Verwaltung statt Pädagogik: Prüfer fordern mehr Dokumentation im Ganztag Monika Jäger Minden. Wenn Bund und Land Geld geben, wollen sie auch wissen, ob das wie vorgesehen verwendet wird. Dieser Nachweis beschäftigt nicht nur die Stadt-Mitarbeitenden, sondern im Fall des Offenen Ganztags (OGT) auch die Träger – das sind große Einrichtungen ebenso wie Elternvereine. Jede Schule hat ein individuelles Betreuungskonzept, das Angebot wird stetig erweitert, und jedes Jahr machen mehr Kinder mit. Doch die Angebote müssten nicht nur gut sein, sondern auch gut abgerechnet werden – so beschrieb es Rainer Printz, Leiter des Schulbüros, im Rechnungsprüfungsausschuss. Er stellte dort den Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt NRW vor, die das Schulbüro nach rund 15 Jahren Ganztagsarbeit nun zum ersten Mal gecheckt hat. Dieser werfe ein sehr positives Bild auf die Arbeit der Verwaltung, sagte Printz: „Sind die Mittel bei den Kindern richtig angekommen? Ja, das sind sie.“ Der Bericht beschreibt zwar deutlich, dass aus Sicht der professionellen Buchhalter lange Zeit nicht alles so detailliert wie behördlich gewünscht abgerechnet wurde. Seit drei Jahren werde das aber nun verbessert – ein Prozess, der hohe Anforderungen an Schulbüro, Rechnungsprüfung und die Träger stelle, so Printz. Inzwischen sprechen die Prüfer von einem „Paradigmenwechsel“. Mit zusätzlichen Formularen und Vordrucken sollen die Träger künftig unterstützt werden. Printz ist überzeugt, dass niemand durch Abrechnungsmodi in seiner Hauptarbeit behindert wird. Stadtverordnete Elke Kehrer (SPD) dazu kritisch: „ Es wäre mit Sicherheit aber auch sinnvoll, abzufragen, wie sich das bei den Trägern in der täglichen Arbeit auswirkt.“ Alle waren sich einig, lieber mehr Zeit für Kinder als für Bürokratie einzusetzen. Aus der Politik wurde angeregt, über Pauschalen nachzudenken. Das würde besonders immer da helfen, wo Lehrerstellen in Geld umgewandelt werden. Diese Möglichkeit nutzen die Anbieter zum einen, weil es nicht immer passendes Personal gibt, zum anderen, weil sie so ein differenzierteres Angebot für die spezifische Schule machen können – etwa um Schwerpunkte mal im Sport, mal im Künstlerischen zu setzen. Printz erinnerte auch daran, dass der Offene Ganztag vor rund 15 Jahren als Provisorium entstanden ist. „Am Anfang waren alle froh, dass jemand überhaupt etwas machte. Oft hieß es bei den Behörden ’macht einfach mal’“, so Ulrich Stadtmann im MT-Gespräch. Der CDU-Stadtverordnete hat von Anfang an das Ganztagsangebot in Elternvereinen mit aufgebaut, zunächst in Hahlen, inzwischen in Dankersen. All das habe sich natürlich inzwischen professionalisiert, aber damit seien auch die Anforderungen an die Dokumentation gestiegen. Da sich Ganztagsangebote aus unterschiedlichen Finanzquellen speisen, ist bisweilen der Aufwand hoch, um für jedes einzelne die Anteile aller einfließenden Förderungen darzustellen. Darum findet auch er, das Land solle in Richtung eines pauschalen Beitrags pro Kind denken. Das alles jeweils in Geldmittelflüsse zu zerlegen, wäre „zu kompliziert und überbürokratisierend“. Das würde auch mehr Möglichkeiten bieten, pädagogisch in eine Richtung weiter zu arbeiten, die in Minden bereits eingeschlagen wurde. So werden hier Mitarbeitende des Offenen Ganztags teilweise auch vormittags mit im Unterricht eingesetzt. Stadtmann: „Da wäre absolut hilfreich, wenn das Land dafür auch zusätzliche Gelder geben würde. Das würde auch den Lernerfolg am Vormittag unterstützen.“ Solche gestiegenen Anforderungen seien beispielsweise auch in die Kooperationsvereinbarungen mit den Trägern aufgenommen worden, berichtete Schulbüroleiter Printz im Ausschuss. Ein zweiter Punkt macht Stadtmann als einem Vertreter der vier kleinen Elterninitiativen Sorgen. Der Prüfbericht moniert, dass einige Vereine eine Satzung hätten, nach der die Betreuung der Kinder von einer Mitgliedschaft abhängig gemacht würde. Das sei rechtlich nicht haltbar. Printz wies darauf hin, dass diese Vereinssatzungen seinerzeit ja beim Amtsgericht so genehmigt wurden – die aktuelle Haltung sei das Ergebnis einer Entwicklung mit inzwischen sehr viel mehr Kindern in der Betreuung. Stadtmann dazu: diese Koppelung gebe es nicht. „Wir haben nie ein Kind ausgeschlossen, wenn Eltern sagen, sie wollten nicht im Verein sein.“ Allerdings biete die Mitgliedschaft allen die Chance, jederzeit mitzureden und beispielsweise bei Problemen eine Vollversammlung einzuberufen. Andersherum könne man ja schlecht von einer „Elterninitiative“ reden, wenn die Eltern gar nicht Mitglied im Verein wären. Darum hält er für wichtig, eine Formulierung zu finden, mit der sich niemand rausgedrängt fühlt. Aus der Politik machte Bildungsausschussvorsitzender Heiko Wesemann (SPD) deutlich, der Offene Ganztag in Minden sei eine Erfolgsgeschichte. Darum müsse auch niemandem vor dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 bange sein.

