Verzerrte Zahlen: Deswegen ist der Inzidenzwert im Kreis Minden-Lübbecke oft zu niedrig Malina Reckordt Minden. Die täglichen Corona-Zahlen sind mitunter verwirrend. Wer die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz beobachtet, wird bemerken, dass sich der Wert des Landeszentrums Gesundheit (LZG) Nordrhein-Westfalen von dem Wert, den man anhand der Zahlen vom Kreis errechnen kann, unterscheidet. Der Grund dafür liegt im Meldesystem. So erfasst das Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke alle Fälle, die an einem Tag zwischen 0 und 24 Uhr registriert worden sind und meldet diese Fälle am nächsten Tag bis 9 Uhr an das LZG. Das LZG aktualisiert die Übersicht jeweils um 0 Uhr. Alle positiven Fälle, die an einem Tag im Kreisgebiet registriert werden, gehen also am darauffolgenden Tag an das LZG und fließen dann wiederum einen Tag später (ab 0 Uhr) in die Zahlen des LZGs mit ein. Ein Beispiel: Innerhalb des 26. Oktobers sind 33 positive Testergebnisse beim Gesundheitsamt eingegangen. Am 27. Oktober meldet das Gesundheitsamt bis 9 Uhr diese 33 Fälle an das LZG. In dessen Statistik sind die 33 Fälle ab dem 28. Oktober, 0 Uhr, zu finden – mit dem Meldedatum 26. Oktober, weil die Fälle an diesem Tag registriert worden sind. Das LZG aktualisiert um Mitternacht auch die Sieben-Tage-Inzidenz. Wie im Beispiel beschrieben, liegen also am 28. Oktober um 0 Uhr die Zahlen für den 27. Oktober noch nicht vor. Wenn das LZG also am 28. Oktober um 0 Uhr die Sieben-Tage-Inzidenz aktualisiert, fehlt in der Berechnung der Wert für den 27. Oktober und es wird mit einer Null gerechnet. So ergibt sich ein verzerrter und vor allem zu niedriger Wert, da faktisch nur sechs Meldungen in die Berechnung einfließen. „Im Regelfall tagen wir um 9 Uhr, dann sind die Zahlen an das LZG gerade raus", erklärt Gesundheitsdezernent Hans-JoergDeichholz. Anschließend würden diese Zahlen in der Pressestelle bearbeitet und bei einem Infektionsgeschehen in einer Schule oder Pflegeheim würde zusätzlichen Informationen recherchiert. Daher verschicke der Kreis zu verschiedenen Tageszeiten die Pressemitteilungen. Beim LZG werden täglich bis 19 Uhr Zahlen von den verschiedenen Gesundheitsämtern angenommen. Da einige Landkreise ihre Zahlen bereits am selben Tag melden, ergibt sich für diese Landkreise auch ein aussagekräftigere Inzidenz. Wenn in solchen Landkreisen nach 19 Uhr positive Testergebnisse eingehen, werden diese am folgenden Tag gemeldet. Im Kreis Minden-Lübbecke ist das allerdings nicht so. „Wir melden die Zahlen nicht am laufenden Tag, sondern jeweils am nächsten Morgen", so Deichholz. So geht es nicht Ein Kommentar von Patrick Schwemling Aktuell ist es vor allem eine Frage, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, von Tag zu Tag entscheidender wird: welchen Wert hat die 7-Tages-Inzidenz? Nicht nur im Kreis Minden-Lübbecke, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen sind damit zum Teil starke Einschränkungen des öffentlichen Lebens verbunden. Einschnitte, die vor der Pandemie nicht einmal erahnt wurden, sind Realität geworden. Und je mehr von der 7-Tages-Inzidenz abhängt, desto genauer muss hingeschaut werden. Das passiert anscheinend nicht. Seit geraumer Zeit präsentiert das Landeszentrum Gesundheit (LZG) in NRW für den Kreis Minden-Lübbecke nämlich faktisch nur eine 6-Tages-Inzidenz. Der eigentlich so wichtige Wert der 7-Tages-Inzidenz wird ad absurdum geführt. Wohl gemerkt: es ist der Wert, der rechtlich verbindlich für alle Einschränkungen ist, und an dem im Zweifel auch Existenzen hängen. Wo der Fehler zu suchen ist, ist dabei unerheblich. Vielmehr muss doch klar geregelt sein, dass die Zahlen landesweit zeitgleich gemeldet werden. Das ist anscheinend nicht der Fall. Man findet einen Flickenteppich mit 6- und 7-Tages-Inzidenzen vor. Es wird keine Realität abgebildet. Die Verunsicherung in der Bevölkerung steigt weiter an. So geht es nicht – und so darf es auch nicht weitergehen.

