Umweltkriminelle kippen in der Region massenweise Altreifen ab Stefan Koch Minden/Stadthagen (mt). Fast täglich tauchen illegal entsorgte Altreifen in der Region auf. Die Täter nutzen offenbar die Nacht und fahren in abgelegene Waldstücke – noch niemand hat sie dabei gesehen. Meist ist die Zahl der Lieferung mit weit mehr als 100 Stück außergewöhnlich hoch. Den Schaden hat der Grundeigentümer, auf dessen Fläche die unerwünschte Fracht liegt. Er muss nämlich sehen, wie er alles wieder los wird. Sind öffentliche Flächen betroffen, dann ist der Steuerzahler dran. So wie auch im Fall von rund 120 Reifen, die die Städtischen Betriebe Minden (SBM) in der vergangenen Woche an der Rintelner Straße Richtung Kleinenbremen vorfanden. „Zuletzt hatte es vor einigen Jahren illegale Reifenentsorgungen in Hahlen in dieser Größenordnung gegeben", sagt Jens Fricke von der Abfallwirtschaft der SBM. Aktuell haben sich die Kriminellen den Schaumburger Wald ausgesucht. Auch die Polizei ist in Sorge: „Auffällig ist nicht nur der kurze Zeitraum, sondern auch der Umstand, dass sich die Fälle ähneln", sagt Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke. „So wurden wiederholt Reifen in einer Größenordnung von 80 bis zu 120 Stück in abgelegenen und wenig von Menschen frequentierten Bereichen von den Unbekannten abgelagert." Die Menge der in die Natur geworfenen Reifen könne auf einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten hindeuten. Objektive Belege dafür lägen den Ermittlern aktuell aber nicht vor. „Ob möglicherweise fliegende Altreifenhändler, welche die Reifen bei unseren heimischen Kfz-Werkstätten oder Händlern aufkaufen, dafür verantwortlich sind, ist momentan noch in den Bereich der Spekulation einzuordnen." Der Kreispolizeibehörde sind seit Anfang Juli bis heute kreisweit elf derartige illegale Müllentsorgungen gemeldet worden. Betroffen waren davon die Städte und Gemeinden in Porta Westfalica (3), Petershagen (3), Minden (2), Hille (1) und Stemwede (2). „Wir gehen aber davon aus, dass die Auflistung nicht abschließend ist, da uns vermutlich nicht alle derartigen Funde angezeigt wurden", meint Steinmeyer. Das Phänomen der Reifenentsorgung sei grundsätzlich nicht neu, eine derartige Häufung habe die Polizei in der Vergangenheit aber noch nicht verzeichnet. „Klar dürfte sein, dass die Kriminellen die Reifen sicherlich mit einem Transporter oder anderem Fahrzeug samt einem Anhänger zu den abseits gelegenen Orten gebracht haben", sagt Steinmeyer. „Um an die Täter zu gelangen, sind unsere Beamten auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen." Wer derartige Fahrzeuge oder Gespanne an solchen Orten bemerke, sollte sich ein Kennzeichen merken und die Polizei umgehend informieren. „Dazu kann als schnellste Verbindung der Notruf 110 gewählt werden." Auf der Wacht ist auch die Bückeburger Polizei, nachdem sich in den letzten Tagen eine beispiellose Serie an Altreifenentsorgung mit bis zu 130 Stück pro Haufen ereignete. Eine Fläche zwischen Meinsen und Cammer hatten die Täter ebenso ins Visier genommen wie einen Weg im Schaumburger Wald. Sie kippten in Berenbusch, Heeßen und an anderen Orten ihre Ladung ab. Zeugenhinweise führten dann zu einer Fahrerin eines Fahrzeuggespanns, die allerdings mit den Straftaten nichts zu tun hatte. „Es ist bekannt, dass reisende Entsorger Werkstätten, Reifenhändler oder andere Gewerbetreibende aufsuchen, um kostengünstig angefallene Altreifen zu entsorgen", teilt Matthias Auer, Pressesprecher der Bückeburger Polizei mit. Viele seien seriös und ließen die Reifen fachgerecht verwerten. Zu den unseriösen Vertretern der Branche, benötige die Polizei aber Hinweise, die auch aus dem Mindener Raum kommen können. Die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke steht mit den niedersächsischen Nachbarn im Austausch, um die Umweltfrevler zu schnappen. Außerdem informierten die Beamten die von illegaler Ablagerung betroffenen Kommunen zeitnah, damit der Müll verschwindet und nicht noch mehr Umweltsünder dazu verleitet, sich ihres Abfalls in gleicher Weise zu entledigen. Steinmeyer: „Illegale Altreifenentsorgung ist kein Kavaliersdelikt. Dies stellt einen Verstoß gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz dar. Die Höhe der Bußgelder ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich."

