Weihnachten in der Krise: Wer, wenn nicht wir? Anja Peper Minden. Es war ein putziges Weihnachtsritual: Heute vor einem Jahr haben viele von uns die Wohnung auf Vordermann gebracht. Stundenlang. Schrubben, feudeln, wienern. Ein beliebter Spruch von den ständig im Weg stehenden Krümelmonstern war: „Jetzt hör doch mal auf zu putzen. Das Christkind kommt – und nicht das Gesundheitsamt." Dieses Jahr könnte es tatsächlich erstmals andersherum sein. Heute vor einem Jahr waren auch die bunten Weihnachtskarten schon längst beim Empfänger. Dieses Jahr hingegen habe ich viel Zeit vergeudet, um auf dem Stift herumzukauen: Was könnte man bloß schreiben? Vielleicht: „Wir wünschen Euch zum Weihnachtsfeste nur das Allerbeste"? Oder: „Denk positiv und bleib negativ"? Oder: „Hurra, wir leben noch!" – Nicht schlecht, aber doch schon etwas abgegriffen über die schon hinter uns liegenden Monate. Wenn Weihnachtskarten tagelang unberührt und blütenweiß auf dem Esszimmertisch herumliegen, kann das ganz schön nerven. Also fing ich an, die wenigen positiven Aspekte des winzigen Virus – nur einhundert Millionstel Millimeter klein – aus dem Kleinhirn hervorzulocken. Zugegeben: Das kostet jede Menge Mühe und Zeit. Glücklicherweise half mir ein Zitat des Bestsellerautors Eckhard Tolle auf die Sprünge: „Wenn alles auseinander zu brechen scheint ... bleibe ganz ruhig, es sortiert sich nur neu." Das Leben bringt immer Veränderungen mit sich, in den meisten Fällen ist bloß die Zündschnur deutlich länger als 2020. Bekanntes Beispiel: Die Krise hat Millionen Menschen in Europa auf einen Schlag in eine neue Arbeitswelt katapultiert: Homeoffice. Einfach so. Zu anderen Zeiten wären unendlich viele Konferenzen und Feilschereien um Details zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften nötig gewesen. Nicht ohne Grund gibt es eine große Zahl von „Change Management"-Seminaren. Dort lernt man zum Beispiel, Strukturen und Arbeitsprozesse in Firmen und Institutionen grundlegend zu verändern – mit einem Plan dahinter. Viele dieser teuren Seminare kann man sich jetzt sparen. In der Krise, wenn es gar nicht mehr anders geht, kommt Veränderung von ganz alleine. Es ist eine Rüttelbrett-Zeit, die zwar anstrengend ist, aber auch einen Schub Energie für Neues mit sich bringt. Plötzlich springen Türen auf – auch solche, die vorher unsichtbar waren. Es sortiert sich wirklich neu. Auf das Ende von Corona zu warten scheint daher keinen Sinn zu machen. Raffen wir uns also jetzt wieder auf – oder spätestens im Januar. Zugegeben: Das alles eignet sich nicht recht für Weihnachtskarten. Aber es gibt ein chinesisches Sprichwort, dass die Message ganz gut auf den Punkt bringt: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern – und die anderen Windmühlen." Und wenn beim Stichwort Windmühlen irgendetwas im Hinterkopf klingelt, bleibt nur noch die Frage: Wer, wenn nicht wir?

Weihnachten in der Krise: Wer, wenn nicht wir?

© MT-Illustration: Alex Lehn

Minden. Es war ein putziges Weihnachtsritual: Heute vor einem Jahr haben viele von uns die Wohnung auf Vordermann gebracht. Stundenlang. Schrubben, feudeln, wienern. Ein beliebter Spruch von den ständig im Weg stehenden Krümelmonstern war: „Jetzt hör doch mal auf zu putzen. Das Christkind kommt – und nicht das Gesundheitsamt." Dieses Jahr könnte es tatsächlich erstmals andersherum sein.

Heute vor einem Jahr waren auch die bunten Weihnachtskarten schon längst beim Empfänger. Dieses Jahr hingegen habe ich viel Zeit vergeudet, um auf dem Stift herumzukauen: Was könnte man bloß schreiben? Vielleicht: „Wir wünschen Euch zum Weihnachtsfeste nur das Allerbeste"? Oder: „Denk positiv und bleib negativ"? Oder: „Hurra, wir leben noch!" – Nicht schlecht, aber doch schon etwas abgegriffen über die schon hinter uns liegenden Monate.

Wenn Weihnachtskarten tagelang unberührt und blütenweiß auf dem Esszimmertisch herumliegen, kann das ganz schön nerven. Also fing ich an, die wenigen positiven Aspekte des winzigen Virus – nur einhundert Millionstel Millimeter klein – aus dem Kleinhirn hervorzulocken. Zugegeben: Das kostet jede Menge Mühe und Zeit. Glücklicherweise half mir ein Zitat des Bestsellerautors Eckhard Tolle auf die Sprünge: „Wenn alles auseinander zu brechen scheint ... bleibe ganz ruhig, es sortiert sich nur neu."

Das Leben bringt immer Veränderungen mit sich, in den meisten Fällen ist bloß die Zündschnur deutlich länger als 2020. Bekanntes Beispiel: Die Krise hat Millionen Menschen in Europa auf einen Schlag in eine neue Arbeitswelt katapultiert: Homeoffice. Einfach so. Zu anderen Zeiten wären unendlich viele Konferenzen und Feilschereien um Details zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften nötig gewesen. Nicht ohne Grund gibt es eine große Zahl von „Change Management"-Seminaren. Dort lernt man zum Beispiel, Strukturen und Arbeitsprozesse in Firmen und Institutionen grundlegend zu verändern – mit einem Plan dahinter. Viele dieser teuren Seminare kann man sich jetzt sparen. In der Krise, wenn es gar nicht mehr anders geht, kommt Veränderung von ganz alleine. Es ist eine Rüttelbrett-Zeit, die zwar anstrengend ist, aber auch einen Schub Energie für Neues mit sich bringt. Plötzlich springen Türen auf – auch solche, die vorher unsichtbar waren. Es sortiert sich wirklich neu. Auf das Ende von Corona zu warten scheint daher keinen Sinn zu machen. Raffen wir uns also jetzt wieder auf – oder spätestens im Januar.

Zugegeben: Das alles eignet sich nicht recht für Weihnachtskarten. Aber es gibt ein chinesisches Sprichwort, dass die Message ganz gut auf den Punkt bringt: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern – und die anderen Windmühlen." Und wenn beim Stichwort Windmühlen irgendetwas im Hinterkopf klingelt, bleibt nur noch die Frage: Wer, wenn nicht wir?

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