Verlorene Örtchen: Toiletten-Mangel in Minden kratzt am Image und verschreckt Touristen Monika Jäger,Anja Peper,Jan Lücking Minden. Ein Thema brennt der Mindener Politik in diesem Jahr besonders unter den Nägeln: öffentliche Toiletten. Dabei verkennen Verwaltung und Kritiker das eigentliche Problem: Es geht schon lange nicht mehr nur darum, ob Mindens Bürger rechtzeitig ein Stilles Örtchen finden. Es sind Touristen und Busunternehmen, bei denen Minden inzwischen das Image hat, keine Stadt für Menschen mit Sextanerblase zu sein. CDU-Ratsfrau Christina Gerhardt sagte jüngst in der Stadtverordnetenversammlung, dass sie gehört habe, Touristenbusse zweier großer Unternehmen würden Minden nicht mehr anfahren: „Was tun wir angesichts dieses Engpasses?“ Immer wieder geht es in der Politik um Probleme mit öffentlichen WCs. 2011 hatten die damaligen Stadtverordneten beschlossen, zur Sicherung der Stadt-Finanzen die meisten davon abzuschaffen. Inzwischen hat die Stadt ein neues Konzept erarbeitet, das allerdings stark vom Umbau des Deilmann-Baus und des Rathauses abhängt. Darum hatten die Grünen im Herbst 2020 im gerade frisch konstituierten Rat überraschend gefordert, die Probleme mit Bedürfnissen in der Oberen Altstadt anzugehen. Sie setzten durch, dass dort kurzfristig eine Toilettenanlage installiert wird. Wer im Archiv der Ausschuss- und Ratssitzungen kramt, bekommt auf den Eintrag „Toiletten“ in den vergangenen 24 Monaten 23 Einträge in diversen Protokollen – meistens geht es dabei um die Situation in der Innenstadt. Auch um Kanzlers Weide und Kritik von Tourismusunternehmen ging es mehrfach, unter anderem Anfang 2020 im Rat und im Betriebsausschuss. Damals sagte die Verwaltung, dass die Anlage in Ordnung sei. Das sagt sie auch diesmal: Das MT fragte bei der Stadt nach, die Antwort übermittelte Pressesprecherin Susann Lewerenz prompt: „Derzeit liegen in der Gebäudewirtschaft keinerlei Beschwerden oder Meldungen bezüglich der Öffnungszeiten oder von entsprechenden Schadensbildern vor.“ Die Anlage auf Kanzlers Weide sei von Anfang April bis Ende Oktober zwischen 7 und 22 Uhr geöffnet, im Winter zwischen 8 und 17 Uhr. Geschlossen bleiben sie vom 22. Dezember bis 1.Januar. Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) versuchte im Rat die CDU-Politikerin Gerhardt auch mit der Information zu beruhigen, dass eine mobile Anlage wieder mitten auf dem Weihnachtsmarkt stehen werde. Kein Grund also für Touristen, sich vor einer Toiletten-Wüste zu fürchten? Doch. Denn es geht gar nicht um Kanzlers Weide. Zwar erwartet die Stadt, dass die Busse mit Tagestouristen dort ihre Fahrgäste absetzen und aufnehmen. Tatsächlich halten die Fahrer jedoch eher am ZOB. Und genau das ist das Problem. „Minden? Eine Katastrophe“, sagt Hans-Jürgen Held, Geschäftsführer von Gersmeier Reisen. Regelmäßig ist sein Unternehmen vor der Corona-Pandemie nach Minden gekommen. Hauptkunden: Kurgäste aus der näheren Umgebung. „Überwiegend sind das alte Leute und Gehbehinderte“, so der Unternehmer. „Die scheuen jeden Meter, den sie extra gehen müssen.