Weihnachten in der Krise: Kekse gegen den Corona-Frust Sebastian Radermacher Minden. Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt? Nicht möglich. Schrottwichteln mit der Abi-Clique von 2003? Nicht erlaubt. Weihnachtsfeier mit dem Redaktionsteam? Keine Option. Die Corona-Pandemie schränkt unser Leben weiterhin stark ein, auch in der Adventszeit. Das ist frustrierend und rückt die besinnliche Stimmung in weite Ferne. Doch es gibt Dinge, die kann Corona zum Glück nicht verhindern. Das tut gut und macht die Wochen im Dezember doch zu einer schönen Zeit. Für mich gehört zum Beispiel das Plätzchenbacken mit der Familie zum Advent einfach dazu. Das war schon in meiner Kindheit so. Wie glücklich war ich, als ich Mama und Papa beim Spritzgebäck helfen durfte: Teig-Nachschub aus dem kühlen Keller holen, fertige Plätzchen vorsichtig in der Dose verstauen, dabei den Ofen im Blick behalten, damit nichts anbrennt. Als ich größer war, durfte ich sogar auch mal die Kurbel drehen. Herrlich! Und zum Abschluss die Krönung: Einige Plätzchen – viel zu wenig – wurden mit einer Schokoladenglasur verziert. Das Problem an der ganzen Sache: Der Vorrat in den Dosen drohte immer schon vor Heiligabend aufgebraucht zu sein, entsprechend streng war die Rationierung durch meine Eltern. Da musste man sich schon mal in den Keller schleichen und heimlich schnabulieren. Auch jetzt in der Adventszeit backen wir viel mit der Familie. Unsere Kinder lieben es. Verständlich: Es gibt etwas zu essen, und dann auch noch süß und ungesund. Spritzgebäck, Ausstechkekse, Zimtsterne, Makronen, Vanillekipferl, Schoko-Tonka-Waffel-Kekse – die Liste meiner Frau mit Ideen ist lang. Wie unsere Küchenmaschine bedient wird, weiß ich nicht. Wie der Teig zusammengemischt wird, auch nicht. Und die richtigen Einstellungen am Ofen vorzunehmen, überlasse ich auch lieber der Gattin. Ich bin – wie schon als Kind – als Zuarbeiter gefragt und helfe, wo ich gerade gebraucht werde. Zum Beispiel, wenn der zweijährige Sohnemann nach dem Verzieren der Plätzchen meint, er müsste mit schokoverschmierten Fingern im Wohnzimmer ein Wettrennen gegen seine vierjährige Schwester veranstalten und dabei die weiße Tapete als Ziel anvisieren. Oder wenn die bunten Streusel und Kügelchen nicht wie vorgesehen auf den Plätzchen, sondern unter den Hausschuhen landen. Oder wenn die gerade abgekühlten Ausstechkekse nicht mehr in der Dose auf der Arbeitsplatte liegen, sondern nach einem Donnerknall verteilt auf dem Küchenboden. In diesen Fällen kann die Zündschnur manchmal ziemlich kurz werden, doch am Ende ist es doch nur eins: einfach schön, mit seinen Liebsten Zeit zu verbringen. Und wenn dabei auch noch viele Leckereien herauskommen, umso besser. Meine Frau nutzt das Plätzchenbacken übrigens auch, um mir eine 600-Euro-Investition in eine neue Küchenmaschine („Diese Farbe ist der Knaller“) schmackhaft zu machen. Damit ginge das alles noch viel leichter und schneller, es wäre noch mehr möglich – und die Plätzchen wären leckerer. Wir sind da bislang auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen... Weihnachten in der Krise Alex Lehn ist MT-Fotograf und Grafiker. Mit aufs Wesentliche reduzierten Illustrationen, die erst bei genauerer Betrachtung ihre Tiefe enthüllen, bereichert er das Mindener Tageblatt seit Jahren mit seiner besonderen Sicht der Dinge. Bis Heiligabend geht es dabei um die spezielle Weihnachtszeit. Die MT-Redaktion schreibt dazu in den nächsten Wochen Persönliches: Essays, Glossen, Tagebucheinträge und mehr. Alle Teile der Serie finden Sie hier.

