Unterwegs im Corona-Hotspot: Ehrenamtliche des heimischen DRK im Kreis Gütersloh Doris Christoph Minden. Die Corona-Warnapp bleibt ausgeschaltet, wenn sich Simon Hücker vom Sitz des DRK-Kreisverbands Minden auf den Weg Richtung Gütersloh macht. Sie würde mit großer Wahrscheinlichkeit Alarm schlagen, denn Hücker begibt sich mitten in den Corona-Hotspot: Das Mitglied des DRK Minden und andere Ehrenamtliche aus dem heimischen Kreisgebiet sind an den Wohnstätten der unter Quarantäne stehenden Tönnies-Mitarbeiter im Einsatz. Hücker nimmt hier Abstriche für die Corona-Tests, verteilt aber auch Lebensmittelpakete. „Am Anfang war das ein komisches Gefühl, weil man nicht wusste, was auf einen zukommt", sagt er. Aber die Einsatzkräfte seien gut auf solche Situationen vorbereitet. Und mittlerweile dürfte Hücker auch so etwas wie Routine haben, bereits sieben Mal war er schon vor Ort. In der Großschlachterei in Rheda-Wiedenbrück wurde Mitte Juni bei mehr als 1.550 Mitarbeitern das Corona-Virus festgestellt. Im Kreis Gütersloh und zunächst auch in Warendorf verhängte die Landesregierung den Lockdown, ganze Häuser stehen unter Quarantäne (das MT berichtete). Helfer aus ganz Nordrhein-Westfalen leisten dort Unterstützung. Seit dem 21. Juni sind auch heimische DRK-Mitglieder im Corona-Einsatz im Kreis Gütersloh: Die Bitte, Helfer zu entsenden, erreichte Daniel Waterreus, Rotkreuzleiter beim Kreisverband Minden, einen Tag zuvor. Dann begann für ihn der Telefonmarathon: Welcher Verein kann Helfer schicken und wann – denn die Freiwilligen machen dies entweder in ihrer Freizeit oder müssen dafür vom Arbeitgeber freigestellt werden. Und von denen hätten manche Angst, dass ihre Mitarbeiter das Virus mitbrächten, so Waterreus. Zunächst ging es nur um Personal für die Abstriche. Dann kam noch die Lebensmittelverteilung dazu. Seit vergangener Woche Donnerstag macht sich dafür täglich eine Kolonne mit sechs DRK-Wagen und 17 Ehrenamtlichen aus dem gesamten Kreisgebiet auf den Weg. Gegen Mittag geht es los und erst gegen 22 Uhr zurück. Das kostet Kraft. „Es ist schon eine Herausforderung, die ehrenamtlichen Helfer jeden Tag zu motivieren", meint denn auch Daniel Waterreus. Nicht mehr so häufig müssen die Abstrich-Einheiten losfahren. Laut Auskunft des Kreises Minden-Lübbecke sind auf Anforderung der Bezirksregierung Detmold außerdem auch Helfer der Johanniter-Unfallhilfe Minden Ravensberg (Bad Oeynhausen) im Einsatz. Geplant ist der vorerst bis Sonntag. Instruktionen und Schutzkleidung sollen die Arbeit für die Helfer möglichst sicher machen: Neben einem Overall tragen die Einsatzkräfte bei den Testungen zwei Paar Handschuhe übereinander sowie Masken und Schutzbrillen, berichtet Simon Hücker. Bevor sie zu den Unterkünften fahren, werden die Helfer für die Abstrichnahme geschult. Mit einer Liste der zu testenden Mitarbeiter und ihrer Angehörigen ziehen die Teams dann los. Sie bestehen meist aus vier Personen, zwei Rotkreuzler und zwei Bundeswehrsoldaten. Manchmal sei auch ein Dolmetscher dabei und jemand vom Ordnungsamt, berichtet Hücker. Dann geht es von Wohnung zu Wohnung. Während die Helfer des DRK – alle haben mindestens eine Qualifikation als Sanitäter – die Abstriche nehmen, kümmern sich die Soldaten vor allem um die Dokumentation, erklärt der Rotkreuzleiter. Also um den Abgleich der Personalien der Bewohner mit der Namensliste. Bei Hückers Einsätzen reagierten die Getesteten bislang immer verständnisvoll. Über beengte Wohnverhältnisse könne er nichts berichten, andere Helfer hätten ihm davon aber durchaus erzählt. „Da leben dann fünf oder sechs Leute in kleinen Wohnungen." Einkaufen ist für die unter Quarantäne stehenden Hausbewohner nicht möglich, deshalb werden sie von Ehrenamtlichen mit Lebensmitteln versorgt. Erst am Mittwoch war Carsten Gay, Rotkreuzleiter beim Ortsverein Petershagen Lahde, dafür im Einsatz. In einer großen Halle stellen die Helfer unter Leitung des Technischen Hilfswerks die Versorgungspakete zusammen, berichtet er. Reis, Nudeln, Wasser, Gemüse und Obst – die Belieferten könnten ihren Bedarf vorher melden. Nach dem Packen startet die Verteilung. Für den Transport kommt das heimische DRK extra mit Sprintern und einem Lkw nach Gütersloh. Auf vorher ausgearbeiteten Routen werden dann die Unterkünfte der Tönnies-Mitarbeiter angesteuert, mal sind es Einfamilienhäuser, mal Wohnblocks. Auch bei der Verteilung wird auf Sicherheit geachtet. „Wir tragen Schutzkleidung und halten mindestens zwei Meter Abstand", erklärt Carsten Gay. Die Pakete würden nur auf dem Boden abgestellt und nicht direkt übergeben. „Die Leute waren froh und dankbar, dass wir ihnen geholfen haben", schildert er seinen Eindruck. Und auch er wäre in einer ähnlichen Lage froh über Hilfe. Darum will er sich sobald wie möglich wieder für einen Einsatz melden.