“ Der Gedanke, die an Kanzlers Weide rauszulassen und zu sagen: ’Dann marschiert mal los’? Nicht machbar. Also geht es zum ZOB. Und da ist das mit den Toiletten eher ein Roulettespiel. Helds Eindruck: Die seien immer abgeschlossen. Aus den Berichten in den Ausschüssen ergibt sich eher das Bild, dass sie immer wieder nach Zerstörungen geschlossen sind. Stimmt das? Immer wieder würden Drehkreuz und Münzprüfer mutwillig zerstört, teilt Stadt-Pressesprecherin Susann Lewerenz auf MT-Anfrage mit. „Im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre mussten wir als Stadt für die Beseitigung jährlich rund 5.000 Euro ausgeben.“ Für Reparaturen war dann das Stille Örtchen am ZOB etwa fünf bis sechs Mal pro Jahr geschlossen. Länger zu war es 2014/2015, nachdem es im Herbst einen großen Brandschaden gegeben hatte. Allerdings: „In den vergangenen beiden Jahren gab es laut Gebäudewirtschaft keine nennenswerten Schäden in und an der Toilette und somit auch keine Schließungen.“ Das führen die Stadt-Mitarbeitenden vor allem darauf zurück, dass es in der Corona-Pandemie dort eine wesentlich geringere Frequenz gegeben hat, weil unter anderem weniger Menschen den Bus nutzten. Zudem beklagen Männer und Frauen, die dort austreten wollten, den sanitären Zustand der Anlagen am ZOB. Auch auf Kanzlers Weide lasse manches zu wünschen übrig, so fehlten zum Teil die Brillen auf dem Porzellan. Da sei eine Menge zu tun, so sagen es verschiedene Personen im Zuge dieser Recherche. „Selbst wenn die ZOB-Klos auf sind, mag man da nicht hin gehen. Zum Glück gibt es ja Hagemeyer.“ Hat Busunternehmer Held seine Sorgen mal mit der Stadt oder der Minden Marketing besprochen? Irgendwann habe da mal in einer Seitenstraße ein Mobil gestanden, da habe er das angemerkt. Und ihm sei zugesichert worden, dass daran gearbeitet werde. Auch die Busfahrer von BE-Reisen meiden die Toilette am ZOB. „Das möchten wir unseren Gästen nicht zumuten“, sagt Antonia Borcherding, die 2011 ins Mindener Familienunternehmen eingestiegen ist. Gerade die älteren Gäste möchten sich zu jeder Tageszeit sicher fühlen können und das sei beim ZOB – besonders in den frühen Morgenstunden – nicht der Fall. „Die allermeisten unserer Gäste nutzen die Toiletten bei uns im Unternehmen.“ Auf dem Betriebshof am Bierpohlweg gibt es auch ausreichend Parkplätze, wo das Auto während der Reise kostenfrei abgestellt werden kann. Sollte tatsächlich mal ein Halt in Minden eingelegt werden müssen, steuern die Busfahrer Kanzlers Weide an. Auf die Hinweise von CDU-Politikerin Gerhardt im Rat hieß es seitens der Stadt, man versuche herauszufinden, welche das waren. Wissen müsste das Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing Gesellschaft, der ja Mindens touristische Angebote steuert. Dieser betont, eine gute, zentrumsnahe und zeitgemäße sanitäre Infrastruktur sei eine Grundlage, um im Tourismus zu punkten. Und ja, das sei durchaus etwas, worauf Busunternehmer und auch betagtere Touristinnen und Touristen hinwiesen – und manche machten das auch zu einem Kriterium für das Buchen von Angeboten. Sobald die Stadtverwaltung saniert und der Deilmann-Bau umgebaut ist, soll ja vieles anders werden: Dann zieht die