Von der Hochromantik zum Jazz-Gottesdienst Kerstin Rickert Minden (kr). Sie war als musikalische Zeitreise angekündigt, bot aber einiges mehr: Rund um das Thema „Liebe“ drehte sich am Sonntag ein außergewöhnliches Konzertformat, das die Minden Marketing zusammen mit den drei Mindener Kirchengemeinden St. Marien, Dom und St. Martini veranstaltete. Drei Stunden, drei Kirchen, Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Wer sich vom Anfang bis zum Ende mitnehmen ließ, dem dürfte die Wahl für einen persönlichen Höhepunkt schwer gefallen sein: Nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch im Hinblick darauf, wie unterschiedlich und auch erfrischend anders Kirchen zum Erlebnis werden können.Die Sopranistin Laura Pohl gab der musikalischen Zeitreise ihre Stimme. Dass diese nicht chronologisch erfolgte, war mit Bedacht und Rücksicht auf die Möglichkeiten jeder Kirche gewählt worden. Dank eines in der St. Marienkirche vorhandenen Flügels war die Entscheidung hier auf einen nachmittäglichen Liederabend mit Werken von der Klassik bis zur Spätromantik gefallen. Begleitet von Tim Ovens nahm die Sängerin ihr Publikum mit zu „heiteren Blümchengeschichten“, wie sie die Goethe-Vertonungen „Veilchen“ von Wolfgang Amadeus Mozart und „Heideröslein“ von Franz Schubert kommentierte.Über Schuberts Werke „Die junge Nonne“ und „Gretchen am Spinnrade“ spannte das Duo einen Bogen zur Hochromantik: Robert Schumanns „Kind im Einschlummern“ stand für die elterliche Liebe zu einem Kind und dessen Urvertrauen, Johannes Brahms für hoffnungslose („Vergebliches Ständchen“) und unvergängliche Liebe („Von ewiger Liebe“). Krönender Abschluss in St. Marien: Laura Pohls hochemotionaler, mit bewegender Stimme vorgetragener Richard Strauss - „Zueignung“ und „Morgen“.Mit Ralf Schymon als Dudelsack spielender Hansekaufmann „Jobst von Hagen“ ging es weiter zum Dom. Die hinteren Kirchenbänke waren für Liebende reserviert, vorne führten Dompastor Sebastian Schulz und Jürgen Tiemann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, in die Geschichte des Doms und das Programm ein. Gelebte Ökumene war also auch hautnah erfahrbar.Ein weiterer musikalischer Höhepunkt folgte und spätestens hier zeigte sich die programmatische Ausrichtung der kleinen Konzertreihe auf die örtlichen Gegebenheiten als perfekte Wahl: Die besondere Akustik des Doms machte aus Laura Pohls Solo-Vortrag in Hildegard von Bingens „Caritas abundat in omnia“ einen mehrstimmigen, schien ihre bezaubernde Stimme hinauf in den Himmel zu tragen, um dann jeden Zuhörer gefangen zu nehmen.Beeindruckte Stille herrschte bei den sichtlich berührten Besuchern, ein Moment der inneren Einkehr, der von Martinikantor Ulf Wellner an der Domorgel im folgenden „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr“ (Johann Ludwig Krebs) erst ganz sanft, dann mit Wucht durchbrochen wurde.Unter dem Motto „Liebe und Leidenschaft in Tango und Jazz“ stand die musikalische Reise in die Gegenwart in der St. Martinikirche. Zur Einstimmung boten der Hansekaufmann und seine Frau dem Volk von ihrem „selbstgebrauten Liebestrunk“ an. Laura Pohl übernahm das Vorspiel mit Astor Piazzollas „Oblivion“. Was dann folgte, war ein „Jazz-Gottesdienst“, der seinen Namen wirklich verdiente. Allein die Predigt von Peter Nitsch, Pfarrer im Entsendungsdienst, war Jazz pur - unkonventionell, modern, frisch, ein bisschen schräg und nach allen Regeln der Kunst inszeniert.Auf der Straße eingefangene O-Töne zum Thema „Liebe“ erklangen zusammen mit Jazzmusik als ausgefallene Modern-Jazz-Komposition. Poetische Geschichten rankten sich um das „Warten auf das Blau des Himmels“. Von den „Blue Notes der Bibel“ war die Rede und davon, wie aus dem Abend der Morgen wurde und aus Schwarz Blau - die Blue Note, „der Ton, der dich aus der Reihe tanzen lässt“. Zwischendurch erklang Bob Chilcotts „A little Jazz Mass“ mit dem Frauenchor der Evangelischen Kantorei Minden und Ulf Wellner am Klavier, zum Abschluss Piazzollas „Los pajaros perdidos“ mit Pohl.„Was bleibt, ist die Liebe“ war die Zeitreise durch drei Kirchen überschrieben. Ein unvergesslicher Eindruck bleibt bei allen, die dabei waren, gewiss auch. Laura Pohls Reaktion: „Das war ja wohl großartig!“. Die Zuhörer dankten insbesondere ihr mit stehenden Ovationen.

