Wahlkampf kurz und knackig: Mindener FDP rechnet sich gute Chancen aus Monika Jäger Minden. Hartmut Freise ist Unternehmensberater im Ruhestand, letztes verbliebenes Ratsmitglied der FDP in Minden und Stadtverbandsvorsitzender. Jemand, dessen Wortbeiträge im Rat in ihrer oft übergenauen Formulierung durchaus auch belehrend wirken können, jemand, der seit langen Jahren klassische Kommunalpolitik und klassischen Wahlkampf betreibt. Und jetzt das mit der Distanz, gerade, als eigentlich die Zeit war, das Profil der Partei bei möglichen Wählern vor Ort zu schärfen. „Wir haben uns früh an die Arbeit gemacht“, sagt Freise. Da war Anfang des Jahres die Programmklausur, Ende Februar stand alles, und dann kam Corona: „Vieles passt jetzt nicht mehr“, sagt der liberale Politiker selbstkritisch. „Wir sind dabei, uns neu zu sortieren und auch zu priorisieren.“ Denn die Krise hat bisher unabsehbare Folgen, auch für die Stadtfinanzen. „Der Kämmerer ist in Nöten“, sagt Freise, und in der für ihn typischen rhetorischen Figur des Hervorhebens durch Understatement: „Haushalt macht gerade keinen Spaß mehr.“ Was zu tun wäre, scheint ihm allerdings völlig klar: Der Arbeitskreis Steuern und Finanzen sollte eine strategische Fixkostenplanung machen und den Fokus dann auf all das legen, wo tatsächlich noch Spielraum ist, wo noch Entscheidungen getroffen werden können. Ein Plan B müsse her, ein „Worst-Case-Szenario“, sagt der ehemalige Unternehmensberater, „denn wir wissen nicht, wann die Wirtschaft wieder anzieht.“ Und es sei ja unklar, ob, wann und wie viele Bundes- und Landesmittel kommen werden. Sein Hauptaugenmerk gilt der Wirtschaft und deren Förderung. „Was kann die Kommune tun, um die Wirtschaft zu stabilisieren?“, ist eine Frage, und ja, auch die Schulversorgung müsse unbedingt gesichert werden, zumal ja nun die Beigeordnetenstelle in Minden bald vakant sei. Und mit einem Schwenk ist er beim Wahlprogramm, bei den „wichtigen Dingen, die wir nicht aus den Augen verlieren sollten“; Stadtfinanzen, Wirtschaftsförderung, Bildung, Kultur, Digitalisierung. Und wie bringt er das nun an die interessierte Bevölkerung? Freise zuckt mit den Schultern. „Straßenwahlkampf ist ja nun Fehlanzeige.“ Und auch eine geplante Veranstaltungsreihe mit prominenten FDP-Vertretern – darunter Ministern – fällt jetzt wohl aus. Um Bildung und Clankriminalität wäre es da gegangen, um Bauen und Wohnen und Stadtentwicklung. „Und jetzt steuern wir auch noch auf die Ferien zu.“ Das bedeute: Umdenken. Aktivitäten hochfahren. „Schwierig, wenn man keine Agentur hat wie die großen Parteien, sondern alles solo machen muss“, sagt er. Die ursprüngliche Rahmenkampagne des Landesverbandes komme auch nicht in Frage – die Aussagen passten nicht mehr. „Da müssen wir uns noch was überlegen.“ Die Absprachen innerhalb der Partei liefen zur Zeit der Kontaktbeschränkungen per Skype, jetzt gibt es wieder erste persönliche Treffen. Natürlich gebe es auch Ideen, wie es nun mit dem Wahlkampf weitergeht. Haben es die Kleineren jetzt schwieriger, weil in der Krise alles auf die Berliner Regierung schaute? „Frau Merkel hatte ein Hoch, keiner weiß so recht, warum“, so Freise, der fest zu seinem Bundesparteivorsitzenden hält – auch wenn der in der Krise durchaus umstritten agiert hat. „Christian Lindner ist ein guter Frontmann, um kommunal Stimmen zu bekommen.“ Denn was zählt, sei Glaubwürdigkeit. „Glaubwürdigkeit ist nicht, wenn man versucht, den gerade kommod erscheinenden Weg zu gehen.“ Freise sagt dann noch, er sei froh, dass er in die nächste Wahlperiode mit einem deutlich verjüngten Team gehen kann. Auch sei es durch viele Neuzugänge nicht schwer gewesen, die Wahlbezirke zu besetzen. „Das war in der Vergangenheit schon deutlich schwieriger.“ Er spricht von einem Generationenwechsel und sagt offen: „Ich hätte auch sehr gerne noch mehr Frauen dabei gehabt.“ Aber „wer beruflich gut unterwegs oder sehr eingespannt ist, hat keine Zeit für Kommunalpolitik.“ Wie viele Sitze im Rat werden die Liberalen erringen? „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine reine FDP-Fraktion haben werden.“ Mit anderen Worten: Mindestens drei Sitze. Die aktuelle Wahlperiode sei nicht einfach gewesen, sagt er dann auf Nachfrage. „Schade drum, man hätte mehr bewirken können.“ Aber er habe auch daraus gelernt, nämlich „es macht keinen Sinn, sich auf fragwürdige Bündnisse einzulassen.“ Wird es Bündnisse geben bei der Bürgermeisterkandidatur? Da hält sich Freise noch bedeckt. Man müsse mal sehen, wer da alles antrete, und dann politische Position, Persönlichkeit und Konzept berücksichtigen. Der FDP-Stadtverband jedenfalls sitzt in den Startlöchern, jetzt soll es richtig losgehen. „Der Wahlkampf wird kurz und knackig sein.“

