Verringern statt verwalten: Ein Sozialarbeiter soll die Obdachlosigkeit bekämpfen Vasco Stemmer Minden. Perspektivlosigkeit, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Diebstahl und Gewalt: Im letzten Jahr berichtete das Mindener Tageblatt mehrmals über das Schicksal wohnungsloser Menschen und auch über die Zustände in den städtischen Obdachlosenunterkünften. Jetzt handelt die Stadt. Ein Sozialarbeiter wird sich ab Montag dem Thema Obdachlosigkeit annehmen. Die neu geschaffene Stelle ist mit einem bereits zuvor bei der Stadt Minden beschäftigten Mitarbeiter besetzt. „Dem Bürgermeister ist es ein wichtiges Anliegen, auf diese Situation zu reagieren", erklärt Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden. In letzter Zeit seien in den Gemeinschaftsunterkünften mehrfach Probleme, ausgelöst durch Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch aufgetreten. Deshalb sei die Stelle für einen Streetworker geschaffen worden. Dieser soll den Betroffenen dabei helfen, die Obdachlosigkeit zu überwinden: „Ziel ist es, Wohnungslosigkeit in Minden nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu verringern" Vorrangig sollen wohnungslose Personen in den Gemeinschaftsunterkünften betreut werden. Die Situation dort sei oft besonders schwierig. Deshalb soll der Sozialarbeiter auch bei der Überwindung von Suchtproblemen Unterstützung leisten. Die Betreuung solle auch dann weitergehen, wenn der Sprung aus der Obdachlosigkeit geglückt ist: „Es soll sowohl eine begleitende Fürsorge während der Unterbringung in der Obdachlosenunterkunft erfolgen, als auch eine Fürsorge für die erste Zeit nach der Vermittlung in eine eigene Wohnung." Zunächst aber müsse sich der Sozialarbeiter einen Überblick über die Situation verschaffen und ein konkretes Konzept erstellen. „Nach der Erstellung des Konzeptes soll erst im Verwaltungsvorstand und dann von der Politik entschieden werden, ob die Stelle dauerhaft installiert wird", erklärt Lewerenz. Der Posten ist zunächst auf die Dauer der Konzepterstellung befristet. Wie lang dieser Zeitraum sein werde, sei noch nicht absehbar. Die durch die wiederholte Berichterstattung generierte Aufmerksamkeit für das Thema sei nicht der Grund, weshalb die Stadt ihr Hilfsangebot ausbaut. „Die Stadt Minden beschäftigt sich schon seit längerem mit diesem Thema und deutlich intensiver, seitdem die Obdachlosigkeit wieder gestiegen ist", erklärt Susann Lewerenz. „Wir sehen die Einrichtung einer neuen Sozialarbeiterstelle mit dem Thema Obdach- und Wohnungslosigkeit sehr positiv", erklärt Nicola-Darja von der Ahe-Kruse, Sozialarbeiterin bei der Diakonie Stiftung Salem. Mit dem Rudolf-Winzer-Haus und dem ambulant betreuten Wohnen „Ausblick" ist die Diakonie schon lange in der Wohnungslosenhilfe in Minden aktiv. „Im Austausch mit der Stadt sind auch wir der Meinung, dass die aktive Arbeit in den Gemeinschaftsunterkünften ausgebaut werden muss", berichtet von der Ahe-Kruse. Das sei die einzige Möglichkeit, den steigenden Wohnungslosenzahlen gerecht zu werden. Es müsse zudem ein besonderes Augenmerk auf der Herstellung der Wohnfähigkeit liegen, um den betroffenen sinnvoll helfen zu können. Häufig müssen Menschen, die lange ohne eigene Unterkunft waren, grundlegende Dinge neu erlernen. Aus diesem Grund bietet die Diakonie im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens eine längerfristige Hilfe an, ähnlich wie es die Stadt nun vorsieht. Die Klienten werden vor dem Einzug in die eigenen vier Wände und darüber hinaus betreut. „Nur so kann eine nachhaltige Veränderung bewirkt werden, um für Menschen in schwierigen sozialen Situationen eine tragfähige Lebensperspektive zu entwickeln", erklärt von der Ahe-Kruse. Mit dem Quartiersmanagement der Stadt steht die Diakonie bereits in einem regen Austausch. „Darum hoffen wir auch mit dem Mitarbeiter auf der neu geschaffenen Position des Sozialarbeiters auf eine noch bessere Vernetzung mit der Stadt", berichtet von der Ahe-Kruse. Das gemeinsame Ziel müsse es sein, allen Menschen in sozialer Notlage den benötigten Wohnraum zu bieten. „Wir vom Caritasverband begrüßen ausdrücklich die Entscheidung, Obdachlosigkeit nicht nur zu verwalten, sondern auch ein entsprechendes Casemanagement einzuführen", erklärt Vorsitzende Susanne Leimbach. Besonders die Begleitung von obdachlosen Frauen sei lange überfällig. Die Caritas ist unter anderem mit der „Wärmestube" in der Obdachlosenhilfe aktiv. Bedürftige Menschen bekommen dort täglich eine warme Mahlzeit. „Die obdachlosen Besucherinnen der Wärmestube berichten immer wieder von Übergriffen (Diebstahl, Gewalt) in der Obdachlosenunterkunft. Sie fühlen sich nicht sicher und suchen deshalb oft nach anderen Möglichkeiten, die aber ähnlich unsicher für sie sind", erklärt Susanne Leimbach.