Weihnachten in der Krise: Kekse gegen den Corona-Frust

Illustration: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt? Nicht möglich. Schrottwichteln mit der Abi-Clique von 2003? Nicht erlaubt. Weihnachtsfeier mit dem Redaktionsteam? Keine Option. Die Corona-Pandemie schränkt unser Leben weiterhin stark ein, auch in der Adventszeit. Das ist frustrierend und rückt die besinnliche Stimmung in weite Ferne. Doch es gibt Dinge, die kann Corona zum Glück nicht verhindern. Das tut gut und macht die Wochen im Dezember doch zu einer schönen Zeit. Für mich gehört zum Beispiel das Plätzchenbacken mit der Familie zum Advent einfach dazu.

Das war schon in meiner Kindheit so. Wie glücklich war ich, als ich Mama und Papa beim Spritzgebäck helfen durfte: Teig-Nachschub aus dem kühlen Keller holen, fertige Plätzchen vorsichtig in der Dose verstauen, dabei den Ofen im Blick behalten, damit nichts anbrennt. Als ich größer war, durfte ich sogar auch mal die Kurbel drehen. Herrlich! Und zum Abschluss die Krönung: Einige Plätzchen – viel zu wenig – wurden mit einer Schokoladenglasur verziert. Das Problem an der ganzen Sache: Der Vorrat in den Dosen drohte immer schon vor Heiligabend aufgebraucht zu sein, entsprechend streng war die Rationierung durch meine Eltern. Da musste man sich schon mal in den Keller schleichen und heimlich schnabulieren.

Auch jetzt in der Adventszeit backen wir viel mit der Familie. Unsere Kinder lieben es. Verständlich: Es gibt etwas zu essen, und dann auch noch süß und ungesund. Spritzgebäck, Ausstechkekse, Zimtsterne, Makronen, Vanillekipferl, Schoko-Tonka-Waffel-Kekse – die Liste meiner Frau mit Ideen ist lang. Wie unsere Küchenmaschine bedient wird, weiß ich nicht. Wie der Teig zusammengemischt wird, auch nicht. Und die richtigen Einstellungen am Ofen vorzunehmen, überlasse ich auch lieber der Gattin. Ich bin – wie schon als Kind – als Zuarbeiter gefragt und helfe, wo ich gerade gebraucht werde.

Zum Beispiel, wenn der zweijährige Sohnemann nach dem Verzieren der Plätzchen meint, er müsste mit schokoverschmierten Fingern im Wohnzimmer ein Wettrennen gegen seine vierjährige Schwester veranstalten und dabei die weiße Tapete als Ziel anvisieren. Oder wenn die bunten Streusel und Kügelchen nicht wie vorgesehen auf den Plätzchen, sondern unter den Hausschuhen landen. Oder wenn die gerade abgekühlten Ausstechkekse nicht mehr in der Dose auf der Arbeitsplatte liegen, sondern nach einem Donnerknall verteilt auf dem Küchenboden. In diesen Fällen kann die Zündschnur manchmal ziemlich kurz werden, doch am Ende ist es doch nur eins: einfach schön, mit seinen Liebsten Zeit zu verbringen. Und wenn dabei auch noch viele Leckereien herauskommen, umso besser.

Meine Frau nutzt das Plätzchenbacken übrigens auch, um mir eine 600-Euro-Investition in eine neue Küchenmaschine („Diese Farbe ist der Knaller“) schmackhaft zu machen. Damit ginge das alles noch viel leichter und schneller, es wäre noch mehr möglich – und die Plätzchen wären leckerer. Wir sind da bislang auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen...

Weihnachten in der Krise

Alex Lehn ist MT-Fotograf und Grafiker. Mit aufs Wesentliche reduzierten Illustrationen, die erst bei genauerer Betrachtung ihre Tiefe enthüllen, bereichert er das Mindener Tageblatt seit Jahren mit seiner besonderen Sicht der Dinge.

Bis Heiligabend geht es dabei um die spezielle Weihnachtszeit. Die MT-Redaktion schreibt dazu in den nächsten Wochen Persönliches: Essays, Glossen, Tagebucheinträge und mehr. Alle Teile der Serie finden Sie hier.

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