Unglück an der Weser - Was wir bisher wissen und was nicht Nadine Schwan Minden (mt). Nach den beiden Unglücken am Freitagabend an der Weser in Minden sind noch viele Fragen offen. Am Samstag lief die Suche nach dem 18-jährigen Austauschschüler weiter. Er war am Freitagabend gegen 17.30 Uhr zum Schwimmen in die Weser gegangen und abgetrieben. Seitdem fehlt jede Spur von dem jungen Mann. Ein Überblick über das, was wir wissen und was nicht. Der vermissten Schwimmer: Bei dem vermissten jungen Mann handelt es sich um einen 18-jährigen Taiwanesen, der als Teilnehmer einer rund 60-köpfigen Reisegruppe in Minden zu Besuch war. Dabei handelt es sich bei der Gruppe um eine internationale Jugendgruppe des Rotary Jugenddienstes Rotex 1900 e.V., die beim Mindener Ruderverein über das Pfingstwochenende zu Gast ist. Die Zelte für die Exkursionen ins Umland haben sie an der Weser beim Ruderverein aufgeschlagen, heißt es auf der Website des Vereins. Rotex war bereits in den vergangenen Jahren mit den Jugendlichen in Minden. Laut Angaben des Mindener Rudervereins besteht die Gruppe aus 50 Jugendlichen und sieben Betreuern. Vorstandsmitglieder von Rotex sowie auch die Pressesprecherin von Rotary Deutschland, äußerten sich zunächst nicht zu dem Unglück und verwiesen auf die Informationen der Behörden. In einer späteren Anfrage gab es folgenden Antwort von Rotary Deutschland. "Rotary hat die Nachricht vom Badeunfall eines 18--jährigen Erwachsenen erreicht, der sich zu einem Abschlusswochenende seines Austauschjahres in Minden aufgehalten hat. Wir sind bestürzt, dass der junge Erwachsene vermisst wird und stehen im engen Austausch mit den Behörden vor Ort." Wieso war der junge Mann schwimmen? Diese Frage ist noch nicht beantwortet. Auch, ob mehrere Jugendliche im Wasser waren, ist noch unklar. Zunächst war die Rede davon, dass Alkohol getrunken wurde, das ist aber nicht der Fall, bestätigen verschiedenen Quellen. Die Angehörigen und Gruppenteilnehmer: Laut MT-Informationen hat Rotex 1900 die Veranstaltung abgebrochen und noch am Abend eine WhatsApp-Notfallgruppe gegründet, um alle Teilnehmer zu informieren. Sie wurden vor Ort von Notfallseelsorgern betreut. Laut Informationen der Polizei wurde die Familie des Taiwanesen informiert. Sie ist bereits auf dem Weg nach Deutschland. Die Suche: Am Samstag suchten Polizei und Feuerwehr neun Stunden mit einem Großaufgebot an Kräften an der Weser zwischen Minden und Petershagen nach dem vermissten jungen Mann. Auch Taucher der Feuerwehr Petershagen stiegen nochmal in die Weser, weil Spürhunde der Polizei zwischen Schiffmühle und KSG angeschlagen hatten. Doch die erneute Suche im Wasser blieb leider ohne Erfolg. An der Schlagde wurden am Vormittag die Notfallzentrale aufgebaut. Einsatzleiter ist Heino Nordmeyer, Leiter der Mindener Feuerwehr. Am Vormittag war ein Helikopter der Polizei aus Düsseldorf im Einsatz. Er flog die Weser ab, allerdings auch ohne Ergebnis. Der starke Wind hatte zudem die Sicht erschwert und das Wasser unruhig gemacht. Um 17 Uhr wurde die Suche dann abgebrochen. Am Freitagabend musste die Suche nach dem 18-Jährigen aufgrund des Gewitters eingestellt werden. