Unfallmagnet: Warum kracht es in der Birne in Minden weiterhin so häufig? Thomas Lieske Minden. 43 Unfälle in 15 Monaten zählt das Register der Mindener Polizei für den Bereich der Birne in Minden – für den Knotenpunkt von Bundesstraße 61 und 65, der nicht wenige Autofahrer wegen ihrer besonderen Beschaffenheit vor Herausforderungen stellt. Erst im Juli 2019 geriet das Verkehrskonstrukt in den Fokus, als sich an nur einem Wochenende fünf Unfälle auf nahezu gleicher Höhe ereigneten. Auch wegen der hohen Unfallzahlen spielt die Birne in den Verkehrsschauen der Behörden regelmäßig eine Rolle – zuletzt im Juli. Und auch die Landesstraßenbehörde will etwas tun. Unfallzahlen hoch, aber kein Schwerpunkt Im vergangenen Jahr galt der Kreuzungsbereich von B61 und B65 als Unfallhäufungsstelle – vor allem wegen einiger Rotlichtverstöße und daraus folgenden Unfällen. 43 Unfälle seit dem 1. August 2019 im Bereich der Birne, das sei zwar eine recht hohe Zahl. Als Unfallhäufungsstelle gilt die Birne nach den strengen Kriterien aber nicht mehr, erklärt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer: „Da die Unfälle aufgrund der räumlichen Unterschiede nicht die für Unfallhäufungsstellen relevanten Gemeinsamkeiten aufwiesen.“ Mindestens drei Unfälle gleichen Typs auf gleichem Streckenabschnitt wären dafür nötig. Trotzdem: Die Bilanz der Polizei ist kein Grund zur Freude. Bei drei Unfällen in der Birne gab es Leichtverletzte, bei fünf Unfällen registrierte die Polizei einen „schweren Sachschaden“. Einen Radunfall mit einem schwer verletzten Radfahrer zählt die Polizei zwar in den erweiterten Bereich der Birne. Er geschah laut Steinmeyer allerdings in der Unterführung. Auffällig in der Unfallbilanz: Mindestens 15-mal stießen Fahrzeuge im Bereich der Birne zusammen, weil Autofahrer Fehler beim Fahrstreifenwechsel machten oder das Reißverschlusssystem missachteten, erklärt der Polizeisprecher. Die Spurführung in der Birne – zum Teil liegen fünf Fahrspuren nebeneinander – gilt als Herausforderung. Immer wieder komme es auch zu sogenannten Fahrunfällen, berichtet Steinmeyer. Heißt: Es knallt, „wenn ein Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verliert, weil er die Geschwindigkeit nicht entsprechend dem Verlauf, dem Querschnitt, der Neigung oder dem Zustand der Straße gewählt hat“. Oder weil er oder sie zu spät erkennt, dass sich der Verlauf der Fahrspur ändert. Zahlreiche Versuche gestartet Weil die Birne schon immer gewisse Unfallrisiken barg, sind bereits zahlreiche Versuche gestartet worden, um den Verkehrsfluss zu entzerren und die Unfallgefahr zu reduzieren. Tempo 30: Die niedrige Geschwindigkeit soll vor allem bei nasser Fahrbahn dafür sorgen, dass Autofahrer nicht ins Schlingern geraten. Doch längst nicht alle halten sich an die Geschwindigkeit, weiß auch die Polizei. Sichtschutz:Wer von der Lübbecker Straße in die Birne einbiegen will, muss zwangsläufig an der Einfahrt anhalten. Ein grüner Sichtschutzzaun verhindert, dass Autofahrer einen kurzen, schnellen Blick erhaschen können, um dann noch schnell einzubiegen. Langsames Herantasten an die Einmündung ist hier gefragt. Sperrstreifen: Zwischen der Ausfahrt zum Weserauentunnel und der