Note "miserabel": Schulen beklagen langsames Internet - darum wackelt die Verbindung im Unterricht Fabian Terwey Minden. Das Bild ruckelt, der Ton kratzt, die Verbindung zwischen Lehrern und Schülern bricht ab. Kein Einzelfall bei Distanz- und Wechselunterricht der weiterführenden Schulen in Minden. Das zeigen die Umfrage-Ergebnisse des  MT zum Thema Digitalisierung. Problem: Schlechte Internetanbindungen lassen flüssige Lehr-Übertragungen schlichtweg nicht zu – insbesondere, wenn mehrere Klassen zeitgleich dem Online-Unterricht folgen oder zukünftig vermehrt digitale Endgeräte für Netzaktivitäten zum Einsatz kommen. Ein Mindener IT-Experte erklärt den Hintergrund. Welche Lösungen gibt es? Note „miserabel" Die als „miserabel" ausgemachten Internetanbindungen hatten die Schulleitungen der Mindener Gymnasien, Realschulen und der Gesamtschule bei der Digitalisierung von Schulen in einer Videokonferenz mit der MT-Redaktion allesamt als Hauptproblem ausgemacht. Die technischen Probleme der Schulen führten auch zu Auseinandersetzungen: „Eltern können die Probleme, die wir haben, oft nicht verstehen und laden ihren Frust dann bei uns ab", hatte Ria Urban, Schulleiterin der Freiherr-von-Vincke-Realschule, berichtet. Technische Hintergründe „Solange sich Lehrer und Schüler von zu Hause aus über ihre eigene Internetverbindung für den Unterricht einwählen, ist die Anbindung der Schule erstmal egal", stellt Michael König klar. Der IT-Experte ist stellvertretender Vorsitzender bei  Maker Space. Der Verein für technisch und handwerklich interessierte Menschen hat eine Kooperation mit dem Herder-Gymnasium und begleitet dort Technik-Kurse: „Bei Wechselunterricht kann es aber Probleme geben, wenn die Schule nicht vernünftig angebunden ist. Denn wenn 20 Schüler gleichzeitig den Unterricht streamen, wird es je nach Verbindung schon eng." Bessel-Schulleiter Heiko Seller hatte berichtet: „Bei uns gibt es deshalb Kollegen, die parallel über ihr privates Handy eine Telefonverbindung zu den Schülern zu Hause aufbauen, damit die zuhören können." KTG-Schulleiterin Katharina Langner hatte erklärt: „Wenn hier vor Ort die Schüler online gehen, geht nichts mehr." So läuft der Unterricht Hintergrund: Im Gegensatz zum Distanz- erfolgt der Wechselunterricht zur Hälfte online und in Präsenz. Das bedeutet, der eine Teil der Klasse ist zu Hause, der andere Teil ebenso wie die Lehrkraft in der Schule. Und eben jene dort vorhandene Qualität des Internetanschlusses bemängelte ein Großteil der befragten weiterführenden Schulen. Drei Schulen gaben auf einer Skala von 1 (hervorragend) bis 10 (miserabel) eine 10, vier Schulen Werte zwischen 7 und 9, nur zwei Schulen sahen eine mittelmäßige Qualität (4 und 5). Um das Problem zu umgehen, hatten viele Lehrkräfte den Distanzunterricht deshalb von zu Hause aus geleitet. Der hatte laut Umfrage-Ergebnis an zwei Drittel der neun befragten weiterführenden Schulen gut funktioniert. Drei Schulen gaben „geht so an". Das Ratsgymnasium hatte bereits vor einigen Jahren aus eigenen Mitteln einen schnellen Internetanschluss eingerichtet und bildet nun ohne größere technische Probleme den kompletten Unterricht digital ab. Verschiedene Anbindungen Lösung für einen reibungslosen Wechselunterricht könnte ein Anschluss an das Breitbandnetz sein. Grundsätzlich bietet dieser einen Internetzugang mit vergleichsweise hoher Datenübertragungsrate. „Das Thema ist aber nicht ganz so simpel", sagt Michael König: „Denn es hängt auch von der Art der Anbindung ab. Bei Kabel-Internet teilen sich ganze Straßenzüge ein Kabel. Da wird es schwierig. Bei Glasfaser wird sternförmig verteilt. Ebenso bei DSL. In vielen Gebieten ist jedoch durch verzögerten oder ungenügenden Ausbau der Verteiler an den Straßen die ‚letzte Meile‘, also der Kupferdraht bis zum Kunden zu lang und deshalb die Verbindung trotzdem zu langsam." Das Beispiel einer Schule Das Herder-Gymnasium habe das Problem mit den Video-Konferenzen laut König vorbildlich gelöst: „Die Schule hat einen externen Server, der in einem Rechenzentrum steht. Es ist natürlich auch eine Förder- und Wartungssache – dort machen es die Lehrer in Eigenarbeit – aber auch andere Schulen könnten solch eine Möglichkeit nutzen." Heike Plöger, Schulleiterin des Herder-Gymnasiums, erklärt: „Wir betreiben angemietete externe Server, aber auch eigene Server in der Schule. Die innerschulischen Bedingungen für ein tragfähiges Netzwerk inklusive WLAN haben wir, soweit es möglich ist, verbessert." Die Bandbreite des asymmetrischen DSL-Anschlusses reiche aber nicht aus. Das habe die Corona-Pandemie mit dem anfänglichen Hybridunterricht, einer Mischung aus Distanz- und Präsenzunterricht, verdeutlicht. „Die Leitungskapazität kam auch vor der Pandemie schon an ihre Grenzen, wenn viele Endgeräte gleichzeitig auf den Internetzugang zugriffen. In der Oberstufe arbeiten wir mit schülereigenen iPads, in der Sek I mit Ausleihgeräten. Wir brauchen dringend eine verbesserte Leitungskapazität durch die Verlegung einer Glasfaser-Breitbandleitung in die Schule." In dieser Hinsicht mache der zuletzt durchgeführte Distanzunterricht, für den die Schulinternetanbindung nicht benötigt wird, das Unterrichten laut Heike Plöger sogar einfacher: „Allerdings verfügen auch längst nicht alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte zu Hause über gute Internetverbindungen." Stand beim Netzausbau Der Ausbau des Netzes an den Schulen stockt derweil weiter. Statt in diesem Jahr sollen die Schulen jetzt erst 2023 an das schnelle Glasfasernetz der Firma Greenfiber angeschlossen werden. „Es wurden seit dem letzten Bildungsausschuss bereits mehrere Gespräche mit dem Ziel eines vorgezogenen und verbindlichen Ausbaus geführt. Sollten diese nicht fruchten, wurden bereits parallel Kontakte zu anderen Anbietern gesucht. Genaueres wird zum geeigneten Zeitpunkt bekanntgegeben", hatte die Pressestelle der Stadt im März mitgeteilt. Einen neuen Stand gab es nach erneuter MT-Anfrage nicht. Neues Glasfasernetz Das Unternehmen Glasfaser Nordwest (Oldenburg) baut derzeit in Dützen-Bölhorst und in Rodenbeck ein Glasfasernetz aus. „Alle Schulen, die sich innerhalb der Ausbaugebiete befinden, können einen Glasfaseranschluss von Glasfaser Nordwest erhalten", teilt Tim Bunjes (Unternehmenskommunikation) auf MT-Anfrage mit: „Derzeit bauen wir das Verteilnetz auf öffentlichem Grund aus. Hierbei handelt es sich um die Rohre, die im Straßen-/Gehwegbereich verlegt werden. In diesem Schritt bereiten wir vor allen Gebäuden, inklusive Schulen, eine Abzweigung vor – genannt Homes Passed Plus. So können die Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt schnell an das Netz angeschlossen werden." Im Spätsommer starten die Partner des Unternehmens mit der Vermarktung der neuen Anschlüsse: „Ab diesem Zeitpunkt können die Schulen einen Glasfaseranschluss beauftragen." In Minden sind die Partner Telekom Deutschland und EWE. Im vierten Quartal beginnt Glasfaser Nordwest laut Mitteilung mit dem Bau der Hausanschlüsse. Hierbei werden die Gebäude der Reihe nach an das Netz angeschlossen. Es hänge somit vom Standort der Schule ab, wann die Installation des Gebäudeanschlusses stattfindet. „Wir können somit Stand heute kein genaues Datum nennen, wann welche Schule den Anschluss erhält. Wir können jedoch versichern, dass wir mit Hochdruck an einer schnellen Umsetzung arbeiten", erklärt Tim Bunjes in der Mitteilung. Bis auf Weiteres sorgen Schulen und Lehrer dafür, dass die Verbindung zu den Schülern nicht abbricht.