Wahlkampf kurz und knackig: Mindener FDP rechnet sich gute Chancen aus

Minden. Hartmut Freise ist Unternehmensberater im Ruhestand, letztes verbliebenes Ratsmitglied der FDP in Minden und Stadtverbandsvorsitzender. Jemand, dessen Wortbeiträge im Rat in ihrer oft übergenauen Formulierung durchaus auch belehrend wirken können, jemand, der seit langen Jahren klassische Kommunalpolitik und klassischen Wahlkampf betreibt.

Noch vor Corona entstand dieses Foto im Februar. Hartmut Freise ist vorne der Zweite von links. - © Foto: privat
Noch vor Corona entstand dieses Foto im Februar. Hartmut Freise ist vorne der Zweite von links. - © Foto: privat

Und jetzt das mit der Distanz, gerade, als eigentlich die Zeit war, das Profil der Partei bei möglichen Wählern vor Ort zu schärfen. „Wir haben uns früh an die Arbeit gemacht“, sagt Freise. Da war Anfang des Jahres die Programmklausur, Ende Februar stand alles, und dann kam Corona: „Vieles passt jetzt nicht mehr“, sagt der liberale Politiker selbstkritisch. „Wir sind dabei, uns neu zu sortieren und auch zu priorisieren.“

Denn die Krise hat bisher unabsehbare Folgen, auch für die Stadtfinanzen. „Der Kämmerer ist in Nöten“, sagt Freise, und in der für ihn typischen rhetorischen Figur des Hervorhebens durch Understatement: „Haushalt macht gerade keinen Spaß mehr.“

Was zu tun wäre, scheint ihm allerdings völlig klar: Der Arbeitskreis Steuern und Finanzen sollte eine strategische Fixkostenplanung machen und den Fokus dann auf all das legen, wo tatsächlich noch Spielraum ist, wo noch Entscheidungen getroffen werden können. Ein Plan B müsse her, ein „Worst-Case-Szenario“, sagt der ehemalige Unternehmensberater, „denn wir wissen nicht, wann die Wirtschaft wieder anzieht.“ Und es sei ja unklar, ob, wann und wie viele Bundes- und Landesmittel kommen werden.

