Weg fast frei für Mindens neuen Hafen Hartmut Nolte Minden/Bückeburg (hn). Jetzt fehlt nur noch die Amtliche Bekanntmachung in den Tageszeitungen und der Bebauungsplan Regioport Weser I kann nach sechsjähriger Planungs- und vierjähriger Aufstellungszeit in Kraft treten. Am Donnerstag beschloss die Versammlung des Planungsverbandes im Kreishaus Minden mit 14 gegen zwei Stimmen bei einer Enthaltung die 96seitige Satzung.Als Meilenstein bezeichnete Mindens Bürgermeister Michael Buhre als Verbandsvorsteher die Entscheidung. Ziel des komplexen und ambitionierten Vorhabens sei die Profilierung der Grenzregion als Logistik- und Umschlagstandort. Buhre wehrte sich gegen heftige Kritik aus den Nachbarorten an der Planung. Die Umsatzprognosen des schon längst zu klein und nicht zukunftsfähigen Containerhafens in Minden seien übertroffen worden, die allgemeine Verkehrsentwicklung mit überlasteten Straßen gebe der Planung recht.Das Vorhaben bedeute zwar einen massiven Eingriff in Natur, Landschaft und das Lebensumfeld der Anwohner, aber die Qualität der Planung habe die Wirkung soweit wie möglich ausgeglichen. Der Planungsverbund aus dem beiden Nachbarkreisen Schaumburg und Minden-Lübbecke sowie den Nachbarstädten Minden und Bückeburg werde auch die Umsetzung der Planung begleiten. Buhre bedankte sich bei allen, die an der Planung beteiligt gewesen seien und ausdrücklich auch bei der Bürgerinitiative Bicon für ihre konstruktive kritische Begleitung.Malte Wittbecker, Leiter der Geschäftsstelle des kommunalen Verbundes und Jens-Peter Huesmann vom Bielefelder Planungsbüro Drees und Huesmann hoben die Entwicklung und die wesentlichen Punkte der abgeschlossenen zweiten Anhörung heraus. Die Planung habe in den sechs Jahren wesentliche Änderungen erfahren. Die Gesamtfläche sei um ein Drittel auf 14 Hektar reduziert, die ökologischen Eingriffe würden durch die Renaturierung der Aue vor Ort kompensiert und Lärm- und Lichtbelästigungen durch den künftigen Hafenbetrieb seien herabgesetzt worden. Beispielhaft wurden die Beschränkung der Leuchten an den Umladekränen auf den Arbeitsbereich und die lärmreduzierende Unterscheidung in Tag und Nachtbetrieb sowie das Verbot von sogenannten Billboards, großflächigen beleuchteten Reklametafeln genannt. Auch die Stapelhöhe der Container ist auf 15 Meter begrenzt, die künftigen Gewerbebauten dürfen im Südteil maximal 15 und im Nordteil zehn Meter hoch sein, sollen aus Richtung Cammer hinter „baumbetonter Begrünung“ optisch verschwinden.Ein wesentlicher Bestandteil des Bebauungsplans ist das Monitoring. Damit soll in unterschiedlichen Abständen geprüft werden, ob sich die prognostizierten Wirkungen auch so einstellen bzw. die vorgegebenen Werte eingehalten werden. Zum Beispiel durch stichprobenartige Lärmmessungen zur Bau- und Betriebszeit. Alle zwei Jahre soll der Verkehr gezählt werden und Strichlisten gibt es für andere Planungsbetroffene: Waldohreule und Feldlerche.Die Vertreter der großen Parteien aus allen vier Verbundpartner-Parlamenten signalisierten Zustimmung, die Grünen Ablehnung. Wie Horst Idelberger (Minden) mit Bezug auf den seiner Ansicht nach verletzten Baurechtsgrundsatz des Klimaschutzes, oder Cornelia Laasch aus dem Kreistag Schaumbug wegen Planbegründung auf veralteten Daten und wegen angeblich fehlerhafter Prüfung von Alternativen. Wolfhard Müller, SPD-Ratsherr aus Bückeburg, reichte der Ausgleich für die Eingriffe in Natur und Landschaft nicht aus. Dr. Manfred Horter, SPD-Mann im Kreistag Minden-Lübbecke, mahnte, Bedenken in Porta Westfalica und Bad Oeynhausen wegen jetzt schon problematischen Verkehrs auf B 482 und B 61 ernst zu nehmen, „um den Klageweg zu vermeiden“. Schaumburgs Landrat Jörg Pfarr als Vorsitzender der Versammlung machte deutlich, dass man sich nach intensiven Gesprächen und wegen der jetzt in der Gesamtabwägung erreichten Verbesserungen und des langen Monitoring-Katalogs zu einer mehrheitlichen Zustimmung durchgerungen habe.Da blieb zwei Zuhörern nur stumme Resignation: Sie beklagten das Ende des „schönen Dorfes Cammer“ auf einem Traueranzeigen ähnlichen Plakat. „Todes“datum: 25.06.2015

Weg fast frei für Mindens neuen Hafen

Minden/Bückeburg (hn). Jetzt fehlt nur noch die Amtliche Bekanntmachung in den Tageszeitungen und der Bebauungsplan Regioport Weser I kann nach sechsjähriger Planungs- und vierjähriger Aufstellungszeit in Kraft treten. Am Donnerstag beschloss die Versammlung des Planungsverbandes im Kreishaus Minden mit 14 gegen zwei Stimmen bei einer Enthaltung die 96seitige Satzung.