Verringern statt verwalten: Ein Sozialarbeiter soll die Obdachlosigkeit bekämpfen

Ehemals obdachlose Menschen brauchen häufig auch nach dem Einzug in die eigene Wohnung noch Unterstützung. Symbolfoto: Frank Hoermann /Imago Images © imago images/Sven Simon

Minden. Perspektivlosigkeit, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Diebstahl und Gewalt: Im letzten Jahr berichtete das Mindener Tageblatt mehrmals über das Schicksal wohnungsloser Menschen und auch über die Zustände in den städtischen Obdachlosenunterkünften. Jetzt handelt die Stadt. Ein Sozialarbeiter wird sich ab Montag dem Thema Obdachlosigkeit annehmen. Die neu geschaffene Stelle ist mit einem bereits zuvor bei der Stadt Minden beschäftigten Mitarbeiter besetzt.

„Dem Bürgermeister ist es ein wichtiges Anliegen, auf diese Situation zu reagieren", erklärt Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden. In letzter Zeit seien in den Gemeinschaftsunterkünften mehrfach Probleme, ausgelöst durch Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch aufgetreten. Deshalb sei die Stelle für einen Streetworker geschaffen worden. Dieser soll den Betroffenen dabei helfen, die Obdachlosigkeit zu überwinden: „Ziel ist es, Wohnungslosigkeit in Minden nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu verringern"

Vorrangig sollen wohnungslose Personen in den Gemeinschaftsunterkünften betreut werden. Die Situation dort sei oft besonders schwierig. Deshalb soll der Sozialarbeiter auch bei der Überwindung von Suchtproblemen Unterstützung leisten. Die Betreuung solle auch dann weitergehen, wenn der Sprung aus der Obdachlosigkeit geglückt ist: „Es soll sowohl eine begleitende Fürsorge während der Unterbringung in der Obdachlosenunterkunft erfolgen, als auch eine Fürsorge für die erste Zeit nach der Vermittlung in eine eigene Wohnung."

Zunächst aber müsse sich der Sozialarbeiter einen Überblick über die Situation verschaffen und ein konkretes Konzept erstellen. „Nach der Erstellung des Konzeptes soll erst im Verwaltungsvorstand und dann von der Politik entschieden werden, ob die Stelle dauerhaft installiert wird", erklärt Lewerenz. Der Posten ist zunächst auf die Dauer der Konzepterstellung befristet. Wie lang dieser Zeitraum sein werde, sei noch nicht absehbar.

Die durch die wiederholte Berichterstattung generierte Aufmerksamkeit für das Thema sei nicht der Grund, weshalb die Stadt ihr Hilfsangebot ausbaut. „Die Stadt Minden beschäftigt sich schon seit längerem mit diesem Thema und deutlich intensiver, seitdem die Obdachlosigkeit wieder gestiegen ist", erklärt Susann Lewerenz.

„Wir sehen die Einrichtung einer neuen Sozialarbeiterstelle mit dem Thema Obdach- und Wohnungslosigkeit sehr positiv", erklärt Nicola-Darja von der Ahe-Kruse, Sozialarbeiterin bei der Diakonie Stiftung Salem. Mit dem Rudolf-Winzer-Haus und dem ambulant betreuten Wohnen „Ausblick" ist die Diakonie schon lange in der Wohnungslosenhilfe in Minden aktiv. „Im Austausch mit der Stadt sind auch wir der Meinung, dass die aktive Arbeit in den Gemeinschaftsunterkünften ausgebaut werden muss", berichtet von der Ahe-Kruse. Das sei die einzige Möglichkeit, den steigenden Wohnungslosenzahlen gerecht zu werden.

Es müsse zudem ein besonderes Augenmerk auf der Herstellung der Wohnfähigkeit liegen, um den betroffenen sinnvoll helfen zu können. Häufig müssen Menschen, die lange ohne eigene Unterkunft waren, grundlegende Dinge neu erlernen. Aus diesem Grund bietet die Diakonie im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens eine längerfristige Hilfe an, ähnlich wie es die Stadt nun vorsieht. Die Klienten werden vor dem Einzug in die eigenen vier Wände und darüber hinaus betreut. „Nur so kann eine nachhaltige Veränderung bewirkt werden, um für Menschen in schwierigen sozialen Situationen eine tragfähige Lebensperspektive zu entwickeln", erklärt von der Ahe-Kruse.

Mit dem Quartiersmanagement der Stadt steht die Diakonie bereits in einem regen Austausch. „Darum hoffen wir auch mit dem Mitarbeiter auf der neu geschaffenen Position des Sozialarbeiters auf eine noch bessere Vernetzung mit der Stadt", berichtet von der Ahe-Kruse. Das gemeinsame Ziel müsse es sein, allen Menschen in sozialer Notlage den benötigten Wohnraum zu bieten.

„Wir vom Caritasverband begrüßen ausdrücklich die Entscheidung, Obdachlosigkeit nicht nur zu verwalten, sondern auch ein entsprechendes Casemanagement einzuführen", erklärt Vorsitzende Susanne Leimbach. Besonders die Begleitung von obdachlosen Frauen sei lange überfällig. Die Caritas ist unter anderem mit der „Wärmestube" in der Obdachlosenhilfe aktiv. Bedürftige Menschen bekommen dort täglich eine warme Mahlzeit. „Die obdachlosen Besucherinnen der Wärmestube berichten immer wieder von Übergriffen (Diebstahl, Gewalt) in der Obdachlosenunterkunft. Sie fühlen sich nicht sicher und suchen deshalb oft nach anderen Möglichkeiten, die aber ähnlich unsicher für sie sind", erklärt Susanne Leimbach.

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