"Verzicht ist das nicht": MT-Redakteur nach zehn Tagen veganer Ernährung Patrick Schwemling Minden. „Verzicht in einer ohnehin entbehrungsreichen Zeit – ist das überhaupt denkbar?" Mit diesen Worten umschreiben wir das „Fasten-Experiment" der Redaktion. Seit vergangenem Mittwoch ernähre ich mich deshalb vegan. Heute bricht der elfte Tag an, an dem ich auf tierische Lebensmittel verzichte. Zu meiner Verwunderung muss ich sagen: Von Verzicht kann bisher absolut keine Rede sein. Zum Start des „Experiments" habe ich im sozialen Netzwerk Instagram eine Umfrage gestartet: Halte ich es durch? Die Meinungen waren zwiegespalten, aber zu meiner Verwunderung glaubten doch 51 von 83 Teilnehmern an mich und mein Durchhaltevermögen. Damit hatte ich nicht gerechnet, weil ich mehr Skepsis und Intoleranz erwartet hatte. Das Thema vegane Ernährung habe ich irgendwie noch in den Kinderschuhen gesehen. Wahrscheinlich ist es das auch noch immer – aber trotzdem erreichten mich so viele positive Nachrichten. Wenn du Hilfe brauchst, melde dich bei mir!", „Ich kann dich gern mit Rezepten versorgen.", und viele weitere Tipps und Rückmeldungen schlugen quasi im Minutentakt auf meinem Handy ein. Allein diese Nachrichtenflut vor knapp eineinhalb Wochen hat schon für eine riesengroße Motivation gesorgt, die auch heute noch vorhanden ist. Ganz ehrlich: ich habe mich im Vorfeld nicht viel mit dem Thema beschäftigt, sondern intuitiv dieses Experiment zugesagt. Bestimmte Beweggründe gab es nicht, und vor ein paar Jahren habe ich Veganer selbst noch belächelt. Warum? Das kann ich beim besten Willen nicht sagen – vielleicht weil es nicht der Norm entsprach? So oder so, das war und ist absoluter Quatsch. Auch wenn jetzt erst knapp ein Viertel der Fastenzeit vorüber ist, weiß ich bereits, dass ich auch darüber hinaus weiter Wert auf eine ausgewogene, frische und höchstwahrscheinlich auch zum großen Teil tierfreie Ernährung legen werde. Vielleicht koche ich mir ab und zu mal wieder ein Ei, womöglich werde ich auch nicht „Nein" zu einer Pizza sagen – und auch ein Grillabend mit richtigem Fleisch schließe ich nicht aus. Das alles wird allerdings sehr dosiert geschehen. Doch kehren wir zurück zu meinen ersten veganen Erfahrungen. Bevor der Startschuss am Aschermittwoch fiel, musste erst einmal eingekauft werden. Meine Freundin und ich haben im Vorfeld eine Liste mit veganen Rezepten gemacht. Darauf landeten Dinge, die wir sowieso schon gegessen haben wie eine Kartoffelsuppe, Gemüse-Curry, Ofengemüse und ähnliche Gerichte. Dazu riet uns auch die Mindener Ernährungswissenschaftlerin Marleen Friedrichs, die sich seit vielen Jahren vegan ernährt und den Koch- und Ernährungsblog „Grüner Zucker" betreibt: „Möchte man sich ausgewogen und vollwertig ernähren, schlage ich zu Beginn Gerichte vor, die quasi schon immer ,versteckt’ vegan waren." Mit einer Einkaufsliste voller Gemüse und einiger Vorfreude ging es dann los – und wurde zum wohl längsten Aufenthalt in einem Supermarkt unseres Lebens. Aus mehreren Gründen waren wir fast zwei Stunden lang unterwegs. Zugegeben: das lag mehr an mir als an meiner Freundin. Ich habe nämlich die App „Codecheck" heruntergeladen, die anhand des Barcodes prüft, ob es sich um vegane Lebensmittel handelt. Das empfand ich als so praktisch, dass ich auch Lebensmittel überprüft habe, die offensichtlich vegan waren, aber nicht das passende Label auf der Verpackung besaßen. Aber es war spannend – oder wussten Sie, dass Oreo-Kekse, Capri-Eis, viele Sorten Chips und Weingummi allesamt vegan sind? Ich nicht, und kaufte deutlich mehr Süßigkeiten als normalerweise. Bier, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut ist, fällt übrigens auch in die Kategorie vegan. Gut zu wissen, oder? Abgesehen davon haben wir inzwischen auch die ersten Ersatzprodukte wie vegane Wurst und veganen Käse getestet, ebenso Sojaschnetzel anstatt Hackfleisch sowie etliche Streichcremes und ziemlich viel Bulgursalat. Nicht alles hat uns geschmeckt, aber es gab auch noch keinen Moment, an dem wir dachten: „Uns fehlt etwas." Und das ist bisher die erstaunlichste Erkenntnis dieses Experiments. Gerade bei den Hauptgerichten haben wir keine Probleme, die Umstellung bei den Snacks und Mahlzeiten drumherum ist da etwas schwieriger. Früher aß ich zwischendurch oft Joghurt, es gab zum Frühstück Ei und auch viel Käse. Das geht nun nicht mehr. Allerdings gibt auch Marleen Friedrichs zu bedenken: „Die Rahmenbedingungen sind sehr ,luxuriös’ geworden. Mittlerweile gibt es in jedem Supermarkt die verschiedensten Ersatzprodukte." Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram anEin Beitrag geteilt von Marleen Friedrichs (@gruenerzucker) Ob ich weiterhin so optimistisch bin oder einen Fleisch-Rückfall erleide, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Sie werden es als Erstes erfahren!