Als Meilenstein bezeichnete Mindens Bürgermeister Michael Buhre als Verbandsvorsteher die Entscheidung. Ziel des komplexen und ambitionierten Vorhabens sei die Profilierung der Grenzregion als Logistik- und Umschlagstandort. Buhre wehrte sich gegen heftige Kritik aus den Nachbarorten an der Planung. Die Umsatzprognosen des schon längst zu klein und nicht zukunftsfähigen Containerhafens in Minden seien übertroffen worden, die allgemeine Verkehrsentwicklung mit überlasteten Straßen gebe der Planung recht.

Das Vorhaben bedeute zwar einen massiven Eingriff in Natur, Landschaft und das Lebensumfeld der Anwohner, aber die Qualität der Planung habe die Wirkung soweit wie möglich ausgeglichen. Der Planungsverbund aus dem beiden Nachbarkreisen Schaumburg und Minden-Lübbecke sowie den Nachbarstädten Minden und Bückeburg werde auch die Umsetzung der Planung begleiten. Buhre bedankte sich bei allen, die an der Planung beteiligt gewesen seien und ausdrücklich auch bei der Bürgerinitiative Bicon für ihre konstruktive kritische Begleitung.

Malte Wittbecker, Leiter der Geschäftsstelle des kommunalen Verbundes und Jens-Peter Huesmann vom Bielefelder Planungsbüro Drees und Huesmann hoben die Entwicklung und die wesentlichen Punkte der abgeschlossenen zweiten Anhörung heraus. Die Planung habe in den sechs Jahren wesentliche Änderungen erfahren. Die Gesamtfläche sei um ein Drittel auf 14 Hektar reduziert, die ökologischen Eingriffe würden durch die Renaturierung der Aue vor Ort kompensiert und Lärm- und Lichtbelästigungen durch den künftigen Hafenbetrieb seien herabgesetzt worden. Beispielhaft wurden die Beschränkung der Leuchten an den Umladekränen auf den Arbeitsbereich und die lärmreduzierende Unterscheidung in Tag und Nachtbetrieb sowie das Verbot von sogenannten Billboards, großflächigen beleuchteten Reklametafeln genannt. Auch die Stapelhöhe der Container ist auf 15 Meter begrenzt, die künftigen Gewerbebauten dürfen im Südteil maximal 15 und im Nordteil zehn Meter hoch sein, sollen aus Richtung Cammer hinter „baumbetonter Begrünung“ optisch verschwinden.

Ein wesentlicher Bestandteil des Bebauungsplans ist das Monitoring. Damit soll in unterschiedlichen Abständen geprüft werden, ob sich die prognostizierten Wirkungen auch so einstellen bzw. die vorgegebenen Werte eingehalten werden. Zum Beispiel durch stichprobenartige Lärmmessungen zur Bau- und Betriebszeit. Alle zwei Jahre soll der Verkehr gezählt werden und Strichlisten gibt es für andere Planungsbetroffene: Waldohreule und Feldlerche.

Die Vertreter der großen Parteien aus allen vier Verbundpartner-Parlamenten signalisierten Zustimmung, die Grünen Ablehnung. Wie Horst Idelberger (Minden) mit Bezug auf den seiner Ansicht nach verletzten Baurechtsgrundsatz des Klimaschutzes, oder Cornelia Laasch aus dem Kreistag Schaumbug wegen Planbegründung auf veralteten Daten und wegen angeblich fehlerhafter Prüfung von Alternativen. Wolfhard Müller, SPD-Ratsherr aus Bückeburg, reichte der Ausgleich für die Eingriffe in Natur und Landschaft nicht aus. Dr. Manfred Horter, SPD-Mann im Kreistag Minden-Lübbecke, mahnte, Bedenken in Porta Westfalica und Bad Oeynhausen wegen jetzt schon problematischen Verkehrs auf B 482 und B 61 ernst zu nehmen, „um den Klageweg zu vermeiden“. Schaumburgs Landrat Jörg Pfarr als Vorsitzender der Versammlung machte deutlich, dass man sich nach intensiven Gesprächen und wegen der jetzt in der Gesamtabwägung erreichten Verbesserungen und des langen Monitoring-Katalogs zu einer mehrheitlichen Zustimmung durchgerungen habe.

Da blieb zwei Zuhörern nur stumme Resignation: Sie beklagten das Ende des „schönen Dorfes Cammer“ auf einem Traueranzeigen ähnlichen Plakat. „Todes“datum: 25.06.2015

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