Uwe Kulbe ist an Blutkrebs erkrankt und sucht einen Stammzellenspender Stefan Koch Minden. Während Corona die Öffentlichkeit beschäftigt, verlieren andere Krankheiten nicht an Schrecken: Uwe Kulbe (39) fühlte sich schon seit längerem nicht mehr gesund. Als sich der Wago-Mitarbeiter wegen Kreislaufbeschwerden am 5. Mai bei seiner Hausärztin vorstellte und diese ein Blutbild machte, war er nicht sonderlich besorgt. Doch einen Tag später war das Leben des Maschinenbauingenieurs ein anderes. Am Arbeitsplatz erhielt er den Anruf, dass er sich sofort in das Johannes-Wesling-Klinikum wegen des Verdachts auf Blutkrebs begeben soll. Dort untersuchten ihn die Ärzte genauer, nahmen eine Knochenmarkspunktion vor und bestätigten, dass eine Blutbildungsstörung vorliegt, die behandelt werden muss. Kulbe wurde ein Blutkrebs-Patient. „Ein Onkel von mir hatte auch diese Krankheit, aber ich hatte mich nie damit auseinandergesetzt", sagt der 39-Jährige. „Jetzt befasst man sich damit und erkennt, dass das Leben endlich ist." Wer an Leukämie erkrankt, leidet unter unter anderem an einem Mangel an Sauerstoff transportierenden roten Blutplättchen. In ihrem akuten Verlauf kann die lebensbedrohliche Krankheit unbehandelt in wenigen Wochen bis Monaten zum Tod führen. Neben verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie kommt vor allem einer Stammzellentransplantation eine hohe Bedeutung zu. Stammzellen sind für die Blutbildung zuständig und können ähnlich wie Spenderorgane übertragen werden. Doch es ist schwierig, einen Spender zu finden, denn nur in einem Drittel der Fälle reicht die genetische Übereinstimmung von Familienmitgliedern dazu aus. Nach der Diagnose haben sich Uwe Kube und seine Frau Julia täglich mit der Krankheit befasst. Auf der Suche nach Hilfe stieß sie auf die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die 1991 gegründet wurde und mittlerweile mehr als zehn Millionen potenzielle Spender registriert hat. Erst im vergangenen Jahr hatte die gemeinnützige GmbH eine Aktion in Minden in der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule durchgeführt. Bei der Suche nach Freiwilligen stellt die DKMS oft einen persönlich Betroffenen in den Mittelpunkt, um öffentlich für dessen Unterstützung zu werben. So auch in Kulbes Fall. In den Pressemitteilungen der DKMS zum Schicksal des Vater ist unter der Überschrift „Rettet unseren Papa!" zu lesen, dass er ein „begnadeter Heimwerker" und „hilfsbereiter Mensch" sei, der bei Umzügen hilft, Küchen aufbaut und ein leidenschaftlicher Gärtner sei. Neben den Postings in Sozialen Netzwerken gab es Presseberichte in der Schaumburger Zeitung, weil der Betroffene in Nienstädt wohnt. Radio Westfalica und andere Medien haben in Minden den Aufruf verbreitet, bei der Typisierungsaktion mitzumachen. Und auch Zeitungen in Kulbes Thüringer Heimat waren dabei. Wegen der Coronakrise musste die DKMS auf Registrierungen an einem Veranstaltungsort verzichten. Dafür können sich Interessierte melden und einen Testset für Speichelproben anfordern. Wie Nicola Wenderoth von der Spenderneugewinnung der DKMS am Dienstag erklärte, hätten bislang 800 Personen einen Set bestellt. Zwar ist es eher unwahrscheinlich, dass sich der passende Stammzellenspender für Kulbe unter ihnen befindet. Dafür können sie für andere Betroffene weltweit infrage kommen, wenn es die gleichen Merkmale gibt. Die Teilnahme an der Typisierungsaktion macht die DKMS von einer umfangreichen Erfassung von Gesundheitsdaten abhängig – die ohnehin auch dann einholt werden, wenn der Teilnehmer aufgrund seiner genetischen Übereinstimmung als Spender ausgewählt wird. Wenderoth begründet das damit, dass jede Registrierung die DKMS 35 Euro koste – so ließen sich durch die Daten im Vorfeld jene Personen ausschließen, die keinesfalls als potenzielle Spender geeignet seien. Nicht nur die DKMS, sondern auch andere Organisationen unterhalten Spenderdateien. Kulbe hatte sich Ende Mai bei der medizinischen Hochschule Hannover typisieren lassen, um über das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland Hilfe zu erhalten. Diese gemeinnützige GmbH greift auf weitere Knochenmarkspenderdateien in Deutschland zurück. Die weitere Unterstützung durch die DKMS hält er dennoch für sinnvoll, da dies die Trefferwahrscheinlichkeit erhöht. Wie er seine Erfolgsaussichten beurteilt? „Ärzte haben mir gesagt, dass neun von zehn Menschen einen Spender finden", sagt der 36-Jährige. Jetzt wartet er auf positive Nachrichten. Was zu beachten ist Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann mit wenigen Klicks über www.dkms.de/uwe-will-leben die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Die Registrierung geht schnell: Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung sowie einer Einverständniserklärung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und anschließend per Post zurücksenden, damit die Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden. Bereits registrierte Spender müssen sich nicht melden. Einmal aufgenommene Daten stehen auch weiterhin weltweit Patienten zur Verfügung.

