Von Laschet übers Impfen bis hin zum Pflegenotstand: "Storno" bietet Kabarett vom Feinsten Ursula Koch Minden. Mit einer geballten Portion guter Laune ist am Wochenende die Veranstaltungsreihe „Kultur im Hof“ zu Ende gegangen. Dr. Jörg Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing, zieht eine positive Bilanz: „Wir hatten viele ausverkaufte Veranstaltungen, wenig Ausfälle.“ Einzig das Kindermusical „Griffelknopf“ erregte erst Interesse, als auf Eintritt verzichtet wurde. Regen hat die Veranstaltungen weitgehend verschont. Nach dem musikalischen Auftakt Mitte Juni stand das Abschlusswochenende im Zeichen der Satire. Das Trio „Storno“ aus dem Münsterland machte am Freitagabend den Auftakt, die zwei ausverkauften Auftritte von Dietmar Wischmeyer am Samstag (hier das MT-Interview im Vorfeld) setzten den Schlusspunkt. Wer hätte gedacht, dass man noch mitten in der Pandemie schon so herzlich über Corona lachen kann? Thomas Philipzen, Jochen Rüther und Harald Funke steigen allerdings hoch aktuell in ihr Programm ein: Sie freuen sich über den blauen Himmel: „Ist das noch Wetter oder schon Klima?“ Und schon sind sie bei Hitzesommern und der aktuellen Flutkatastrophe in der Eifel. „Mutter Natur ist in die Wechseljahre gekommen.“ Und über die Goldmedaille für die Kanutin aus Ahrweiler sind sie dann auch schon bei der Fitnesswelle, die mit dem Homeoffice das Land ergriffen hat. „Der Deutsche hat ,gelivingroomwalkt’.“ Es sind grandiose Wortschöpfungen, mit denen das Trio die rund 180 Zuhörerinnen und Zuhörer zum Lachen bringt. Die drei Herren sind nicht nur ausgesprochen wortgewandt, sondern obendrein sehr musikalisch. So wie die „lascheteske“ Interpretation der Ministerpräsidentenkonferenz als Flamenco „Hüh – hott“. Die Beschreibung bringt es auf den Punkt. Auch die Frage, was passiert, wenn eine Geimpfte mit einem Genesenen ein Kind zeugt, gilt es genauer zu bedenken. Die Impfdebatte kleiden sie in ein gesungenes Gebet „Hör mein Gebet, lieber Gott, gib mir ’nen Impftermin“, betet Funke. Als Philipzen einwendet, alles kein Problem mehr, er könne direkt von der Bühne ins Impfzentrum, da ändert Funke seine Meinung. Dann wartet er noch ein bisschen. „Ist keiner neidisch, ist impfen halb so schön.“ Das Argument, dass er ungeimpft nicht ins Konzert darf, kann Funke nicht umstimmen. Erst der Hinweis auf den Puff zieht. Treffsicher ist auch der Vorschlag, das Daktari-Konzept beim Impfen anzuwenden. Das Daktari-Konzept ist der Schuss mit Betäubungsmittel. Die Herren meinen, da könne man doch wunderbar die Kompetenzen der Bundeswehr einbeziehen. Der Vorschlag also: Die Biergärten öffnen und darüber die Bundeswehr mit ihren G-36 positionieren. Nahtlos mischen die Herren aktuelles politisches Geschehen in ihr Programm. Den Wirecard-Skandal erklären sie im Stil der „Sendung mit der Maus“. Und auch den Veranstaltungsort beziehen sie geschickt mit ein, als es um den Notstand in der Pflege geht. Denn die Neue Regierung soll ja in Seniorenwohnungen umgebaut werden. Die ersten beiden Zuschauerreihen erklärt Philipzen zu Pflegern, den Rest zu Pflegefällen, um das aktuelle Verhältnis zu simulieren. Weil das unrentabel ist, schrumpft die Zahl der Pflegenden drastisch zusammen. Das ist erschreckend anschaulich. Der Plan allerdings, das Publikum mit der Tragödie „Medea im Homeoffice“ zur Katharsis zu führen, misslingt gründlich, weil sich die „Gurkentruppe“ darin ein wenig verheddert, aber dabei selbst so viel Spaß hat, dass das Publikum nach einer Zugabe verlangt.