Einmündung aus Richtung Tunnel ist die zweite Fahrspur gesperrt worden. Hier würden sich zwangsläufig Abbiegende und Einbiegende in die Quere kommen. Schraffierte Leitplanke: Wer aus Richtung Tunnel in die Birne einbiegt und sich dabei in Richtung Ringstraße einordnet, fährt auf eine rot-weiß schraffierte Leitplanke zu. Sie soll Autofahrer auf die sich verändernde Verkehrsführung hinweisen und dazu animieren, zu bremsen. Ampelanlagen: Mehrfach hat die Unfallkommission bereits angeordnet, die Signalanlagen zu verändern. So ist zum Beispiel das rote Signal an der Ampel an der Ecke Portastraße/Ringstraße vergrößert worden, damit die Rotphase besser auffällt. Auch an der andere Ampel weiter hinten ist in diesem Jahr eingegriffen worden. Doch noch immer sehen Experten Möglichkeiten, weiter gegen die hohen Unfallzahlen vorzugehen. Straßen NRW will nächstes Jahr eingreifen Nicht selten knallt es in der Birne, wenn die Straßen nass sind. Sven Johanning, Sprecher der Landesbehörde Straßen NRW, weiß um das Problem. Er verweist auf entsprechende Verkehrsschilder, die vor rutschiger Fahrbahn warnen und die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 30 begrenzen. Dennoch: „Im kommenden Jahr plant Straßen NRW, die Fahrbahndecke in der Birne zu sanieren.“ Damit sollen die Fahrspuren wieder mehr Grip bekommen. Der alte Belag sei abgefahren. Die Maßnahme war zunächst für dieses Jahr geplant, wurde aber verschoben. Maßnahmen an anderer Stelle bringen nicht immer den gewünschten Erfolg. So wird die rot-weiß schraffierte Leitplanke an der Einmündung aus Richtung Weserauentunnel regelmäßig umgefahren. Ob die Unfallzahlen nach der Sanierung zurückgehen, wird die Unfallkommission beobachten. Unfallkommission macht regelmäßig Vorschläge Federführend bei der Unfallkommission für diesen Streckenabschnitt ist die Stadt Minden. Wie Stadtsprecherin Katharina Heß auf Nachfrage erklärt, habe das Expertengremium auch in diesem Jahr wieder eingegriffen, und zwar im Juli. Nach einer Besichtigung der im Jahr 2019 als Unfallhäufungsstelle identifizierten Birne seien die Vertreter von Stadt, Straßen NRW, Kreis und Polizei zu dem Entschluss gekommen, die Kontrastblenden der Ampelanlage an der Kreuzung Ringstraße/Lübbecker Straße abzubauen. „Grund dafür waren Rotlichtverstöße einiger Verkehrsteilnehmern, die auf der Portastraße in Richtung Birne fuhren“, sagt Heß. „Es gibt dort zwei Signalanlagen in kurzem Abstand. Die hintere erhält etwas eher grün, damit die Fahrzeuge, die dort warten, schon abfließen können, bevor weitere hinzukommen. Womöglich achten einige auf der Portastraße mehr auf das hintere Signal als auf das vordere.“ Ohne Kontrastblenden, so hoffen die Experten, soll Autofahrern die Grünphase der hinteren Ampel weniger auffallen. Hilft ein Ausbau der B65n? Die Birne bleibt ein Knotenpunkt, in dem der Verkehr von zwei Bundesstraßen und anderer Hauptverkehrsstraßen zusammentrifft. Deshalb hoffen Verkehrsexperten auf den Ausbau der Bundesstraße 65, die derzeit aus Richtung Bückeburg in der Nähe des Klinikums endet. Als durchgehende Umgehung könnte sie zumindest den Verkehr der B65/Lübbecker Straße abfangen. Ein schneller Ausbau ist aber nicht in Sicht.