Unterwegs im Corona-Hotspot: Ehrenamtliche des heimischen DRK im Kreis Gütersloh

Das heimische DRK ist seit drei Wochen in Gütersloh im Einsatz und verteilt dort Lebensmittel. Symbolfoto: Noah Wedel/imago-images © imago images/Noah Wedel

Minden. Die Corona-Warnapp bleibt ausgeschaltet, wenn sich Simon Hücker vom Sitz des DRK-Kreisverbands Minden auf den Weg Richtung Gütersloh macht. Sie würde mit großer Wahrscheinlichkeit Alarm schlagen, denn Hücker begibt sich mitten in den Corona-Hotspot: Das Mitglied des DRK Minden und andere Ehrenamtliche aus dem heimischen Kreisgebiet sind an den Wohnstätten der unter Quarantäne stehenden Tönnies-Mitarbeiter im Einsatz. Hücker nimmt hier Abstriche für die Corona-Tests, verteilt aber auch Lebensmittelpakete. „Am Anfang war das ein komisches Gefühl, weil man nicht wusste, was auf einen zukommt", sagt er. Aber die Einsatzkräfte seien gut auf solche Situationen vorbereitet. Und mittlerweile dürfte Hücker auch so etwas wie Routine haben, bereits sieben Mal war er schon vor Ort.

In der Großschlachterei in Rheda-Wiedenbrück wurde Mitte Juni bei mehr als 1.550 Mitarbeitern das Corona-Virus festgestellt. Im Kreis Gütersloh und zunächst auch in Warendorf verhängte die Landesregierung den Lockdown, ganze Häuser stehen unter Quarantäne (das MT berichtete). Helfer aus ganz Nordrhein-Westfalen leisten dort Unterstützung.

Seit dem 21. Juni sind auch heimische DRK-Mitglieder im Corona-Einsatz im Kreis Gütersloh: Die Bitte, Helfer zu entsenden, erreichte Daniel Waterreus, Rotkreuzleiter beim Kreisverband Minden, einen Tag zuvor. Dann begann für ihn der Telefonmarathon: Welcher Verein kann Helfer schicken und wann – denn die Freiwilligen machen dies entweder in ihrer Freizeit oder müssen dafür vom Arbeitgeber freigestellt werden. Und von denen hätten manche Angst, dass ihre Mitarbeiter das Virus mitbrächten, so Waterreus.