Von Laschet übers Impfen bis hin zum Pflegenotstand: "Storno" bietet Kabarett vom Feinsten

Das Kabarett-Trio „Storno“ – Thomas Philipzen, Jochen Rüther und Harald Funke (von links) – interpretiert die Ministerpräsidenten-Konferenz als Flamenco „Hüh – hott“. MT-Foto: Ursula Koch © Ursula koch

Minden. Mit einer geballten Portion guter Laune ist am Wochenende die Veranstaltungsreihe „Kultur im Hof“ zu Ende gegangen. Dr. Jörg Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing, zieht eine positive Bilanz: „Wir hatten viele ausverkaufte Veranstaltungen, wenig Ausfälle.“ Einzig das Kindermusical „Griffelknopf“ erregte erst Interesse, als auf Eintritt verzichtet wurde. Regen hat die Veranstaltungen weitgehend verschont. Nach dem musikalischen Auftakt Mitte Juni stand das Abschlusswochenende im Zeichen der Satire. Das Trio „Storno“ aus dem Münsterland machte am Freitagabend den Auftakt, die zwei ausverkauften Auftritte von Dietmar Wischmeyer am Samstag (hier das MT-Interview im Vorfeld) setzten den Schlusspunkt.

Wer hätte gedacht, dass man noch mitten in der Pandemie schon so herzlich über Corona lachen kann? Thomas Philipzen, Jochen Rüther und Harald Funke steigen allerdings hoch aktuell in ihr Programm ein: Sie freuen sich über den blauen Himmel: „Ist das noch Wetter oder schon Klima?“ Und schon sind sie bei Hitzesommern und der aktuellen Flutkatastrophe in der Eifel. „Mutter Natur ist in die Wechseljahre gekommen.“ Und über die Goldmedaille für die Kanutin aus Ahrweiler sind sie dann auch schon bei der Fitnesswelle, die mit dem Homeoffice das Land ergriffen hat. „Der Deutsche hat ,gelivingroomwalkt’.“ Es sind grandiose Wortschöpfungen, mit denen das Trio die rund 180 Zuhörerinnen und Zuhörer zum Lachen bringt. Die drei Herren sind nicht nur ausgesprochen wortgewandt, sondern obendrein sehr musikalisch. So wie die „lascheteske“ Interpretation der Ministerpräsidentenkonferenz als Flamenco „Hüh – hott“. Die Beschreibung bringt es auf den Punkt.

Auch die Frage, was passiert, wenn eine Geimpfte mit einem Genesenen ein Kind zeugt, gilt es genauer zu bedenken. Die Impfdebatte kleiden sie in ein gesungenes Gebet „Hör mein Gebet, lieber Gott, gib mir ’nen Impftermin“, betet Funke. Als Philipzen einwendet, alles kein Problem mehr, er könne direkt von der Bühne ins Impfzentrum, da ändert Funke seine Meinung. Dann wartet er noch ein bisschen. „Ist keiner neidisch, ist impfen halb so schön.“ Das Argument, dass er ungeimpft nicht ins Konzert darf, kann Funke nicht umstimmen. Erst der Hinweis auf den Puff zieht.


Treffsicher ist auch der Vorschlag, das Daktari-Konzept beim Impfen anzuwenden. Das Daktari-Konzept ist der Schuss mit Betäubungsmittel. Die Herren meinen, da könne man doch wunderbar die Kompetenzen der Bundeswehr einbeziehen. Der Vorschlag also: Die Biergärten öffnen und darüber die Bundeswehr mit ihren G-36 positionieren.

Nahtlos mischen die Herren aktuelles politisches Geschehen in ihr Programm. Den Wirecard-Skandal erklären sie im Stil der „Sendung mit der Maus“. Und auch den Veranstaltungsort beziehen sie geschickt mit ein, als es um den Notstand in der Pflege geht. Denn die Neue Regierung soll ja in Seniorenwohnungen umgebaut werden. Die ersten beiden Zuschauerreihen erklärt Philipzen zu Pflegern, den Rest zu Pflegefällen, um das aktuelle Verhältnis zu simulieren. Weil das unrentabel ist, schrumpft die Zahl der Pflegenden drastisch zusammen. Das ist erschreckend anschaulich. Der Plan allerdings, das Publikum mit der Tragödie „Medea im Homeoffice“ zur Katharsis zu führen, misslingt gründlich, weil sich die „Gurkentruppe“ darin ein wenig verheddert, aber dabei selbst so viel Spaß hat, dass das Publikum nach einer Zugabe verlangt.

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