Touristeninfo an den Kleinen Domhof und wird dann auch problemlos Zugang zu den neuen öffentlichen Toiletten im Rathaus ermöglichen. Nach der Corona-Zeit verschärft sich die Lage. Denn in der Zwischenzeit ist selbst das Provisorium quasi weggebrochen. Die Stadt setzt dabei unter anderem auf eine Kooperation mit heimischen Gastronomen: „Toilettennutzung willkommen“ heißt das. Die Gaststätten hatten zwar während der Pandemie geschlossen, aber jetzt müsste alles wieder laufen, so die Erwartung. Doch wann immer Stadtkämmerer Norbert Kresse das in politischen Gremien erwähnt, gibt es in den Reihen der Politik Stirnrunzeln. Warum haben die Politikerinnen und Politiker wenig Vertrauen in dieses Konzept? Ein MT-Test zeigt: Es hat Stärken und Schwächen. Gut: Der Tester wurde überall freundlich begrüßt und problemlos zu den entsprechenden Räumlichkeiten gewiesen. Kein fragender Blick, keine Gebühren, ein echtes Willkommen. Schlecht: Weder ist die Liste aktuell, die die Stadt dazu ins Internet gestellt hat, noch sind die Angebote flächendeckend oder mit einiger Regelmäßigkeit verfügbar. Die Knolle am Königswall, der Fischbäcker an der Obermarktstraße, Piccoli am Wesertor, Bistro André am Markt und die Altentagesstätte Johanniskirchhof. Das war’s. Manche öffnen tagsüber nur stundenweise, andere haben Ruhetage. Zudem fehlen Hinweise. Zwar gibt es Plaketten in Eingangsnähe, aber die sieht nur, wer sie sucht. Ein besseres Hinweissystem fordern darum Politikerinnen und Politiker immer wieder, nur um vertröstet zu werden: Im Moment sind sowohl Stadt als auch Stadtverwaltung im Umbau. Wenn alles fertig ist, wird es neue Anlagen geben: am Großen Domhof, in der Stadtverwaltung und auch auf dem Martinikirchhof. Dort, in der Oberen Altstadt, sollte eigentlich schon bald eine öffentliche Toilette hinkommen. Zumindest eine temporäre. Doch dafür muss erst eine Baugenehmigung her. Antragsteller: die Städtische Gebäudewirtschaft. Genehmigungsbehörde: der städtische Baubereich. Warum es so lange dauert, den Antrag über den Flur weiterzugeben? Auf diese Frage im Rat reagierte Kresse scharf. Wenn die Politik finde, dass da sofortiger Handlungsbedarf bestehe, für ein Projekt, das nachträglich eingebracht wurde, dann müsse sie das sagen. Dann müssten gegebenenfalls andere Arbeiten – beispielsweise an Schulen – zurückgestellt werden. „Wenn das die Priorisierung ist, lassen wir andere Sachen liegen. Geben Sie mir ein Zeichen aus dem Rat.“ Bei der letzten Ratssitzung jedenfalls gab es dieses Zeichen nicht. So wird es 2022, bis dringende Bedürfnisse in der Oberen Altstadt gestillt werden können. Und die Busunternehmer? Held beispielsweise will Minden in der Weihnachtszeit prinzipiell weiter anfahren. Allerdings muss das Geschäft nach Corona erst wieder anlaufen. Bisher kann er noch keinen ganzen Bus mit Gästen verschiedener Kurkliniken füllen – die möchten nicht, dass er mischt. Auf jeden Fall hofft er, dass die Situation am ZOB inzwischen besser ist. Vielleicht gibt es ja beispielsweise eine Toilettenfrau wie andernorts. Seine Erfahrung: „Das kann ruhig was kosten. Hauptsache, es gibt überhaupt Toiletten.“

