Warnstreik auf dem Simeonsplatz: IG Metall fordert mehr Lohn in der Krise Thomas Lieske Minden. Das Autoradio ist auf 103,0 MHz gestellt. Der Innenraum ist warm. Doch die beinahe gemütliche Atmosphäre passt so gar nicht zur derzeitigen Stimmung bei den Tarifverhandlungen der Gewerkschaft IG Metall. Höchstens die Außentemperatur von zwei Grad und der nasskalte Schneeregen am Dienstagmorgen kommen der Stimmung ziemlich nah. Vier Prozent mehr Lohn. Mit dieser Forderung an die Arbeitgeber ist die Gewerkschaft IG Metall gestern auch in Minden in den Warnstreik getreten. Rund 100 Autos kamen zur Kundgebung auf dem Simeonsplatz, die pandemiebedingt über das Autoradio zu verfolgen war. „Bei der letzten Tarifrunde haben wir die Folgen der Corona-Pandemie schon mit einkalkuliert. Wir haben eine Nullrunde akzeptiert. Doch das wird es dieses Mal mit uns nicht geben", betonte IG-Metall-Bezirksleiter Patrick Loos während der Kundgebung. Auch bei der jetzigen Forderung seien die Unwägbarkeiten der Corona-Auswirkungen „verantwortungsbewusst eingerechnet" worden. Im Kern, sagt Loos, wolle die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern über drei Punkte sprechen: Lohnerhöhung, Beschäftigungssicherheit und Ausbildungsplätze. Dass schon im vergangenen Sommer nach Angaben der Gewerkschaft rund zehn Prozent der Unternehmen weniger Auszubildende eingestellt hätten, zeige, dass die Betriebe „die Axt an die Zukunft des eigenen Unternehmens anlegen" würden. „Weniger Auszubildende, das macht mich noch wütender als eine Nullrunde", betonte Loos. Das sei ein Sparprogramm, das die Unternehmen nicht sicher für die Zukunft aufstelle. „Wir können uns nicht aus der Krise heraussparen. Wer soll denn dann noch die Produkte, die die heimische Industrie herstellt, nach der Krise kaufen?" Wenn schon Arbeitszeit in den Unternehmen reduziert werde, dann müsse es dafür zumindest einen Teillohnausgleich geben, um die Verluste etwas aufzufangen, findet Loos im Namen der Gewerkschaft. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Arbeitgeber jetzt eine Perspektive für eine Beschäftigungssicherheit an die Arbeitnehmer aussprechen. Bisher werde darüber nur geredet, wenn der Arbeitgeber das wolle. „Das ist ein Verhalten nach Gutsherrenart", wirft Loos der Gegenseite vor. Und dann ist da noch die Forderung nach vier Prozent mehr Lohn – in der Krise. Für Loos ist das kein Widerspruch. „Höhere Löhne in einer Krise haben sich bisher immer als vorteilhaft herausgestellt. So fließt ein großer Teil der Wertschöpfung zurück in die Unternehmen", ist er überzeugt. Gar nicht überzeugt von den Forderungen zeigt sich auf MT-Anfrage der Arbeitgeberverband Minden-Lübbecke, der aktuell im Mühlenkreis nach eigenen Angaben 165 Unternehmen – davon zwölf Mitglieder im Metall-Tarifverband – mit rund 31.000 Arbeitsplätzen und 1.800 Ausbildungsplätzen vertritt. „Fakt ist, dass jeder Euro an Kostensteigerung, der jetzt in eine prozentuale Tariferhöhung geht, den Unternehmen nicht für weitere Zukunftsinvestitionen zur Verfügung steht", betont Geschäftsführer Andre M. Fechner auf MT-Anfrage. „Ein Verzicht auf Entgeltsteigerungen zum jetzigen Zeitpunkt würde also dazu beitragen, das zu erreichen, was sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am meisten wünschen – nämlich Arbeitsplätze, die dauerhaft für die Zukunft sicher sind." Die Arbeitgeber seien bereit, nach der Krise Tariferhöhungen nachzuholen, erklärt Fechner. Vor der Kundgebung hatten zwei Polizeistreifen im Namen der Landrätin einen schriftlichen Auflagenkatalog an die Veranstalter überreicht, der die Einhaltung der Corona-Regeln sicherstellen sollte.

