Verkaufsverhandlungen für Regierung am Weserglacis beginnen Monika Jäger Minden (mt). Bürohaus, Baujahr 1902, 9.900 Quadratmeter Fläche, 27 Parkflächen, gepflegt: So bewarb der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW (BLB) das Regierungsgebäude am Weserglacis im Frühjahr auf der Internetplattform „Immobilienscout 24". Anfangspreis: 1, 5 Millionen Euro. Am Ende sollte der Meistbietende den Prachtbau bekommen. Nun ist das Verfahren abgeschlossen: „Der BLB NRW beabsichtigt, in Kürze mit dem Höchstbietenden in konkrete Verkaufsverhandlungen einzutreten", so Carsten Pilz, BLB-Pressesprecher, auf MT-Anfrage. Die Stadt Minden hingegen mochte lange nicht akzeptieren, dass der stadtbildprägende und denkmalgeschützte Bau einfach nach dem Kriterium veräußert werden sollte, wer das meiste Geld hat. Sie hätte sich ein Konzept gewünscht, das klare Signale für die Stadtentwicklung gibt. Doch welche? Wohnungen sind in den hohen Räumen mit den dicken Wänden und verzierten Decken nur schwer vorstellbar. Büros entsprechen nicht dem modernen Konzept modularen und flexiblen Arbeitens. Und ein Hotel mit so vielen Zimmern? Würde sich das in Minden rechnen? Über sehr hohe Unterhaltskosten klagte zudem schon der langjährige Mieter, der dem Haus ab 1950 einen seiner Namen, „BZA – Bundesbahnzentralamt", gegeben hatte. Später war hier die Bundesbahn-Versuchsanstalt untergebracht, doch auch diese zog Ende 2016 aus. Damals schon machte die Stadt Minden klar: Auch für sie komme der Bau als Stadtverwaltung oder Rathaus nicht in Frage. Aktuell ist das Schmuckstück allerdings doch an die Stadt Minden vermietet, die das Verwaltungsgebäude und seine prunkvollen Sitzungssäle als Übergangslösung nutzt, bis das eigentliche Stadthaus umgebaut und saniert ist – vermutlich bis 2023. Doch Minden legte dem Land ein Gegenkonzept vor: Die Stadt braucht mehr und günstige Wohnungen. Die können in dem alten Prunkbau kaum entstehen. Doch das Land und auch die Bezirksregierung haben einige Dienststellen in Minden, die in der Stadt verteilt sind. Viele von diesen sind sogar im „Inneren Ring", der zum Wohnen besonders gefragt ist. So wie seinerzeit die Heideschule könnte beispielsweise auch das heutige Finanzamt zu Wohnungen umgebaut werden, so die Gedanken der Stadtverwaltung. Die Finanzbehörde könnte dann neben anderen ins ehemalige Regierungsgebäude umziehen. Eine Idee, die nicht auf Gegenliebe stieß – weder beim Land noch bei der Bezirksregierung, Schon im vergangenen Jahr hatte sich die Verwaltungsspitze an Landtagsabgeordnete Kirstin Korte gewandt, um die Möglichkeiten dazu zu prüfen. Sie habe damals das Gespräch mit dem Ministerium für Kommunales gesucht und auch die Idee mit dem Umzug des Finanzamtes von der Heidestraße ans Weserglacis eingebracht. Schon damals habe es dann beim Finanzministerium geheißen, das sei aus organisatorischen und inhaltlichen Gründen nicht umsetzbar, sagte Korte bereits im Februar gegenüber dem MT. Die Stadt legte das Tausch-Konzept dennoch im Mai erneut der Politik vor. Doch auch das brachte den Bau-und Liegenschaftsbetrieb NRW nicht zum Umdenken: Das Tausch-Konzept für eine weitere Nutzung des Weserglacis sei geprüft worden, so Pilz. „Der BLB NRW hat daher mit lokalen Behörden des Landes NRW einen möglichen Bedarf im Rahmen von Ortsterminen untersucht. Hierbei konnte weder ein Bedarf noch eine Eignung der Liegenschaft für eine mögliche Nutzung durch andere Behörden erkannt werden." Darüber hinaus habe der BLB NRW eine umfangreiche Entbehrlichkeitsprüfung gemacht. Dafür seien alle Landesministerien kontaktiert worden um festzustellen, ob das Gebäude und/oder das Grundstück für Dienststellen des Landes NRW benötigt werden. „Diese Prüfung wurde im November 2018 mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass ein Bedarf für diese Liegenschaft nicht erkennbar ist", so Pilz. Das habe der BLB NRW auch der Stadt Minden mitgeteilt. Danach folgte das Höchstbietverfahren. Die Mindener Verantwortlichen fürchten, dass das Land nur aufs Geld sieht und dabei nicht bedacht wird, was ein Käufer mit dem Prachtbau so macht und ob das auch zur Stadt passt. Anfang dieser Woche gab es dazu nochmals Gespräche beim Mindener Bürgermeister. Ergebnis? „Der Verkaufsprozess wird sich nicht verändern" sagt Bau-Beigeordneter Lars Bursian. Pilz dazu beruhigend: „Der BLB NRW erkennt in einer Veräußerung der Liegenschaft gute Chancen für eine nachhaltige Nutzung des Gebäudes und einen Gewinn für die Stadt Minden." Was damit genau gemeint ist, sagt der BLB nicht; interessanterweise ist dieser Satz so allgemein formuliert, dass ihm nicht zu entnehmen ist, ob damit der Höchstbietende konkret gemeint ist, oder ob es sich um ein allgemein ermunterndes Statement handelt. Die Autorin ist erreichbar unter Monika.Jaeger@MT.de, Telefon (0571) 882-148.