Verlorene Örtchen: Toiletten-Mangel in Minden kratzt am Image und verschreckt Touristen

Ungepflegt, ständig zu, kaputt – nicht nur Bürger sind unzufrieden mit den Toiletten am ZOB. MT-Fotos: Alexander Lehn © Alex Lehn

Minden. Ein Thema brennt der Mindener Politik in diesem Jahr besonders unter den Nägeln: öffentliche Toiletten. Dabei verkennen Verwaltung und Kritiker das eigentliche Problem: Es geht schon lange nicht mehr nur darum, ob Mindens Bürger rechtzeitig ein Stilles Örtchen finden. Es sind Touristen und Busunternehmen, bei denen Minden inzwischen das Image hat, keine Stadt für Menschen mit Sextanerblase zu sein.

CDU-Ratsfrau Christina Gerhardt sagte jüngst in der Stadtverordnetenversammlung, dass sie gehört habe, Touristenbusse zweier großer Unternehmen würden Minden nicht mehr anfahren: „Was tun wir angesichts dieses Engpasses?“

Immer wieder geht es in der Politik um Probleme mit öffentlichen WCs. 2011 hatten die damaligen Stadtverordneten beschlossen, zur Sicherung der Stadt-Finanzen die meisten davon abzuschaffen. Inzwischen hat die Stadt ein neues Konzept erarbeitet, das allerdings stark vom Umbau des Deilmann-Baus und des Rathauses abhängt. Darum hatten die Grünen im Herbst 2020 im gerade frisch konstituierten Rat überraschend gefordert, die Probleme mit Bedürfnissen in der Oberen Altstadt anzugehen. Sie setzten durch, dass dort kurzfristig eine Toilettenanlage installiert wird.

Malina Reckordt

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Wer im Archiv der Ausschuss- und Ratssitzungen kramt, bekommt auf den Eintrag „Toiletten“ in den vergangenen 24 Monaten 23 Einträge in diversen Protokollen – meistens geht es dabei um die Situation in der Innenstadt. Auch um Kanzlers Weide und Kritik von Tourismusunternehmen ging es mehrfach, unter anderem Anfang 2020 im Rat und im Betriebsausschuss. Damals sagte die Verwaltung, dass die Anlage in Ordnung sei.

Minden möchte mit Tourismus punkten. Um Busladungen voller Stadtbummler her zu holen, fehlen aber einladende Toilettenanlagen – hier die auf Kanzlers Weide, wo eigentlich die Haupt-Haltestelle sein sollte. - © Lehn
Minden möchte mit Tourismus punkten. Um Busladungen voller Stadtbummler her zu holen, fehlen aber einladende Toilettenanlagen – hier die auf Kanzlers Weide, wo eigentlich die Haupt-Haltestelle sein sollte. - © Lehn

Das sagt sie auch diesmal: Das MT fragte bei der Stadt nach, die Antwort übermittelte Pressesprecherin Susann Lewerenz prompt: „Derzeit liegen in der Gebäudewirtschaft keinerlei Beschwerden oder Meldungen bezüglich der Öffnungszeiten oder von entsprechenden Schadensbildern vor.“ Die Anlage auf Kanzlers Weide sei von Anfang April bis Ende Oktober zwischen 7 und 22 Uhr geöffnet, im Winter zwischen 8 und 17 Uhr. Geschlossen bleiben sie vom 22. Dezember bis 1.Januar. Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) versuchte im Rat die CDU-Politikerin Gerhardt auch mit der Information zu beruhigen, dass eine mobile Anlage wieder mitten auf dem Weihnachtsmarkt stehen werde.

Früher schon subobtimal, weil im Untergeschoss: Ehemalige Toilette im Stadthaus. Foto(Archiv): Alexander Lehn - © Lehn Alexander
Früher schon subobtimal, weil im Untergeschoss: Ehemalige Toilette im Stadthaus. Foto(Archiv): Alexander Lehn - © Lehn Alexander

Kein Grund also für Touristen, sich vor einer Toiletten-Wüste zu fürchten? Doch. Denn es geht gar nicht um Kanzlers Weide. Zwar erwartet die Stadt, dass die Busse mit Tagestouristen dort ihre Fahrgäste absetzen und aufnehmen. Tatsächlich halten die Fahrer jedoch eher am ZOB. Und genau das ist das Problem.

