Warum auf dem Wunschzettel in diesem Jahr sicherlich andere Dinge stehen Henning Wandel Minden. Der Korintherbrief ist vielleicht ein Hauch zu pathetisch für den Start unserer Weihnachts-Essays. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass wir auf unserem Wunschzettel die Liebe an die erste Stelle scheiben und uns damit über die biblische Reihenfolge hinweggesetzt haben. Doch um Liebe als Gegengewicht zu dem wachsenden Hass nicht nur in den sozialen Netzwerken soll es hier gar nicht gehen. Glaube, Hoffnung und Liebe stehen wie nur wenige andere Begriffe für Menschlichkeit, auch für Zwischenmenschlichkeit. Und gerade die wird mit den Corona-Einschränkungen in den kommenden Wochen auf eine harte Probe gestellt – auch wenn es sicher nicht das härteste Weihnachtsfest seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird, wie Armin Laschet neulich in einem Interview behauptet hat. Trotzdem dürfte sich deutlich zeigen, wie sehr wir wirklich auf echten Kontakt angewiesen sind. Auf einen Austausch, der über die inzwischen so alltägliche Online-Konferenz hinausgeht, der weitergeht als bloß miteinander zu sprechen. Ein Austausch, für den man sich seinem Gegenüber öffnen, sich Zeit nehmen muss. Es ist richtig, dass digitale Medien die Welt kleiner gemacht haben. Wir können jederzeit telefonieren, skypen oder chatten. Und trotzdem kommen wir uns gerade dann nicht wirklich nahe, wenn es besonders nötig ist. Wenn Oma allein an ihrem geschmückten Baum sitzen soll, weil ihre Kinder Angst um ihre Gesundheit haben zum Beispiel. Oder weil der Zutritt zum Pflegeheim eingeschränkt oder gleich ganz verboten ist. Vor knapp 30 Jahren habe ich als Austauschschüler in den USA Briefe geschrieben, um mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, weil telefonieren zu teuer war. Die waren zwar eine Woche unterwegs, zumindest in meiner Erinnerung aber sehr viel intensiver als es eine Videokonferenz je sein kann. Wir waren uns trotz der 7.700 Kilometer Entfernung nah: für die Zeit des Schreibens ebenso wie beim Lesen der Antwort zwei Wochen später. Das macht es jetzt in der Weihnachtszeit vielleicht nicht leichter, von unseren Liebsten getrennt zu sein. Die Vorstellung bleibt kaum erträglich. Trotzdem ist es ein schöner Gedanke, dass wir auch allein nicht unbedingt einsam sein müssen. Und da kommt wieder dieses berühmte, oft so schnulzig wirkende Bibelwort ins Spiel: Denn die Liebe gibt Kraft für den Glauben, der Glaube wiederum macht Hoffnung erst möglich. Hoffnung, dass es irgendwann auch wieder besser wird. Ich habe das Glück, mit meiner engsten Familie unter einem Dach zu leben. Die Vorstellung, allein sein zu müssen, ist für mich daher kaum möglich. Trotzdem wird dieses Weihnachtsfest auch für mich – wie wohl für fast jeden – anders sein. Sicher ist dabei nur, dass sich Prioritäten ändern, der Wunschzettel anders aussehen wird als bisher. Hier stehen nun die ganz grundsätzlichen Dinge. Denn das neue Smartphone bringt uns einander in Wahrheit auch nicht näher.

Warum auf dem Wunschzettel in diesem Jahr sicherlich andere Dinge stehen

Minden. Der Korintherbrief ist vielleicht ein Hauch zu pathetisch für den Start unserer Weihnachts-Essays. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass wir auf unserem Wunschzettel die Liebe an die erste Stelle scheiben und uns damit über die biblische Reihenfolge hinweggesetzt haben. Doch um Liebe als Gegengewicht zu dem wachsenden Hass nicht nur in den sozialen Netzwerken soll es hier gar nicht gehen.

- © Alex Lehn
© Alex Lehn

Glaube, Hoffnung und Liebe stehen wie nur wenige andere Begriffe für Menschlichkeit, auch für Zwischenmenschlichkeit. Und gerade die wird mit den Corona-Einschränkungen in den kommenden Wochen auf eine harte Probe gestellt – auch wenn es sicher nicht das härteste Weihnachtsfest seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird, wie Armin Laschet neulich in einem Interview behauptet hat. Trotzdem dürfte sich deutlich zeigen, wie sehr wir wirklich auf echten Kontakt angewiesen sind. Auf einen Austausch, der über die inzwischen so alltägliche Online-Konferenz hinausgeht, der weitergeht als bloß miteinander zu sprechen. Ein Austausch, für den man sich seinem Gegenüber öffnen, sich Zeit nehmen muss.

Es ist richtig, dass digitale Medien die Welt kleiner gemacht haben. Wir können jederzeit telefonieren, skypen oder chatten. Und trotzdem kommen wir uns gerade dann nicht wirklich nahe, wenn es besonders nötig ist. Wenn Oma allein an ihrem geschmückten Baum sitzen soll, weil ihre Kinder Angst um ihre Gesundheit haben zum Beispiel. Oder weil der Zutritt zum Pflegeheim eingeschränkt oder gleich ganz verboten ist.

Vor knapp 30 Jahren habe ich als Austauschschüler in den USA Briefe geschrieben, um mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, weil telefonieren zu teuer war. Die waren zwar eine Woche unterwegs, zumindest in meiner Erinnerung aber sehr viel intensiver als es eine Videokonferenz je sein kann. Wir waren uns trotz der 7.700 Kilometer Entfernung nah: für die Zeit des Schreibens ebenso wie beim Lesen der Antwort zwei Wochen später.

Das macht es jetzt in der Weihnachtszeit vielleicht nicht leichter, von unseren Liebsten getrennt zu sein. Die Vorstellung bleibt kaum erträglich. Trotzdem ist es ein schöner Gedanke, dass wir auch allein nicht unbedingt einsam sein müssen. Und da kommt wieder dieses berühmte, oft so schnulzig wirkende Bibelwort ins Spiel: Denn die Liebe gibt Kraft für den Glauben, der Glaube wiederum macht Hoffnung erst möglich. Hoffnung, dass es irgendwann auch wieder besser wird.

Ich habe das Glück, mit meiner engsten Familie unter einem Dach zu leben. Die Vorstellung, allein sein zu müssen, ist für mich daher kaum möglich. Trotzdem wird dieses Weihnachtsfest auch für mich – wie wohl für fast jeden – anders sein. Sicher ist dabei nur, dass sich Prioritäten ändern, der Wunschzettel anders aussehen wird als bisher. Hier stehen nun die ganz grundsätzlichen Dinge. Denn das neue Smartphone bringt uns einander in Wahrheit auch nicht näher.

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