Verkaufsverhandlungen für Regierung am Weserglacis beginnen

Prachtvoll ist das Regierungsgebäude am Weserglacis nicht nur außen. Innen zeugen überbordende Details vom Repräsentationswillen der Erbauer. © Alex Lehn/mt

Minden (mt). Bürohaus, Baujahr 1902, 9.900 Quadratmeter Fläche, 27 Parkflächen, gepflegt: So bewarb der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW (BLB) das Regierungsgebäude am Weserglacis im Frühjahr auf der Internetplattform „Immobilienscout 24". Anfangspreis: 1, 5 Millionen Euro. Am Ende sollte der Meistbietende den Prachtbau bekommen. Nun ist das Verfahren abgeschlossen: „Der BLB NRW beabsichtigt, in Kürze mit dem Höchstbietenden in konkrete Verkaufsverhandlungen einzutreten", so Carsten Pilz, BLB-Pressesprecher, auf MT-Anfrage.

Die Stadt Minden hingegen mochte lange nicht akzeptieren, dass der stadtbildprägende und denkmalgeschützte Bau einfach nach dem Kriterium veräußert werden sollte, wer das meiste Geld hat. Sie hätte sich ein Konzept gewünscht, das klare Signale für die Stadtentwicklung gibt.

Doch welche? Wohnungen sind in den hohen Räumen mit den dicken Wänden und verzierten Decken nur schwer vorstellbar. Büros entsprechen nicht dem modernen Konzept modularen und flexiblen Arbeitens. Und ein Hotel mit so vielen Zimmern? Würde sich das in Minden rechnen?

Über sehr hohe Unterhaltskosten klagte zudem schon der langjährige Mieter, der dem Haus ab 1950 einen seiner Namen, „BZA – Bundesbahnzentralamt", gegeben hatte. Später war hier die Bundesbahn-Versuchsanstalt untergebracht, doch auch diese zog Ende 2016 aus. Damals schon machte die Stadt Minden klar: Auch für sie komme der Bau als Stadtverwaltung oder Rathaus nicht in Frage. Aktuell ist das Schmuckstück allerdings doch an die Stadt Minden vermietet, die das Verwaltungsgebäude und seine prunkvollen Sitzungssäle als Übergangslösung nutzt, bis das eigentliche Stadthaus umgebaut und saniert ist – vermutlich bis 2023.