Sie war Haltestation bei Sonntagsspaziergängen: Ehemalige Toilettenanlage im Glacis. - © Lehn
Sie war Haltestation bei Sonntagsspaziergängen: Ehemalige Toilettenanlage im Glacis. - © Lehn

„Minden? Eine Katastrophe“, sagt Hans-Jürgen Held, Geschäftsführer von Gersmeier Reisen. Regelmäßig ist sein Unternehmen vor der Corona-Pandemie nach Minden gekommen. Hauptkunden: Kurgäste aus der näheren Umgebung. „Überwiegend sind das alte Leute und Gehbehinderte“, so der Unternehmer. „Die scheuen jeden Meter, den sie extra gehen müssen.“ Der Gedanke, die an Kanzlers Weide rauszulassen und zu sagen: ’Dann marschiert mal los’? Nicht machbar. Also geht es zum ZOB. Und da ist das mit den Toiletten eher ein Roulettespiel.

Helds Eindruck: Die seien immer abgeschlossen. Aus den Berichten in den Ausschüssen ergibt sich eher das Bild, dass sie immer wieder nach Zerstörungen geschlossen sind.

Stimmt das? Immer wieder würden Drehkreuz und Münzprüfer mutwillig zerstört, teilt Stadt-Pressesprecherin Susann Lewerenz auf MT-Anfrage mit. „Im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre mussten wir als Stadt für die Beseitigung jährlich rund 5.000 Euro ausgeben.“ Für Reparaturen war dann das Stille Örtchen am ZOB etwa fünf bis sechs Mal pro Jahr geschlossen. Länger zu war es 2014/2015, nachdem es im Herbst einen großen Brandschaden gegeben hatte.

Allerdings: „In den vergangenen beiden Jahren gab es laut Gebäudewirtschaft keine nennenswerten Schäden in und an der Toilette und somit auch keine Schließungen.“ Das führen die Stadt-Mitarbeitenden vor allem darauf zurück, dass es in der Corona-Pandemie dort eine wesentlich geringere Frequenz gegeben hat, weil unter anderem weniger Menschen den Bus nutzten.

Zudem beklagen Männer und Frauen, die dort austreten wollten, den sanitären Zustand der Anlagen am ZOB. Auch auf Kanzlers Weide lasse manches zu wünschen übrig, so fehlten zum Teil die Brillen auf dem Porzellan. Da sei eine Menge zu tun, so sagen es verschiedene Personen im Zuge dieser Recherche. „Selbst wenn die ZOB-Klos auf sind, mag man da nicht hin gehen. Zum Glück gibt es ja Hagemeyer.“

Hat Busunternehmer Held seine Sorgen mal mit der Stadt oder der Minden Marketing besprochen? Irgendwann habe da mal in einer Seitenstraße ein Mobil gestanden, da habe er das angemerkt. Und ihm sei zugesichert worden, dass daran gearbeitet werde.

Auch die Busfahrer von BE-Reisen meiden die Toilette am ZOB. „Das möchten wir unseren Gästen nicht zumuten“, sagt Antonia Borcherding, die 2011 ins Mindener Familienunternehmen eingestiegen ist. Gerade die älteren Gäste möchten sich zu jeder Tageszeit sicher fühlen können und das sei beim ZOB – besonders in den frühen Morgenstunden – nicht der Fall.

„Die allermeisten unserer Gäste nutzen die Toiletten bei uns im Unternehmen.“ Auf dem Betriebshof am Bierpohlweg gibt es auch ausreichend Parkplätze, wo das Auto während der Reise kostenfrei abgestellt werden kann. Sollte tatsächlich mal ein Halt in Minden eingelegt werden müssen, steuern die Busfahrer Kanzlers Weide an.

Auf die Hinweise von CDU-Politikerin Gerhardt im Rat hieß es seitens der Stadt, man versuche herauszufinden, welche das waren. Wissen müsste das Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing Gesellschaft, der ja Mindens touristische Angebote steuert. Dieser betont, eine gute, zentrumsnahe und zeitgemäße sanitäre Infrastruktur sei eine Grundlage, um im Tourismus zu punkten. Und ja, das sei durchaus etwas, worauf Busunternehmer und auch betagtere Touristinnen und Touristen hinwiesen – und manche machten das auch zu einem Kriterium für das Buchen von Angeboten.

