Umweltaktivist Paul Schilling kritisiert Aktionäre von Hannover Rück Julika Bergermann Minden (mt). Erst einen Tag vorher läutet das Telefon. Am Apparat: Luisa Neubauer, das Gesicht der deutschen Fridays for Future (FFF). Ob er noch Interesse daran habe, im Namen der Bewegung auf der Hauptversammlung des Rückversicherers Hannover Rück zu sprechen? Klar, antwortet der 16-jährige Mindener Paul Schilling. Dann schreibt er seine Rede für den nächsten Tag. Ein Schüler, der zu Aktionären spricht – ein ungewöhnliches Bild. Zustande kam die Aktion durch die Nichtregierungsorganisation „Urgewald“. Man sei schon vor einiger Zeit von Vertretern der FFF-Bewegung kontaktiert und um Unterstützung gebeten worden, teilt Pressesprecher Moritz Schröder-Therre mit. Urgewald setze sich schon seit Jahren mit Klimaschutz und Kohle-Geschäften zahlreicher Börsenkonzerne auseinander. „Wir treten jedes Jahr auf den Hauptversammlungen solcher Unternehmen auf, um die Aktionäre zu informieren und Fragen zu den Projekten sowie Forderungen an den Konzernvorstand zu stellen“, erklärt Schröder-Therre. Dafür bitte man die Aktionäre verschiedener Konzerne jedes Jahr aufs Neue, Urgewald ihre Stimmrechte zu übertragen. „Denn die sind sozusagen die Eintrittskarte zur Hauptversammlung, samt Rederecht,“ so Schröder-Therre. Auf diese Weise sei es Urgewald und auch dem Dachverband Kritischer Aktionäre in diesem Jahr möglich gewesen, ihre Stimmrechte an FFF-Aktivisten wie Paul Schilling weiterzugeben. „Ich habe mich freiwillig gemeldet, als ich davon gehört habe“, erzählt Paul später. Zwar blieb ihm für die Vorbereitung nicht viel Zeit, allerdings unterstützte ihn Urgewald auch noch spontan bei seinen Recherchen. Tags darauf ging es nach Hannover. „Um die 500, 600 Leute müssen das gewesen sein“, erinnert sich Schilling. „Sehr nervös war ich zum Glück nicht, denn ich habe vorher schon Reden gehalten. Allerdings war das schon das Größte, was ich bisher gemacht habe.“ In seiner Rede habe er Hannover Rück offen kritisiert, da sich das Unternehmen umweltbewusster präsentiere, als es letztlich handele. „Der Geschäftsvorstand selbst hat meinen Beitrag eher ausgesessen“, erzählt der Schüler des Ratsgymnasiums. „Einzelne Aktionäre haben aber sehr respektvoll und beeindruckt reagiert.“ Auch Moritz Schröder-Therre hat Schillings Rede begeistert: „Sie war aufrüttelnd und pointiert. Und wir von Urgewald sind sehr froh, dass er die Forderungen von FFF hörbar gemacht hat.“ Der Schüler selbst zeigt sich nach seinem Auftritt auf der Aktionärsversammlung vorsichtig optimistisch. Natürlich wisse man nicht, was die Rede ausrichten könne. Er hoffe jedoch, dass er den einen oder anderen mit seinen Worten erreichen konnte. „Diese Erfahrung hat mich definitiv bestärkt und mir noch einmal die Dringlichkeit unseres Anliegens verdeutlicht“, erzählt er. „Ich möchte auf jeden Fall etwas verändern. Denn bei der Veranstaltung wurde mir umso mehr bewusst: Wenn wir als Gesellschaft uns nicht ändern, dann werden wir die Welt nicht retten können.“

Umweltaktivist Paul Schilling kritisiert Aktionäre von Hannover Rück

Minden (mt). Erst einen Tag vorher läutet das Telefon. Am Apparat: Luisa Neubauer, das Gesicht der deutschen Fridays for Future (FFF). Ob er noch Interesse daran habe, im Namen der Bewegung auf der Hauptversammlung des Rückversicherers Hannover Rück zu sprechen? Klar, antwortet der 16-jährige Mindener Paul Schilling. Dann schreibt er seine Rede für den nächsten Tag.

