im Leben würde ich nicht auf die Idee kommen, die kleinen Lebkuchenwürfel mit Gelee und Marzipan gefüllt und mit Schokolade überzogen, zu einer anderen Jahreszeit als in der Adventszeit zu naschen. Gehört habe ich von anderen Dominostein-Liebhabern, die die weihnachtliche Süßigkeit sogar bunkern, um auch im Sommer auf der Terrasse nicht verzichten zu müssen. Ich kaufe die Dominosteine nicht einmal im September, wenn Lebkuchen und Co. gerade die Sonnenmilch in den Aktionsregalen der Supermärkte abgelöst haben. Das hat übrigens weniger geschmackliche, als vielmehr soziokulturelle Gründe. Auch die Weihnachtsdeko schmücke ich erst zum ersten Advent, etwas anderes wäre bei uns nie ins Haus gekommen – und so auch keine Weihnachtssüßigkeiten, bevor nicht die erste Kerze am Kranz brennt.Dann allerdings geht normalerweise vier Wochen gar nichts ohne Dominosteine. Am liebsten esse ich sie mit dunkler Schokolade. Weniger gut schmecken mir die Varianten mit weißer oder Milchschokolade. Gemeinsam mit Spekulatius, Schokokugeln und Lebkuchenherzen lagern die Dominosteine also mit Beginn der Adventszeit in einer Keksdose und es vergehen nur wenige Stunden am Tag, in denen sie nicht weniger werden. Da nur ich sie bei uns zu Hause mag, gehören sie auch ausschließlich mir – und das ist bei den allerwenigsten Dingen in unserem Haushalt so, egal ob es sich um Gegenstände oder Lebensmittel handelt. Ihren großen Auftritt haben die Lebkuchenwürfel zur täglichen Adventsstunde, wenn meine Kinder und ich eine Kerze auf dem Adventskranz anzünden und „Schnüpperle“ lesen. „Nicht essen“, beschweren die Mädchen sich dann abwechselnd, weil sie mich mit vollem Mund vorlesend so schlecht verstehen können.So ist das alles normalerweise. In diesem Jahr ist aber alles anders – und das hat ausnahmsweise nichts mit Corona zu tun. In diesem Jahr bleibt mir lediglich die appetitliche Erinnerung an die kleinen Würfel. Ohne wirklichen Grund habe ich mich entschlossen, ein dominosteinbefreites Weihnachten zu feiern. Verzicht ist ja gerade angesagt, Klamotten-Detox und Medien-Abstinenz total in Mode.„Das ist doch völlig sinnlos“, sagte ein Kollege zu mir, als ich ihm von meinem Plan berichtete. Der einzige Kollege übrigens, der meine Liebe zu der Lebkuchenspezialität teilt. Sinnlos hin oder her – ich habe bereits 21 „Schnüpperle“-Geschichten mit leerem Mund gelesen, bin schon kilometerweise um Aktionsregale geschlichen ohne zuzugreifen und habe bereits ziemlich viele Minuten Dominostein-Entzugsfrust geschoben. Zwar habe ich wirklich leckere Weihnachtskekse gebacken und gegessen und versucht mir einzureden, dass gefüllte Lebkuchenherzen ebenso gut wie Dominosteine schmecken. Aber nichts konnte mich wirklich glücklich machen. Und so kam es dazu, dass ich vor ein paar Tagen dann doch zugegriffen habe. Bei einer meiner Touren um das Aktionsregal im Supermarkt konnte ich nicht widerstehen. Ganz hinten im Küchenregal lagert nun eine einsame Packung Dominosteine. Und so gehöre nun auch ich zu der merkwürdigen Spezies der Bunkerer. Ich werde stark sein und mich auch die letzten Tage rund um Weihnachten in Verzicht üben. Abgemacht ist abgemacht. Aber spätestens in der ersten Januarwoche wird die Packung dran glauben müssen – und ich werde die Erfahrung machen, wie Dominosteine jenseits des Adventskranzes schmecken. Nicht, dass ich noch auf den Geschmack komme ...

