Wagner-Urenkel zeichnet persönliches Bild seines Urgroßvaters Von Christian Helming Minden (hel). Müsste man raten, würde man ihn mit seinem Vollbart eher für einen Nachkommen von Karl Marx halten. Doch tatsächlich ist Antoine Wagner ein Nachfahre Richard Wagners, der mit Marx allerdings mehr als nur das Todesjahr 1883 teilt. Auch Wagner war, zumindest phasenweise, ein Kritiker des Kapitalismus. Was ihn jedoch nicht davon abhielt, sich während seiner ersten Schweizer Exiljahre vom reichen Fabrikanten Otto Wesendonck unterstützen zu lassen.Und damit sind wir bereits mit im Film des Ururenkels Antoine Wagner angekommen. Dieser zeichnet in der Dokumentation „Wagner - ein Genius im Exil“ nach, was die beiden langjährigen Schweizaufenthalte des Komponisten für dessen Werk bedeuten.Auf Einladung des Mindener Wagner-Verbandes war der Fotograf und Filmemacher eigens aus New York angereist, um die Vorstellung im Mindener Kino „Savoy“ zu begleiten. Antoine zeichnet dabei ein sehr persönliches Bild seines Ururgroßvaters.Die Jahre zwischen 1849 und 1858 verbrachte der aufgrund seiner Beteiligung an der Revolution in Sachsen Gesuchte im Züricher Exil. Hier lernte er die Wesendoncks kennen, verliebte sich in Mathilde, schrieb das Libretto zum „Ring des Nibelungen“ und entwarf das große erotische Drama „Tristan und Isolde“. Antoine gelingt es, die Monumentalität der grandiosen Naturkulisse, ihren Einfluss auf das kompositorische Schaffen Richards greifbar zu machen, indem er dessen Berg- und Naturbegeisterung nachspürt.Die schroffe Felsenlandschaft der Alpen imaginiert geradezu die „freie Gegend auf Bergeshöhen“, wie es zum Beispiel in den szenischen Anweisungen zum „Rheingold“ heißt. In Gesprächen mit Musikwissenschaftlern, Historikern, Dirigenten und Schweizer Verwandten entwirft Antoine ein Psychogramm des Komponisten, das auch dessen dunkle Seiten bis hin zum Antisemitismus nicht ausspart.Wagners zweite Schweizer Periode umfasste schließlich die Jahre 1866 bis 1871 in Tribschen bei Luzern, wohin er aus Bayern vom Hofe Ludwig II. hatte fliehen müssen. Hier lernte er schließlich mit Cosima von Bülow, geborene Liszt, die Liebe seines Lebens kennen und spannte damit dem Uraufführungsdirigenten des „Tristan“ Hans von Bülow die Ehefrau aus. Mit der Grundsteinlegung für das Bayreuther Festspielhaus verwirklichte Wagner schließlich einen weiteren Lebenstraum und kehrte der Schweiz 1872 endgültig den Rücken.Im Anschluss an den knapp einstündigen Film stellte sich Antoine Wagner in einer von Jutta Winckler, Vorsitzenden des Mindener Wagner-Verbandes, und MT-Mitarbeiter Udo Stephan Köhne moderierten Diskussionsrunde, den Fragen des Mindener Publikums, gab unter anderem Auskunft über seinen Zugang zum Werk Wagners und seine künstlerischen Zukunftspläne.Antoine Wagner wurde 1982 in den USA geboren. Er ist der Sohn der Bayreuther Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier und des Filmproduzenten Yves Pasquier. Er lebt als Filmemacher und Fotograf in New York.Derzeit hält er sich aufgrund eines Stipendiums der Villa Medici in Rom auf, wo er sein erstes Spielfilmdrehbuch schreibt.

Wagner-Urenkel zeichnet persönliches Bild seines Urgroßvaters

Antoine Wagner (r.) mit MT-Mitarbeiter Udo Stephan Köhne nach der Aufführung. Foto: Christian Helming

Minden (hel). Müsste man raten, würde man ihn mit seinem Vollbart eher für einen Nachkommen von Karl Marx halten. Doch tatsächlich ist Antoine Wagner ein Nachfahre Richard Wagners, der mit Marx allerdings mehr als nur das Todesjahr 1883 teilt. Auch Wagner war, zumindest phasenweise, ein Kritiker des Kapitalismus. Was ihn jedoch nicht davon abhielt, sich während seiner ersten Schweizer Exiljahre vom reichen Fabrikanten Otto Wesendonck unterstützen zu lassen.

Und damit sind wir bereits mit im Film des Ururenkels Antoine Wagner angekommen. Dieser zeichnet in der Dokumentation „Wagner - ein Genius im Exil“ nach, was die beiden langjährigen Schweizaufenthalte des Komponisten für dessen Werk bedeuten.

Auf Einladung des Mindener Wagner-Verbandes war der Fotograf und Filmemacher eigens aus New York angereist, um die Vorstellung im Mindener Kino „Savoy“ zu begleiten. Antoine zeichnet dabei ein sehr persönliches Bild seines Ururgroßvaters.

Die Jahre zwischen 1849 und 1858 verbrachte der aufgrund seiner Beteiligung an der Revolution in Sachsen Gesuchte im Züricher Exil. Hier lernte er die Wesendoncks kennen, verliebte sich in Mathilde, schrieb das Libretto zum „Ring des Nibelungen“ und entwarf das große erotische Drama „Tristan und Isolde“. Antoine gelingt es, die Monumentalität der grandiosen Naturkulisse, ihren Einfluss auf das kompositorische Schaffen Richards greifbar zu machen, indem er dessen Berg- und Naturbegeisterung nachspürt.

Die schroffe Felsenlandschaft der Alpen imaginiert geradezu die „freie Gegend auf Bergeshöhen“, wie es zum Beispiel in den szenischen Anweisungen zum „Rheingold“ heißt. In Gesprächen mit Musikwissenschaftlern, Historikern, Dirigenten und Schweizer Verwandten entwirft Antoine ein Psychogramm des Komponisten, das auch dessen dunkle Seiten bis hin zum Antisemitismus nicht ausspart.

Wagners zweite Schweizer Periode umfasste schließlich die Jahre 1866 bis 1871 in Tribschen bei Luzern, wohin er aus Bayern vom Hofe Ludwig II. hatte fliehen müssen. Hier lernte er schließlich mit Cosima von Bülow, geborene Liszt, die Liebe seines Lebens kennen und spannte damit dem Uraufführungsdirigenten des „Tristan“ Hans von Bülow die Ehefrau aus. Mit der Grundsteinlegung für das Bayreuther Festspielhaus verwirklichte Wagner schließlich einen weiteren Lebenstraum und kehrte der Schweiz 1872 endgültig den Rücken.

Im Anschluss an den knapp einstündigen Film stellte sich Antoine Wagner in einer von Jutta Winckler, Vorsitzenden des Mindener Wagner-Verbandes, und MT-Mitarbeiter Udo Stephan Köhne moderierten Diskussionsrunde, den Fragen des Mindener Publikums, gab unter anderem Auskunft über seinen Zugang zum Werk Wagners und seine künstlerischen Zukunftspläne.

Antoine Wagner wurde 1982 in den USA geboren. Er ist der Sohn der Bayreuther Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier und des Filmproduzenten Yves Pasquier. Er lebt als Filmemacher und Fotograf in New York.

Derzeit hält er sich aufgrund eines Stipendiums der Villa Medici in Rom auf, wo er sein erstes Spielfilmdrehbuch schreibt.

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