Weniger Elterntaxis? Schüler sollen ab 2022 kostenlos Bus fahren können Monika Jäger Minden. Knapp eine halbe Million Euro pro Jahr will die Stadt Minden künftig in den Öffentlichen Personennahverkehr investieren und dadurch das Busfahren für viele günstiger machen. Wie das genau gehen könnte, stellte jetzt Bau-Beigeordneter Lars Bursian im Städtebauausschuss vor. Die Politik muss nun darüber beraten und am Ende auch entscheiden. Viel hatte sich Minden 2019 in Sachen ÖPNV vorgenommen. Zum Beispiel verbindet inzwischen eine regelmäßig getaktete Ringbuslinie wichtige Punkte – etwa die Fachhochschule – mit dem Bahnhof, und die Busfahrten in den Abendstunden wurden ausgeweitet. Doch der Start im Dezember 2019 war holperig. Unter anderem fand der neue Bus-Betreiber nicht sofort ausreichend geschultes Personal, die Nutzer beklagten zu wenig Information über die neuen Linien und Fahrzeiten. Dann kam Corona, und die Fahrgastzahlen brachen ein. Dabei hätte genau das Gegenteil passieren sollen. Ein attraktiveres Netz würde dem motorisierten Individualverkehr Anteile abnehmen und auf Dauer Einnahmen generieren – das war die Erwartung. Um jetzt doch in diese Richtung zu kommen, schlägt die Verwaltung der Politik zwei weitere Schritte vor. Im Dezember diesen Jahres könnte ein Klimaticket eingeführt werden. Kosten: Ein Euro pro Tag beziehungsweise 29 Euro im Monat bei Jahresabo, 36 Euro bei einem Monatsabo. Damit könnten dann Busse innerhalb von Minden genutzt werden. Zudem könnte ab Februar 2022 ein Schülerticket für alle kommen. Bisher haben nur jene Kinder Anspruch auf kostenlose Busfahrten zur und von der Schule, die in einer bestimmten Entfernung wohnen. Diesen Pass können sie auch nicht rund um die Uhr nutzen. Das neue Schülerticket würde für alle Schüler ausgegeben und könnte immer und im Verkehrsverbund auch westfalenweit genutzt werden. „Das ist auch ein Thema von sozialer Teilhabe", so Bursian im Fachausschuss. Denn nicht alle Mindener Kinder könnten sich zurzeit Mobilität leisten. Bisher haben 4700 Schüler der Sekundarstufen I und II keinen Anspruch auf ein günstiges Busticket. Mit dem Ticket könnte auch die Zahl der „Elterntaxis" verringert werden, erwartet Bursian: Dafür gäbe es dann keine Ausreden mehr. Nach der Einführung, müsse genau geschaut werden, wie die Nutzungen sich entwickeln. Denn das Klimaticket wird die Stadt rund 140.000 Euro jährlich kosten, das Schülerticket ist mit 300.00 Euro kalkuliert. Diese Summe wird zudem jährlich steigen, wenn zum Beispiel Lohnerhöhungen für Busfahrer kommen oder der Treibstoff teurer wird.. Nach positiven Rückmeldungen aus der Politik will die Stadt nun eine Vorlage für den Beschluss erarbeiten, im März wird auch der Vertreter der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV) Informationen über den aktuellen Stand der Busnutzung in den vergangenen Monaten geben. An zwei technischen Themen wird zurzeit gearbeitet. Zum einen ist die MHV dabei, eine eigene Ticketing-App zu entwickeln. Mit dieser kann dann nicht nur kontaktlos bezahlt werden, sondern es wären auch noch andere Tarifmodelle möglich. Zudem soll nun auch das Ampel-Vorrangsystem verbessert werden, das Anlaufschwierigkeiten hatte. Dazu ist die Firma Siemens eingeschaltet worden. Mit den neuen Tickets könne es durchaus sein, dass die Ansprüche ans Busnetz steigen – etwa in den Verbindungen in die Außenbereiche und auch in der Nacht. Zurzeit seien dafür finanziell aber keine Spielräume, so Bursian auf Nachfrage aus der Politik. Eckhard Rüter vom Beirat für Menschen mit Behinderungen plädierte dafür, im Zusammenhang mit dem Aspekt sozialer Teilhabe auch immer an Menschen mit Handicaps zu denken. Diese seien in der Regel noch viel mehr als alle anderen auf den ÖPNV angewiesen.