Note "miserabel": Schulen beklagen langsames Internet - darum wackelt die Verbindung im Unterricht

Schüler verfolgen den Unterricht derzeit über den Bildschirm. Foto: Riccardo Giordano / Imago Images © imago images/UIG

Minden. Das Bild ruckelt, der Ton kratzt, die Verbindung zwischen Lehrern und Schülern bricht ab. Kein Einzelfall bei Distanz- und Wechselunterricht der weiterführenden Schulen in Minden. Das zeigen die Umfrage-Ergebnisse des  MT zum Thema Digitalisierung. Problem: Schlechte Internetanbindungen lassen flüssige Lehr-Übertragungen schlichtweg nicht zu – insbesondere, wenn mehrere Klassen zeitgleich dem Online-Unterricht folgen oder zukünftig vermehrt digitale Endgeräte für Netzaktivitäten zum Einsatz kommen. Ein Mindener IT-Experte erklärt den Hintergrund. Welche Lösungen gibt es?

Note „miserabel"

Die als „miserabel" ausgemachten Internetanbindungen hatten die Schulleitungen der Mindener Gymnasien, Realschulen und der Gesamtschule bei der Digitalisierung von Schulen in einer Videokonferenz mit der MT-Redaktion allesamt als Hauptproblem ausgemacht. Die technischen Probleme der Schulen führten auch zu Auseinandersetzungen: „Eltern können die Probleme, die wir haben, oft nicht verstehen und laden ihren Frust dann bei uns ab", hatte Ria Urban, Schulleiterin der Freiherr-von-Vincke-Realschule, berichtet.

Das Ausbaugebiet des Unternehmens Glasfaser Nordwest (Oldenburg), das in den Breitbandausbau auf Mindener Stadtgebiet einsteigt. - © Mindener Tageblatt
Das Ausbaugebiet des Unternehmens Glasfaser Nordwest (Oldenburg), das in den Breitbandausbau auf Mindener Stadtgebiet einsteigt. - © Mindener Tageblatt

Technische Hintergründe

„Solange sich Lehrer und Schüler von zu Hause aus über ihre eigene Internetverbindung für den Unterricht einwählen, ist die Anbindung der Schule erstmal egal", stellt Michael König klar. Der IT-Experte ist stellvertretender Vorsitzender bei  Maker Space. Der Verein für technisch und handwerklich interessierte Menschen hat eine Kooperation mit dem Herder-Gymnasium und begleitet dort Technik-Kurse: „Bei Wechselunterricht kann es aber Probleme geben, wenn die Schule nicht vernünftig angebunden ist. Denn wenn 20 Schüler gleichzeitig den Unterricht streamen, wird es je nach Verbindung schon eng." Bessel-Schulleiter Heiko Seller hatte berichtet: „Bei uns gibt es deshalb Kollegen, die parallel über ihr privates Handy eine Telefonverbindung zu den Schülern zu Hause aufbauen, damit die zuhören können." KTG-Schulleiterin Katharina Langner hatte erklärt: „Wenn hier vor Ort die Schüler online gehen, geht nichts mehr."

So läuft der Unterricht

Hintergrund: Im Gegensatz zum Distanz- erfolgt der Wechselunterricht zur Hälfte online und in Präsenz. Das bedeutet, der eine Teil der Klasse ist zu Hause, der andere Teil ebenso wie die Lehrkraft in der Schule. Und eben jene dort vorhandene Qualität des Internetanschlusses bemängelte ein Großteil der befragten weiterführenden Schulen. Drei Schulen gaben auf einer Skala von 1 (hervorragend) bis 10 (miserabel) eine 10, vier Schulen Werte zwischen 7 und 9, nur zwei Schulen sahen eine mittelmäßige Qualität (4 und 5). Um das Problem zu umgehen, hatten viele Lehrkräfte den Distanzunterricht deshalb von zu Hause aus geleitet. Der hatte laut Umfrage-Ergebnis an zwei Drittel der neun befragten weiterführenden Schulen gut funktioniert. Drei Schulen gaben „geht so an". Das Ratsgymnasium hatte bereits vor einigen Jahren aus eigenen Mitteln einen schnellen Internetanschluss eingerichtet und bildet nun ohne größere technische Probleme den kompletten Unterricht digital ab.

Verschiedene Anbindungen

Lösung für einen reibungslosen Wechselunterricht könnte ein Anschluss an das Breitbandnetz sein. Grundsätzlich bietet dieser einen Internetzugang mit vergleichsweise hoher Datenübertragungsrate. „Das Thema ist aber nicht ganz so simpel", sagt Michael König: „Denn es hängt auch von der Art der Anbindung ab. Bei Kabel-Internet teilen sich ganze Straßenzüge ein Kabel. Da wird es schwierig. Bei Glasfaser wird sternförmig verteilt. Ebenso bei DSL. In vielen Gebieten ist jedoch durch verzögerten oder ungenügenden Ausbau der Verteiler an den Straßen die ‚letzte Meile‘, also der Kupferdraht bis zum Kunden zu lang und deshalb die Verbindung trotzdem zu langsam."