Warnstreik auf dem Simeonsplatz: IG Metall fordert mehr Lohn in der Krise

Rund 100 Autos kamen zur Kundgebung der IG Metall auf dem Simeonsplatz. Foto: Thomas Lieske © Thomas Lieske

Minden. Das Autoradio ist auf 103,0 MHz gestellt. Der Innenraum ist warm. Doch die beinahe gemütliche Atmosphäre passt so gar nicht zur derzeitigen Stimmung bei den Tarifverhandlungen der Gewerkschaft IG Metall. Höchstens die Außentemperatur von zwei Grad und der nasskalte Schneeregen am Dienstagmorgen kommen der Stimmung ziemlich nah. Vier Prozent mehr Lohn. Mit dieser Forderung an die Arbeitgeber ist die Gewerkschaft IG Metall gestern auch in Minden in den Warnstreik getreten.

Rund 100 Autos kamen zur Kundgebung auf dem Simeonsplatz, die pandemiebedingt über das Autoradio zu verfolgen war. „Bei der letzten Tarifrunde haben wir die Folgen der Corona-Pandemie schon mit einkalkuliert. Wir haben eine Nullrunde akzeptiert. Doch das wird es dieses Mal mit uns nicht geben", betonte IG-Metall-Bezirksleiter Patrick Loos während der Kundgebung. Auch bei der jetzigen Forderung seien die Unwägbarkeiten der Corona-Auswirkungen „verantwortungsbewusst eingerechnet" worden.

Im Kern, sagt Loos, wolle die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern über drei Punkte sprechen: Lohnerhöhung, Beschäftigungssicherheit und Ausbildungsplätze. Dass schon im vergangenen Sommer nach Angaben der Gewerkschaft rund zehn Prozent der Unternehmen weniger Auszubildende eingestellt hätten, zeige, dass die Betriebe „die Axt an die Zukunft des eigenen Unternehmens anlegen" würden. „Weniger Auszubildende, das macht mich noch wütender als eine Nullrunde", betonte Loos. Das sei ein Sparprogramm, das die Unternehmen nicht sicher für die Zukunft aufstelle. „Wir können uns nicht aus der Krise heraussparen. Wer soll denn dann noch die Produkte, die die heimische Industrie herstellt, nach der Krise kaufen?"

Wenn schon Arbeitszeit in den Unternehmen reduziert werde, dann müsse es dafür zumindest einen Teillohnausgleich geben, um die Verluste etwas aufzufangen, findet Loos im Namen der Gewerkschaft. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Arbeitgeber jetzt eine Perspektive für eine Beschäftigungssicherheit an die Arbeitnehmer aussprechen. Bisher werde darüber nur geredet, wenn der Arbeitgeber das wolle. „Das ist ein Verhalten nach Gutsherrenart", wirft Loos der Gegenseite vor.

Und dann ist da noch die Forderung nach vier Prozent mehr Lohn – in der Krise. Für Loos ist das kein Widerspruch. „Höhere Löhne in einer Krise haben sich bisher immer als vorteilhaft herausgestellt. So fließt ein großer Teil der Wertschöpfung zurück in die Unternehmen", ist er überzeugt.

Gar nicht überzeugt von den Forderungen zeigt sich auf MT-Anfrage der Arbeitgeberverband Minden-Lübbecke, der aktuell im Mühlenkreis nach eigenen Angaben 165 Unternehmen – davon zwölf Mitglieder im Metall-Tarifverband – mit rund 31.000 Arbeitsplätzen und 1.800 Ausbildungsplätzen vertritt. „Fakt ist, dass jeder Euro an Kostensteigerung, der jetzt in eine prozentuale Tariferhöhung geht, den Unternehmen nicht für weitere Zukunftsinvestitionen zur Verfügung steht", betont Geschäftsführer Andre M. Fechner auf MT-Anfrage. „Ein Verzicht auf Entgeltsteigerungen zum jetzigen Zeitpunkt würde also dazu beitragen, das zu erreichen, was sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am meisten wünschen – nämlich Arbeitsplätze, die dauerhaft für die Zukunft sicher sind." Die Arbeitgeber seien bereit, nach der Krise Tariferhöhungen nachzuholen, erklärt Fechner.

Vor der Kundgebung hatten zwei Polizeistreifen im Namen der Landrätin einen schriftlichen Auflagenkatalog an die Veranstalter überreicht, der die Einhaltung der Corona-Regeln sicherstellen sollte.

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