Weniger Elterntaxis? Schüler sollen ab 2022 kostenlos Bus fahren können

Wie kann man mehr Menschen davon überzeugen, auf Busse umzusteigen? Minden hat da einige Ideen.  © MT-Foto: Alex Lehn

Minden. Knapp eine halbe Million Euro pro Jahr will die Stadt Minden künftig in den Öffentlichen Personennahverkehr investieren und dadurch das Busfahren für viele günstiger machen. Wie das genau gehen könnte, stellte jetzt Bau-Beigeordneter Lars Bursian im Städtebauausschuss vor. Die Politik muss nun darüber beraten und am Ende auch entscheiden.

Viel hatte sich Minden 2019 in Sachen ÖPNV vorgenommen. Zum Beispiel verbindet inzwischen eine regelmäßig getaktete Ringbuslinie wichtige Punkte – etwa die Fachhochschule – mit dem Bahnhof, und die Busfahrten in den Abendstunden wurden ausgeweitet. Doch der Start im Dezember 2019 war holperig. Unter anderem fand der neue Bus-Betreiber nicht sofort ausreichend geschultes Personal, die Nutzer beklagten zu wenig Information über die neuen Linien und Fahrzeiten. Dann kam Corona, und die Fahrgastzahlen brachen ein.

Dabei hätte genau das Gegenteil passieren sollen. Ein attraktiveres Netz würde dem motorisierten Individualverkehr Anteile abnehmen und auf Dauer Einnahmen generieren – das war die Erwartung. Um jetzt doch in diese Richtung zu kommen, schlägt die Verwaltung der Politik zwei weitere Schritte vor.

Im Dezember diesen Jahres könnte ein Klimaticket eingeführt werden. Kosten: Ein Euro pro Tag beziehungsweise 29 Euro im Monat bei Jahresabo, 36 Euro bei einem Monatsabo. Damit könnten dann Busse innerhalb von Minden genutzt werden.

Zudem könnte ab Februar 2022 ein Schülerticket für alle kommen. Bisher haben nur jene Kinder Anspruch auf kostenlose Busfahrten zur und von der Schule, die in einer bestimmten Entfernung wohnen. Diesen Pass können sie auch nicht rund um die Uhr nutzen.

Das neue Schülerticket würde für alle Schüler ausgegeben und könnte immer und im Verkehrsverbund auch westfalenweit genutzt werden. „Das ist auch ein Thema von sozialer Teilhabe", so Bursian im Fachausschuss. Denn nicht alle Mindener Kinder könnten sich zurzeit Mobilität leisten. Bisher haben 4700 Schüler der Sekundarstufen I und II keinen Anspruch auf ein günstiges Busticket. Mit dem Ticket könnte auch die Zahl der „Elterntaxis" verringert werden, erwartet Bursian: Dafür gäbe es dann keine Ausreden mehr.

Nach der Einführung, müsse genau geschaut werden, wie die Nutzungen sich entwickeln. Denn das Klimaticket wird die Stadt rund 140.000 Euro jährlich kosten, das Schülerticket ist mit 300.00 Euro kalkuliert. Diese Summe wird zudem jährlich steigen, wenn zum Beispiel Lohnerhöhungen für Busfahrer kommen oder der Treibstoff teurer wird..

Nach positiven Rückmeldungen aus der Politik will die Stadt nun eine Vorlage für den Beschluss erarbeiten, im März wird auch der Vertreter der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV) Informationen über den aktuellen Stand der Busnutzung in den vergangenen Monaten geben.

An zwei technischen Themen wird zurzeit gearbeitet. Zum einen ist die MHV dabei, eine eigene Ticketing-App zu entwickeln. Mit dieser kann dann nicht nur kontaktlos bezahlt werden, sondern es wären auch noch andere Tarifmodelle möglich. Zudem soll nun auch das Ampel-Vorrangsystem verbessert werden, das Anlaufschwierigkeiten hatte. Dazu ist die Firma Siemens eingeschaltet worden.

Mit den neuen Tickets könne es durchaus sein, dass die Ansprüche ans Busnetz steigen – etwa in den Verbindungen in die Außenbereiche und auch in der Nacht. Zurzeit seien dafür finanziell aber keine Spielräume, so Bursian auf Nachfrage aus der Politik.

Eckhard Rüter vom Beirat für Menschen mit Behinderungen plädierte dafür, im Zusammenhang mit dem Aspekt sozialer Teilhabe auch immer an Menschen mit Handicaps zu denken. Diese seien in der Regel noch viel mehr als alle anderen auf den ÖPNV angewiesen.

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