Verwaltung statt Pädagogik: Prüfer fordern mehr Dokumentation im Ganztag

Sind alle Landesgelder richtig abgerechnet worden? Die Behörde nahm den Offenen Ganztag unter die Lupe. MT-Archivfoto: Alex Lehn © Lehn

Minden. Wenn Bund und Land Geld geben, wollen sie auch wissen, ob das wie vorgesehen verwendet wird. Dieser Nachweis beschäftigt nicht nur die Stadt-Mitarbeitenden, sondern im Fall des Offenen Ganztags (OGT) auch die Träger – das sind große Einrichtungen ebenso wie Elternvereine. Jede Schule hat ein individuelles Betreuungskonzept, das Angebot wird stetig erweitert, und jedes Jahr machen mehr Kinder mit. Doch die Angebote müssten nicht nur gut sein, sondern auch gut abgerechnet werden – so beschrieb es Rainer Printz, Leiter des Schulbüros, im Rechnungsprüfungsausschuss. Er stellte dort den Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt NRW vor, die das Schulbüro nach rund 15 Jahren Ganztagsarbeit nun zum ersten Mal gecheckt hat. Dieser werfe ein sehr positives Bild auf die Arbeit der Verwaltung, sagte Printz: „Sind die Mittel bei den Kindern richtig angekommen? Ja, das sind sie.“

Der Bericht beschreibt zwar deutlich, dass aus Sicht der professionellen Buchhalter lange Zeit nicht alles so detailliert wie behördlich gewünscht abgerechnet wurde. Seit drei Jahren werde das aber nun verbessert – ein Prozess, der hohe Anforderungen an Schulbüro, Rechnungsprüfung und die Träger stelle, so Printz. Inzwischen sprechen die Prüfer von einem „Paradigmenwechsel“. Mit zusätzlichen Formularen und Vordrucken sollen die Träger künftig unterstützt werden. Printz ist überzeugt, dass niemand durch Abrechnungsmodi in seiner Hauptarbeit behindert wird. Stadtverordnete Elke Kehrer (SPD) dazu kritisch: „ Es wäre mit Sicherheit aber auch sinnvoll, abzufragen, wie sich das bei den Trägern in der täglichen Arbeit auswirkt.“ Alle waren sich einig, lieber mehr Zeit für Kinder als für Bürokratie einzusetzen.