Das Beispiel einer Schule

Das Herder-Gymnasium habe das Problem mit den Video-Konferenzen laut König vorbildlich gelöst: „Die Schule hat einen externen Server, der in einem Rechenzentrum steht. Es ist natürlich auch eine Förder- und Wartungssache – dort machen es die Lehrer in Eigenarbeit – aber auch andere Schulen könnten solch eine Möglichkeit nutzen."

Heike Plöger, Schulleiterin des Herder-Gymnasiums, erklärt: „Wir betreiben angemietete externe Server, aber auch eigene Server in der Schule. Die innerschulischen Bedingungen für ein tragfähiges Netzwerk inklusive WLAN haben wir, soweit es möglich ist, verbessert." Die Bandbreite des asymmetrischen DSL-Anschlusses reiche aber nicht aus. Das habe die Corona-Pandemie mit dem anfänglichen Hybridunterricht, einer Mischung aus Distanz- und Präsenzunterricht, verdeutlicht. „Die Leitungskapazität kam auch vor der Pandemie schon an ihre Grenzen, wenn viele Endgeräte gleichzeitig auf den Internetzugang zugriffen. In der Oberstufe arbeiten wir mit schülereigenen iPads, in der Sek I mit Ausleihgeräten. Wir brauchen dringend eine verbesserte Leitungskapazität durch die Verlegung einer Glasfaser-Breitbandleitung in die Schule." In dieser Hinsicht mache der zuletzt durchgeführte Distanzunterricht, für den die Schulinternetanbindung nicht benötigt wird, das Unterrichten laut Heike Plöger sogar einfacher: „Allerdings verfügen auch längst nicht alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte zu Hause über gute Internetverbindungen."

Stand beim Netzausbau

Der Ausbau des Netzes an den Schulen stockt derweil weiter. Statt in diesem Jahr sollen die Schulen jetzt erst 2023 an das schnelle Glasfasernetz der Firma Greenfiber angeschlossen werden. „Es wurden seit dem letzten Bildungsausschuss bereits mehrere Gespräche mit dem Ziel eines vorgezogenen und verbindlichen Ausbaus geführt. Sollten diese nicht fruchten, wurden bereits parallel Kontakte zu anderen Anbietern gesucht. Genaueres wird zum geeigneten Zeitpunkt bekanntgegeben", hatte die Pressestelle der Stadt im März mitgeteilt. Einen neuen Stand gab es nach erneuter MT-Anfrage nicht.

Neues Glasfasernetz

Das Unternehmen Glasfaser Nordwest (Oldenburg) baut derzeit in Dützen-Bölhorst und in Rodenbeck ein Glasfasernetz aus. „Alle Schulen, die sich innerhalb der Ausbaugebiete befinden, können einen Glasfaseranschluss von Glasfaser Nordwest erhalten", teilt Tim Bunjes (Unternehmenskommunikation) auf MT-Anfrage mit: „Derzeit bauen wir das Verteilnetz auf öffentlichem Grund aus. Hierbei handelt es sich um die Rohre, die im Straßen-/Gehwegbereich verlegt werden. In diesem Schritt bereiten wir vor allen Gebäuden, inklusive Schulen, eine Abzweigung vor – genannt Homes Passed Plus. So können die Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt schnell an das Netz angeschlossen werden." Im Spätsommer starten die Partner des Unternehmens mit der Vermarktung der neuen Anschlüsse: „Ab diesem Zeitpunkt können die Schulen einen Glasfaseranschluss beauftragen." In Minden sind die Partner Telekom Deutschland und EWE.

Im vierten Quartal beginnt Glasfaser Nordwest laut Mitteilung mit dem Bau der Hausanschlüsse. Hierbei werden die Gebäude der Reihe nach an das Netz angeschlossen. Es hänge somit vom Standort der Schule ab, wann die Installation des Gebäudeanschlusses stattfindet. „Wir können somit Stand heute kein genaues Datum nennen, wann welche Schule den Anschluss erhält. Wir können jedoch versichern, dass wir mit Hochdruck an einer schnellen Umsetzung arbeiten", erklärt Tim Bunjes in der Mitteilung.

Bis auf Weiteres sorgen Schulen und Lehrer dafür, dass die Verbindung zu den Schülern nicht abbricht.

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