Zunächst ging es nur um Personal für die Abstriche. Dann kam noch die Lebensmittelverteilung dazu. Seit vergangener Woche Donnerstag macht sich dafür täglich eine Kolonne mit sechs DRK-Wagen und 17 Ehrenamtlichen aus dem gesamten Kreisgebiet auf den Weg. Gegen Mittag geht es los und erst gegen 22 Uhr zurück. Das kostet Kraft. „Es ist schon eine Herausforderung, die ehrenamtlichen Helfer jeden Tag zu motivieren", meint denn auch Daniel Waterreus. Nicht mehr so häufig müssen die Abstrich-Einheiten losfahren. Laut Auskunft des Kreises Minden-Lübbecke sind auf Anforderung der Bezirksregierung Detmold außerdem auch Helfer der Johanniter-Unfallhilfe Minden Ravensberg (Bad Oeynhausen) im Einsatz. Geplant ist der vorerst bis Sonntag.

Instruktionen und Schutzkleidung sollen die Arbeit für die Helfer möglichst sicher machen: Neben einem Overall tragen die Einsatzkräfte bei den Testungen zwei Paar Handschuhe übereinander sowie Masken und Schutzbrillen, berichtet Simon Hücker. Bevor sie zu den Unterkünften fahren, werden die Helfer für die Abstrichnahme geschult. Mit einer Liste der zu testenden Mitarbeiter und ihrer Angehörigen ziehen die Teams dann los. Sie bestehen meist aus vier Personen, zwei Rotkreuzler und zwei Bundeswehrsoldaten. Manchmal sei auch ein Dolmetscher dabei und jemand vom Ordnungsamt, berichtet Hücker. Dann geht es von Wohnung zu Wohnung.

Während die Helfer des DRK – alle haben mindestens eine Qualifikation als Sanitäter – die Abstriche nehmen, kümmern sich die Soldaten vor allem um die Dokumentation, erklärt der Rotkreuzleiter. Also um den Abgleich der Personalien der Bewohner mit der Namensliste. Bei Hückers Einsätzen reagierten die Getesteten bislang immer verständnisvoll. Über beengte Wohnverhältnisse könne er nichts berichten, andere Helfer hätten ihm davon aber durchaus erzählt. „Da leben dann fünf oder sechs Leute in kleinen Wohnungen."

Einkaufen ist für die unter Quarantäne stehenden Hausbewohner nicht möglich, deshalb werden sie von Ehrenamtlichen mit Lebensmitteln versorgt. Erst am Mittwoch war Carsten Gay, Rotkreuzleiter beim Ortsverein Petershagen Lahde, dafür im Einsatz. In einer großen Halle stellen die Helfer unter Leitung des Technischen Hilfswerks die Versorgungspakete zusammen, berichtet er. Reis, Nudeln, Wasser, Gemüse und Obst – die Belieferten könnten ihren Bedarf vorher melden. Nach dem Packen startet die Verteilung.

Für den Transport kommt das heimische DRK extra mit Sprintern und einem Lkw nach Gütersloh. Auf vorher ausgearbeiteten Routen werden dann die Unterkünfte der Tönnies-Mitarbeiter angesteuert, mal sind es Einfamilienhäuser, mal Wohnblocks.

Auch bei der Verteilung wird auf Sicherheit geachtet. „Wir tragen Schutzkleidung und halten mindestens zwei Meter Abstand", erklärt Carsten Gay. Die Pakete würden nur auf dem Boden abgestellt und nicht direkt übergeben. „Die Leute waren froh und dankbar, dass wir ihnen geholfen haben", schildert er seinen Eindruck. Und auch er wäre in einer ähnlichen Lage froh über Hilfe. Darum will er sich sobald wie möglich wieder für einen Einsatz melden.

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