"Verzicht ist das nicht": MT-Redakteur nach zehn Tagen veganer Ernährung

Vegane Streichcremes, Margarine ohne Palmöl, ein paar Ersatzprodukte, Bulgursalat und mehr Gemüse als noch zuvor füllen seit zehn Tagen den Kühlschrank des MT-Redakteurs. MT-Foto: © Patrick Schwemling

Minden. „Verzicht in einer ohnehin entbehrungsreichen Zeit – ist das überhaupt denkbar?" Mit diesen Worten umschreiben wir das „Fasten-Experiment" der Redaktion. Seit vergangenem Mittwoch ernähre ich mich deshalb vegan. Heute bricht der elfte Tag an, an dem ich auf tierische Lebensmittel verzichte. Zu meiner Verwunderung muss ich sagen: Von Verzicht kann bisher absolut keine Rede sein.

Zum Start des „Experiments" habe ich im sozialen Netzwerk Instagram eine Umfrage gestartet: Halte ich es durch? Die Meinungen waren zwiegespalten, aber zu meiner Verwunderung glaubten doch 51 von 83 Teilnehmern an mich und mein Durchhaltevermögen. Damit hatte ich nicht gerechnet, weil ich mehr Skepsis und Intoleranz erwartet hatte. Das Thema vegane Ernährung habe ich irgendwie noch in den Kinderschuhen gesehen. Wahrscheinlich ist es das auch noch immer – aber trotzdem erreichten mich so viele positive Nachrichten.

Überraschendes Ergebnis: Meine Freunde und Bekannte im sozialen Netzwerk Instagram glauben, dass ich die gesamte Fastenzeit ohne Ausrutscher überstehe. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling
Überraschendes Ergebnis: Meine Freunde und Bekannte im sozialen Netzwerk Instagram glauben, dass ich die gesamte Fastenzeit ohne Ausrutscher überstehe. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling

Wenn du Hilfe brauchst, melde dich bei mir!", „Ich kann dich gern mit Rezepten versorgen.", und viele weitere Tipps und Rückmeldungen schlugen quasi im Minutentakt auf meinem Handy ein. Allein diese Nachrichtenflut vor knapp eineinhalb Wochen hat schon für eine riesengroße Motivation gesorgt, die auch heute noch vorhanden ist.

Ganz ehrlich: ich habe mich im Vorfeld nicht viel mit dem Thema beschäftigt, sondern intuitiv dieses Experiment zugesagt. Bestimmte Beweggründe gab es nicht, und vor ein paar Jahren habe ich Veganer selbst noch belächelt. Warum? Das kann ich beim besten Willen nicht sagen – vielleicht weil es nicht der Norm entsprach?

So oder so, das war und ist absoluter Quatsch. Auch wenn jetzt erst knapp ein Viertel der Fastenzeit vorüber ist, weiß ich bereits, dass ich auch darüber hinaus weiter Wert auf eine ausgewogene, frische und höchstwahrscheinlich auch zum großen Teil tierfreie Ernährung legen werde.

Vielleicht koche ich mir ab und zu mal wieder ein Ei, womöglich werde ich auch nicht „Nein" zu einer Pizza sagen – und auch ein Grillabend mit richtigem Fleisch schließe ich nicht aus. Das alles wird allerdings sehr dosiert geschehen. Doch kehren wir zurück zu meinen ersten veganen Erfahrungen.