Verzerrte Zahlen: Deswegen ist der Inzidenzwert im Kreis Minden-Lübbecke oft zu niedrig

Symbolfoto: Alex Lehn

Minden. Die täglichen Corona-Zahlen sind mitunter verwirrend. Wer die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz beobachtet, wird bemerken, dass sich der Wert des Landeszentrums Gesundheit (LZG) Nordrhein-Westfalen von dem Wert, den man anhand der Zahlen vom Kreis errechnen kann, unterscheidet. Der Grund dafür liegt im Meldesystem.

So erfasst das Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke alle Fälle, die an einem Tag zwischen 0 und 24 Uhr registriert worden sind und meldet diese Fälle am nächsten Tag bis 9 Uhr an das LZG. Das LZG aktualisiert die Übersicht jeweils um 0 Uhr. Alle positiven Fälle, die an einem Tag im Kreisgebiet registriert werden, gehen also am darauffolgenden Tag an das LZG und fließen dann wiederum einen Tag später (ab 0 Uhr) in die Zahlen des LZGs mit ein.

Ein Beispiel: Innerhalb des 26. Oktobers sind 33 positive Testergebnisse beim Gesundheitsamt eingegangen. Am 27. Oktober meldet das Gesundheitsamt bis 9 Uhr diese 33 Fälle an das LZG. In dessen Statistik sind die 33 Fälle ab dem 28. Oktober, 0 Uhr, zu finden – mit dem Meldedatum 26. Oktober, weil die Fälle an diesem Tag registriert worden sind.

Das LZG aktualisiert um Mitternacht auch die Sieben-Tage-Inzidenz. Wie im Beispiel beschrieben, liegen also am 28. Oktober um 0 Uhr die Zahlen für den 27. Oktober noch nicht vor. Wenn das LZG also am 28. Oktober um 0 Uhr die Sieben-Tage-Inzidenz aktualisiert, fehlt in der Berechnung der Wert für den 27. Oktober und es wird mit einer Null gerechnet. So ergibt sich ein verzerrter und vor allem zu niedriger Wert, da faktisch nur sechs Meldungen in die Berechnung einfließen.

„Im Regelfall tagen wir um 9 Uhr, dann sind die Zahlen an das LZG gerade raus", erklärt Gesundheitsdezernent Hans-JoergDeichholz. Anschließend würden diese Zahlen in der Pressestelle bearbeitet und bei einem Infektionsgeschehen in einer Schule oder Pflegeheim würde zusätzlichen Informationen recherchiert. Daher verschicke der Kreis zu verschiedenen Tageszeiten die Pressemitteilungen.

Beim LZG werden täglich bis 19 Uhr Zahlen von den verschiedenen Gesundheitsämtern angenommen. Da einige Landkreise ihre Zahlen bereits am selben Tag melden, ergibt sich für diese Landkreise auch ein aussagekräftigere Inzidenz. Wenn in solchen Landkreisen nach 19 Uhr positive Testergebnisse eingehen, werden diese am folgenden Tag gemeldet. Im Kreis Minden-Lübbecke ist das allerdings nicht so. „Wir melden die Zahlen nicht am laufenden Tag, sondern jeweils am nächsten Morgen", so Deichholz.

So geht es nicht

Ein Kommentar von Patrick Schwemling

Aktuell ist es vor allem eine Frage, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, von Tag zu Tag entscheidender wird: welchen Wert hat die 7-Tages-Inzidenz?

Nicht nur im Kreis Minden-Lübbecke, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen sind damit zum Teil starke Einschränkungen des öffentlichen Lebens verbunden. Einschnitte, die vor der Pandemie nicht einmal erahnt wurden, sind Realität geworden. Und je mehr von der 7-Tages-Inzidenz abhängt, desto genauer muss hingeschaut werden. Das passiert anscheinend nicht.

Seit geraumer Zeit präsentiert das Landeszentrum Gesundheit (LZG) in NRW für den Kreis Minden-Lübbecke nämlich faktisch nur eine 6-Tages-Inzidenz. Der eigentlich so wichtige Wert der 7-Tages-Inzidenz wird ad absurdum geführt. Wohl gemerkt: es ist der Wert, der rechtlich verbindlich für alle Einschränkungen ist, und an dem im Zweifel auch Existenzen hängen.

Wo der Fehler zu suchen ist, ist dabei unerheblich. Vielmehr muss doch klar geregelt sein, dass die Zahlen landesweit zeitgleich gemeldet werden. Das ist anscheinend nicht der Fall. Man findet einen Flickenteppich mit 6- und 7-Tages-Inzidenzen vor. Es wird keine Realität abgebildet. Die Verunsicherung in der Bevölkerung steigt weiter an.

So geht es nicht – und so darf es auch nicht weitergehen.

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