Von der Hochromantik zum Jazz-Gottesdienst

Laura Pohl nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Zeit: Ein musikalischer Exkurs zum Thema „Liebe“. © Foto: Kerstin Rickert

Minden (kr). Sie war als musikalische Zeitreise angekündigt, bot aber einiges mehr: Rund um das Thema „Liebe“ drehte sich am Sonntag ein außergewöhnliches Konzertformat, das die Minden Marketing zusammen mit den drei Mindener Kirchengemeinden St. Marien, Dom und St. Martini veranstaltete. Drei Stunden, drei Kirchen, Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Wer sich vom Anfang bis zum Ende mitnehmen ließ, dem dürfte die Wahl für einen persönlichen Höhepunkt schwer gefallen sein: Nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch im Hinblick darauf, wie unterschiedlich und auch erfrischend anders Kirchen zum Erlebnis werden können.

Die Sopranistin Laura Pohl gab der musikalischen Zeitreise ihre Stimme. Dass diese nicht chronologisch erfolgte, war mit Bedacht und Rücksicht auf die Möglichkeiten jeder Kirche gewählt worden. Dank eines in der St. Marienkirche vorhandenen Flügels war die Entscheidung hier auf einen nachmittäglichen Liederabend mit Werken von der Klassik bis zur Spätromantik gefallen. Begleitet von Tim Ovens nahm die Sängerin ihr Publikum mit zu „heiteren Blümchengeschichten“, wie sie die Goethe-Vertonungen „Veilchen“ von Wolfgang Amadeus Mozart und „Heideröslein“ von Franz Schubert kommentierte.

Über Schuberts Werke „Die junge Nonne“ und „Gretchen am Spinnrade“ spannte das Duo einen Bogen zur Hochromantik: Robert Schumanns „Kind im Einschlummern“ stand für die elterliche Liebe zu einem Kind und dessen Urvertrauen, Johannes Brahms für hoffnungslose („Vergebliches Ständchen“) und unvergängliche Liebe („Von ewiger Liebe“). Krönender Abschluss in St. Marien: Laura Pohls hochemotionaler, mit bewegender Stimme vorgetragener Richard Strauss - „Zueignung“ und „Morgen“.

Mit Ralf Schymon als Dudelsack spielender Hansekaufmann „Jobst von Hagen“ ging es weiter zum Dom. Die hinteren Kirchenbänke waren für Liebende reserviert, vorne führten Dompastor Sebastian Schulz und Jürgen Tiemann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, in die Geschichte des Doms und das Programm ein. Gelebte Ökumene war also auch hautnah erfahrbar.

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt folgte und spätestens hier zeigte sich die programmatische Ausrichtung der kleinen Konzertreihe auf die örtlichen Gegebenheiten als perfekte Wahl: Die besondere Akustik des Doms machte aus Laura Pohls Solo-Vortrag in Hildegard von Bingens „Caritas abundat in omnia“ einen mehrstimmigen, schien ihre bezaubernde Stimme hinauf in den Himmel zu tragen, um dann jeden Zuhörer gefangen zu nehmen.

Beeindruckte Stille herrschte bei den sichtlich berührten Besuchern, ein Moment der inneren Einkehr, der von Martinikantor Ulf Wellner an der Domorgel im folgenden „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr“ (Johann Ludwig Krebs) erst ganz sanft, dann mit Wucht durchbrochen wurde.

Unter dem Motto „Liebe und Leidenschaft in Tango und Jazz“ stand die musikalische Reise in die Gegenwart in der St. Martinikirche. Zur Einstimmung boten der Hansekaufmann und seine Frau dem Volk von ihrem „selbstgebrauten Liebestrunk“ an. Laura Pohl übernahm das Vorspiel mit Astor Piazzollas „Oblivion“. Was dann folgte, war ein „Jazz-Gottesdienst“, der seinen Namen wirklich verdiente. Allein die Predigt von Peter Nitsch, Pfarrer im Entsendungsdienst, war Jazz pur - unkonventionell, modern, frisch, ein bisschen schräg und nach allen Regeln der Kunst inszeniert.

Auf der Straße eingefangene O-Töne zum Thema „Liebe“ erklangen zusammen mit Jazzmusik als ausgefallene Modern-Jazz-Komposition. Poetische Geschichten rankten sich um das „Warten auf das Blau des Himmels“. Von den „Blue Notes der Bibel“ war die Rede und davon, wie aus dem Abend der Morgen wurde und aus Schwarz Blau - die Blue Note, „der Ton, der dich aus der Reihe tanzen lässt“. Zwischendurch erklang Bob Chilcotts „A little Jazz Mass“ mit dem Frauenchor der Evangelischen Kantorei Minden und Ulf Wellner am Klavier, zum Abschluss Piazzollas „Los pajaros perdidos“ mit Pohl.

„Was bleibt, ist die Liebe“ war die Zeitreise durch drei Kirchen überschrieben. Ein unvergesslicher Eindruck bleibt bei allen, die dabei waren, gewiss auch. Laura Pohls Reaktion: „Das war ja wohl großartig!“. Die Zuhörer dankten insbesondere ihr mit stehenden Ovationen.

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