Bevor der Startschuss am Aschermittwoch fiel, musste erst einmal eingekauft werden. Meine Freundin und ich haben im Vorfeld eine Liste mit veganen Rezepten gemacht. Darauf landeten Dinge, die wir sowieso schon gegessen haben wie eine Kartoffelsuppe, Gemüse-Curry, Ofengemüse und ähnliche Gerichte.

Der Start in die vegane Ernährungswelt war diese Kartoffelsuppe. Die gab es vorher auch schon - allerdings mit Mettenden. Der Verzicht darauf stellte aber keine große Umstellung dar. MT-Foto: - © Patrick Schwemling
Der Start in die vegane Ernährungswelt war diese Kartoffelsuppe. Die gab es vorher auch schon - allerdings mit Mettenden. Der Verzicht darauf stellte aber keine große Umstellung dar. MT-Foto: - © Patrick Schwemling

Dazu riet uns auch die Mindener Ernährungswissenschaftlerin Marleen Friedrichs, die sich seit vielen Jahren vegan ernährt und den Koch- und Ernährungsblog „Grüner Zucker" betreibt: „Möchte man sich ausgewogen und vollwertig ernähren, schlage ich zu Beginn Gerichte vor, die quasi schon immer ,versteckt’ vegan waren."

Mit einer Einkaufsliste voller Gemüse und einiger Vorfreude ging es dann los – und wurde zum wohl längsten Aufenthalt in einem Supermarkt unseres Lebens. Aus mehreren Gründen waren wir fast zwei Stunden lang unterwegs. Zugegeben: das lag mehr an mir als an meiner Freundin. Ich habe nämlich die App „Codecheck" heruntergeladen, die anhand des Barcodes prüft, ob es sich um vegane Lebensmittel handelt. Das empfand ich als so praktisch, dass ich auch Lebensmittel überprüft habe, die offensichtlich vegan waren, aber nicht das passende Label auf der Verpackung besaßen.

Aber es war spannend – oder wussten Sie, dass Oreo-Kekse, Capri-Eis, viele Sorten Chips und Weingummi allesamt vegan sind? Ich nicht, und kaufte deutlich mehr Süßigkeiten als normalerweise. Bier, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut ist, fällt übrigens auch in die Kategorie vegan. Gut zu wissen, oder?

Cashews, Weingummi und auch Chips und Oreo-Kekse sind vegan. Braucht man eigentlich nicht, esse ich aber trotzdem gerne: vegane Protein-Riegel. Trotz des Verzichts auf Fleisch führt man seinem Körper nämlich genug Eiweiß zu, wie Ernährungswissenschaftlerin Marleen Friedrichs mir erklärt hat. MT-Foto: - © Patrick Schwemling
Cashews, Weingummi und auch Chips und Oreo-Kekse sind vegan. Braucht man eigentlich nicht, esse ich aber trotzdem gerne: vegane Protein-Riegel. Trotz des Verzichts auf Fleisch führt man seinem Körper nämlich genug Eiweiß zu, wie Ernährungswissenschaftlerin Marleen Friedrichs mir erklärt hat. MT-Foto: - © Patrick Schwemling

Abgesehen davon haben wir inzwischen auch die ersten Ersatzprodukte wie vegane Wurst und veganen Käse getestet, ebenso Sojaschnetzel anstatt Hackfleisch sowie etliche Streichcremes und ziemlich viel Bulgursalat. Nicht alles hat uns geschmeckt, aber es gab auch noch keinen Moment, an dem wir dachten: „Uns fehlt etwas." Und das ist bisher die erstaunlichste Erkenntnis dieses Experiments.

Gerade bei den Hauptgerichten haben wir keine Probleme, die Umstellung bei den Snacks und Mahlzeiten drumherum ist da etwas schwieriger. Früher aß ich zwischendurch oft Joghurt, es gab zum Frühstück Ei und auch viel Käse. Das geht nun nicht mehr. Allerdings gibt auch Marleen Friedrichs zu bedenken: „Die Rahmenbedingungen sind sehr ,luxuriös’ geworden. Mittlerweile gibt es in jedem Supermarkt die verschiedensten Ersatzprodukte."

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Ob ich weiterhin so optimistisch bin oder einen Fleisch-Rückfall erleide, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Sie werden es als Erstes erfahren!

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