Sobald die Stadtverwaltung saniert und der Deilmann-Bau umgebaut ist, soll ja vieles anders werden: Dann zieht die Touristeninfo an den Kleinen Domhof und wird dann auch problemlos Zugang zu den neuen öffentlichen Toiletten im Rathaus ermöglichen.

Nach der Corona-Zeit verschärft sich die Lage. Denn in der Zwischenzeit ist selbst das Provisorium quasi weggebrochen. Die Stadt setzt dabei unter anderem auf eine Kooperation mit heimischen Gastronomen: „Toilettennutzung willkommen“ heißt das. Die Gaststätten hatten zwar während der Pandemie geschlossen, aber jetzt müsste alles wieder laufen, so die Erwartung. Doch wann immer Stadtkämmerer Norbert Kresse das in politischen Gremien erwähnt, gibt es in den Reihen der Politik Stirnrunzeln. Warum haben die Politikerinnen und Politiker wenig Vertrauen in dieses Konzept?

Ein MT-Test zeigt: Es hat Stärken und Schwächen. Gut: Der Tester wurde überall freundlich begrüßt und problemlos zu den entsprechenden Räumlichkeiten gewiesen. Kein fragender Blick, keine Gebühren, ein echtes Willkommen.

Schlecht: Weder ist die Liste aktuell, die die Stadt dazu ins Internet gestellt hat, noch sind die Angebote flächendeckend oder mit einiger Regelmäßigkeit verfügbar. Die Knolle am Königswall, der Fischbäcker an der Obermarktstraße, Piccoli am Wesertor, Bistro André am Markt und die Altentagesstätte Johanniskirchhof. Das war’s. Manche öffnen tagsüber nur stundenweise, andere haben Ruhetage. Zudem fehlen Hinweise. Zwar gibt es Plaketten in Eingangsnähe, aber die sieht nur, wer sie sucht.

Ein besseres Hinweissystem fordern darum Politikerinnen und Politiker immer wieder, nur um vertröstet zu werden: Im Moment sind sowohl Stadt als auch Stadtverwaltung im Umbau. Wenn alles fertig ist, wird es neue Anlagen geben: am Großen Domhof, in der Stadtverwaltung und auch auf dem Martinikirchhof.

Dort, in der Oberen Altstadt, sollte eigentlich schon bald eine öffentliche Toilette hinkommen. Zumindest eine temporäre. Doch dafür muss erst eine Baugenehmigung her. Antragsteller: die Städtische Gebäudewirtschaft. Genehmigungsbehörde: der städtische Baubereich.

Warum es so lange dauert, den Antrag über den Flur weiterzugeben? Auf diese Frage im Rat reagierte Kresse scharf. Wenn die Politik finde, dass da sofortiger Handlungsbedarf bestehe, für ein Projekt, das nachträglich eingebracht wurde, dann müsse sie das sagen. Dann müssten gegebenenfalls andere Arbeiten – beispielsweise an Schulen – zurückgestellt werden. „Wenn das die Priorisierung ist, lassen wir andere Sachen liegen. Geben Sie mir ein Zeichen aus dem Rat.“ Bei der letzten Ratssitzung jedenfalls gab es dieses Zeichen nicht. So wird es 2022, bis dringende Bedürfnisse in der Oberen Altstadt gestillt werden können.

Und die Busunternehmer? Held beispielsweise will Minden in der Weihnachtszeit prinzipiell weiter anfahren. Allerdings muss das Geschäft nach Corona erst wieder anlaufen. Bisher kann er noch keinen ganzen Bus mit Gästen verschiedener Kurkliniken füllen – die möchten nicht, dass er mischt. Auf jeden Fall hofft er, dass die Situation am ZOB inzwischen besser ist. Vielleicht gibt es ja beispielsweise eine Toilettenfrau wie andernorts.

Seine Erfahrung: „Das kann ruhig was kosten. Hauptsache, es gibt überhaupt Toiletten.“

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