Von der Geschichte ignoriert: Lichtspiel am Preußenmuseum erzählt das Leben der Komponistin Fanny Hensel Ursula Koch Minden. Lange bevor die Ausstellung „Jüdisch? Preußisch? Oder was?“ im LWL-Preußenmuseum eröffnet wird, startet das Begleitprogramm zur Ausstellung. Den Startpunkt setzt das musikalische Lichtspiel „Ich bin Fanny“, das am 5. September ab 21 Uhr auf der Fassade am Simeonsplatz zu sehen sein wird. Gestaltet wurde es inhaltlich von Museumsleiterin Dr. Sylvia Necker und Nina Pape, Ausstellungsmanagerin. Oliver Roth illustriert den Text mit Bildern und Lichtinszenierungen. Fanny Hensel (1805-1847) ist die ältere Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Sie war selber Komponistin, erhielt die gleiche Ausbildung, wie ihr Bruder, doch gestattete ihr Vater nicht, dass sie ihr Talent zu ihrem Beruf machte. „Fanny steht exemplarisch für die jüdische Emanzipation im 18. und 19. Jahrhundert“, begründet Necker die Auswahl. Die jüdische Familie habe ihre Kinder christlich taufen lassen, um ihnen den Aufstieg in der Gesellschaft zu ermöglichen. „Fanny hat genauso viel und genauso innovativ komponiert wie ihr Bruder, trotzdem wird sie bis heute in der Musikgeschichte weniger wahrgenommen“, sagt Necker. Beide erhielten Klavierunterricht von der Mutter, die aus einer Musikerinnenfamilie stammte, und einem weiteren Lehrer sowie Kompositionsunterricht bei Carl Friedrich Zelter. Beide studierten in Paris bei der Pianistin Marie Bigot, beide traten in die Sing-Akademie Berlin ein. Ab 1823 gestalteten die Geschwister die Sonntagsmusiken auf dem Anwesen der Familie. Sie führten vor häufig 300 Gästen Werke zeitgenössischer Komponisten und eigene Stücke auf. Als der Bruder 1831 zu einer zweijährigen Bildungsreise startete, übernahm Fanny die künstlerische Leitung der Sonntagsmusiken. Sie heiratete 1829 den Hofmaler Wilhelm Hensel, der ihre künstlerische Tätigkeit unterstützte. Trotzdem wurden die meisten ihrer Werke erst nach ihrem frühen Tod veröffentlicht. „Wir lassen Fanny selber sprechen“, sagt Necker. Dafür hat sie gemeinsam mit Pape Briefe und Dokumente ausgewählt, die von einer Schauspielerin gesprochen wurden. Dazu werden Einspielungen von Fanny Hensels Kompositionen zu hören sein. Anders als im Programmheft angekündigt, beginnt das musikalische Lichtspiel erst um 21 Uhr, weil es erst dann ausreichend dunkel sei. Die Lichtinszenierung ist ein Beitrag zum „Europäischen Tag der jüdischen Kultur“, der vom Landschaftsverband Rheinland zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ organisiert wird. Der beginnt in Minden um 11 Uhr mit einem Vortrag von Dr. Sylvia Necker über „Synagogen in Minden und im Umland“ im Ständersaal des Preußenmuseum. Philipp Koch, Leiter des Mindener Museums, bietet um 12.30 Uhr einen historischen Spaziergang zu „Jüdisches Leben in Minden“ an. In der Alten Synagoge Petershagen informiert um 14 Uhr ein Online-Rundgang über „Jüdisches Leben in Westfalen“. Um 17 Uhr hält die Historikerin Anna Martin im Alten Amtsgericht einen Vortrag über „Jüdische Friedhöfe in Petershagen“ und von 11 Uhr bis 16.45 Uhr präsentieren LWL-Archäologie und die AG Alte Synagoge Forschungsergebnisse zu Ausgrabungen in westfälischen Synagogen.