Paul Schilling (16) ist Mitorganisator der Mindener Fridays for Future – und sagt auch schon mal Konzernen und Aktionären die Meinung. - © Foto: Julika Bergermann
Paul Schilling (16) ist Mitorganisator der Mindener Fridays for Future – und sagt auch schon mal Konzernen und Aktionären die Meinung. - © Foto: Julika Bergermann

Ein Schüler, der zu Aktionären spricht – ein ungewöhnliches Bild. Zustande kam die Aktion durch die Nichtregierungsorganisation „Urgewald“. Man sei schon vor einiger Zeit von Vertretern der FFF-Bewegung kontaktiert und um Unterstützung gebeten worden, teilt Pressesprecher Moritz Schröder-Therre mit. Urgewald setze sich schon seit Jahren mit Klimaschutz und Kohle-Geschäften zahlreicher Börsenkonzerne auseinander.

„Wir treten jedes Jahr auf den Hauptversammlungen solcher Unternehmen auf, um die Aktionäre zu informieren und Fragen zu den Projekten sowie Forderungen an den Konzernvorstand zu stellen“, erklärt Schröder-Therre. Dafür bitte man die Aktionäre verschiedener Konzerne jedes Jahr aufs Neue, Urgewald ihre Stimmrechte zu übertragen. „Denn die sind sozusagen die Eintrittskarte zur Hauptversammlung, samt Rederecht,“ so Schröder-Therre.

Auf diese Weise sei es Urgewald und auch dem Dachverband Kritischer Aktionäre in diesem Jahr möglich gewesen, ihre Stimmrechte an FFF-Aktivisten wie Paul Schilling weiterzugeben. „Ich habe mich freiwillig gemeldet, als ich davon gehört habe“, erzählt Paul später. Zwar blieb ihm für die Vorbereitung nicht viel Zeit, allerdings unterstützte ihn Urgewald auch noch spontan bei seinen Recherchen. Tags darauf ging es nach Hannover. „Um die 500, 600 Leute müssen das gewesen sein“, erinnert sich Schilling. „Sehr nervös war ich zum Glück nicht, denn ich habe vorher schon Reden gehalten. Allerdings war das schon das Größte, was ich bisher gemacht habe.“

In seiner Rede habe er Hannover Rück offen kritisiert, da sich das Unternehmen umweltbewusster präsentiere, als es letztlich handele. „Der Geschäftsvorstand selbst hat meinen Beitrag eher ausgesessen“, erzählt der Schüler des Ratsgymnasiums. „Einzelne Aktionäre haben aber sehr respektvoll und beeindruckt reagiert.“ Auch Moritz Schröder-Therre hat Schillings Rede begeistert: „Sie war aufrüttelnd und pointiert. Und wir von Urgewald sind sehr froh, dass er die Forderungen von FFF hörbar gemacht hat.“

Der Schüler selbst zeigt sich nach seinem Auftritt auf der Aktionärsversammlung vorsichtig optimistisch. Natürlich wisse man nicht, was die Rede ausrichten könne. Er hoffe jedoch, dass er den einen oder anderen mit seinen Worten erreichen konnte.

„Diese Erfahrung hat mich definitiv bestärkt und mir noch einmal die Dringlichkeit unseres Anliegens verdeutlicht“, erzählt er. „Ich möchte auf jeden Fall etwas verändern. Denn bei der Veranstaltung wurde mir umso mehr bewusst: Wenn wir als Gesellschaft uns nicht ändern, dann werden wir die Welt nicht retten können.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Weiterlesen in Minden
Wählen Sie ein Thema