Weihnachten allein zu Haus: Nur der kleine Lord, Sissi und Aschenbrödel kommen zu Besuch Stefanie Dullweber Gefühlt haben wir doch gerade erst den Weihnachtsbaumschmuck auf dem Dachboden verstaut, den Aufhänger mit „Frohes Fest“ von der Gardinenstange geknotet und die hässliche Kristallvase von Tante Augusta bei Ebay reingestellt. Und schon kündigen sie sich wieder an – die lieben Verwandten. Ich mag die Feiertage. Tagelang wird eingekauft, gekocht, gebacken, Geschenke eingepackt. Vom gemeinsamen Brunch, zur dicken Sahnetorte bis hin zum opulenten Abendessen mit Gänsebraten, Ente und Co. schlagen wir uns gepflegt den Bauch voll. Meine Cousine und ich streiten uns um die letzten Erbsen, obwohl wir beide heimlich unter dem Tisch schon den Knopf unserer Jeans aufgemacht haben, weil der Magen vom vielen Essen schmerzt. Anschließend liegen wir völlig erschlagen auf dem Sofa und können uns kaum noch bewegen. Der Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ läuft in Dauerschleife und auch „Sissi“ und „Der kleine Lord“ kommen alle Jahre wieder. In diesem Jahr scheint alles anders. Weihnachten mit den Großeltern, Eltern, Geschwistern, Tanten, Onkeln, Cousinen, Nichten und Neffen ist tabu. Noch sind Treffen mit bis zu zehn Personen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis erlaubt. Ein harter Lockdown vor Weihnachten wird jedoch immer wahrscheinlicher. Bleibt eigentlich nur: Weihnachten allein zu Haus. Für viele Freunde und Bekannte scheint diese Vorstellung undenkbar. Dabei höre ich sie noch jammern. „Wir sind an den Feiertagen nur unterwegs.“ „Die Kinder sind völlig überfordert und quengeln nur noch.“ „Bei Tante Frieda schmeckt uns das Essen nicht.“ „Und überhaupt, nie sind wir Weihnachten zu Hause und haben einfach mal Zeit für uns.“ Statistisch gesehen hängt zu Weihnachten in jeder dritten Familie der Haussegen schief. Wunderbar – in diesem Jahr kann jeder auf den ganzen Stress verzichten. Aber das ist dann auch wieder nicht richtig. Ich habe Weihnachten nie als besonders stressig empfunden, ich mag den Trubel eigentlich ganz gerne. Andererseits mag ich es nicht, wenn Leute immer nur alles bejammern. In diesem Jahr ist nun einmal alles anders und wenn ich nicht die ganze Familie um mich haben kann, dann ist das so. Dennoch kann jeder seine Liebsten wissen lassen, wie viel sie ihm bedeuten. Eins steht auf jeden Fall jetzt schon fest: Dieses Weihnachten wird in die Geschichte eingehen. Von unseren lieb gewordenen Traditionen werden wir uns zumindest temporär trennen müssen. Ich bin beispielsweise gespannt, wie es sich anfühlt, das gemeinsame Essen per Videokonferenz stattfinden zu lassen. Wenn mein Mann nicht plötzlich seine Liebe für Erbsen entdeckt, habe ich das Gemüse zumindest für mich. Wahrscheinlich werden auch die Telefone heiß laufen, denn zumindest die ältere Verwandtschaft ist mit Videoformaten nicht vertraut oder hat schlechtes Internet. Und wir werden Pläne fürs nächste Jahr machen – und dann ist es uns auch egal, was Tante Frieda gekocht hat.

Weihnachten allein zu Haus: Nur der kleine Lord, Sissi und Aschenbrödel kommen zu Besuch

© Dorothee Meinhardt

Gefühlt haben wir doch gerade erst den Weihnachtsbaumschmuck auf dem Dachboden verstaut, den Aufhänger mit „Frohes Fest“ von der Gardinenstange geknotet und die hässliche Kristallvase von Tante Augusta bei Ebay reingestellt. Und schon kündigen sie sich wieder an – die lieben Verwandten.

Ich mag die Feiertage. Tagelang wird eingekauft, gekocht, gebacken, Geschenke eingepackt. Vom gemeinsamen Brunch, zur dicken Sahnetorte bis hin zum opulenten Abendessen mit Gänsebraten, Ente und Co. schlagen wir uns gepflegt den Bauch voll. Meine Cousine und ich streiten uns um die letzten Erbsen, obwohl wir beide heimlich unter dem Tisch schon den Knopf unserer Jeans aufgemacht haben, weil der Magen vom vielen Essen schmerzt. Anschließend liegen wir völlig erschlagen auf dem Sofa und können uns kaum noch bewegen. Der Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ läuft in Dauerschleife und auch „Sissi“ und „Der kleine Lord“ kommen alle Jahre wieder.

In diesem Jahr scheint alles anders. Weihnachten mit den Großeltern, Eltern, Geschwistern, Tanten, Onkeln, Cousinen, Nichten und Neffen ist tabu. Noch sind Treffen mit bis zu zehn Personen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis erlaubt. Ein harter Lockdown vor Weihnachten wird jedoch immer wahrscheinlicher. Bleibt eigentlich nur: Weihnachten allein zu Haus.

Für viele Freunde und Bekannte scheint diese Vorstellung undenkbar. Dabei höre ich sie noch jammern. „Wir sind an den Feiertagen nur unterwegs.“ „Die Kinder sind völlig überfordert und quengeln nur noch.“ „Bei Tante Frieda schmeckt uns das Essen nicht.“ „Und überhaupt, nie sind wir Weihnachten zu Hause und haben einfach mal Zeit für uns.“ Statistisch gesehen hängt zu Weihnachten in jeder dritten Familie der Haussegen schief. Wunderbar – in diesem Jahr kann jeder auf den ganzen Stress verzichten. Aber das ist dann auch wieder nicht richtig.

Ich habe Weihnachten nie als besonders stressig empfunden, ich mag den Trubel eigentlich ganz gerne. Andererseits mag ich es nicht, wenn Leute immer nur alles bejammern. In diesem Jahr ist nun einmal alles anders und wenn ich nicht die ganze Familie um mich haben kann, dann ist das so. Dennoch kann jeder seine Liebsten wissen lassen, wie viel sie ihm bedeuten.

Eins steht auf jeden Fall jetzt schon fest: Dieses Weihnachten wird in die Geschichte eingehen. Von unseren lieb gewordenen Traditionen werden wir uns zumindest temporär trennen müssen. Ich bin beispielsweise gespannt, wie es sich anfühlt, das gemeinsame Essen per Videokonferenz stattfinden zu lassen. Wenn mein Mann nicht plötzlich seine Liebe für Erbsen entdeckt, habe ich das Gemüse zumindest für mich. Wahrscheinlich werden auch die Telefone heiß laufen, denn zumindest die ältere Verwandtschaft ist mit Videoformaten nicht vertraut oder hat schlechtes Internet. Und wir werden Pläne fürs nächste Jahr machen – und dann ist es uns auch egal, was Tante Frieda gekocht hat.

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