Von der Geschichte ignoriert: Lichtspiel am Preußenmuseum erzählt das Leben der Komponistin Fanny Hensel

Minden. Lange bevor die Ausstellung „Jüdisch? Preußisch? Oder was?“ im LWL-Preußenmuseum eröffnet wird, startet das Begleitprogramm zur Ausstellung. Den Startpunkt setzt das musikalische Lichtspiel „Ich bin Fanny“, das am 5. September ab 21 Uhr auf der Fassade am Simeonsplatz zu sehen sein wird. Gestaltet wurde es inhaltlich von Museumsleiterin Dr. Sylvia Necker und Nina Pape, Ausstellungsmanagerin. Oliver Roth illustriert den Text mit Bildern und Lichtinszenierungen.

Die Komponistin Fanny Hensel, wie sie 1842 von Moritz Daniel Oppenheim porträtiert wurde.

Foto: Preußenmuseum - © Preußenmuseum
Die Komponistin Fanny Hensel, wie sie 1842 von Moritz Daniel Oppenheim porträtiert wurde.
Foto: Preußenmuseum - © Preußenmuseum

Fanny Hensel (1805-1847) ist die ältere Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Sie war selber Komponistin, erhielt die gleiche Ausbildung, wie ihr Bruder, doch gestattete ihr Vater nicht, dass sie ihr Talent zu ihrem Beruf machte. „Fanny steht exemplarisch für die jüdische Emanzipation im 18. und 19. Jahrhundert“, begründet Necker die Auswahl. Die jüdische Familie habe ihre Kinder christlich taufen lassen, um ihnen den Aufstieg in der Gesellschaft zu ermöglichen.

„Fanny hat genauso viel und genauso innovativ komponiert wie ihr Bruder, trotzdem wird sie bis heute in der Musikgeschichte weniger wahrgenommen“, sagt Necker. Beide erhielten Klavierunterricht von der Mutter, die aus einer Musikerinnenfamilie stammte, und einem weiteren Lehrer sowie Kompositionsunterricht bei Carl Friedrich Zelter. Beide studierten in Paris bei der Pianistin Marie Bigot, beide traten in die Sing-Akademie Berlin ein.


Ab 1823 gestalteten die Geschwister die Sonntagsmusiken auf dem Anwesen der Familie. Sie führten vor häufig 300 Gästen Werke zeitgenössischer Komponisten und eigene Stücke auf. Als der Bruder 1831 zu einer zweijährigen Bildungsreise startete, übernahm Fanny die künstlerische Leitung der Sonntagsmusiken. Sie heiratete 1829 den Hofmaler Wilhelm Hensel, der ihre künstlerische Tätigkeit unterstützte. Trotzdem wurden die meisten ihrer Werke erst nach ihrem frühen Tod veröffentlicht.

„Wir lassen Fanny selber sprechen“, sagt Necker. Dafür hat sie gemeinsam mit Pape Briefe und Dokumente ausgewählt, die von einer Schauspielerin gesprochen wurden. Dazu werden Einspielungen von Fanny Hensels Kompositionen zu hören sein. Anders als im Programmheft angekündigt, beginnt das musikalische Lichtspiel erst um 21 Uhr, weil es erst dann ausreichend dunkel sei.

Die Lichtinszenierung ist ein Beitrag zum „Europäischen Tag der jüdischen Kultur“, der vom Landschaftsverband Rheinland zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ organisiert wird. Der beginnt in Minden um 11 Uhr mit einem Vortrag von Dr. Sylvia Necker über „Synagogen in Minden und im Umland“ im Ständersaal des Preußenmuseum. Philipp Koch, Leiter des Mindener Museums, bietet um 12.30 Uhr einen historischen Spaziergang zu „Jüdisches Leben in Minden“ an.

In der Alten Synagoge Petershagen informiert um 14 Uhr ein Online-Rundgang über „Jüdisches Leben in Westfalen“. Um 17 Uhr hält die Historikerin Anna Martin im Alten Amtsgericht einen Vortrag über „Jüdische Friedhöfe in Petershagen“ und von 11 Uhr bis 16.45 Uhr präsentieren LWL-Archäologie und die AG Alte Synagoge Forschungsergebnisse zu Ausgrabungen in westfälischen Synagogen.

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