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr mit Sturmschäden zu kämpfen. Sie ist im Glacis und auch an der B 239 in Lübbecke im Einsatz gewesen, dort war laut Radio Westfalica die Straße in Höhe der Brauerei Barre Bräu für längere Zeit gesperrt. In Minden fielen von einigen Dächern auch Ziegel herunter. Wie lange wird noch gesucht? Diese Frage kann die Polizei derzeit nicht beantworten. Je länger die Suche dauert, desto größer ist die Sorge, den jungen Mann nicht mehr zu finden. Kann der Junge noch lebend gefunden werden? Die Wahrscheinlichkeit, dass der junge Mann noch lebend im Wasser gefunden wird, ist sehr gering. Das Wasser hat derzeit eine Temperatur von geschätzen 15 Grad und auch die Strömung ist stark. Weil die Suche am Samstag nichts ergeben hat, ist davon auszugehen, dass der Körper des Jungen unter Wasser ist. Er kann im Randbereich liegen oder auch weiter in Richtung Petershagen getrieben sein. Der Mann, der von der Brücke stürzte: Über den 38-jährigen Mann, der sich gegen 18.30 Uhr von der Weserbrücke gestürzt haben soll, ist noch wenig bekannt. Zeugen sagten der Polizei, er sei absichtlich gesprungen, um sich das Leben zu nehmen. Er liegt im Mindener Klinikum und wird behandelt. Seine Verletzungen sollen nach MT-Informationen schwer, aber nicht lebensgefährlich sein. Der Zusammenhang: Ob beide Unglücke in Zusammenhang miteinander stehen, ist derzeit noch unbekannt. Aktuell geht die Polizei nicht davon aus. Ermittelt wird aber, inwieweit ein vorbeifahrendes Boot im Zusammenhang mit dem Abtreiben des Taiwanesen steht. Großeinsatz für die Rettungskräfte: Rund 200 Einsatzkräfte waren am Freitagabend an der Weser. Neben der Polizei und der Mindener Berufsfeuerwehr waren außerdem im Einsatz: Löschzug Stadtmitte, die Löschgruppen Hahlen, Stemmer, Rechtes Weserufer/Dankersen, Meißen, die Versorgungsgruppe, die Pressegruppe und das Team zur psychosozialen Unterstützung. Aus Petershagen waren die Tauchergruppe, die Löschgruppe Lahde, Frille und Ovenstädt angerückt. Außerdem waren der leitende Notarzt Kreis Minden-Lübbecke, der Rettungsdienst Porta Westfalica, Bad Oeynhausen und DRK Lahde vor Ort sowie die DLRG aus Löhne und die Tauchergruppe aus Lemgo. Auch am Samstag wurde die Suche mit vielen Kräften fortgesetzt. Wie gefährlich ist die Weser? Sowohl die Feuerwehrtaucher als auch das DLRG raten dringend davon ab, in der Weser schwimmen zu gehen. Die Weser gilt als einer der schnellsten Flüsse Deutschlands und hat eine starke Störmung. Außerdem bilden sich immer wieder Studel. Auch im niedirgen Uferbereich lauern Gefahren, dort liegen Steine, Glasscherben und der Boden ist sehr matschig, sodass man schnell stecken bleiben kann. Nur der abgegrenzte Bereich am Weserstrand sollte zum Baden genutzt werden. Aber auch er ist nicht komplett sicher, weil die Strömung keinen Halt vor der Abgrenzung macht. Die Gaffer: Der Großeinsatz am Freitagabend lockte etwa 90 Gaffer an die Weserbrücke. Sie beobachten nicht nur die Einsatzkräfte, sondern fotografierten und filmten auch die Rettungsarbeiten für den 38-jährigen Mann, der absichtlich von der Brücke gesprungen sein soll. Außerdem sollen die Schaulustigen auch den Verkehr behindert haben, so die Polizei. Abgesperrt wurde die Weser am Freitag aber nicht, weil sie zu viele Zugänge hat. Auch am Samstag schauten Bürger den Tauchern von der Fußgängerbrücke zu. Eltern mit Kindern standen dort, als nach dem Leichnam gesucht wurde. Wie ist die Stimmung an der Weser jetzt? Am Weserufer herrscht am Feiertagswochenende reges Treiben. Der Biergarten an der Schiffmühle ist gut besucht, Spaziergänger und Radfahrer genießen die Sonne. Am Weserstrand planschen Kinder im Wasser, freuen sich über die Wellen der vorbeifahrenden Motorboote. Nichts lässt darauf schließen, dass hier eine Tragödie stattgefunden hat. Lesen Sie auch 18-jähriger Taiwanese weiter vermisst - Suche in der Weser wird heute fortgesetzt Alle Berichte zum Thema