Sein Hauptaugenmerk gilt der Wirtschaft und deren Förderung. „Was kann die Kommune tun, um die Wirtschaft zu stabilisieren?“, ist eine Frage, und ja, auch die Schulversorgung müsse unbedingt gesichert werden, zumal ja nun die Beigeordnetenstelle in Minden bald vakant sei. Und mit einem Schwenk ist er beim Wahlprogramm, bei den „wichtigen Dingen, die wir nicht aus den Augen verlieren sollten“; Stadtfinanzen, Wirtschaftsförderung, Bildung, Kultur, Digitalisierung.

Und wie bringt er das nun an die interessierte Bevölkerung? Freise zuckt mit den Schultern. „Straßenwahlkampf ist ja nun Fehlanzeige.“ Und auch eine geplante Veranstaltungsreihe mit prominenten FDP-Vertretern – darunter Ministern – fällt jetzt wohl aus. Um Bildung und Clankriminalität wäre es da gegangen, um Bauen und Wohnen und Stadtentwicklung. „Und jetzt steuern wir auch noch auf die Ferien zu.“

Das bedeute: Umdenken. Aktivitäten hochfahren. „Schwierig, wenn man keine Agentur hat wie die großen Parteien, sondern alles solo machen muss“, sagt er. Die ursprüngliche Rahmenkampagne des Landesverbandes komme auch nicht in Frage – die Aussagen passten nicht mehr. „Da müssen wir uns noch was überlegen.“

Die Absprachen innerhalb der Partei liefen zur Zeit der Kontaktbeschränkungen per Skype, jetzt gibt es wieder erste persönliche Treffen. Natürlich gebe es auch Ideen, wie es nun mit dem Wahlkampf weitergeht.

Haben es die Kleineren jetzt schwieriger, weil in der Krise alles auf die Berliner Regierung schaute? „Frau Merkel hatte ein Hoch, keiner weiß so recht, warum“, so Freise, der fest zu seinem Bundesparteivorsitzenden hält – auch wenn der in der Krise durchaus umstritten agiert hat. „Christian Lindner ist ein guter Frontmann, um kommunal Stimmen zu bekommen.“ Denn was zählt, sei Glaubwürdigkeit. „Glaubwürdigkeit ist nicht, wenn man versucht, den gerade kommod erscheinenden Weg zu gehen.“

Freise sagt dann noch, er sei froh, dass er in die nächste Wahlperiode mit einem deutlich verjüngten Team gehen kann. Auch sei es durch viele Neuzugänge nicht schwer gewesen, die Wahlbezirke zu besetzen. „Das war in der Vergangenheit schon deutlich schwieriger.“ Er spricht von einem Generationenwechsel und sagt offen: „Ich hätte auch sehr gerne noch mehr Frauen dabei gehabt.“ Aber „wer beruflich gut unterwegs oder sehr eingespannt ist, hat keine Zeit für Kommunalpolitik.“ Wie viele Sitze im Rat werden die Liberalen erringen? „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine reine FDP-Fraktion haben werden.“ Mit anderen Worten: Mindestens drei Sitze. Die aktuelle Wahlperiode sei nicht einfach gewesen, sagt er dann auf Nachfrage. „Schade drum, man hätte mehr bewirken können.“ Aber er habe auch daraus gelernt, nämlich „es macht keinen Sinn, sich auf fragwürdige Bündnisse einzulassen.“

Wird es Bündnisse geben bei der Bürgermeisterkandidatur? Da hält sich Freise noch bedeckt. Man müsse mal sehen, wer da alles antrete, und dann politische Position, Persönlichkeit und Konzept berücksichtigen. Der FDP-Stadtverband jedenfalls sitzt in den Startlöchern, jetzt soll es richtig losgehen. „Der Wahlkampf wird kurz und knackig sein.“

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