Uwe Kulbe ist an Blutkrebs erkrankt und sucht einen Stammzellenspender

Minden. Während Corona die Öffentlichkeit beschäftigt, verlieren andere Krankheiten nicht an Schrecken: Uwe Kulbe (39) fühlte sich schon seit längerem nicht mehr gesund. Als sich der Wago-Mitarbeiter wegen Kreislaufbeschwerden am 5. Mai bei seiner Hausärztin vorstellte und diese ein Blutbild machte, war er nicht sonderlich besorgt. Doch einen Tag später war das Leben des Maschinenbauingenieurs ein anderes. Am Arbeitsplatz erhielt er den Anruf, dass er sich sofort in das Johannes-Wesling-Klinikum wegen des Verdachts auf Blutkrebs begeben soll. Dort untersuchten ihn die Ärzte genauer, nahmen eine Knochenmarkspunktion vor und bestätigten, dass eine Blutbildungsstörung vorliegt, die behandelt werden muss. Kulbe wurde ein Blutkrebs-Patient.

Uwe Kolbe will seine Tochter aufwachsen sehen. - © Foto: pr
Uwe Kolbe will seine Tochter aufwachsen sehen. - © Foto: pr

„Ein Onkel von mir hatte auch diese Krankheit, aber ich hatte mich nie damit auseinandergesetzt", sagt der 39-Jährige. „Jetzt befasst man sich damit und erkennt, dass das Leben endlich ist."

Wer an Leukämie erkrankt, leidet unter unter anderem an einem Mangel an Sauerstoff transportierenden roten Blutplättchen. In ihrem akuten Verlauf kann die lebensbedrohliche Krankheit unbehandelt in wenigen Wochen bis Monaten zum Tod führen. Neben verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie kommt vor allem einer Stammzellentransplantation eine hohe Bedeutung zu. Stammzellen sind für die Blutbildung zuständig und können ähnlich wie Spenderorgane übertragen werden. Doch es ist schwierig, einen Spender zu finden, denn nur in einem Drittel der Fälle reicht die genetische Übereinstimmung von Familienmitgliedern dazu aus.

Die DKMS muss derzeit auf Massenveranstaltungen verzichten und verschickt stattdessen Typisierungssets an Interessenten. Foto: DKMS/Patric Fouad - © Patric Fouad
Die DKMS muss derzeit auf Massenveranstaltungen verzichten und verschickt stattdessen Typisierungssets an Interessenten. Foto: DKMS/Patric Fouad - © Patric Fouad

Nach der Diagnose haben sich Uwe Kube und seine Frau Julia täglich mit der Krankheit befasst. Auf der Suche nach Hilfe stieß sie auf die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die 1991 gegründet wurde und mittlerweile mehr als zehn Millionen potenzielle Spender registriert hat. Erst im vergangenen Jahr hatte die gemeinnützige GmbH eine Aktion in Minden in der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule durchgeführt. Bei der Suche nach Freiwilligen stellt die DKMS oft einen persönlich Betroffenen in den Mittelpunkt, um öffentlich für dessen Unterstützung zu werben.

So auch in Kulbes Fall. In den Pressemitteilungen der DKMS zum Schicksal des Vater ist unter der Überschrift „Rettet unseren Papa!" zu lesen, dass er ein „begnadeter Heimwerker" und „hilfsbereiter Mensch" sei, der bei Umzügen hilft, Küchen aufbaut und ein leidenschaftlicher Gärtner sei. Neben den Postings in Sozialen Netzwerken gab es Presseberichte in der Schaumburger Zeitung, weil der Betroffene in Nienstädt wohnt. Radio Westfalica und andere Medien haben in Minden den Aufruf verbreitet, bei der Typisierungsaktion mitzumachen. Und auch Zeitungen in Kulbes Thüringer Heimat waren dabei. Wegen der Coronakrise musste die DKMS auf Registrierungen an einem Veranstaltungsort verzichten. Dafür können sich Interessierte melden und einen Testset für Speichelproben anfordern.

Wie Nicola Wenderoth von der Spenderneugewinnung der DKMS am Dienstag erklärte, hätten bislang 800 Personen einen Set bestellt. Zwar ist es eher unwahrscheinlich, dass sich der passende Stammzellenspender für Kulbe unter ihnen befindet. Dafür können sie für andere Betroffene weltweit infrage kommen, wenn es die gleichen Merkmale gibt.

Die Teilnahme an der Typisierungsaktion macht die DKMS von einer umfangreichen Erfassung von Gesundheitsdaten abhängig – die ohnehin auch dann einholt werden, wenn der Teilnehmer aufgrund seiner genetischen Übereinstimmung als Spender ausgewählt wird. Wenderoth begründet das damit, dass jede Registrierung die DKMS 35 Euro koste – so ließen sich durch die Daten im Vorfeld jene Personen ausschließen, die keinesfalls als potenzielle Spender geeignet seien.

Nicht nur die DKMS, sondern auch andere Organisationen unterhalten Spenderdateien. Kulbe hatte sich Ende Mai bei der medizinischen Hochschule Hannover typisieren lassen, um über das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland Hilfe zu erhalten. Diese gemeinnützige GmbH greift auf weitere Knochenmarkspenderdateien in Deutschland zurück. Die weitere Unterstützung durch die DKMS hält er dennoch für sinnvoll, da dies die Trefferwahrscheinlichkeit erhöht.

Wie er seine Erfolgsaussichten beurteilt? „Ärzte haben mir gesagt, dass neun von zehn Menschen einen Spender finden", sagt der 36-Jährige. Jetzt wartet er auf positive Nachrichten.

Was zu beachten ist

  • Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann mit wenigen Klicks über www.dkms.de/uwe-will-leben die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen.
  • Die Registrierung geht schnell: Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung sowie einer Einverständniserklärung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und anschließend per Post zurücksenden, damit die Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden.
  • Bereits registrierte Spender müssen sich nicht melden. Einmal aufgenommene Daten stehen auch weiterhin weltweit Patienten zur Verfügung.
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