Unglück an der Weser - Was wir bisher wissen und was nicht

Großeinsatz an der Weser: Freitagabend suchte die Feuerwehr nicht nur nach einem vermissten Schwimmer, fast zeitgleich stürzte sich auch ein 38-jähriger Mann von der Weserbrücke. MT- © Foto: Nadine Schwan

Minden (mt). Nach den beiden Unglücken am Freitagabend an der Weser in Minden sind noch viele Fragen offen. Am Samstag lief die Suche nach dem 18-jährigen Austauschschüler weiter. Er war am Freitagabend gegen 17.30 Uhr zum Schwimmen in die Weser gegangen und abgetrieben. Seitdem fehlt jede Spur von dem jungen Mann. Ein Überblick über das, was wir wissen und was nicht.

Der vermissten Schwimmer: Bei dem vermissten jungen Mann handelt es sich um einen 18-jährigen Taiwanesen, der als Teilnehmer einer rund 60-köpfigen Reisegruppe in Minden zu Besuch war. Dabei handelt es sich bei der Gruppe um eine internationale Jugendgruppe des Rotary Jugenddienstes Rotex 1900 e.V., die beim Mindener Ruderverein über das Pfingstwochenende zu Gast ist. Die Zelte für die Exkursionen ins Umland haben sie an der Weser beim Ruderverein aufgeschlagen, heißt es auf der Website des Vereins. Rotex war bereits in den vergangenen Jahren mit den Jugendlichen in Minden. Laut Angaben des Mindener Rudervereins besteht die Gruppe aus 50 Jugendlichen und sieben Betreuern. Vorstandsmitglieder von Rotex sowie auch die Pressesprecherin von Rotary Deutschland, äußerten sich zunächst nicht zu dem Unglück und verwiesen auf die Informationen der Behörden. In einer späteren Anfrage gab es folgenden Antwort von Rotary Deutschland. "Rotary hat die Nachricht vom Badeunfall eines 18--jährigen Erwachsenen erreicht, der sich zu einem Abschlusswochenende seines Austauschjahres in Minden aufgehalten hat. Wir sind bestürzt, dass der junge Erwachsene vermisst wird und stehen im engen Austausch mit den Behörden vor Ort."

Wieso war der junge Mann schwimmen? Diese Frage ist noch nicht beantwortet. Auch, ob mehrere Jugendliche im Wasser waren, ist noch unklar. Zunächst war die Rede davon, dass Alkohol getrunken wurde, das ist aber nicht der Fall, bestätigen verschiedenen Quellen.

Die Angehörigen und Gruppenteilnehmer: Laut MT-Informationen hat Rotex 1900 die Veranstaltung abgebrochen und noch am Abend eine WhatsApp-Notfallgruppe gegründet, um alle Teilnehmer zu informieren. Sie wurden vor Ort von Notfallseelsorgern betreut. Laut Informationen der Polizei wurde die Familie des Taiwanesen informiert. Sie ist bereits auf dem Weg nach Deutschland.

Die Suche: Am Samstag suchten Polizei und Feuerwehr neun Stunden mit einem Großaufgebot an Kräften an der Weser zwischen Minden und Petershagen nach dem vermissten jungen Mann. Auch Taucher der Feuerwehr Petershagen stiegen nochmal in die Weser, weil Spürhunde der Polizei zwischen Schiffmühle und KSG angeschlagen hatten. Doch die erneute Suche im Wasser blieb leider ohne Erfolg. An der Schlagde wurden am Vormittag die Notfallzentrale aufgebaut. Einsatzleiter ist Heino Nordmeyer, Leiter der Mindener Feuerwehr. Am Vormittag war ein Helikopter der Polizei aus Düsseldorf im Einsatz. Er flog die Weser ab, allerdings auch ohne Ergebnis. Der starke Wind hatte zudem die Sicht erschwert und das Wasser unruhig gemacht. Um 17 Uhr wurde die Suche dann abgebrochen. Am Freitagabend musste die Suche nach dem 18-Jährigen aufgrund des Gewitters eingestellt werden. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr mit Sturmschäden zu kämpfen. Sie ist im Glacis und auch an der B 239 in Lübbecke im Einsatz gewesen, dort war laut Radio Westfalica die Straße in Höhe der Brauerei Barre Bräu für längere Zeit gesperrt. In Minden fielen von einigen Dächern auch Ziegel herunter.