Umweltkriminelle kippen in der Region massenweise Altreifen ab

Eine Altreifenhalde im Schaumburger Wald: Ein solcher Anblick kann sich jetzt Spaziergängern häufiger bieten, weil Kriminelle im großen Stil die Region als Müllkippe missbrauchen. © Foto: Polizei Bückeburg

Minden/Stadthagen (mt). Fast täglich tauchen illegal entsorgte Altreifen in der Region auf. Die Täter nutzen offenbar die Nacht und fahren in abgelegene Waldstücke – noch niemand hat sie dabei gesehen. Meist ist die Zahl der Lieferung mit weit mehr als 100 Stück außergewöhnlich hoch. Den Schaden hat der Grundeigentümer, auf dessen Fläche die unerwünschte Fracht liegt. Er muss nämlich sehen, wie er alles wieder los wird. Sind öffentliche Flächen betroffen, dann ist der Steuerzahler dran.

So wie auch im Fall von rund 120 Reifen, die die Städtischen Betriebe Minden (SBM) in der vergangenen Woche an der Rintelner Straße Richtung Kleinenbremen vorfanden. „Zuletzt hatte es vor einigen Jahren illegale Reifenentsorgungen in Hahlen in dieser Größenordnung gegeben", sagt Jens Fricke von der Abfallwirtschaft der SBM. Aktuell haben sich die Kriminellen den Schaumburger Wald ausgesucht.

Auch die Polizei ist in Sorge: „Auffällig ist nicht nur der kurze Zeitraum, sondern auch der Umstand, dass sich die Fälle ähneln", sagt Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke. „So wurden wiederholt Reifen in einer Größenordnung von 80 bis zu 120 Stück in abgelegenen und wenig von Menschen frequentierten Bereichen von den Unbekannten abgelagert." Die Menge der in die Natur geworfenen Reifen könne auf einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten hindeuten. Objektive Belege dafür lägen den Ermittlern aktuell aber nicht vor. „Ob möglicherweise fliegende Altreifenhändler, welche die Reifen bei unseren heimischen Kfz-Werkstätten oder Händlern aufkaufen, dafür verantwortlich sind, ist momentan noch in den Bereich der Spekulation einzuordnen."

Der Kreispolizeibehörde sind seit Anfang Juli bis heute kreisweit elf derartige illegale Müllentsorgungen gemeldet worden. Betroffen waren davon die Städte und Gemeinden in Porta Westfalica (3), Petershagen (3), Minden (2), Hille (1) und Stemwede (2). „Wir gehen aber davon aus, dass die Auflistung nicht abschließend ist, da uns vermutlich nicht alle derartigen Funde angezeigt wurden", meint Steinmeyer. Das Phänomen der Reifenentsorgung sei grundsätzlich nicht neu, eine derartige Häufung habe die Polizei in der Vergangenheit aber noch nicht verzeichnet.

„Klar dürfte sein, dass die Kriminellen die Reifen sicherlich mit einem Transporter oder anderem Fahrzeug samt einem Anhänger zu den abseits gelegenen Orten gebracht haben", sagt Steinmeyer. „Um an die Täter zu gelangen, sind unsere Beamten auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen." Wer derartige Fahrzeuge oder Gespanne an solchen Orten bemerke, sollte sich ein Kennzeichen merken und die Polizei umgehend informieren. „Dazu kann als schnellste Verbindung der Notruf 110 gewählt werden."

Auf der Wacht ist auch die Bückeburger Polizei, nachdem sich in den letzten Tagen eine beispiellose Serie an Altreifenentsorgung mit bis zu 130 Stück pro Haufen ereignete. Eine Fläche zwischen Meinsen und Cammer hatten die Täter ebenso ins Visier genommen wie einen Weg im Schaumburger Wald. Sie kippten in Berenbusch, Heeßen und an anderen Orten ihre Ladung ab. Zeugenhinweise führten dann zu einer Fahrerin eines Fahrzeuggespanns, die allerdings mit den Straftaten nichts zu tun hatte.

„Es ist bekannt, dass reisende Entsorger Werkstätten, Reifenhändler oder andere Gewerbetreibende aufsuchen, um kostengünstig angefallene Altreifen zu entsorgen", teilt Matthias Auer, Pressesprecher der Bückeburger Polizei mit. Viele seien seriös und ließen die Reifen fachgerecht verwerten. Zu den unseriösen Vertretern der Branche, benötige die Polizei aber Hinweise, die auch aus dem Mindener Raum kommen können.

Die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke steht mit den niedersächsischen Nachbarn im Austausch, um die Umweltfrevler zu schnappen. Außerdem informierten die Beamten die von illegaler Ablagerung betroffenen Kommunen zeitnah, damit der Müll verschwindet und nicht noch mehr Umweltsünder dazu verleitet, sich ihres Abfalls in gleicher Weise zu entledigen. Steinmeyer: „Illegale Altreifenentsorgung ist kein Kavaliersdelikt. Dies stellt einen Verstoß gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz dar. Die Höhe der Bußgelder ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich."

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