Unfallmagnet: Warum kracht es in der Birne in Minden weiterhin so häufig?

Hier treffen die Bundesstraßen 61 und 65 aufeinander. Vor allem im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr kommt es in der Birne in Minden immer wieder zu Unfällen. 43 zählte die Polizei allein von August 2019 bis Anfang November. MT-Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. 43 Unfälle in 15 Monaten zählt das Register der Mindener Polizei für den Bereich der Birne in Minden – für den Knotenpunkt von Bundesstraße 61 und 65, der nicht wenige Autofahrer wegen ihrer besonderen Beschaffenheit vor Herausforderungen stellt. Erst im Juli 2019 geriet das Verkehrskonstrukt in den Fokus, als sich an nur einem Wochenende fünf Unfälle auf nahezu gleicher Höhe ereigneten. Auch wegen der hohen Unfallzahlen spielt die Birne in den Verkehrsschauen der Behörden regelmäßig eine Rolle – zuletzt im Juli. Und auch die Landesstraßenbehörde will etwas tun.

Unfallzahlen hoch, aber kein Schwerpunkt

Im vergangenen Jahr galt der Kreuzungsbereich von B61 und B65 als Unfallhäufungsstelle – vor allem wegen einiger Rotlichtverstöße und daraus folgenden Unfällen. 43 Unfälle seit dem 1. August 2019 im Bereich der Birne, das sei zwar eine recht hohe Zahl. Als Unfallhäufungsstelle gilt die Birne nach den strengen Kriterien aber nicht mehr, erklärt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer: „Da die Unfälle aufgrund der räumlichen Unterschiede nicht die für Unfallhäufungsstellen relevanten Gemeinsamkeiten aufwiesen.“ Mindestens drei Unfälle gleichen Typs auf gleichem Streckenabschnitt wären dafür nötig. Trotzdem: Die Bilanz der Polizei ist kein Grund zur Freude. Bei drei Unfällen in der Birne gab es Leichtverletzte, bei fünf Unfällen registrierte die Polizei einen „schweren Sachschaden“. Einen Radunfall mit einem schwer verletzten Radfahrer zählt die Polizei zwar in den erweiterten Bereich der Birne. Er geschah laut Steinmeyer allerdings in der Unterführung.

Mehrfach warnen Schilder vor rutschiger Fahrbahn. 

MT-Fotos (2): Thomas Lieske - © Thomas Lieske
Mehrfach warnen Schilder vor rutschiger Fahrbahn.
MT-Fotos (2): Thomas Lieske - © Thomas Lieske

Auffällig in der Unfallbilanz: Mindestens 15-mal stießen Fahrzeuge im Bereich der Birne zusammen, weil Autofahrer Fehler beim Fahrstreifenwechsel machten oder das Reißverschlusssystem missachteten, erklärt der Polizeisprecher. Die Spurführung in der Birne – zum Teil liegen fünf Fahrspuren nebeneinander – gilt als Herausforderung. Immer wieder komme es auch zu sogenannten Fahrunfällen, berichtet Steinmeyer. Heißt: Es knallt, „wenn ein Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verliert, weil er die Geschwindigkeit nicht entsprechend dem Verlauf, dem Querschnitt, der Neigung oder dem Zustand der Straße gewählt hat“. Oder weil er oder sie zu spät erkennt, dass sich der Verlauf der Fahrspur ändert.

Zahlreiche Versuche gestartet

Weil die Birne schon immer gewisse Unfallrisiken barg, sind bereits zahlreiche Versuche gestartet worden, um den Verkehrsfluss zu entzerren und die Unfallgefahr zu reduzieren.

Tempo 30: Die niedrige Geschwindigkeit soll vor allem bei nasser Fahrbahn dafür sorgen, dass Autofahrer nicht ins Schlingern geraten. Doch längst nicht alle halten sich an die Geschwindigkeit, weiß auch die Polizei.

Sichtschutz:Wer von der Lübbecker Straße in die Birne einbiegen will, muss zwangsläufig an der Einfahrt anhalten. Ein grüner Sichtschutzzaun verhindert, dass Autofahrer einen kurzen, schnellen Blick erhaschen können, um dann noch schnell einzubiegen. Langsames Herantasten an die Einmündung ist hier gefragt.