Wie lange wird noch gesucht? Diese Frage kann die Polizei derzeit nicht beantworten. Je länger die Suche dauert, desto größer ist die Sorge, den jungen Mann nicht mehr zu finden.

Kann der Junge noch lebend gefunden werden? Die Wahrscheinlichkeit, dass der junge Mann noch lebend im Wasser gefunden wird, ist sehr gering. Das Wasser hat derzeit eine Temperatur von geschätzen 15 Grad und auch die Strömung ist stark. Weil die Suche am Samstag nichts ergeben hat, ist davon auszugehen, dass der Körper des Jungen unter Wasser ist. Er kann im Randbereich liegen oder auch weiter in Richtung Petershagen getrieben sein.

Der Mann, der von der Brücke stürzte: Über den 38-jährigen Mann, der sich gegen 18.30 Uhr von der Weserbrücke gestürzt haben soll, ist noch wenig bekannt. Zeugen sagten der Polizei, er sei absichtlich gesprungen, um sich das Leben zu nehmen. Er liegt im Mindener Klinikum und wird behandelt. Seine Verletzungen sollen nach MT-Informationen schwer, aber nicht lebensgefährlich sein.

Der Zusammenhang: Ob beide Unglücke in Zusammenhang miteinander stehen, ist derzeit noch unbekannt. Aktuell geht die Polizei nicht davon aus. Ermittelt wird aber, inwieweit ein vorbeifahrendes Boot im Zusammenhang mit dem Abtreiben des Taiwanesen steht.

Großeinsatz für die Rettungskräfte: Rund 200 Einsatzkräfte waren am Freitagabend an der Weser. Neben der Polizei und der Mindener Berufsfeuerwehr waren außerdem im Einsatz: Löschzug Stadtmitte, die Löschgruppen Hahlen, Stemmer, Rechtes Weserufer/Dankersen, Meißen, die Versorgungsgruppe, die Pressegruppe und das Team zur psychosozialen Unterstützung. Aus Petershagen waren die Tauchergruppe, die Löschgruppe Lahde, Frille und Ovenstädt angerückt. Außerdem waren der leitende Notarzt Kreis Minden-Lübbecke, der Rettungsdienst Porta Westfalica, Bad Oeynhausen und DRK Lahde vor Ort sowie die DLRG aus Löhne und die Tauchergruppe aus Lemgo. Auch am Samstag wurde die Suche mit vielen Kräften fortgesetzt.

Wie gefährlich ist die Weser? Sowohl die Feuerwehrtaucher als auch das DLRG raten dringend davon ab, in der Weser schwimmen zu gehen. Die Weser gilt als einer der schnellsten Flüsse Deutschlands und hat eine starke Störmung. Außerdem bilden sich immer wieder Studel. Auch im niedirgen Uferbereich lauern Gefahren, dort liegen Steine, Glasscherben und der Boden ist sehr matschig, sodass man schnell stecken bleiben kann. Nur der abgegrenzte Bereich am Weserstrand sollte zum Baden genutzt werden. Aber auch er ist nicht komplett sicher, weil die Strömung keinen Halt vor der Abgrenzung macht.

Die Gaffer: Der Großeinsatz am Freitagabend lockte etwa 90 Gaffer an die Weserbrücke. Sie beobachten nicht nur die Einsatzkräfte, sondern fotografierten und filmten auch die Rettungsarbeiten für den 38-jährigen Mann, der absichtlich von der Brücke gesprungen sein soll. Außerdem sollen die Schaulustigen auch den Verkehr behindert haben, so die Polizei. Abgesperrt wurde die Weser am Freitag aber nicht, weil sie zu viele Zugänge hat. Auch am Samstag schauten Bürger den Tauchern von der Fußgängerbrücke zu. Eltern mit Kindern standen dort, als nach dem Leichnam gesucht wurde.

Wie ist die Stimmung an der Weser jetzt? Am Weserufer herrscht am Feiertagswochenende reges Treiben. Der Biergarten an der Schiffmühle ist gut besucht, Spaziergänger und Radfahrer genießen die Sonne. Am Weserstrand planschen Kinder im Wasser, freuen sich über die Wellen der vorbeifahrenden Motorboote. Nichts lässt darauf schließen, dass hier eine Tragödie stattgefunden hat.

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