Warten auf den Angeklagten: 24-Jähriger erscheint nicht zum vereinbarten Termin Hartmut Nolte Minden/Rahden (hn). Großen Respekt vor Justiz und Polizei scheint ein 24-jähriger Rahdener nicht zu haben. Als Angeklagter sollte er am Freitag in Minden im Gericht erscheinen, doch selbst von der Polizei ließ er sich nicht dazu bewegen. Daraufhin wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der 24-Jährige wird von der Staatsanwaltschaft Bielefeld beschuldigt, am 7. Oktober vorigen Jahres bei einem Wohnungseinbruch Bargeld und zwei Sparbücher gestohlen zu haben. Der Prozess, dessen Beginn für Freitag 9 Uhr im Sitzungssaal des Mindener Schöffengerichts angesetzt war, musste aber schon nach zehn Minuten unterbrochen werden. Einer der Zeugen hatte sich entschuldigen lassen, er könne an der Verhandlung nicht teilnehmen. Seine Betreuerin wies in einer verlesenen Nachricht auf das Alkoholproblem des Zeugen hin. Erst gar nicht, nicht mal bei seiner Pflichtverteidigerin Kathleen Heine, hatte sich der Angeklagte abgemeldet. 15 Minuten warteten pflichtgemäß der Berufsrichter und die beiden Schöffen, der Staatsanwalt und die Anwältin auf sein Erscheinen – vergeblich. Daraufhin schickte der Vorsitzende Richter die Polizei zur Wohnadresse des Rahdeners. Das Gericht machte derweil 45 Minuten Pause. Die Polizisten hätten den Gesuchten auch angetroffen, der habe sich aber geweigert, mit ihnen im Streifenwagen nach Minden zu fahren, teilte das Gericht danach mit. Der Angeklagte habe der Staatsgewalt erst gar nicht die Tür aufgemacht. Die hätten die Beamten eintreten können, aber das wurde vom Gericht angesichts des Tatvorwurfs als nicht verhältnismäßig betrachtet. Die Verhängung eines Ordnungsgeldes stellte in diesem Fall den gewünschten Effekt auch nicht sicher. Mit einer anderen Maßnahme hofft man, den widerspenstigen Mann vielleicht zur Einsicht zu verhelfen, zumindest aber ihn vor die „Schranken des Gericht“ zu bekommen. Gegen ihn wurde ein sogenannter Sitzungshaftbefehl nach Paragraf 230 der Strafprozessordnung erlassen. Damit ist die Teilnahme am neuen Verhandlungstermin gesichert.

Warten auf den Angeklagten: 24-Jähriger erscheint nicht zum vereinbarten Termin

Erschienen: 16.05.2014; 12.09.2014; 08.12.2015; 08.05.2017; 22.07.2017; Skulptur "Ein Fall von Gesetzmäßigkeit" von Victor Bonato (1986) vor dem Gerichtszentrum Minden. © Lehn, Alexander

Minden/Rahden (hn). Großen Respekt vor Justiz und Polizei scheint ein 24-jähriger Rahdener nicht zu haben. Als Angeklagter sollte er am Freitag in Minden im Gericht erscheinen, doch selbst von der Polizei ließ er sich nicht dazu bewegen. Daraufhin wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Der 24-Jährige wird von der Staatsanwaltschaft Bielefeld beschuldigt, am 7. Oktober vorigen Jahres bei einem Wohnungseinbruch Bargeld und zwei Sparbücher gestohlen zu haben. Der Prozess, dessen Beginn für Freitag 9 Uhr im Sitzungssaal des Mindener Schöffengerichts angesetzt war, musste aber schon nach zehn Minuten unterbrochen werden. Einer der Zeugen hatte sich entschuldigen lassen, er könne an der Verhandlung nicht teilnehmen. Seine Betreuerin wies in einer verlesenen Nachricht auf das Alkoholproblem des Zeugen hin.

Erst gar nicht, nicht mal bei seiner Pflichtverteidigerin Kathleen Heine, hatte sich der Angeklagte abgemeldet. 15 Minuten warteten pflichtgemäß der Berufsrichter und die beiden Schöffen, der Staatsanwalt und die Anwältin auf sein Erscheinen – vergeblich. Daraufhin schickte der Vorsitzende Richter die Polizei zur Wohnadresse des Rahdeners. Das Gericht machte derweil 45 Minuten Pause.

Die Polizisten hätten den Gesuchten auch angetroffen, der habe sich aber geweigert, mit ihnen im Streifenwagen nach Minden zu fahren, teilte das Gericht danach mit. Der Angeklagte habe der Staatsgewalt erst gar nicht die Tür aufgemacht. Die hätten die Beamten eintreten können, aber das wurde vom Gericht angesichts des Tatvorwurfs als nicht verhältnismäßig betrachtet. Die Verhängung eines Ordnungsgeldes stellte in diesem Fall den gewünschten Effekt auch nicht sicher. Mit einer anderen Maßnahme hofft man, den widerspenstigen Mann vielleicht zur Einsicht zu verhelfen, zumindest aber ihn vor die „Schranken des Gericht“ zu bekommen. Gegen ihn wurde ein sogenannter Sitzungshaftbefehl nach Paragraf 230 der Strafprozessordnung erlassen. Damit ist die Teilnahme am neuen Verhandlungstermin gesichert.

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