Doch Minden legte dem Land ein Gegenkonzept vor: Die Stadt braucht mehr und günstige Wohnungen. Die können in dem alten Prunkbau kaum entstehen. Doch das Land und auch die Bezirksregierung haben einige Dienststellen in Minden, die in der Stadt verteilt sind. Viele von diesen sind sogar im „Inneren Ring", der zum Wohnen besonders gefragt ist. So wie seinerzeit die Heideschule könnte beispielsweise auch das heutige Finanzamt zu Wohnungen umgebaut werden, so die Gedanken der Stadtverwaltung. Die Finanzbehörde könnte dann neben anderen ins ehemalige Regierungsgebäude umziehen.

Eine Idee, die nicht auf Gegenliebe stieß – weder beim Land noch bei der Bezirksregierung, Schon im vergangenen Jahr hatte sich die Verwaltungsspitze an Landtagsabgeordnete Kirstin Korte gewandt, um die Möglichkeiten dazu zu prüfen. Sie habe damals das Gespräch mit dem Ministerium für Kommunales gesucht und auch die Idee mit dem Umzug des Finanzamtes von der Heidestraße ans Weserglacis eingebracht.

Schon damals habe es dann beim Finanzministerium geheißen, das sei aus organisatorischen und inhaltlichen Gründen nicht umsetzbar, sagte Korte bereits im Februar gegenüber dem MT.

Die Stadt legte das Tausch-Konzept dennoch im Mai erneut der Politik vor. Doch auch das brachte den Bau-und Liegenschaftsbetrieb NRW nicht zum Umdenken: Das Tausch-Konzept für eine weitere Nutzung des Weserglacis sei geprüft worden, so Pilz. „Der BLB NRW hat daher mit lokalen Behörden des Landes NRW einen möglichen Bedarf im Rahmen von Ortsterminen untersucht. Hierbei konnte weder ein Bedarf noch eine Eignung der Liegenschaft für eine mögliche Nutzung durch andere Behörden erkannt werden."

Darüber hinaus habe der BLB NRW eine umfangreiche Entbehrlichkeitsprüfung gemacht. Dafür seien alle Landesministerien kontaktiert worden um festzustellen, ob das Gebäude und/oder das Grundstück für Dienststellen des Landes NRW benötigt werden. „Diese Prüfung wurde im November 2018 mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass ein Bedarf für diese Liegenschaft nicht erkennbar ist", so Pilz. Das habe der BLB NRW auch der Stadt Minden mitgeteilt. Danach folgte das Höchstbietverfahren.

Die Mindener Verantwortlichen fürchten, dass das Land nur aufs Geld sieht und dabei nicht bedacht wird, was ein Käufer mit dem Prachtbau so macht und ob das auch zur Stadt passt. Anfang dieser Woche gab es dazu nochmals Gespräche beim Mindener Bürgermeister. Ergebnis? „Der Verkaufsprozess wird sich nicht verändern" sagt Bau-Beigeordneter Lars Bursian.

Pilz dazu beruhigend: „Der BLB NRW erkennt in einer Veräußerung der Liegenschaft gute Chancen für eine nachhaltige Nutzung des Gebäudes und einen Gewinn für die Stadt Minden." Was damit genau gemeint ist, sagt der BLB nicht; interessanterweise ist dieser Satz so allgemein formuliert, dass ihm nicht zu entnehmen ist, ob damit der Höchstbietende konkret gemeint ist, oder ob es sich um ein allgemein ermunterndes Statement handelt.

Die Autorin ist erreichbar unter Monika.Jaeger@MT.de, Telefon (0571) 882-148.

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