Wenn Dominostein-Verzicht zu einem Experiment mit abwegigen Folgen wird

Weihnachtliche Versuchung: Ohne Dominosteine geht es – eigentlich – nicht. Foto: Imago © imago images/STPP

Minden. Mögen Sie Erfrischungsstäbchen? Oder Soft Cakes – diese Biscuit-Kekse, gefüllt mit einem Orangen-Gelee und Schokolade überzogen? Wahrscheinlich nicht, mögen die meisten Menschen, die ich kenne, nicht. Genauso wenig wie Dominosteine. Ich dagegen liebe Erfrischungsstäbchen, Soft Cakes und ich liebe Dominosteine – die allerdings ausschließlich saisonal. Im Leben würde ich nicht auf die Idee kommen, die kleinen Lebkuchenwürfel mit Gelee und Marzipan gefüllt und mit Schokolade überzogen, zu einer anderen Jahreszeit als in der Adventszeit zu naschen. Gehört habe ich von anderen Dominostein-Liebhabern, die die weihnachtliche Süßigkeit sogar bunkern, um auch im Sommer auf der Terrasse nicht verzichten zu müssen. Ich kaufe die Dominosteine nicht einmal im September, wenn Lebkuchen und Co. gerade die Sonnenmilch in den Aktionsregalen der Supermärkte abgelöst haben. Das hat übrigens weniger geschmackliche, als vielmehr soziokulturelle Gründe. Auch die Weihnachtsdeko schmücke ich erst zum ersten Advent, etwas anderes wäre bei uns nie ins Haus gekommen – und so auch keine Weihnachtssüßigkeiten, bevor nicht die erste Kerze am Kranz brennt.Dann allerdings geht normalerweise vier Wochen gar nichts ohne Dominosteine. Am liebsten esse ich sie mit dunkler Schokolade. Weniger gut schmecken mir die Varianten mit weißer oder Milchschokolade. Gemeinsam mit Spekulatius, Schokokugeln und Lebkuchenherzen lagern die Dominosteine also mit Beginn der Adventszeit in einer Keksdose und es vergehen nur wenige Stunden am Tag, in denen sie nicht weniger werden. Da nur ich sie bei uns zu Hause mag, gehören sie auch ausschließlich mir – und das ist bei den allerwenigsten Dingen in unserem Haushalt so, egal ob es sich um Gegenstände oder Lebensmittel handelt. Ihren großen Auftritt haben die Lebkuchenwürfel zur täglichen Adventsstunde, wenn meine Kinder und ich eine Kerze auf dem Adventskranz anzünden und „Schnüpperle“ lesen. „Nicht essen“, beschweren die Mädchen sich dann abwechselnd, weil sie mich mit vollem Mund vorlesend so schlecht verstehen können.So ist das alles normalerweise. In diesem Jahr ist aber alles anders – und das hat ausnahmsweise nichts mit Corona zu tun. In diesem Jahr bleibt mir lediglich die appetitliche Erinnerung an die kleinen Würfel. Ohne wirklichen Grund habe ich mich entschlossen, ein dominosteinbefreites Weihnachten zu feiern. Verzicht ist ja gerade angesagt, Klamotten-Detox und Medien-Abstinenz total in Mode.„Das ist doch völlig sinnlos“, sagte ein Kollege zu mir, als ich ihm von meinem Plan berichtete. Der einzige Kollege übrigens, der meine Liebe zu der Lebkuchenspezialität teilt. Sinnlos hin oder her – ich habe bereits 21 „Schnüpperle“-Geschichten mit leerem Mund gelesen, bin schon kilometerweise um Aktionsregale geschlichen ohne zuzugreifen und habe bereits ziemlich viele Minuten Dominostein-Entzugsfrust geschoben. Zwar habe ich wirklich leckere Weihnachtskekse gebacken und gegessen und versucht mir einzureden, dass gefüllte Lebkuchenherzen ebenso gut wie Dominosteine schmecken. Aber nichts konnte mich wirklich glücklich machen. Und so kam es dazu, dass ich vor ein paar Tagen dann doch zugegriffen habe. Bei einer meiner Touren um das Aktionsregal im Supermarkt konnte ich nicht widerstehen. Ganz hinten im Küchenregal lagert nun eine einsame Packung Dominosteine. Und so gehöre nun auch ich zu der merkwürdigen Spezies der Bunkerer. Ich werde stark sein und mich auch die letzten Tage rund um Weihnachten in Verzicht üben. Abgemacht ist abgemacht. Aber spätestens in der ersten Januarwoche wird die Packung dran glauben müssen – und ich werde die Erfahrung machen, wie Dominosteine jenseits des Adventskranzes schmecken. Nicht, dass ich noch auf den Geschmack komme ...

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