Sperrstreifen: Zwischen der Ausfahrt zum Weserauentunnel und der Einmündung aus Richtung Tunnel ist die zweite Fahrspur gesperrt worden. Hier würden sich zwangsläufig Abbiegende und Einbiegende in die Quere kommen.

Schraffierte Leitplanke: Wer aus Richtung Tunnel in die Birne einbiegt und sich dabei in Richtung Ringstraße einordnet, fährt auf eine rot-weiß schraffierte Leitplanke zu. Sie soll Autofahrer auf die sich verändernde Verkehrsführung hinweisen und dazu animieren, zu bremsen.

Ampelanlagen: Mehrfach hat die Unfallkommission bereits angeordnet, die Signalanlagen zu verändern. So ist zum Beispiel das rote Signal an der Ampel an der Ecke Portastraße/Ringstraße vergrößert worden, damit die Rotphase besser auffällt. Auch an der andere Ampel weiter hinten ist in diesem Jahr eingegriffen worden. Doch noch immer sehen Experten Möglichkeiten, weiter gegen die hohen Unfallzahlen vorzugehen.

Straßen NRW will nächstes Jahr eingreifen

Nicht selten knallt es in der Birne, wenn die Straßen nass sind. Sven Johanning, Sprecher der Landesbehörde Straßen NRW, weiß um das Problem. Er verweist auf entsprechende Verkehrsschilder, die vor rutschiger Fahrbahn warnen und die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 30 begrenzen. Dennoch: „Im kommenden Jahr plant Straßen NRW, die Fahrbahndecke in der Birne zu sanieren.“ Damit sollen die Fahrspuren wieder mehr Grip bekommen. Der alte Belag sei abgefahren. Die Maßnahme war zunächst für dieses Jahr geplant, wurde aber verschoben. Maßnahmen an anderer Stelle bringen nicht immer den gewünschten Erfolg. So wird die rot-weiß schraffierte Leitplanke an der Einmündung aus Richtung Weserauentunnel regelmäßig umgefahren. Ob die Unfallzahlen nach der Sanierung zurückgehen, wird die Unfallkommission beobachten.

Unfallkommission macht regelmäßig Vorschläge

Federführend bei der Unfallkommission für diesen Streckenabschnitt ist die Stadt Minden. Wie Stadtsprecherin Katharina Heß auf Nachfrage erklärt, habe das Expertengremium auch in diesem Jahr wieder eingegriffen, und zwar im Juli. Nach einer Besichtigung der im Jahr 2019 als Unfallhäufungsstelle identifizierten Birne seien die Vertreter von Stadt, Straßen NRW, Kreis und Polizei zu dem Entschluss gekommen, die Kontrastblenden der Ampelanlage an der Kreuzung Ringstraße/Lübbecker Straße abzubauen. „Grund dafür waren Rotlichtverstöße einiger Verkehrsteilnehmern, die auf der Portastraße in Richtung Birne fuhren“, sagt Heß. „Es gibt dort zwei Signalanlagen in kurzem Abstand. Die hintere erhält etwas eher grün, damit die Fahrzeuge, die dort warten, schon abfließen können, bevor weitere hinzukommen. Womöglich achten einige auf der Portastraße mehr auf das hintere Signal als auf das vordere.“ Ohne Kontrastblenden, so hoffen die Experten, soll Autofahrern die Grünphase der hinteren Ampel weniger auffallen.

Hilft ein Ausbau der B65n?

Die Birne bleibt ein Knotenpunkt, in dem der Verkehr von zwei Bundesstraßen und anderer Hauptverkehrsstraßen zusammentrifft. Deshalb hoffen Verkehrsexperten auf den Ausbau der Bundesstraße 65, die derzeit aus Richtung Bückeburg in der Nähe des Klinikums endet. Als durchgehende Umgehung könnte sie zumindest den Verkehr der B65/Lübbecker Straße abfangen. Ein schneller Ausbau ist aber nicht in Sicht.

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