Aus der Politik wurde angeregt, über Pauschalen nachzudenken. Das würde besonders immer da helfen, wo Lehrerstellen in Geld umgewandelt werden. Diese Möglichkeit nutzen die Anbieter zum einen, weil es nicht immer passendes Personal gibt, zum anderen, weil sie so ein differenzierteres Angebot für die spezifische Schule machen können – etwa um Schwerpunkte mal im Sport, mal im Künstlerischen zu setzen.


Printz erinnerte auch daran, dass der Offene Ganztag vor rund 15 Jahren als Provisorium entstanden ist. „Am Anfang waren alle froh, dass jemand überhaupt etwas machte. Oft hieß es bei den Behörden ’macht einfach mal’“, so Ulrich Stadtmann im MT-Gespräch. Der CDU-Stadtverordnete hat von Anfang an das Ganztagsangebot in Elternvereinen mit aufgebaut, zunächst in Hahlen, inzwischen in Dankersen. All das habe sich natürlich inzwischen professionalisiert, aber damit seien auch die Anforderungen an die Dokumentation gestiegen.

Da sich Ganztagsangebote aus unterschiedlichen Finanzquellen speisen, ist bisweilen der Aufwand hoch, um für jedes einzelne die Anteile aller einfließenden Förderungen darzustellen. Darum findet auch er, das Land solle in Richtung eines pauschalen Beitrags pro Kind denken. Das alles jeweils in Geldmittelflüsse zu zerlegen, wäre „zu kompliziert und überbürokratisierend“.

Das würde auch mehr Möglichkeiten bieten, pädagogisch in eine Richtung weiter zu arbeiten, die in Minden bereits eingeschlagen wurde. So werden hier Mitarbeitende des Offenen Ganztags teilweise auch vormittags mit im Unterricht eingesetzt. Stadtmann: „Da wäre absolut hilfreich, wenn das Land dafür auch zusätzliche Gelder geben würde. Das würde auch den Lernerfolg am Vormittag unterstützen.“ Solche gestiegenen Anforderungen seien beispielsweise auch in die Kooperationsvereinbarungen mit den Trägern aufgenommen worden, berichtete Schulbüroleiter Printz im Ausschuss.

Ein zweiter Punkt macht Stadtmann als einem Vertreter der vier kleinen Elterninitiativen Sorgen. Der Prüfbericht moniert, dass einige Vereine eine Satzung hätten, nach der die Betreuung der Kinder von einer Mitgliedschaft abhängig gemacht würde. Das sei rechtlich nicht haltbar. Printz wies darauf hin, dass diese Vereinssatzungen seinerzeit ja beim Amtsgericht so genehmigt wurden – die aktuelle Haltung sei das Ergebnis einer Entwicklung mit inzwischen sehr viel mehr Kindern in der Betreuung.

Stadtmann dazu: diese Koppelung gebe es nicht. „Wir haben nie ein Kind ausgeschlossen, wenn Eltern sagen, sie wollten nicht im Verein sein.“ Allerdings biete die Mitgliedschaft allen die Chance, jederzeit mitzureden und beispielsweise bei Problemen eine Vollversammlung einzuberufen. Andersherum könne man ja schlecht von einer „Elterninitiative“ reden, wenn die Eltern gar nicht Mitglied im Verein wären. Darum hält er für wichtig, eine Formulierung zu finden, mit der sich niemand rausgedrängt fühlt.

Aus der Politik machte Bildungsausschussvorsitzender Heiko Wesemann (SPD) deutlich, der Offene Ganztag in Minden sei eine Erfolgsgeschichte. Darum müsse auch niemandem vor dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 bange sein.

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